Stolpersteine Trautenaustr. 11

Hauseingang Trautenaustr. 11

Hauseingang Trautenaustr. 11, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 10.06.2012

Die hier zu sehenden Stolpersteine wurden am 29.04.2012 verlegt.

Stolperstein Moritz Cohn

Stolperstein Moritz Cohn, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 10.06.2012

HIER WOHNTE
MORITZ COHN
JG. 1878
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Moritz Cohn wurde am 5. Januar 1878 in Güldenau (Połajewo, Polen) 46 km südöstlich von Posen geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Jacob Cohn und dessen Ehefrau Pauline Cohn geborene Levinsohn, war er das dritte von insgesamt fünf Kindern. Louis (*7. Oktober 1874) und Wilhelm (*9. August 1876) waren älter als er. Adolf (*23. Juni 1883) und Johanna (*17. Oktober 1887) waren jünger.

Wie sein Vater wurde Moritz Kaufmann von Beruf. Nach Beendigung seiner Lehrzeit trat er eine zweijährige Dienstzeit beim Militär an. Danach siedelte er nach Gnesen (Gniezno, Polen) über, wo er Hausbesitzer und Inhaber eines Kolonial- und Delikatessengeschäfts wurde. Er heiratete vermutlich 1904 in Gnesen mit 26 Jahren die Mutter seiner späteren Kinder Pauline (*1905), Ludwig (*1907) und Cäcilie (*1910).

Sein ältester Bruder Louis heiratete 1904 Dorothea Michelsohn (*1877) in Berlin. Sie wurden am 4. November 1905 Eltern der Zwillinge Werner Samuel Victor und Gerhard Jakob Victor Cohn.

Moritz‘ Schwester Johanna Cohn heiratete mit 32 Jahren am 25. November 1919 den ebenfalls aus Połajewo stammenden Kaufmann Felix Bürger (*24. November 1880) in Berlin.
Sein Bruder Adolf heiratete am 6. Mai 1920 Hertha Leiser in Lippehne (Lipiany, Polen) im Kreis Soldin. Sie wurden am 25. Juli 1923 Eltern von Hansgünther.

1922 ging die Familie Cohn nach Brandenburg, wo Moritz eine Rahmenfabrikation für leichte Motorräder gründete. Als ein Jahr später seine Frau starb, siedelte der 45-jährige Witwer mit seinen Kindern nach Berlin über. Pauline war damals 18, Ludwig 16 und Cäcilie 13 Jahre alt. Sie mieteten in der Niederbarnimstraße 24 eine 3 ½-Zimmer-Wohnung mit angeschlossenem Laden, wo er einen Betrieb als Zwischenmeister für die Berliner Mantelkonfektion eröffnete. Er beschäftigte einen Zuschneider und zwei Presser im Laden sowie eine Anzahl von Heimarbeitern. Da diese Firma nicht genügend abwarf, stellte Moritz sich wieder um und eröffnete ein Detailgeschäft für Textilien und Herrenwäsche. Ende 1928 gab er auch dieses Geschäft auf. Die Familie zog in die Kulmer Straße 31 in Berlin-Schöneberg, wo sie eine 4-Zimmer-Wohnung mieteten. Hier gründete Moritz seinen Vertrieb für Waren-, Unterhaltungs- und Spielautomaten.

In zweiter Ehe heiratete Moritz am 22. März 1932 die aus Bromberg stammende Verkäuferin Pauline geschiedene Simon geborene Bukofzer (*30. Mai 1892) aus der Katzbachstraße 9 in Berlin-Kreuzberg. Trauzeugen waren sein älterer Bruder Wilhelm und Paulines Bruder Abraham Adolf Bukofzer. Seine älteste Tochter Pauline war damals 27, Ludwig 25 und Cäcilie 22 Jahre alt.

