Stolpersteine Trautenaustraße 16

Hauseingang Trautenaustr. 16

Hauseingang Trautenaustr. 16

Vor diesem Haus wurden 14 von Anwohnern und Nachbarn gespendete Stolpersteine am 29.4.2012 verlegt.

Der Stolperstein für Dora Wilamowska wurde von Jost Liebrecht, Susanna Poldauf und Andreas Rocholl gespendet und in Anwesenheit der Großnichte Rilli Wilamowsky (Tel Aviv/Israel) am 21.3.2014 verlegt.

Stolperstein Louis Adler

Stolperstein Louis Adler

HIER WOHNTE
LOUIS ADLER
JG. 1869
DEPORTIERT 16.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 9.8.1942

Louis Ludwig Adler wurde am 20. Februar 1869 in Brieg (Brzeg, Polen) in Schlesien geboren. Für seine Eltern, den praktischen Arzt Sigismund Adler (*1832) und dessen Ehefrau Anna Adler geborene Ehrlich (*1845), war er der dritte von insgesamt sechs Söhnen. Sein ältester Bruder Arthur (*1865) war vier und Eugen (*1866) drei Jahre älter als er. Es folgten seine jüngeren Brüder Ernst (*1872), Wilhelm (1874) und Franz Albert (*1880).

Louis besuchte ein Gymnasium und studierte anschließend an der Technischen Hochschule in Charlottenburg Maschinenbau und verließ die Hochschule als Ingenieur. Auch sein älterer Bruder Arthur und sein fünf Jahre jüngerer Bruder Wilhelm zogen nach Berlin und studierten Medizin an der Universität Berlin. Wilhelm wurde Zahnarzt und heiratete 1920 Elise Ella Fabian (*1889).

Wann und wo Louis seine spätere Ehefrau, die aus Velten, Landkreis Oberhavel stammende Elsa Emilie Marie Philipp (*10. August 1886), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 17. Dezember 1921. Louis war schon 52 und Elsa 35 Jahre alt. Gemeinsam wohnten sie in der Eosanderstraße 32 in Berlin-Charlottenburg. Bei seiner Heirat war Louis Reichskommissar.

Das Eheleben war nur von kurzer Dauer, denn schon vier Jahre später starb Elsa am 23. August 1925 mit 39 Jahren im Krankenhaus Bethanien. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Louis wurde mit 56 Jahren Witwer.

Drei Jahre später starb mit 83 Jahren seine Mutter, die Witwe Anna Adler geborene Ehrlich, in Berlin. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee bestattet. Sein ältester Bruder Dr. med. Arthur Adler starb 1930.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Louis 64 Jahre alt. Durch das am 7. April 1933 erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wird er seine Arbeit als Reichskommissar verloren haben. Bis zum 31. März 1938 arbeitete er für ein monatliches Gehalt von 300 RM als Angestellter beziehungsweise technischer Kaufmann in der Berliner Geschäftsstelle der „Stern“ Eisen- und Metall-Aktiengesellschaft.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Louis Adler in der Trautenaustraße 16 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Das Berliner Adressbuch führte ihn dort jedoch nicht, deshalb ist anzunehmen, dass er zur Untermiete wohnte.

Am 1. September 1940 zog er nach Berlin-Charlottenburg in die vierte Etage der Mommsenstraße 55 zur Untermiete bei Klara Brück. Er mietete dort für 49 RM ein Leerzimmer. Sein Bruder Ernst starb 1940 in Schöneiche.

Seinen Brüdern Dr. med. Eugen Adler, Dr. med. Wilhelm Adler und Franz Albert Adler gelang noch 1939 vor Beginn des Zweiten Weltkrieges die Flucht nach Großbritannien.

Anfang Juli 1942 bekam Louis den Deportationsbefehl. In der Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26 wurde er aufgefordert, seine Vermögenserklärung auszufüllen, die er am 8. Juli 1942 unterschrieb. Sein Restvermögen belief sich auf 62 RM.

Am 16. Juli 1942 wurde er mit 73 Jahren nach Theresienstadt deportiert. Nur drei Wochen später starb er, laut Todesfallanzeige an Herzasthma, am 9. August 1942.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 373 Louis Adler

Stolperstein Erna Heilbronner

Stolperstein Erna Heilbronner

HIER WOHNTE
ERNA HEILBRONNER
GEB. BAUCHWITZ
JG. 1882
DEPORTIERT 26.10.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Erna Heilbronner wurde als Erna Bauchwitz am 22. Januar 1882 in Eisleben in Sachsen-Anhalt geboren. Für ihre Eltern, den aus Rhino im West-Havelland stammenden Kaufmann Louis Bauchwitz (*4. Juli 1842) und dessen Ehefrau, die aus Artern in der Nähe von Naumburg in Thüringen stammende Franziska Bauchwitz geborene Friedländer (*1853), war Erna das vierte von insgesamt neun Kindern.

Bianka (*22. Mai 1876) war sechs Jahre, Luise (*5. Juli 1877), genannt Lucie, fünf Jahre und Kathi (*7. Juni 1880) zwei Jahre älter als sie. Paula (*4. November 1883) war ein Jahr und Alice (*30. September 1885) drei Jahre jünger. Am 16. Dezember 1986 wurden die Zwillinge Martha und Helene geboren, die aber nur wenige Tage überlebten. Nach acht Mädchen wurde am 12. November 1888 der Stammhalter Fritz geboren. Bis ca. 1884 lebte die Familie in Eisleben, danach zogen sie nach Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Ihr Vater betrieb einen Salzgroßhandel.

Bianka heiratete mit 19 Jahren am 13. April 1896 den aus Schönebeck (Elbe) stammenden Kaufmann und späteren Bankier Paul Gerson (*18. Juli 1869). Sie wurden Eltern von Ilse Else Gerson (*7. Januar 1897) und Werner Gerson (*4. August 1903) und lebten in Magdeburg.

Luises Ehemann, der Getreidehändler Leo Davidson (*20. Dezember 1866), stammte aus Hohensalza (Inowroclaw, Polen). Er hatte die Handelshochschule in Danzig besucht. Sie heirateten am 25. Oktober 1897 und lebten dann in Charlottenburg in der Wielandstraße 23 und ab 1913 in einer 9-Zimmer-Wohnung am Kurfürstendamm 185, in einem Haus mit Fahrstuhl. Leo betrieb einen Futtermittel-Großhandel. Ihre Ehe blieb kinderlos.

Kathi heiratete am 10. April 1899 Adolf Holländer (1871-1940). Sie wurden Eltern von Hildegard Holländer (*21. Januar 1900) und lebten in Halle.

Wann und wo Erna ihren späteren Ehemann, den aus München stammenden Kaufmann und Fabrikbesitzer Julius Heilbronner (*9. August 1868), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie verlobten sich an ihrem 19. Geburtstag im Januar 1901 und heirateten am 15. Mai 1901 in Halle. Sie lebten fortan in München. Ihre Ehe blieb kinderlos.

Ihr Bruder Fritz wanderte 1906 mit 18 Jahren nach Kalifornien aus und beantragte dort die Einbürgerung. Paula heiratete den Kaufmann Gustav Heinrich Kathe (*28. Oktober 1872) am 5. August 1907. Vier Jahre später, am 10. Dezember 1911, starb Gustav Heinrich Kathe. In zweiter Ehe heiratete sie am 4. Februar 1914 den 43-jährigen Apothekenbesitzer und Doktor der Philosophie Georg Herzberg (*29. November 1870). Sie wurden am 23. April 1915 Eltern von Liselotte Herzberg. 1924 ließen sie sich wieder scheiden.

Alice heiratete den Fabrikbesitzer Salomon Mayer (auch Meyer) (*1873). Sie wurden Eltern von Günter Detlev Meyer (*27. Juli 1907) und lebten in Berlin.

Am 9. Juli 1911 starb ihrer aller Vater, Schwiegervater und Großvater Louis Bauchwitz mit 69 Jahren in Halle an der Saale. Ihre Mutter, Schwiegermutter und Großmutter starb fünf Jahre später am 23. März 1916 mit 63 Jahren in Charlottenburg im einer Klinik für Gemütskranke in der Nußbaumallee 38.

Biankas Tochter Ilse Gerson heiratete am 7. Januar 1921 den Rechtsanwalt Dr. jur. Ferdinand David (*8. April 1885). Sie wurden am 28. Mai 1923 Eltern von Heinz (später Henry) Philip David. Sie wohnten in Hagen in Westfalen.

Ein Jahr später starb Bianka mit 48 Jahren am 2. November 1924. Die zweitälteste Schwester Luise Davidsohn starb mit 51 Jahren am 14. Januar 1929 in Berlin-Charlottenburg in ihrer Wohnung am Kurfürstendamm 185. Ende des Jahres 1929, am 3. Dezember, starb mit 56 Jahren auch Alices Ehemann Salomon Meyer in der gemeinsamen Wohnung in der Holsteinischen Straße 32 in Berlin-Wilmersdorf. Alice wurde mit 44 Jahren Witwe.

1921 war Ernas Ehemann in der Mauerkirchstraße 9 in München als 53-jähriger Rentner im Münchener Telefonbuch ausgewiesen. 1930 starb er mit 62 Jahren. Erna wurde mit 52 Jahren Witwe und ging 1931 nach Berlin-Wilmersdorf, da hier auch ihre Schwestern Kathi, Paula und Alice lebten. Ganz in deren Nähe fand sie eine Wohnung in der Trautenaustraße 16 im 1. Stock des Vorderhauses.

Kathis Tochter, die Sekretärin Hildegard Holländer, wohnhaft in der Luipoldstraße 13 in Berlin-Schöneberg, hatte 1927 Max Eppstein geheiratet, von dem sie sich am 8. März 1932 scheiden ließ.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Regierung in Deutschland übernahmen, wohnte Erna als Privatiere weiterhin in der Trautenaustraße 16. Ihre Schwester Alice zog ca. zwei Jahre später zu ihr in die 5-Zimmer-Wohnung. Ab 1939 hatten sie weitere Untermieter in der Wohnung aufzunehmen, wie zum Beispiel Israel Julius Danglowitz und Emma Helene Eisenberger.

Ernas Schwager, der Bankier Paul Gerson, Witwer ihrer Schwester Bianka, starb mit 66 Jahren am 14. April 1936 im Krankenhaus Magdeburg. Wann genau dessen Sohn Werner Gerson nach Südafrika emigrierte, konnte nicht recherchiert werden. Anfang 1939 flüchteten Tochter Ilse und ihr Ehemann Dr. Ferdinand David zuerst nach England und 1940 in die USA. Ihren 14-jährigen Sohn Heinz Philip hatten sie schon 1937 zusammen mit 92 weiteren jüdischen Kindern nach Amerika geschickt.