Die Cohns waren ab 1934 in einer 5-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock der Trautenaustraße 11 gemeldet. Im Nachbarhaus Nr. 12 wohnte Paulines Bruder Abraham Adolf Bukofzer mit seiner Ehefrau Annie, die auch Paulines Cousine war. Moritz Cohn betrieb im Erdgeschoß des Hauses Nr. 11 seinen Automatenvertrieb mit Werkstatt und Lagerraum. Die Spielautomaten bezog er von der Firma Samson-Novelty aus Chicago in den USA. Moritz Cohn verkaufte die Automaten und hatte auch 80 Automaten auf eigene Rechnung in verschiedenen Städten aufgestellt. Da er Jude war, wurde ihm dieses von der Regierung 1935 verboten, woraufhin er die nicht beschlagnahmten Automaten einlagerte. Danach versuchte er sich durch Überarbeiten von gebrauchten Überseekoffern seinen Lebensunterhalt zu verdienen, was ihm aber nicht viel einbrachte. So war er gezwungen, einen Teil seiner Wohnung möbliert zu vermieten, und lebte von seinen Ersparnissen.

Am 3. Oktober 1936 starb die Ehefrau seines Bruders Adolf, der zu dem Zeitpunkt ganz in Moritz‘ Nähe in der Nassauischen Straße 51/52 wohnte. Adolf heiratete in zweiter Ehe Johanna Friedmann (*22. November 1897) aus Labschin (Łabiszyn, Polen) in Posen. Mit ihr war er bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 in Lippehne gemeldet. Adolfs Sohn Hansgünther war damals 16 Jahre alt und nicht mehr bei ihm gemeldet. Vielleicht konnte er mit einem Kindertransport nach Großbritannien ausreisen.

Moritz‘ ältester Bruder Louis und dessen Ehefrau Dorothea waren bei der „Minderheiten-Volkszählung“ in der Luipoldstraße 21 in Berlin-Schöneberg registriert. Am 1. August 1939 gelang ihnen noch die Emigration nach Italien. Den Zwillingen gelang schon vorher die Flucht nach Großbritannien.

Auch Moritz‘ Kinder Ludwig und Cäcilie flüchteten am 28. Juli 1939 nach Großbritannien. Ludwig war zwei Jahre im Kitchener Camp untergebracht. Cäcilie hatte den Beruf einer Röntgenassistentin erlernt. Sie starb schon 1948 in London.

Im Oktober 1941 wurde Juden die Ausreise aus dem Deutschen Reich verboten. Im Sommer 1941 mussten die drei übriggebliebenen Cohns aus der Trautenaustraße 11 ausziehen und zur Untermiete in ein Leerzimmer in die Regensburger Straße 13 ziehen. Das Zimmer befand sich im II. Stock des Gartenhauses.

Mitte November 1941 mussten sich Moritz‘ Ehefrau Pauline und seine Tochter Pauline im Sammellager in der entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 in Berlin-Tiergarten zur Deportation melden. In der Nacht zum 17. November 1941 wurden sie zusammen mit über 1.000 weiteren Leidensgenossen quer durch Berlin zum Vorortbahnhof Berlin-Grunewald getrieben, um dort den Sonderzug zu besteigen, der sie in das Ghetto Kowno (Kaunas, Litauen) brachte, wo sie am 25. November 1941 ermordet wurden. Moritz‘ Ehefrau Pauline starb mit 49 und seine Tochter Pauline mit 36 Jahren.

Da von den nach Litauen deportierten Berlinern keine Nachrichten kamen, verdichteten sich bald darauf Gerüchte von einem Massaker in Kowno.

20 Tage nach der Deportation seiner nächsten Angehörigen wurde auch Moritz von der Gestapo am 27. November 1941 zusammen mit mehr als 1.000 Leidensgenossen mit dem ersten Sonderzug nach Riga (Lettland) deportiert. Es handelte sich bereits um den
7. “Osttransport“ aus Berlin. Nach ihrer Ankunft in Riga wurden alle im nahegelegenen Wald von Rumbula am 30. November 1941 ermordet. Moritz Cohn starb mit 63 Jahren.

Sein jüngerer Bruder Adolf und dessen Ehefrau Johanna wurden am 29. Januar 1943 aus der Goltzstraße 29 in Berlin-Schöneberg nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Sein älterer Bruder Wilhelm Cohn starb am 18. Februar 1943 mit 66 Jahren im Siechenheim in der Auguststraße 14/16 an „fortschreitender Körperschwäche, Kräfteverfall und Kreislaufschwäche“. Seine Ehefrau Margarete geborene Philipp tauchte vermutlich zeitweise unter. Sie wurde am 28. Juni 1943 aus der Mommsenstraße 55 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.