Kathis Ehemann Adolf Holländer starb am 26. Februar 1940 in Berlin an Angina Pectoris. Kathi wurde mit 60 Jahren Witwe. Vermutlich zog auch sie zu Erna in die Trautenaustraße 16. Ihre Tochter Hildegard heiratete in zweiter Ehe, am 16. August 1940, den aus Frankfurt am Main stammenden Kaufmann Fritz Schmoller (*23. April 1900) in Berlin-Prenzlauer Berg. Er starb zwei Jahre später, am 19. März 1942, mit 41 Jahren im Jüdischen Krankenhaus Iranische Str. 2 an Herzschwäche.

Ernas Schwester Paula wohnte bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 in der Holsteinischen Straße 26 im 1. Stock des Vorderhauses. Ihrer Tochter Lieselotte Herzberg war 1938 die Flucht nach Großbritannien gelungen, dort heiratete sie 1944 Otto Beer in Hampstead, London.

Alices 33-jähriger Sohn Günter heiratete 1941 die 25-jährige Käte Benjamin (*8. März 1915).

Leo Davidson, Witwer der älteren Schwester Luise, war der erste aus der Familie, der von der Gestapo deportiert wurde. Am 14. Juli 1942 wurde er vom Anhalter Bahnhof in das Ghetto Theresienstadt transportiert. Im Lager herrschten unmenschliche Bedingungen, deshalb starb Leo Davidson schon einen Monat später am 12. August 1942 mit 75 Jahren.

Wann genau der Deportationsbefehl zu den drei Bauchwitz-Schwestern Erna Heilbronner, Alice Meyer und Kathi Holländer in die Trautenaustraße 16 kam, ist nicht bekannt. Auch Alices Sohn Günter, dessen Ehefrau Käte sowie deren Eltern Friedrich und Paula Benjamin bekamen den Befehl. Die Transportliste enthielt 808 Namen, von denen acht Namen gestrichen wurden. Erna und ihre Schwestern erhielten die Nummern 804 bis 806 und wurden vermutlich deportiert, damit wie geplant 800 Menschen deportiert werden konnten. Am 26. Oktober 1942 ging der 22. Osttransport vom Güterbahnhof Grunewald nach Riga. Kurz nach der Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden alle Menschen ihres Transportes in den Wäldern von Riga-Rumbula erschossen. Erna Heilbronner wurde mit 60 Jahren ermordet.

Ihre Nichte Hildegard Schmoller geborene Holländer deportierte die Gestapo mit dem 24. Osttransport am 9. Dezember 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz, wo man sie ermordete.

Ihre Schwester Paula wurde von April bis November 1943 in einem Konzentrationslager interniert. Ihre Tochter suchte nach dem Krieg 1945 nach ihr. In London starb 1961 mit 77 Jahren eine Paula Kathe, demnach überlebte sie als einzige der acht Schwestern den Holocaust.

Für den Ehemann von Ernas älteren Schwester Luise, Leo Davidsohn, wurde am 6. August 2014 ein Stolperstein am Kurfürstendamm 185 verlegt. Gespendet wurde der Stein von der Familie von Ernas Großneffe, Biankas Enkel, Dr. Henry Philip David.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 7126, Leo Davidsohn, USC Shoah Foundation, Interview 24782 vom 15. Januar 1997 mit Henry P. David, Sohn von Ilse David geborene Gerson, in Bethesda, Maryland, USA

Stolperstein Alice Meyer

Stolperstein Alice Meyer

HIER WOHNTE
ALICE MEYER
GEB. BAUCHWITZ
JG. 1885
DEPORTIERT 26.10.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Alice Meyer wurde als Alice Bauchwitz am 30. September 1885 in Halle an der Saale geboren. Für ihre Eltern, den aus Rhino im Westhavelland stammenden Kaufmann Louis Bauchwitz (*4. Juli 1842) und dessen Ehefrau, die aus Artern bei Naumburg in Thüringen stammende Franziska Bauchwitz geborene Friedländer (*1853), war Alice das sechste von insgesamt neun Kindern.

Bianka (*22. Mai 1876) war neun Jahre, Luise (*5. Juli 1877), genannt Lucie, acht Jahre, Kathi (*7. Juni 1880) fünf Jahre, Erna (*22. Januar 1882) drei Jahre und Paula (*4. November 1883) zwei Jahre älter als Allice. Am 16. Dezember 1986 wurden die Zwillinge Martha und Helene geboren, die aber nur wenige Tage überlebten. Nach acht Mädchen wurde am 12. November 1888 der Stammhalter Fritz geboren. Vor Alices Geburt lebte die Familie in Eisleben, danach zogen sie nach Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Ihr Vater betrieb einen Salzgroßhandel.

Wann und wo Alice ihren späteren Ehemann, den aus Dauborn Endingen im Kreis Limburg stammenden Fabrikbesitzer Salomon Ma(e)yer (*12. September 1873), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 14. Juni 1906 in Halle. Am 27. Juli 1907 wurden sie Eltern von Günter Detlev Meyer. Sie lebten damals in der Suarezstraße 2 in Charlottenburg.

Am 9. Juli 1911 starb Alices Vater Louis Bauchwitz mit 69 Jahren in Halle an der Saale. Ihre Mutter starb fünf Jahre später, am 23. März 1916, mit 63 Jahren in den Kuranstalten Westend in Charlottenburg im Haus für Gemütskranke in der Nußbaumallee 38.

Ende des Jahres 1929, am 3. Dezember, starb mit 56 Jahren Alices Ehemann Salomon Meyer in der gemeinsamen Wohnung in der Holsteinischen Straße 32 in Berlin-Wilmersdorf. Alice wurde mit 44 Jahren Witwe.

Nachdem auch ihre Schwester Erna 1930 mit 52 Jahren Witwe geworden war, kam sie 1931 nach Berlin-Wilmersdorf und zog ganz in Alices Nähe in die Trautenaustraße 16 in den 1. Stock des Vorderhauses.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Regierung in Deutschland übernahmen, wohnte Alice
weiterhin in der Holsteinischen Str. 32. Auch ihre inzwischen geschiedene Schwester Paula Herzberg verwitwete Kathe wohnte ganz in ihrer Nähe in der Holsteinischen Straße 26 im 1. Stock des Vorderhauses.

Zwei Jahre später zog Alice zu ihrer Schwester Erna in die Trautenaustraße 16. Ab 1939 hatten sie weitere Untermieter in der Wohnung aufzunehmen, Israel Julius Danglowitz aus Halle und Emma Helene Eisenberger.

Bei der Minderheiten-Volkszählung am 17. Mai 1939 wohnte ihre Schwester Kathi Holländer noch mit ihrem Ehemann in der Innsbrucker Str. 54 in Berlin-Schöneberg. Als deren Ehemann Adolf Holländer am 26. Februar 1940 an Angina Pectoris starb, stand ihr Alices Sohn Günter zur Seite und meldete den Todesfall beim Standesamt. Kathi wurde mit 60 Jahren Witwe und zog vermutlich auch zu ihren jüngeren Schwestern Erna und Alice in die Trautenaustraße 16.

Alices 33-jähriger Sohn Günter heiratete am 12. Februar 1941 die 25-jährige Käte Benjamin (*8. März 1915).

Wann genau der Deportationsbefehl zu den drei Bauchwitz-Schwestern, Erna Heilbronner, Alice Meyer und Kathi Holländer in die Trautenaustraße 16 kam, ist nicht bekannt. Auch Alices Sohn Günter, dessen Ehefrau Käte sowie deren Eltern Friedrich und Paula Benjamin bekamen den Befehl, sich im Sammellager in der Levetzowstraße einzufinden. Die Transportliste vom 26.Oktober 1942 enthielt 808 Namen, von denen acht Namen gestrichen wurden. Ein Großteil der Deportierten waren Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnen (insgesamt 345) der Jüdischen Kultusvereinigung (JKV) und deren Angehörige (insgesamt 164). Vermutlich arbeiteten Günter und auch seine Ehefrau Käte für die Jüdische Kultusvereinigung.

Erna und ihre Schwestern hatten die Nummern 804 bis 806 und wurden vermutlich deportiert, damit die geplante Zahl 800 erreicht wurde. Am 26. Oktober 1942 ging der 22. Osttransport vom Güterbahnhof Grunewald nach Riga. Kurz nach der Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden alle Menschen ihres Transportes in den Wäldern von Riga-Rumbula erschossen. Alice Meyer geborene Bauchwitz wurde mit 57 Jahren ermordet. Ihr Sohn Günter Detlef starb mit 35 Jahren.

Ihre Schwester Paula wurde von April bis November 1943 in einem Konzentrationslager interniert. Ihre Tochter suchte nach dem Krieg 1945 nach ihr. In London starb 1961 mit 77 Jahren eine Paula Kathe, demnach überlebte sie als einzige der Schwestern den Holocaust.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 7126, Leo Davidsohn, USC Shoah Foundation, Interview 24782 vom 15. Januar 1997 mit Henry P. David, Sohn von Ilse David geborene Gerson, in Bethesda, Maryland, USA

Stolperstein Heimann Heinrich Levy

Stolperstein Heimann Heinrich Levy

HIER WOHNTE
HEIMANN HEINRICH
LEVY
JG. 1872
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Heinrich Heimann Levy wurde am 12. Dezember 1872 in Culmsee (Chełmża, Polen) in Westpreußen geboren. Für seine aus Bromberg (Bydgoszcz, Polen) stammenden
Eltern, den Kaufmann Benas Levy (*23. Oktober 1839) und dessen Ehefrau Rebecca Levy geborene Auerbach (*19. Februar 1839), war er das drittälteste von insgesamt sieben Kindern. Sein ältester Bruder William (*1869), genannt Willi, war drei Jahre und sein Bruder Sally (*15. April 1871) anderthalb Jahre älter als er. Sein Bruder Theodor (*28. August 1874) war anderthalb Jahre jünger als er. Der Bruder Hermann (*1876) starb im Kleinkindalter. Auch seine Schwestern Bertha (*7. Juli 1877) und Dorothea (*3. Juli 1880) wuchsen mit ihm zusammen in Culmsee auf. Der Vater Benas Levy war in Culmsee ein sehr angesehener Geschäfts-und Verwaltungsmann, der die Genehmigung erhalten hatte, mit Bernstein und Fellen zu handeln. Die Mutter Rebecca widmete sich der Kultur, sie malte und musizierte.

Die Familie gehörte dem „konservativen Judentum“ an, einer religiösen Ausrichtung zwischen liberalem und orthodoxem Judentum.

Heinrich wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf. Er handelte mit Getreide. Wie seine Mutter war er sehr musikalisch und spielte Violine.

Sein ältester Bruder, der Fabrikbesitzer Willi Levy, heiratete 1897 die Cousine Marie Levy (*13. April 1874), Tochter von Abraham Levy und Auguste Levy geborene Auerbach, in Culmsee. Sie bekamen zwei Kinder in Driesen, Friedrich (*27. September 1898) und Erna (*16. April 1906).

Seine Schwester Bertha heiratete 1901 in Berlin den aus Heiligenstadt in Sachsen stammenden Kaufmann Adelbert Grunsfeld (*2. November 1872). Am 21. Juli 1902 kam ihre Tochter Nora in Braunschweig zur Welt.

Am 2. November 1903 heiratete die jüngste Schwester Doro den aus Magdeburg stammenden Kaufmann Arthur Grunsfeld (*4. Januar 1874) in Berlin. Ihre Tochter Steffie wurde am 20. März 1905 geboren.

Der Bruder Theodor heiratete 1904 Rosalie Stargardter (*1881) aus Elbing. Ihr Sohn Franz wurde am 11. Juni 1906 in Culmsee geboren. 1906 war auch das Geburtsjahr von Evelyn Levy, der Tochter von Sally Levy und dessen Ehefrau Bertha.

Wann und wo Heinrich seine spätere Ehefrau, die aus Thorn im Regierungsbezirk Marienwerder stammende Susanne Fabian (*1880), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie verlobten sich am 22. April 1906 und heirateten vermutlich wie damals üblich drei Monate später. Am 28. Dezember 1907 kam ihr erster Sohn Joachim Siegfried zur Welt. Am 21. Februar 1909 wurde ihr zweiter Sohn Berthold Fabian und am 6. Juli 1911 ihre Tochter Lotte in Culmsee geboren.

Als sein ältester Bruder Willi mit 45 Jahren am 2. August 1914 starb, wohnten die Eltern Benas und Rebecca Levy schon in Wilmersdorf in der Trautenaustraße 10. Am 10. März 1918 feierten sie hier zusammen mit ihrer großen Familie die Goldene Hochzeit. Schon kurze Zeit später, am 26. Mai 1918, starb Rebecca Levy geborene Auerbach mit 79 Jahren. Gut ein Jahr später, vier Wochen vor Vollendung des 80. Lebensjahres, verschied auch Benas Levy am 23. September 1919. Er wurde am 28. September 1919 auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Heinrich Levy, der zu Beginn des Ersten Weltkrieges 41 Jahre alt war, nahm aktiv am Krieg teil. Der Name Heinrich Levy fand sich 1918 zum ersten Mal im Berliner Adressbuch in der Neuen Schönhauser Straße 19 in Berlin-Mitte. Nach dem Versailler Vertrag wurde Culmsee polnisch. Die Familie Levy sah sich aufgrund dessen gezwungen, ihre Heimatstadt zu verlassen.

Als der mittlere Sohn Berthold krank wurde, brachten sie ihn in das Universität-Krankenhaus nach Königsberg. Hier starb er am 26. Dezember 1924 mit 14 Jahren, worüber seine Eltern zeitlebens nicht hinwegkamen. Ihr ältester Sohn Joachim, der damals das Gymnasium besuchte, stand zwei Tage vor seinem 17. Geburtstag. Er studierte später an der Universität Berlin und wurde Arzt.

Mitte der 1920er Jahre zogen die Levys nach Berlin-Charlottenburg in die Uhlandstraße 194. Heinrichs älterer Bruder Sally emigrierte 1926 mit 55 Jahren zusammen mit Ehefrau Berta und der 20-jährigen Tochter Evelyn nach New York in den USA.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verlor Lotte Levy, Heinrich und Susannes 22-jährige Tochter, sofort ihre Anstellung im Büro eines großen Warenhauses. Der Sohn Joachim wurde nicht mehr zur Promotion zugelassen und erhielt keine Approbation als Arzt, somit war es ihm nicht gestattet, eine eigene Praxis zu eröffnen. Er arbeitete deshalb in der Jüdischen Klinik „Alexander“ als Assistenzarzt und später im jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2.

Seit 1935 wohnte die Familie Levy in der Trautenaustraße 16 in der 4. Etage des Vorderhauses in einer 5-Zimmer-Wohnung.

Am 12. September 1936 heiratete die 25-jährige Tochter Lotte den kaufmännischen Angestellten Kurt Karl Theodor Jutrosinski (*25. Februar 1905). In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde Heinrichs Schwiegersohn Kurt auf der Straße festgenommen und in das Polizeigefängnis am Alexanderplatz gebracht. Anschließend internierte die Gestapo ihn bis Mitte Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Am 9. März 1939 gelang Lotte und Kurt Jutrosinski die Emigration über Rotterdam nach New York. In den USA nannten sie sich mit Nachnamen fortan Jutro.

Auch Heinrichs jüngster Schwester Doro, die 1937 Witwe geworden war, gelang die Emigration zusammen mit ihrer 34-jährigen Tochter Steffi (*30. März 1905) und deren Ehemann Dr. med. Fritz Neumark nach New York.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren der 66-jährige Heinrich und die 54-jährige Susanne Levy weiterhin in der Trautenaustraße 16 gemeldet. Ihr ältester Sohn Joachim wurde im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding registriert. Seit 1941 mussten sie Zwangsarbeit leisten.

Heinrichs Bruder Sally, der 1926 in die USA ausgewandert war, kam ca.1938 ohne Familie zurück nach Berlin und wohnte 1941 ganz in ihrer Nähe in der Güntzelstraße 17/18.

Dr. jur. Fred Levy, Sohn von Heinrichs ältesten Bruders Willi, gelang noch am 27. April 1941 zusammen mit seiner Ehefrau Helene die Emigration nach New York, USA.

Heinrichs Bruder Theodor und dessen Ehefrau Rosalie, die seit dem 1. August 1935 in der Waghäuseler Straße 9-10 auch in Berlin-Wilmersdorf wohnten, waren die ersten der Familie Levy, die den Deportationsbefehl erhielten. Am 12. Oktober 1941 forderte die Gestapo sie auf, die Vermögenserklärung auszufüllen. Hier gaben beide an, dass ihr Sohn Franz in der Großen Hamburger Straße 27 in Berlin-Mitte wohne und verheiratet sei. Diese Angabe, die nicht der Wahrheit entsprach, sollte vermutlich ihren Sohn vor der Deportation schützen. Es half nichts, auch Franz hatte sich im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstr. 7- 8 am 16. Oktober 1941 einzufinden. Dort wurden alle registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Zwei Tage später, am 18. Oktober 1942, ging es zu Fuß im strömenden Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für alle sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug insgesamt 1.251 Personen in den Osten transportierte. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurden Theodor, Rosalieund Franz Levy einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter und das Frühjahr 1942.

Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielten auch Theodor, Rosalie und Franz Levy einen „Ausreisebefehl“ für den 6. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurden sie am 8. Mai 1942 in einem Gaswagen ermordet.

Auch Heinrichs Schwester Bertha und deren Ehemann Adalbert Grunsfeld, die ebenfalls in Heinrich und Susanne Levys Nähe in der Nassauischen Straße 16 zur Untermiete bei Clara Boas geborene Jacoby (*1874) wohnten, wurden 14 Tage später am 1. November 1941 nach Litzmannstadt deportiert. Adalbert starb mit 69 Jahren am 25. März 1942 aufgrund der menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Ghetto. Bertha folgte ihm am 5. April 1942 in den Tod. Bertha Grunsfeld geborene Levy starb mit 62 Jahren.

Heinrichs älterer Bruder Sally wurde am 11. August 1942 aus der Güntzelstraße 17/18 nach Theresienstadt deportiert. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto starb er schon zwei Monate später am 2. Oktober 1942. In der Todesfallanzeige war als Todesursache Herzschwäche angegeben.

Am 15. August 1942 wurden Heinrich und Susanne mit dem 18. Osttransport zusammen mit 1043 weiteren gelisteten Personen nach Riga deportiert, wo sie drei Tage später, am 18. August 1942, kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Heinrich Levy starb mit 70 Jahren. Susanne Levy geborene Fabian starb mit 57 Jahren.

Heinrichs Schwägerin und Cousine Marie Levy, Witwe des ältesten Bruders Willi, wurde am 27. November 1942 aus ihrer Wohnung in der Neuen Bayreuther Straße 5 in Berlin-Schöneberg von der Gestapo abgeholt und in das Siechenheim in der Auguststraße 14/15 gebracht. Am 10. Januar 1943 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie starb dort am 28. April 1943 mit 69 Jahren aufgrund von Hunger, mangelnder Hygiene und ansteckenden Krankheiten im Ghetto.

Ihre Nichte Erna Levy, Tochter des ältesten Bruders Willy, sowie ihre Nichte Nora Lewin geborene Grunsfeld und deren Ehemann Hans Georg Lewin wurden im Rahmen der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 von der Gestapo an ihrem Arbeitsplatz festgesetzt. Hans Georg Lewin wurde am 1. März 1943 und Nora und Erna am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert und zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Hans Georg Lewin starb mit ca. 35 Jahren. Nora Lewin geborene Grunsfeld starb mit ca. 40 Jahren. Erna Levy starb mit 38 Jahren.

Heinrich und Susannes Sohn Joachim Levy versuchte sich der Deportation zu entziehen und tauchte unter. Am 17. Mai 1943 war er eigentlich für den 38. Osttransport vorgesehen. 1944 wurde er von der Gestapo entdeckt und mit dem 48. Osttransport zusammen mit 48 weiteren gelisteten Personen am 20. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Joachim Siegfried Levy starb mit ca. 37 Jahren.

Ihre Tochter Lotte Jutro lebte zusammen mit ihrem Ehemann Kurt an verschiedenen Orten der USA. Sie wurden 1944 Eltern eines Sohnes, den sie Peter Richard nannten. Lotte Jutro geborene Levy starb mit 87 Jahren am 3. Februar 1999 in Arlington, Virginia.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 22467, Theodor Levy; USC Shoah Foundation, Interview 42975 vom 2. Juli 1998 mit Lotte Jutro, Tochter von Heinrich und Susanne Levy, in Arlington, Virginia, USA

Stolperstein Susanne Levy

Stolperstein Susanne Levy

HIER WOHNTE
SUSANNE LEVY
GEB. FABIAN
JG. 1884
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Susanne Levy wurde als Susanne Fabian am 28. Juli 1884 in Thorn (Toruń, Polen) geboren. Für ihre aus Tuchel (Tuchola, Polen) stammenden Eltern, den Kaufmann Feibusz Philipp Fabian (* 12. November 1852) und dessen Ehefrau Zerlina Fabian geborene Simon (*10. September 1864), war sie das älteste von insgesamt fünf Kindern. Arthur Meyer (*3. Oktober 1885) war ein Jahr, Else (1887) drei Jahre, Hans vier Jahre und Fanny Josephine (*17. Juni 1891) sieben Jahre jünger als sie. Von Thorn zog die Familie Mitte der 1880er Jahre nach Marienwerder.