Seine jüngste Schwester Johanna Bürger geborene Cohn und ihren Ehemann Felix Bürger deportierte die Gestapo am 3. Februar 1943 aus der Lietzenburger Straße 7 nach Auschwitz,
wo sie ermordet wurden.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Oktober 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Entschädigungsbehörde (LABO) Reg. Nr. 56908 – Geschädigter: Moritz Cohn, Antragsteller: Vic Collins (ehemals Ludwig Cohn)

Stolperstein Pauline Cohn

Stolperstein Pauline Cohn, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 10.06.2012

HIER WOHNTE
PAULINE COHN
GEB. BUKOFZER
JG. 1892
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Pauline Cohn wurde als Pauline Bukofzer am 30. Mai 1892 in Bromberg (Bydgoszcz, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Ludwig Louis Bukofzer (*1857) und Sophie Sara Ryfke Bukofzer geborene Silberblatt (*1859), war sie das jüngste von insgesamt fünf Kindern. Isidor (*1883) war neun, Joseph (*1884) acht, Abraham (*1886) ca. sechs und Henriette, genannt Hennie, (*1889) ca. drei Jahre älter als sie.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Friedensvertrag von Versailles wurde die mehrheitlich deutschsprachige Stadt Bromberg im Januar 1920 an die Zweite Polnische Republik abgetreten. Die Familie Bukofzer zog deshalb nach Berlin.

Mit 29 Jahren heiratete Pauline am 27. Oktober 1921 den aus Mohrungen in Ostpreußen (Morąg, Polen) stammenden Kaufmann Albert Simon (*28. September 1884) im Standesamt Berlin-Kreuzberg. Trauzeuge war ihr Onkel, der Fabrikbesitzer Moritz (Max) Silberblatt und der Privatmann Hermann Steiner, bei dem Pauline damals wohnte. Die Ehe mit Albert hielt sechs Jahre und wurde am 16. Januar 1928 geschieden.

Pauline verdiente nach der Scheidung ihren Unterhalt als Verkäuferin.

Wann und wo sie ihren späteren zweiten Ehemann, den Kaufmann Moritz Cohn, kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 22. März 1932. Pauline stand kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Durch die Ehe wurde sie Stiefmutter von drei erwachsenen Kindern, Pauline (*1905), Ludwig (*1907) und Cäcilie (*1910). Trauzeugen auf dem Standesamt in Berlin-Kreuzberg waren Moritz‘ Bruder Wilhelm Cohn aus der Fritschestraße 51 in Berlin-Charlottenburg und Paulines Bruder Abraham, genannt Adolf, Bukofzer.

Die Cohns waren ab 1934 in der Trautenaustraße 11 gemeldet. Im Nachbarhaus Nr. 12 wohnten Paulines Bruder Adolf Bukofzer und dessen Ehefrau Annie, die auch Paulines Cousine war. Paulines Ehemann Moritz betrieb im Erdgeschoss des Hauses einen Automatenvertrieb mit Werkstatt und Lagerraum.

Paulines Onkel Moritz Silberblatt zog am 1. Januar 1936 gegenüber in die Trautenaustraße 18. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ 1939 waren auch ihr Bruder Adolf und ihre Schwägerin Annie bei ihm gemeldet.

Paulines Mutter war zusammen mit ihrem ältesten Bruder Isidor und dessen Ehefrau sowie
ihrem verwitweten Bruder Joseph bei der „Minderheiten-Volkszählung“ in der
Chodowieckistraße 42 in der III. Etage des 2. Aufganges in Berlin-Prenzlauer Berg gemeldet.

Auch Schwester Hennie war mit ihrem Ehemann Arthur Hirschfeld (*1883) und ihren beiden Söhnen Ludwig und Werner (*1922) von Küstrin nach Berlin gekommen. Sie wohnten 1939 in der Regensburger Straße 28 in Berlin-Wilmersdorf und später in der Bozener Straße 10 in Berlin-Schöneberg. Ihren beiden Söhnen gelang die Flucht nach Australien.