Susanne genoss eine höhere Bildung und interessierte sich sehr für Literatur, Philosophie und Politik. Ihre Familie gehörte dem konservativen Judentum an.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den aus Culmsee (Chełmża, Polen) stammenden Kaufmann Heinrich Heimann Levy (*12. Dezember 1872), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie verlobten sich am 22. April 1906 und heirateten wie damals üblich drei Monate später. Sie wohnten fortan in Culmsee direkt am See. Am 28. Dezember 1907 kam ihr erster Sohn Joachim Siegfried und gut ein Jahr später am 21. Februar 1909 ihr zweiter Sohn Berthold Fabian zur Welt. Ihre Tochter Lotte wurde am 6. Juli 1911 geboren.

Susannes Schwester Else und der aus Posen stammende Kaufmann Gustav Jacobstamm (*1899) verlobten sich am 10. Mai 1910 und heirateten später in Posen. Sie wurden Eltern zweier Töchter, Käthe Bertha (*1911) und Lilli Paula (*1913).

Der 24-jährige Bruder Hans starb nach langer schwerer Krankheit am 5. Dezember 1912 in Marienwerder.

Von 1914 bis 1918 tobte der Erste Weltkrieg, an dem Susannes 41-jähriger Ehemann aktiv teilnahm. Wann genau das Paar mit den Kindern nach Berlin kam, konnte nicht recherchiert werden.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste Deutschland Culmsee 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an die Zweite Polnische Republik abtreten. Die Familie Levy sah sich aufgrund dessen gezwungen, ihre Heimatstadt zu verlassen, und zog vorübergehend nach Marienwerder, welches fortan zu Ostpreußen gehörte.

Susannes Vater Philipp Fabian starb mit 67 Jahren am 4. Mai 1920. Ihre Mutter wurde mit 56 Jahren Witwe. Sie wohnte weiterhin in Marienwerder. Susannes Bruder Arthur und die aus Borek (Borek Wielkopolski, Polen) stammende Edith Jaraczewski (*7. Oktober 1895) heirateten am 11. Juli 1922 in Chełmża, ehemals Culmsee. Henryk (polnisch für Heinrich) Levy war Trauzeuge und gab auf dem Standesamt als Wohnort Marienwerder an.

Als der mittlere Sohn Berthold krank wurde, brachten sie ihn in das Universität-Krankenhaus nach Königsberg in Ostpreußen. Hier starb er am 26. Dezember 1924 mit 14 Jahren, worüber seine Eltern zeitlebens nicht hinwegkamen. Ihr ältester Sohn Joachim, der damals das Gymnasium besuchte, stand zwei Tage vor seinem 17. Geburtstag. Er studierte später an der Universität Berlin und wurde Arzt.

Mitte der 1920iger Jahre zogen die Levys nach Berlin-Charlottenburg in die Uhlandstraße 194. Susanne war Anhängerin der Paneuropa-Union und außerdem davon überzeugt, als Jüdin besser in Palästina leben zu können. Von der Idee einer Auswanderung nach Palästina konnte sie ihre Familie nicht überzeugen.

Auch die Familien ihrer Schwester Else und ihres Bruders Arthur waren 1924 in Berlin gemeldet. Else Jacobstamm wohnte mit ihrer Familie in der Feurigstraße 61 in Berlin-Schöneberg. Arthur hatte sich mit Bankgeschäften in der Mohrenstraße 36 in Berlin-Mitte selbstständig gemacht. Arthur und Edith Fabians Sohn Hans wurde am 15. Januar 1924 in Berlin geboren. Nur drei Jahre später, 1927, starb Arthur Fabian. Susannes Schwager Gustav Jacobstamm wurde nur 54 Jahre alt. Er starb am 1. Dezember 1928. Bis einschließlich 1932 war Else noch im Berliner Adressbuch zu finden. Danach verliert sich ihre Spur.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verlor Susannes 22-jährige Tochter Lotte sofort ihre Anstellung im Büro eines großen Warenhauses. Der Sohn Joachim wurde nicht mehr zur Promotion zugelassen und erhielt keine Approbation als Arzt, somit war es ihm nicht gestattet eine eigene Praxis zu eröffnen. Er arbeitete deshalb in der Jüdischen Klinik „Alexander“ als Assistenzarzt und später im jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding.

Seit 1935 wohnte die Familie Levy in der Trautenaustraße 16 in der 4. Etage des Vorderhauses in einer 5-Zimmer-Wohnung.

Susannes Mutter blieb in Marienwerder, wo sie am 12. Januar 1935 mit 70 Jahren starb. Die jüngste Schwester Fanny Josephine kam daraufhin auch nach Berlin.

Am 12. September 1936 heiratete die 25-jährige Tochter Lotte den kaufmännischen Angestellten Kurt Karl Theodor Jutrosinski (*25. Februar 1905). In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde Heinrichs Schwiegersohn Kurt auf der Straße festgenommen und in das Polizeigefängnis am Alexanderplatz gebracht. Anschließend internierte die Gestapo ihn bis Mitte Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Am 9. März 1939 gelang Lotte und Kurt Jutrosinski die Emigration über Rotterdam nach New York. In den USA nannten sie sich mit Nachnamen fortan Jutro.

Lottes Cousine Käthe Jakobstamm heiratete am 14. März 1939 Alfred Marschall in Basel in der Schweiz. Ihnen gelang die Ausreise nach Palästina. Käthe Marschall starb am 24. September 1940 in Tel Aviv. Ihre Schwester Lilli Paula heiratete Aron Appelbaum. Sie wurden in Palästina Eltern von zwei Söhnen, Yitzak (*1942) und Gabriel (*1945).

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die 54-jährige Susanne Levy und der 66-jährige Heinrich weiterhin in der Trautenaustraße 16 gemeldet. Ihr ältester Sohn Joachim wurde im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding registriert. Susannes Schwester Fanny wohnte damals in der Badenschen Straße 39 und zog dann ganz in die Nähe ihrer ältesten Schwester in die Trautenaustraße 20 zur Untermiete bei der Jüdin Else Dittmann, die in einer Mischehe vor Deportation geschützt war.

Am 15. August 1942 wurden Susanne und Heinrich mit dem 18. Osttransport mit dem Zug der Nummer DA 401 zusammen mit 1043 weiteren gelisteten Personen nach Riga deportiert, wo sie drei Tage später, am 18. August 1942, kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Susanne Levy geborene Fabian starb mit 57 Jahren. Heinrich Levy starb mit 70 Jahren.

Susannes jüngste Schwester Fanny Josephine wurde am 26. September 1942 mit dem sogenannten 20. Osttransport nach Raasiku in Estland deportiert. Nach Ankunft in Raasiku kam ein Teil der 812 Deportierten in das Lager Jägala, ein anderer kleiner Teil in ein Arbeitslager in der Nähe von Riga. Alle anderen Deportierten, höchstwahrscheinlich auch Fanny, wurden direkt nach der Ankunft in dem Waldgebiet Kalevi-Liva erschossen. Fanny Josephine Fabian starb mit 51 Jahren.

Der 18-jährige Hans Fabian, Sohn von Susannes Bruders Arthur, wurde am 14. Dezember 1942 zusammen mit seiner Mutter nach Auschwitz deportiert. Er starb am 13. Januar 1943 in Auschwitz.

Susannes Sohn Joachim Levy versuchte sich der Deportation zu entziehen und tauchte unter. Am 17. Mai 1943 war er eigentlich für den 38. Osttransport vorgesehen. 1944 wurde er von der Gestapo entdeckt und mit dem 48. Osttransport zusammen mit 48 weiteren gelisteten Personen am 20. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Joachim Siegfried Levy starb mit ca. 37 Jahren.

Ihre Tochter Lotte Jutro lebte zusammen mit ihrem Ehemann Kurt an verschiedenen Orten der USA. Sie wurden 1944 Eltern eines Sohnes, den sie Peter Richard nannten. Lotte Jutro geborene Levy starb mit 87 Jahren am 3. Februar 1999 in Arlington, Virginia.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 22467, Theodor Levy; USC Shoah Foundation, Interview 42975 vom 2. Juli 1998 mit Lotte Jutro, Tochter von Heimann und Susanne Levy, in Arlington, Virginia, USA

Stolperstein Minna Lubanczyk

Stolperstein Minna Lubanczyk

HIER WOHNTE
MINNA LUBANCZYK
GEB. DAVID
JG 1869
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.1.1943

Minna Lubranczyk wurde als Minna David am 11. Februar 1869 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Gonzawa (Gąsawa, Polen) Kreis Schubin stammenden Kaufmann David David (*1842) und dessen Ehefrau, die aus Großmühlingen in Sachsen-Anhalt stammende Henriette David geborene Cohn (*1844), war sie das älteste von drei Kindern. Ihr Bruder Georg kam ein Jahr nach ihr am 14. Februar 1870 zur Welt. Ihre Schwester Selma starb schon kurz nach der Geburt 1876 in der Rosenstraße 16.

Vermutlich lernte Minna ihren späteren Ehemann, den aus Pudewitz (Pobiedziska, Polen), Kreis Schroda stammenden Kaufmann Levy Louis Lubranczyk (*16. Juni 1858), im Betrieb ihres Vaters, einer Millitäreffekten, Waffen- und Livreehandlung, kennen. Sie heirateten am 7. Juli 1887 in Berlin. Minna war gerade erst 18 Jahre alt geworden. Sie wurden Eltern von drei Kindern. Am 28. April 1889 wurde ihre älteste Tochter Else geboren. Der Stammhalter Arnold kam anderthalb Jahre später am 26. November 1890 zur Welt. Minnas Ehemann Louis stieg im Betrieb ihres Vaters zum Geschäftsführer auf. Die Familie wohnte damals in der Kaiser-Wilhelm-Straße 33 (heute Rosa-Luxemburg Straße) in Berlin-Mitte. Die jüngste Tochter Frieda wurde am 14. März 1892 in der Rosenstraße 16 im Haus von Minnas Eltern geboren.