Moritz‘ Kinder Ludwig und Cäcilie flüchteten am 28. Juli 1939 nach Großbritannien.
Im Oktober 1941 wurde Juden die Ausreise aus dem Deutschen Reich verboten.
Im Sommer 1941 mussten die drei übriggebliebenen Cohns aus der Trautenaustraße 11 ausziehen und zur Untermiete in ein Leerzimmer in die Regensburger Straße 13 ziehen. Das Zimmer befand sich im II. Stock des Gartenhauses.

Mitte November 1941 hatten sich Pauline und ihre Stieftochter und Namensvetterin Pauline im Sammellager in der entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 in Berlin-Tiergarten zu melden. In der Nacht zum 17. November 1941 wurden sie zusammen mit über 1.000 Leidensgenossen quer durch Berlin zum Vorortbahnhof Berlin-Grunewald getrieben, um dort einen Sonderzug zu besteigen, der sie nach Kowno (Kaunas, Litauen) brachte. Dort wurden sie am 25. November 1941 im Fort IX, einer Festungsanlage, die in der ersten sowjetischen Besatzungszeit in den Jahren 1940 und 1941 dem sowjetischen NKWD (Volkskommissariat für „Innere Angelegenheiten der Sowjetunion“, zuständig für Polizei, Geheimdienste, politische Strafjustiz, den Gulag und den Grenzschutz) als Gefängnis diente, ermordet. Pauline starb mit 49 Jahren. Ihre Stieftochter Pauline starb mit 36 Jahren.

Da von den nach Litauen deportierten Berlinern keine Nachrichten kamen, verdichteten sich bald darauf in Berlin Gerüchte von einem Massaker in Kowno.

20 Tage nach der Deportation seiner nächsten Angehörigen wurde auch Paulines Ehemann Moritz von der Gestapo am 27. November 1941 zusammen mit mehr als 1.000 weiteren Leidensgenossen mit dem ersten Sonderzug nach Riga (Lettland) deportiert. Es handelte sich bereits um den 7. “Osttransport“ aus Berlin. Nach ihrer Ankunft in Riga wurden alle im nahegelegenen Wald von Rumbula am 30. November 1941 ermordet. Moritz Cohn starb mit 63 Jahren.

Am 25. Januar 1942 wurden auch Paulines Schwester Hennie und deren Ehemann Arthur Hirschfeld in das Ghetto Riga deportiert. Hennie wurde später in das Konzentrationslager Stutthof gebracht, wo sie am 9. August 1944 starb. Arthur Hirschfeld war zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon tot.

Am 31. August 1942 deportierte die Gestapo Paulines Mutter Sophie Bukofzer in das Ghetto Theresienstadt und am 26. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie sie ermordeten. Sie starb mit 83 Jahren.

Paulines Bruder Joseph, ein ausgezeichneter und verwundeter Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges, wurde am 19. November 1942 ebenfalls in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb er am 23. März 1944 mit 59 Jahren.

Paulines Bruder Adolf und dessen Ehefrau Annie wurden im Rahmen der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 von der Gestapo festgesetzt. Am 12. März 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Adolf starb mit 57 Jahren und Annie mit 50 Jahren.

Nur Moritz‘ Kinder Ludwig und Cäcilie und die zwei Söhne der Schwester Hennie überlebten.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Oktober 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Entschädigungsbehörde (LABO) Reg. Nr. 56908 – Geschädigter: Moritz Cohn, Antragsteller: Vic Collins (ehemals Ludwig Cohn)

Stolperstein Pauline Cohn, JG 1905

Stolperstein Pauline Cohn, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 10.06.2012

HIER WOHNTE
PAULINE COHN
JG. 1905
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Pauline Cohn wurde am 16. Februar 1905 in Gnesen (Gniezno, Polen) geboren. Sie erhielt den Namen ihrer Großmutter Pauline. Ihr Vater war der aus Güldenau (Połajewo, Polen) stammende Kaufmann Moritz Cohn (*5. Januar 1878). Der Name ihrer Mutter ist unbekannt. Vermutlich heirateten ihre Eltern 1904 ein Jahr vor ihrer Geburt in Gnesen. Paulines Bruder Ludwig kam 1907 und ihre Schwester Cäcilie 1910, beide ebenfalls in Gnesen zur Welt.