Am 21. April 1908, als die älteste Tochter Else den Kaufmann Moritz Holz (*15. Oktober 1876) heiratete, wohnte Minnas Familie in der Gipsstraße 23 in Berlin-Mitte. Hier befand sich auch die Firma D. David & Co Millitäreffekten, Waffen- und Livreehandlung. Else und Moritz zogen in die Dragonerstraße 46a. Auch sie wurden Eltern von drei Kindern. Ihre älteste Tochter Gerda Alice kam am 6. Juli 1909 zur Welt. Minna wurde mit 40 Jahren zum ersten Mal Großmutter. Ihr zweites Enkelkind Werner David Holz wurde am 3. Januar 1916 geboren.

Minnas und Levys jüngste Tochter Frieda heiratete am 22. Dezember 1911 den aus Neustettin stammenden Kaufmann Siegfried Wolfram (*6. Dezember 1877). Ein halbes Jahr später starb Minnas Vater David David am 7. Juli 1912 in der Gipsstraße 23. Minnas Bruder Georg meldete den Tod beim Standesamt. Minnas Mutter Henriette David zog nach dem Tod ihres Ehemannes nach Wilmersdorf in die Ludwigkirchstraße 9, wo sie am 7. August 1917 starb.

Die Hochzeit von Minnas Sohn Arnold mit Elsbeth (genannt Else) Johanna Ascher (*16. November 1890) fand am 11. April 1918 statt. Deren Tochter Helga wurde am 22. Oktober 1919 in der Berliner Straße 31 in Berlin-Pankow geboren.

Frieda und Siegfried Wolframs Tochter Lilly wurde nach dem Ersten Weltkrieg am 9. August 1920 geboren. Bernd, das dritte Kind von Else und Moritz, kam am 9. März 1922 am Hohenzollerndamm 204 zur Welt. Auch Minna und Louis zogen nach Berlin-Wilmersdorf in die Prager Straße 17.

Am 18. Dezember 1925 starb mit 67 Jahren Minnas Ehemann Levy Louis Lubranczyk in einer Klinik am Hohenzollerndamm 6. Minna wurde mit 56 Jahren Witwe. Else und Moritz Holz, die mittlerweile mit ihrer Familie ganz in Minnas Nähe in der Trautenaustraße 14 wohnten, ließen sich am 12. März 1929 aufgrund von gegenseitigen Beleidigungen scheiden.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahmen, war Minna fast 64 Jahre alt und wohnte als Eigentümerin wieder in der Gipsstraße 23 in Berlin-Mitte. Nachdem ihr Betrieb arisiert und das Haus enteignet worden war, zog sie zurück nach Berlin-Wilmersdorf in die Trautenaustraße 16 im Vorderhaus 3. Etage zur Untermiete bei Nathan Hecht und seiner Familie. Hier war sie auch am 17. Mai 1939 bei der „Minderheiten-Volkszählung“ gemeldet. Minnas Bruder Georg flüchtete mit 69 Jahren am 17. August 1939 zu seinen schon ausgewanderten Söhnen Heinz (*1903) und Werner (*1909) nach New York, USA.

1937 hatten sich auch Minnas einziger Sohn Arnold und seine Ehefrau Else scheiden lassen. Arnold gelang 1939 ebenfalls die Flucht nach New York. Seine geschiedene Ehefrau Else wohnte mit Tochter Helga bei der „Minderheiten-Volkszählung“ in der Martin-Luther-Straße 10 in Berlin-Schöneberg.

Minnas jüngste Tochter Frieda starb am 3. September 1938 in der Jüdischen Privatklinik in der Trautenaustraße 5. Deren Tochter Lilly war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ noch in der elterlichen Wohnung in der Wielandstraße 43 gemeldet. Sie und auch ihre Cousine Helga emigrierten gerade noch rechtzeitig nach Großbritannien.

Minnas Schwiegersohn, der verwitwete Siegfried Wolfram, und ihre ehemalige Schwiegertochter Else Lubranczyk geborene Ascher blieben in Deutschland und wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet. Minnas älteste Tochter Else Holz und deren Kinder, die 29-jährige Gerda Alice und der 22-jährige Werner David, waren Ende der 1930er Jahre nach Palästina geflüchtet. Ihr ehemaliger Schwiegersohn, der Kommerzienrat Moritz Holz, und der jüngste Enkelsohn Bernd blieben in Berlin. Sie wurden schon am 27. Oktober 1941 nach Litzmannstadt (Łódź, Polen) deportiert, wo sie als Lumpensammler arbeiteten. Moritz Holz starb am 7. Februar 1942 mit 65 Jahren in Litzmannstadt. Minnas jüngstes Enkelkind, der 20-jährige Bernd, wurde am 4. Mai 1942 weiter nach Kulmhof (Chelmno) deportiert und dort ermordet.

Wann genau Minna in das Altersheim in die Gerlachstraße 21 kam, konnte nicht recherchiert werden. Die Altersheime dienten der Gestapo als Sammelstellen, um die alten Menschen schneller und unbeobachteter abtransportieren zu können. Zusammen mit 164 anderen Altersheimbewohnern und -bewohnerinnen der Gerlachstraße wurde Minna Lubranczyk am frühen Morgen des 17. August 1942 zunächst auf einen Kraftwagen der Fahrbereitschaft der Gestapo „verladen“, die sie zum Moabiter Güterbahnhof brachte. Hier erfolgte die „Evakuierung“ von insgesamt 1002 Personen mit dem „1. Großen Alterstransport“ nach Theresienstadt.

Die Bedingungen im Ghetto Theresienstadt waren menschenunwürdig, sodass viele der Deportierten schon kurz nach der Ankunft starben. Minna Lubranczyk lebte fast fünf Monate im Ghetto. Sie starb kurz vor ihrem 74. Geburtstag am 16. Januar 1943, laut Todesfallanzeige an Herzmuskelentartung.

Ihre ehemalige Schwiegertochter Else wurde am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und mit 53 Jahren ermordet. Der Witwer Siegfried Wolfram wurde im Rahmen der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 an seinem Arbeitsplatz festgesetzt und am 2. März 1943 ebenfalls nach Auschwitz deportiert und ermordet. Er starb mit 65 Jahren.

Obwohl in Berlin nach dem Krieg kein Verwandter mehr lebte, kehrte Minnas älteste Tochter Else Holz aus Palästina zurück und wohnte bis zu ihrem Tod am 18. Dezember 1958 in Berlin-Dahlem.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage,

Stolperstein Luis Ten Brink

Stolperstein Luis Ten Brink

HIER WOHNTE
LUIS TEN BRINK
JG. 1874
DEPORTIERT 19.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Louis ten Brink wurde am 2. Januar 1874 als ältester Sohn des Leffmann ten Brink und seiner Ehefrau Rosette, geb. van der Walde, in Lingen geboren. Er kam als Kleinkind mit seinen Eltern nach Emden, wo am 2. März 1875 sein Bruder Josef zur Welt kam. Nach seiner Schulzeit übte Louis den Beruf des Viehhändlers aus.

Am 28. Juli 1904 heiratete er in Pirmasens Thekla Mayer aus Kallstadt/Pfalz. Von dort zogen Louis und Thekla ten Brink am 7. August 1904 nach Emden. Im Laufe der nächsten Jahre gebar Thekla acht Kinder, das jüngste Kind, der Sohn Wilhelm, wurde am 15. Januar 1920 geboren. Während des I. Weltkrieges, an dem Louis ten Brink als Soldat teilnahm, hatte die Familie mit den kleinen Kindern schwer unter der Abwesenheit des Vaters zu leiden.

Louis ten Brink war als Viehhändler viel unterwegs, kaufte Kälber und Schweine von den Bauern aus den benachbarten Dörfern und schickte das Vieh dann direkt zum Viehmarkt nach Köln. Er war Vorsitzender des Vereins ostfriesischer Viehhändler und wurde am 14. Dezember 1932 erneut mit nur einer Gegenstimme in seinem Amt bestätigt, obwohl bereits zu dieser Zeit nationalsozialistische Kreise und „arische” Viehhändler vehement gegen Juden agierten.

Ab 1935 boykottierten die Bauern die jüdischen Viehhändler und das kam auch für Louis ten Brink einem Arbeitsverbot gleich. So musste er im Februar 1940 das Haus mit Grundstück an den Gemüsebauern Störk verkaufen. Dieser ließ das Ehepaar ten Brink weiterhin im Hause wohnen. Die Kinder hatten zu der Zeit bereits alle das elterliche Haus verlassen. Am 12. März 1940 mussten Louis ten Brink und seine Ehefrau Thekla zwangsweise Emden verlassen und ihren Aufenthalt in Berlin nehmen. Hier wohnten sie mit einem weiteren Paar bei einer jüdischen Familie in der Badischen Straße 19 zur Untermiete. Am 19. Februar 1943 wurde Louis ten Brink mit seiner Ehefrau Thekla von Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Die 8 Kinder überlebten.

Biografische Zusammenstellung
Edda Melles/Aus dem Nachlass Wolfgang Knoll

Stolperstein Thekla Ten Brink

Stolperstein Thekla Ten Brink

HIER WOHNTE
THEKLA TEN BRINK
GEB. MAYER
JG. 1879
DEPORTIERT 19.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Thekla ten Brink wurde am 16. August 1878 als Thekla Mayer geboren. Ihre Eltern David Mayer und Dorothea Mayer, geborene Hirsch, lebten damals in Kallstadt im Landkreis Dürkheim in der Pfalz. Als Thekla 7 Jahre alt war, kam am 15. Dezember 1885 ihr Bruder Robert in Ludwigshafen zur Welt. Ihren Lebensmittelpunkt fand die Familie später in Pirmasens.

Über Theklas und Roberts Kindheit und Jugend konnte nichts recherchiert werden.
Mit 25 Jahren heiratete Thekla Mayer am 28. Juli 1904 in Pirmasens den vier Jahre älteren Louis ten Brink aus Emden. Sie zog mit ihm in seine Heimat nach Emden, wo er als Viehhändler tätig war.

Am 21. September 1905 gebar Thekla ihre erste Tochter Rossel. Zwei Jahre später, am 17. September 1907 kam die zweite Tochter Dorothea und am 25. September 1909 der erste Sohn Fritz zur Welt. Gerda wurde am 30. Juni 1911, Eugen am 8. März 1913 und Johanna am 2. Mai 1914 kurz vor dem I. Weltkrieg als sechstes Kind geboren.

Theklas Ehemann Louis ten Brink nahm als Soldat am I. Weltkrieg teil. In dieser Zeit hatte sie die alleinige Verantwortung für sechs kleine Kinder zu tragen. Während des Krieges, am 5. Juni 1916, kam Erika, das siebte Kind, zur Welt. Thekla war damals 38 Jahre alt.

Zum Glück kehrte Ihr Ehemann Louis gesund aus dem Krieg zurück. Aber auch in der Folgezeit konnte er seine Frau zuhause wenig unterstützen, denn als Viehhändler war er viel unterwegs. Mit 42 Jahren wurde Thekla das letzte Mal Mutter. Am 15. Januar 1920 schenkte sie Wilhelm, ihrem achten Kind, das Leben.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Leben für die jüdische Bevölkerung auch in Emden zunehmend schwerer. Die heimischen Bauern boykottierten 1935 jüdische Viehhändler, was für Theklas Ehemann Louis einem Arbeitsverbot gleichkam.

Das Emdener Adressbuch führte den Viehhändler Louis ten Brink 1934 und 1937 in der Kranstraße 46. Bei der Minderheiten-Volkszählung am 17. Mai 1939 waren die 60-jährige Thekla und der 65-jährige Louis, der sich selber Lui nannte, in der Kranstraße 13 gemeldet. Ihre acht Kinder hatten zu dieser Zeit bereits alle das elterliche Haus verlassen. Fritz und Gerda lebten mit ihren Familien in der Zähringer Straße 13 in Berlin-Wilmersdorf. Die ältesten Töchter Rossel und Dorothea, die 1939 34 und 36 Jahre alt waren, waren mit ihren Ehemännern in die USA emigriert. Eugen lebte seit dem 23. Januar 1938 in Chicago, und Wilhelm, der 19-jährige jüngste Sohn, war in die Dominikanische Republik ausgewandert. Die jüngsten Töchter Johanna und Erika hatten mit ihren Ehemännern in Palästina eine neue Heimat gefunden. Auch ihre Schwester Gerda folgte ihnen nach 1939 dort hin. Fritz gelang mit seiner Ehefrau im selben Jahr die Flucht nach Großbritannien und später in die USA.

Fast alle jüdischen Einwohner mussten Emden im Februar und März 1940 verlassen. Thekla und Louis wurden am 12. März 1940 zwangsweise „ausgesiedelt”. Zuerst wohnten sie zur Untermiete bei einer jüdischen Familie in der Badenschen Straße 19 in Berlin-Wilmersdorf. Ihr Sohn Eugen versuchte ihnen zu dieser Zeit die Einreise in die USA zu ermöglichen, indem er in Chicago im Jewish Transmigration Bureau (Büro jüdischer Auswanderung) Geld für ein Affidavit (Bürgschaft) für seine Eltern hinterlegte.

Im Oktober 1940 deportierte die Gestapo Theklas Bruder Robert Mayer von Pirmasens nach Gurs in ein Internierungslager. Von dort kam er in das Sammellager Drancy. Am 17. Oktober 1942 ermordeten sie ihn im Vernichtungslager Auschwitz.

Im Dezember 1942 zogen Thekla und Louis in die Trautenaustraße 16 um. Dort mieteten sie für 35 RM monatlich ein Leerzimmer im IV. Stock des Vorderhauses in der 6-Zimmer-Wohnung des jüdischen Hauptmieters Leo Liemann. Thekla war zu der Zeit Zwangsarbeiterin bei der Firma Georg Kappel, ein Kartoffelschäl-Großbetrieb in der Berliner Straße.

Am 11. Februar 1943 wurden das Ehepaar ten Brink und der Hauptmieter Leo Liemann aufgefordert, Vermögenserklärungen abzugeben. Die Gestapo deportierte die drei zusammen mit weiteren 1.006 Personen am 19. Februar 1949 mit dem 29. Osttransport in das Konzentrationslager Auschwitz und ermordete sie dort. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Thekla ten Brink starb mit ca. 64 Jahren.

Ihre acht Kinder überlebten. In den USA wurde Rosa 92, Dorothea 95, Fritz 100, Eugen 88 und William 92 Jahre alt. In Israel wurde Gerda 86, Hana 75 und Erika 85 Jahre alt.

Text und Recherche: Gundula Meiering

Quellen:
Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
; Emdener Adressbücher 1934 und 1937; Berliner Adressbuch – Zentral- und Landesbibliothek Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten; Mapping the lives; Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry; Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA) Potsdam – Signatur: 36A (II) 5316 Vermögenserklärungen Louis und Thekla ten Brink, Signatur: 36A (II) 23377 Leo Liemann; Akim Jah: Die Deportationen der Juden aus Berlin – Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und das Sammellager Große Hamburger Straße, Berlin 2013, S. 632.;
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Stolperstein Israel Julius Danglowitz

Stolperstein Israel Julius Danglowitz

HIER WOHNTE
ISRAEL JULIUS
DANGLOWITZ
JG. 1904
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

Israel Julius Danglowitz wurde am 16. Juli 1904 in Halle an der Saale geboren. Für seine Eltern, den aus Krakau (Kraków, Polen) stammenden Kaufmann Samuel (Siegfried) Chananel Danglowicz (*11. Juli 1863) und dessen aus Nürnberg stammende Ehefrau Jenny Danglowicz geborene Pollack (*18. Juni 1872), war er das jüngste von insgesamt zwei Kindern. Seine Schwester Franziska (*15. Juni 1894) war acht Jahre älter als er. Sie heiratete am 13. Januar 1921 den aus Schneidemühl stammenden Kaufmann Arthur Rosenthal (*8. Januar 1884). Ihre Tochter Ellen Margrit wurde am 26. November 1921 in Halle geboren.

Der Vater Samuel Siegfried Danglowitz starb mit 59 Jahren am 2. Oktober 1922. Julius war damals 17 Jahre alt. Seine Mutter Jenny wurde mit 50 Jahren Witwe und führte den Betrieb ihres Ehemannes „Gebrüder Danglowitz Fell- und Talghandlung und Lederfabrik” am Fischerplan 2 in Halle zusammen mit ihrem Schwager Paul Danglowitz weiter.

Julius wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war er 29 Jahre alt. Aufgrund der Boykotte gegen Juden liefen seine Geschäfte vermutlich schlecht.

Am 9. November 1938 zündete der Mob in Halle die Synagoge auf dem heutigen Jerusalemer Platz an und zerstörte weitere Gebäude der jüdischen Gemeinde. Etwa 200 jüdische Männer holte die Gestapo aus ihren Wohnungen ab, verhafteten sie und transportierten sie ins Konzentrationslager Buchenwald. Unter diesen Männern befand sich auch Julius Israel Danglowitz. Zuerst wurde er nach Hannover gebracht und am 2. Dezember 1938 von dort in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo die Gestapo ihn bis zum 12. April 1939 internierte. Da er sich vermutlich in Halle an der Saale nicht mehr sicher fühlte, ging Julius nach der Entlassung aus dem Konzentrationslager nach Berlin. Eine ehemalige Nachbarin seines Schwagers aus Halle, Alice Meyer geborene Bauchwitz, nahm ihn in der Trautenaustraße 16 in Berlin-Wilmersdorf auf. Seiner Mutter Jenny und seiner Schwester Franziska mit Familie gelang ungefähr zur gleichen Zeit die Flucht nach Großbritannien.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Julius in der Trautenaustraße 16 weiterhin bei den Schwestern Alice Meyer und Erna Heilbronner gemeldet. Wann und wo er Zwangsarbeit leisten musste, konnte nicht recherchiert werden.

Sein Schwager Alfred Rosenthal wurde nach Kriegsbeginn in England ab Oktober 1939 ca. zwei Jahre lang interniert und am 22. März 1941 entlassen.

Vermutlich erhielt Israel Julius Danglowitz Mitte August 1942 den Deportationsbefehl zur “Auswanderung” in den Osten und hatte sich in der Sammelstelle in der Levetzowstraße zu melden. Der sogenannte 19. Osttransport mit 790 gelisteten Personen aus Berlin verließ den Güterbahnhof Berlin-Moabit entgegen der ursprünglichen Planung nicht am 31. August 1942, sondern am 5. September 1942 – vermutlich mit Personenwaggons – in Richtung Riga. Kurz nach der Ankunft in Riga am 8. September 1942 wurden ca. 80 Männer zur Zwangsarbeit „selektiert“ und alle anderen Menschen des Transportes in den Wäldern von Riga-Rumbula erschossen. Nur 6 Männer überlebten die Zwangsarbeit, Israel Julius Danglowitz gehörte nicht dazu, sein Todesdatum ist nicht bekannt.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage, Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

Stolperstein Emma Helene Eisenberg

Stolperstein Emma Helene Eisenberg

HIER WOHNTE
EMMA HELENE
EISENBERG
GEB. ADLER
JG. 1872
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
9.8.1942

Emma Helene Eisenberger wurde als Emma Helene Adler am 4. Juli 1872 in Grünstadt in Rheinland-Pfalz geboren. Für ihre Eltern, den aus Grünstadt stammenden Kaufmann Adolf Adler (*1848) und dessen Ehefrau Mathilde Adler geborene Haas, war sie das einzige Kind. Sie wohnten in Frankfurt am Main in Hessen.

Wann und wo Emma ihren späteren Ehemann, den aus Mediasch in Ungarn stammenden Kaufmann Jacob Eisenberg (*11. März 1865), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 15. Dezember 1893 in Frankfurt am Main und wurden am 12. Oktober 1894 Eltern von Lilly Eisenberg.

Wann genau Emma Helene Eisenberg Witwe wurde, konnte nicht recherchiert werden. Sie wird von Frankfurt nach Berlin gegangen sein, um ihrer Tochter Lilly, die in Eberswalde Patientin einer Heil-und Pflegeanstalt war, näher zu sein.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war die Witwe Emma Helene Eisenberg in der Trautenaustraße 16 bei den Schwestern Alice Meyer und Erna Heilbronner
als Untermieterin gemeldet. Ihre Tochter Lilly war in der Oderberger Straße 8 in der Landesanstalt Eberswalde registriert. Am 19. Juli 1940 wurde sie von der Heil- und Pflegeanstalt in Eberswalde zuerst nach Berlin-Buch und dann in die Tötungsanstalt nach Brandenburg an der Havel deportiert. Hier wurde sie Opfer der von den Nationalsozialisten veranlassten Euthanasie. Lilly starb mit 46 Jahren.