1922 ging die Familie Cohn nach Brandenburg, wo der Vater eine Rahmenfabrikation für leichte Motorräder gründete. Als ein Jahr später seine Ehefrau und Mutter der Kinder starb, siedelte die Familie nach Berlin über. Pauline war damals 18, Ludwig 16 und Cäcilie 13 Jahre alt.

In zweiter Ehe heiratete ihr Vater am 22. März 1932 die aus Bromberg stammende 39-jährige Verkäuferin Pauline geschiedene Simon geborene Bukofzer (*30. Mai 1892) aus der Katzbachstraße 9 in Berlin-Kreuzberg. Trauzeugen waren Paulines Onkel Wilhelm und der Bruder der Braut, Adolf Bukofzer. Pauline wohnte zum Zeitpunkt der Hochzeit mit ihrem 54-jährigen Vater, ihrem 25-jährigen Bruder Ludwig und ihrer 22-jährigen Schwester Cäcilie in der Kulmer Straße 31 in Berlin-Schöneberg. Ihre Stiefmutter Pauline war 12 Jahre älter als sie.

Ab 1934 wohnten die Cohns in der Trautenaustraße 11. Paulines Vater betrieb im Erdgeschoss des Hauses einen Automatenvertrieb mit Werkstatt und Lagerraum. Auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 waren noch alle fünf Cohns hier gemeldet.

Ludwig und Cäcilie flüchteten noch am 28. Juli 1939 nach Großbritannien. Ludwig war zwei Jahre im Kitchener Camp untergebracht. Pauline blieb in Berlin.

Im Oktober 1941 wurde Juden die Ausreise aus dem Deutschen Reich verboten.
Im Sommer 1941 mussten die drei übriggebliebenen Cohns aus der Trautenaustraße 11 ausziehen und zur Untermiete in ein Leerzimmer in die Regensburger Straße 13 ziehen. Das Zimmer befand sich im II. Stock des Gartenhauses.

Mitte November hatten sich Pauline und ihre Stiefmutter im Sammellager in der entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 in Berlin-Tiergarten zu melden. In der Nacht zum 17. November 1941 wurden sie zusammen mit über 1.000 Leidensgenossen quer durch Berlin zum Vorortbahnhof Berlin-Grunewald getrieben, um dort den Sonderzug zu besteigen, der sie nach Kowno (Kaunas, Litauen) brachte. Im Fort IX, einer Festungsanlage, die in der ersten sowjetischen Besatzungszeit in den Jahren 1940 und 1941 dem sowjetischen NKWD (Volkskommissariat für „Innere Angelegenheiten der Sowjetunion“, zuständig für Polizei, Geheimdienste, politische Strafjustiz, den Gulag und den Grenzschutz) als Gefängnis diente, wurde sie am 25. November 1941 ermordet. Pauline starb mit 36 Jahren. Ihre Stiefmutter Pauline starb mit 49 Jahren.

Da von den nach Litauen deportierten Berlinern keine Nachrichten kamen, verdichten sich bald darauf in Berlin Gerüchte von einem Massaker in Kowno.

20 Tage nach der Deportation seiner nächsten Angehörigen wurde Paulines Vater Moritz von der Gestapo am 27. November 1941 zusammen mit mehr als 1.000 weiteren Leidensgenossen mit dem ersten Sonderzug nach Riga (Lettland) deportiert. Es handelte sich bereits um den 7. “Osttransport“ aus Berlin. Nach ihrer Ankunft in Riga wurden alle im nahegelegenen Wald von Rumbula am 30. November 1941 ermordet. Moritz Cohn starb mit 63 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Oktober 2025

Quellen:
Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv; Mapping the Lives; Berliner Adressbücher; Amtliche Fernsprechbücher Berlin; Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten; Personenstandsunterlagen / über ancestry; My Heritage; Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Entschädigungsbehörde (LABO) Reg. Nr. 56908 – Geschädigter: Moritz Cohn, Antragsteller: Vic Collins (ehemals Ludwig Cohn)

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