Vermutlich erhielt Emma Helene Eisenberg Anfang August 1942 den Deportationsbefehl zur “Auswanderung” in den Osten und hatte sich in der Sammelstelle in der Levetzowstraße zu melden. Emma Helene entzog sich der Deportation, indem sie eine Überdosis Veronal einnahm. Sie wurde am 9. August 1942 um 12 Uhr tot in ihrem gemieteten Zimmer in der Trautenaustraße 16 aufgefunden. Sie starb kurz nach ihrem 70. Geburtstag und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage

Stolperstein Emilie Hecht

Stolperstein Emilie Hech

HIER WOHNTE
EMILIE HECHT
GEB. DANZIGER
JG. 1885
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO, FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Emilie Hecht wurde als Emilie Danziger am 23. Dezember 1885 in Liegnitz (Legnica,
Polen) in Niederschlesien geboren. Für ihre Eltern Eduard Danziger (*1861) und dessen Ehefrau, die aus Temeswar (Timișoara, Rumänien) stammenden Gisela Danziger geborene Hirschfeld (*26. Juli 1869), war sie das einzige gemeinsame Kind. Ihre Mutter ließ sich Anfang der 1890er Jahre scheiden und heiratete anschließend den aus Kattowitz stammenden Kaufmann Gustav Danziger (*1867). Emilie bekam noch drei Stiefgeschwister, Marie (*1892), Eduard Gustav (*1893) und Isabella. Emilies leiblicher Vater Eduard Danziger starb am 1. August 1918.
Wann und wo sich Emilie und ihr späterer Ehemann Isidor Hecht (*7. November 1873) kennenlernten und heirateten, ist nicht bekannt. Isidor war 12 Jahre älter als sie und Kaufmann von Beruf. Er stammte aus Schroda (Środa, Polen) im Regierungsbezirk Posen.
In Friedland (Mieroszów, Polen) im Kreis Waldenburg in Oberschlesien 79 km südwestlich von Breslau gründete Isidor ein Spirituosengeschäft und eine Likörfabrik, die Deutschmeister-Destillerie, Erzeugungsstelle des echten Deutschmeister-Likörs.
In Friedland war das Ehepaar anerkannt und erfolgreich. Das änderte sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ab 1933.
Gemäß der „Verordnung zur Durchführung der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 23. November 1938 bestellte der Landrat von Waldenburg auf Vorschlag der Industrie- und Handelskammer den Bücherrevisor Wilhelm Just als Abwickler des Betriebes von Isidor Hecht.

Am 21. Februar 1939 schaltete sich dann noch die Zollfahndungsstelle Schlesien ein. Sie verordnete, dass die Außenstände der Firma Isidor Hecht und der Verkaufserlös aus dem restlichen Warenlager nur noch durch den Treuhänder Just erfolgen dürfe. Die Zahlungen der Forderungen mussten fortan auf das für die Eheleute Hecht gesperrte Bankkonto bei der Kreissparkasse Waldenburg getätigt werden.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Emilie und Isidor noch in der Landeshuter Straße 22 in Friedland gemeldet. Hier besaßen sie ein Wohngebäude mit Lagerhaus, Waschküche und Autogarage.

Am 5. August 1939 gingen sie dann gezwungenermaßen mit ein paar Habseligkeiten nach Berlin und wohnten zur Untermiete bei Isidors jüngstem Bruder Nathan und dessen Ehefrau Selma in der Trautenaustraße 16.

Bei der Wohnung handelte es sich um eine 5-Zimmerwohnung im 3. Stock des Vorderhauses. Emilie und Isidor bewohnten ein Zimmer. 1940 kamen zwei weitere Untermieterinnen hinzu. Die 77-jährige aus Posen stammende Witwe Regina Danziger geborene Pulvermacher (*23. Dezember 1862) und die Witwe des Sanitätsrats Dr. Moritz Unger, Eugenie Unger geborene Strassmann (*16. Juli 1865).

Emilie und Isidor Hecht waren die ersten aus der erzwungenen Wohngemeinschaft, die den Deportationsbefehl erhielten und sich im Sammellager in der dazu missbrauchten Synagoge in der Levetzowstraße in Berlin-Tiergarten einzufinden hatten. Am 15. November 1941 unterschrieb Emilies Ehemann die Vermögenserklärung.

Vom Güterbahnhof Berlin-Grunewald wurden Emilie und Isidor Hecht am 17. November 1941 mit dem sogenannten 6. Osttransport zusammen mit mehr als 1000 weiteren Juden und Jüdinnen in das Ghetto Kowno (Kauna) in Litauen deportiert. Hier kam der Transport, der eigentlich Riga zum Ziel gehabt hatte, am 25. November 1941 an. Im Fort IX von Kowno wurden alle Deportierten ermordet. Emilie Hecht geborene Danziger starb mit 56 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage,
Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 14016 Isidor Hecht, Reg. 36A (II) 6995 Regina Danziger geborene Pulvermacher, Reg. 36A (II) 38486 Eugenie Unger geborene Strassmann

Stolperstein Isidor Hecht

Stolperstein Isidor Hecht

HIER WOHNTE
ISIDOR HECHT
JG. 1873
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Isidor Hecht wurde am 7. November 1873 in Schroda (Środa, Polen) im Regierungsbezirk Posen geboren. Für seine Eltern, den aus Schwersenz stammenden Kaufmann Benas Hecht (*1829) und die aus Liegnitz stammende Röschen Hecht geborene Kessel (*1824), war er das zweitälteste von insgesamt fünf Kindern. Sein Bruder Wolff war zwei Jahre älter als er (*1871). Clara (*1875) war zwei Jahre, Dorchen (*1877) vier Jahre und Nathan Natus (*1879) sechs Jahre jünger als er.
Wie sein Vater wurde auch Isidor Kaufmann von Beruf.
Wann und wo er seine spätere aus Liegnitz stammende 12 Jahre jüngere Ehefrau Emilie Danziger (*23. Dezember 1885) kennenlernte und heiratete, ist nicht bekannt. Die Ehe blieb kinderlos.
In Friedland (Mieroszów, Polen) im Kreis Waldenburg in Oberschlesien, 79 km südwestlich von Breslau, gründete Isidor ein Spirituosengeschäft und eine Likörfabrik, die Deutschmeister-Destillerie, Erzeugungsstelle des echten Deutschmeister-Likörs.
In Friedland war das Ehepaar anerkannt und erfolgreich. Das änderte sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933.
Gemäß der „Verordnung zur Durchführung der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 23. November 1938 bestellte der Landrat von Waldenburg auf Vorschlag der Industrie- und Handelskammer den Bücherrevisor Wilhelm Just als Abwickler des Betriebes von Isidor Hecht. Fortan hatte dieser das Sagen.

Am 21. Februar 1939 schaltete sich dann noch die Zollfahndungsstelle Schlesien ein. Sie verordnete, dass die Außenstände der Firma Isidor Hecht und der Verkaufserlös aus dem restlichen Warenlager nur noch durch den Treuhänder Just erfolgen dürfe. Die Zahlungen der Forderungen mussten fortan auf das für Isidor Hecht gesperrte Bankkonto bei der Kreissparkasse Waldenburg getätigt werden.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Isidor und Emilie Hecht noch in der Landeshuter Straße 22 in Friedland gemeldet. Hier besaßen sie ein Wohngebäude mit Lagerhaus, Waschküche und Autogarage.

Am 5. August 1939 gingen sie dann gezwungenermaßen mit ein paar Habseligkeiten nach Berlin und wohnten zur Untermiete bei Isidors jüngstem Bruder Nathan (Natus) und dessen Ehefrau Selma in der Trautenaustraße 16. Nathan und Selmas Tochter Ingeborg hielt sich zu dieser Zeit in einem Jugendheim der Alija in Hamburg-Blankenese auf, wo sie sich auf die Ausreise nach Palästina vorbereitete.

Bei der Wohnung in der Trautenaustraße 16 handelte es sich um eine 5-Zimmerwohnung im 3. Stock des Vorderhauses. Isidor und Emilie bewohnten ein Zimmer. 1940 kamen zwei weitere Untermieterinnen hinzu. Die 77-jährige aus Posen stammende Witwe Regina Danziger geborene Pulvermacher (*1862) und die Witwe des Sanitätsrats Dr. Moritz Unger, Eugenie Unger geborene Strassmann (*1865).

Isidor und Emilie Hecht waren die ersten aus der erzwungenen Wohngemeinschaft, die den Deportationsbefehl erhielten und sich im Sammellager in der dazu missbrauchten Synagoge in der Levetzowstraße in Berlin-Tiergarten einzufinden hatten. Am 15. November 1941 unterschrieb Isidor die Vermögenserklärung. Hier gab er bei verbliebenen Kleidungsstücken einen Frack, eine Smoking-Jacke, zwei Sourejacken, einen Pelzkragen und eine Skihose an. Vermutlich war der 68-jährige Isidor ein sportlicher Gentleman. Als seine letzte Habe gab er zwei Likörgläser und zwei Kristallgläser an.

Vom Güterbahnhof Berlin-Grunewald wurden Isidor und Emlie Hecht am 17. November 1941 mit dem sogenannten 6. Osttransport zusammen mit mehr als 1000 weiteren Juden und Jüdinnen in das Ghetto Kowno (Kauna) in Litauen deportiert. Hier kam der Transport, der eigentlich Riga zum Ziel gehabt hatte, am 25. November 1941 an. Im Fort IX von Kowno wurden alle Deportierten ermordet. Isidor Hecht starb mit 68 Jahren.

Die Mitbewohnerin Eugenie Unger deportierte die Gestapo am 21. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Lager, starb sie nach gut einer Woche am 1. September 1942 mit 77 Jahren. Ihre ehemalige Zimmergenossin in der Trautenaustraße 16 Regina Danziger wurde am 22. September 1942 aufgefordert ihre Vermögenserklärung in der Großen Hamburger Straße 26 auszufüllen und zu unterschreiben. Vom Anhalter Bahnhof wurde sie auch in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Lager, überlebte sie nur drei Wochen. Sie starb am 13. Oktober 1942. In der Todesfallanzeige wurde als Todesursache Enteritis (Darmkatarrh) angegeben. Regina Danziger geborene Pulvermacher starb mit 80 Jahren.
Die Wohnung in der Trautenaustraße 16 wurde Ende Dezember 1942 geräumt. Isidors Bruder Natus, der Hauptmieter der Wohnung war, und dessen Ehefrau Selma mussten in das Siechenheim in die Auguststraße 14/16 umziehen. Von dort wurde Selma Hecht geborene Besser in das Jüdische Krankenhaus in die Iranische Straße 2 gebracht. Sie starb am 17. Januar 1943 mit 65 Jahren an „mehrfachen Abszessen, Adernverkalkung und Herzschwäche“. Natus Hecht starb ein halbes Jahr später ebenfalls im Jüdischen Krankenhaus, wo er damals auch wohnte, am 23. August 1943 an Herzschwäche.

Das Inventar des gemieteten Zimmers von Isidor und Emilie Hecht wurde am 23. Mai 1943 für 500 RM verkauft.

Isidors Nichte, die Tochter von Selma und Natus, Ingeborg Hecht (*10. Februar 1923) gelang die Flucht von Blankenese nach Palästina. Dort heiratete sie Werner (Zvi) Maschkowski. Sie wurden Eltern eines Sohnes und zwei Töchter. Ingeborg Maschkowski starb 1988 in Israel im Alter von 65 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage,
Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärungen, Reg. 36A (II) 14016 Isidor Hecht, Reg. 36A (II) 6995 Regina Danziger geborene Pulvermacher, Reg. 36A (II) 38486 Eugenie Unger geborene Strassmann

Stolperstein Emma Lewinsky

Stolperstein Emma Lewinsky

HIER WOHNTE
EMMA LEWINSKY
GEB. LEVY
JG. 1870
DEPORTIERT 12.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 12.2.1943

Emma Lewinsky, geb. Levy ist am 28. April 1870 in Königs Wusterhausen (Brandenburg) geboren. Sie war Witwe und hatte eine Tochter Dora Hahn, geb. Lewinsky, die mit ihr mindestens seit 1937 in der Trautenaustraße 16 wohnte. Außerdem lebte dort zeitweise Doras Bruder Curt Lewinsky, der mit der Schauspielerin und Sängerin Dora Wilamowska verlobt war und ebenfalls dort untergekommen war.
Vom 1.6.1942 an hat Bianka Baer ein möbliertes Zimmer für 55 Reichsmark bei Emma Lewinsky gemietet, sie hatte vorher in der Markgraf-Albrecht-Straße 16 gewohnt. Am 24. Juli 1942 ist sie nach Theresienstadt deportiert und am 26. September 1942 in Treblinka umgebracht worden.
Emma Lewinsky wurde am 12. August 1942 wie auch ihre Tochter Dora vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Dort ist sie am 12. Februar 1943 uns Leben gekommen – wie es in der Todesurkunde heißt, an „Darmkatarr“, was eine Umschreibung für die Folgen der miserablen Unterernährung und der unerträglichen hygienischen Zustände im Ghetto war.

Stolperstein Dora Hahn

Stolperstein Dora Hahn

HIER WOHNTE
DORA HAHN
GEB. LEWINSKY
JG. 1900
DEPORTIERT 12.8.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Dora Hahn, geb. Lewinsky, ist am 26. Juli 1900 in Berlin geboren. Sie war zur Zeit der Volkszählung am 17.5.1939 in der Trautenaustraße 16 bei ihrer Mutter Emma Lewinsky gemeldet. Von ihrem Mann ist nichts bekannt – auch nicht, ob sie vielleicht geschieden waren oder er gestorben war. Jedenfalls wurde Doris Hahn am 12. August 1942 wie Ihre Mutter über die Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26 vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert, wo sie zunächst im Ghetto einquartiert wurde. Am 9. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz weitertransportiert, wo sie ermordet worden ist.

Stolperstein Dora Wilamowska, 2014

Stolperstein Dora Wilamowska, 2014

HIER WOHNTE
DORA WILAMOWSKA
JG. 1910
DEPORTIERT 10.9.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Dora Wilamowska wurde am 15. Januar 1910 in Stettin geboren. 1914 zogen ihre Eltern Jakob und Hannah Wilamowska sowie ihre älteren Geschwister Josef und Syma nach Gera um. Hier wuchs sie auf und bekam noch zwei weitere Brüder namens Samuel und Bernhard (Dov) und eine Schwester Leah. Dora studierte am Leipziger Konservatorium Musik, Gesang und Klavier, sie war eine außerordentlich begabte Koloratursopranistin. Um 1930 zog sie nach Berlin und schloss sich dem Jüdischen Kulturbund an, unter dessen Dach jüdische Musiker auch noch später im nationalsozialistischen Deutschland vor jüdischem Publikum auftreten konnten.

Programm mit Dora Wilamowska

Nachdem viele dieser Künstler flüchten mussten, machte Dora Wilamowska Karriere. Sie trat als Schauspielerin in vielen Städten wie Hamburg, Leipzig und Berlin auf. Zwischen 1939 und 1941 übernahm sie etliche Rollen und erhielt für ihren Gesang viel Beifall. In dieser Zeit entwickelte sich eine Beziehung zu Curt Franz Loewy, Sohn von Emma Lewinsky, geb. Levy, und Bruder von Dora Lewinsky, später Hahn. Er war als Autor im Jüdischen Kulturbund tätig. Sie wollten heiraten, was ihnen aufgrund der Nürnberger Rassegesetze der Nazis aber verboten war.

Doras Bruder Josef flüchtete 1938 nach New York, wobei ihm ein dort lebender Cousin half. Ihr Bruder Samuel flüchtete nach Dänemark und arbeitete auf einem Bauernhof, bis er 1941 nach Schweden gebracht wurde, wo er 1948 heiratete. Samuel wanderte im selben Jahr nach New York aus, bekam zwei Töchter, Mary und Doris, und starb 2005. Doris‘ Schwester Syma entkam der Judenverfolgung über die Schweiz und Malta nach Palästina, wo sie bis zu ihrem Tod 2000 lebte. Doras jüngster Bruder Bernhard (Dov) hatte schon 1936 mit 14 Jahren nach Palästina geschickt werden können, dort zog er später zwei Söhne, Amos und Shai, groß und starb 2001. Doras Eltern und ihre jüngste Schwester Leah wurden 1938 nach Stawiski in Polen ausgewiesen. Dort hatten sie schwere Zeiten zu erleiden, kamen ins Ghetto Lomza und sind wohl Ende 1941 umgekommen.

Curt und Dora versuchten irgendwie aus Nazi-Deutschland zu flüchten. Sie schrieben Petitionen an südamerikanische Regierungen und nach England und versuchten mehrere Male nach New York auszuwandern. Aber als die Botschaft der USA in Berlin ihre Listen schloss, hatten sie eine zu hohe Wartenummer und wurden nicht mehr berücksichtigt. Im September 1941 lösten die Nazis den Jüdischen Kulturbund auf, damit endete Dora Wilamowkas künstlerische Laufbahn und sie wurde als Zwangsarbeiterin zur Siemens AG abgestellt.
Zum Zeitpunkt der Volkszählung 1939 war Dora Wilamowska noch in der Uhlandstraße 169 als Untermieterin bei dem Rechtsanwalt Ernst Landsberg gemeldet, der in den Berliner Adressbüchern 1938 und 1939 zu finden ist, dann aber nicht mehr. Er steht auch nicht auf Deportationslisten, also ist er wohl geflüchtet oder gestorben. Von da an und schon vorher wohnte sie meistens bei Emma Lewinsky und deren Tochter Dora Hahn, geb. Lewinksky, in der Trautenaustraße 16 bei ihrem Verlobten Curt Loewy (Lewinsky). Jedenfalls hatte Dora Wilamowska hier ihren “Lebensmittelpunkt”. Es existiert ein letzter Brief an ihren Bruder nach Amerika mit dieser Adresse.
Emma Lewinsky und ihre Tochter Dora Hahn, geb. Lewinsky, sind am 12. August 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Curt Lewinsky und Dora Wilamowska, die vier Jahre miteinander verlobt waren, konnten offenbar noch eine Weile in Berlin bleiben, sie wurden am 10. September 1943 nach Auschwitz deportiert. Während Curt sofort nach Ankunft vergast wurde, musste Dora im Chor des KZ-Orchesters singen, wofür sie ihre letzten Kräfte aufbot. Vermutlich im November 1943 ist sie im KZ-Krankenhaus Auschwitz im Alter von 33 Jahren an Typhus gestorben.

Text: Jay Wilamowsky, Übersetzung und Ergänzungen: Helmut Lölhöffel

Dora Wilamowska

Dora Wilamowska

Born in Sczeczyn, Poland on 15 January 1910, Dora Wilamowska moved with her parents, Jakob & Hannah, brother, Josef, and sister, Syma, to Gera, Thüringia, Germany in 1914. She grew up in Gera where her parents had two more sons, Samuel and Bernhard (Dov) and a daughter, Leah.
She studied music, singing, and piano in the Leipzig Conservatorium and became an exceptional coloratura soprano. Dora moved to Berlin around 1930 where she joined the Jüdische Kulturbund where Jewish musicians still performed in front of Jewish audiences throughout Nazi Germany.
As many of the cast immigrated from Germany, Dora’s career advanced in the Kulturbund. She toured Germany performing in many cities such as Hamburg, Leipzig, and Berlin. She played many operatic roles during these performances between 1936 and 1941 and received high acclaim for her singing. During this time, she developed a relationship with Curt Franz Loewy (Lewinsky) who worked as a writer in the Kulturbund. They wanted to marry, but because of the Nuremberg laws, they were prohibited to do so.
Dora’s brother, Josef, immigrated to New York in July 1938 under the sponsorship of a cousin living there. Her brother Samuel immigrated to Denmark and worked on a farm until he was evacuated to Sweden in 1941 where he lived and married in 1948. Samuel immigrated to New York in 1948 and raised two daughters, Mary and Doris (named after his sister). He died in 2005.
Dora’s sister, Syma, escaped the war by moving to Switzerland, Malta, and then Palestine where she lived until her death in 2000. Dora’s youngest brother, Bernhard (Dov), immigrated to Palestine in 1936 at the age of 14. He raised two sons there, Amos and Shai, and Dov died in 2001.
Dora’s parents, Hannah and Jakob, and her youngest sister, Leah, were deported back to Stawiski, Poland in October of 1938. There they suffered hardships, imprisonment, and months in the Lomza Ghetto. They are believed to have perished in Stawiski about August 1941.
Throughout their time in Berlin, Dora and Curt exhausted every avenue to flee Germany. They petitioned South American countries, England, and tried many times to immigrate to New York. Unfortunately, their quota number was too high and the American Embassy in Berlin closed just before their number was to be called.

Ultimately, the Nazis closed the Kulturbund in Sept. 1941 and Dora’s career came to an end. In 1941, she was forced her to work long shifts at manual labor for the Siemens company. In September 1943, Dora and Curt were deported to Auschwitz. Their last address was at 16 Trautenaustrasse. It is presumed from factual information that Kurt was sent to the gas chambers upon arrival and Dora was forced to sing in the Auschwitz orchestra using her last ounces of strength. She became infected with typhus and despite treatment in the Camp’s Nazi Hospital, she died around November 1943 at the age of 33.

Text: Jay Wilamowsky

Jay Wilamowsky (New York) ist ein Neffe von Dora Wilamowska. Rilli Wilamowsky-Willow (Tel Aviv) ist eine Großnichte von Dora Wilamowska. Zum Gedenken an Curt Lewinsky wollen sie später noch einen Stolperstein verlegen lassen.

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