Stolperstein Hektorstraße 13

Hauseingang Hektorstr. 13

Hauseingang Hektorstr. 13, Foto: Bukschat & Flegel

Vor dem Haus Hektorstraße 13 wurde am 20. September 2011 dieser Stolperstein verlegt.

Stolperstein Betty Sommer

HIER WOHNTE
BETTY SOMMER
GEB. BERLOWITZ
JG 1881
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Betty Sommer wurde als Betty Berlowitz am 10. November 1881 in Eydtkuhnen in Ostpreußen an der Grenze zu Litauen (Tschernyschewskoje, Russland) geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Levin Berlowitz und dessen Ehefrau Johanne geborene Ehrlich.

Wann und wo Betty ihren späteren Ehemann, den aus Schlawe in Hinterpommern (Sławno, Polen) stammenden Abraham, genannt Albert, Sommer (*16. August 1864) kennenlernte, ist nicht bekannt. Alberts Eltern waren Hermann und Rode Sommer, die wie auch Bettys Eltern zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit schon verstorben waren. Die 25-jährige Betty und der 42-jährige Albert heirateten am 13. Mai 1907 in Charlottenburg vor den Toren Berlins. Albert wohnte damals in der Bleibtreustraße 13/14. Als Trauzeugen waren der Fabrikant Salomon Goldstein, Ehemann von Bettys Tante Malwine Goldstein geborene Ehrlich, und der Kaufmann Moritz Eick anwesend. Am 11. Februar 1908 wurden Betty und Albert Eltern ihrer Tochter Aurelie Ellen. Fünf Jahre später, 1913, wurde ihr Sohn Herbert geboren.

Als Albert am 8. November 1920 mit 56 Jahren starb, wohnte die Familie Sommer in der Brandenburgischen Straße 43 in Berlin-Wilmersdorf. Betty wurde mit 39 Jahren Witwe.Ihre Kinder waren erst zwölf und sieben Jahre alt.

1933, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, zog Betty mit ihren Kindern in eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Gartenhaus 1. Stock der Hektorstraße 13 in Berlin-Halensee.
Ihr 23-jähriger Sohn Herbert flüchtete am 15. November 1938 kurz nach der Reichspogromnacht nach Großbritannien und emigrierte Anfang 1939 von Southampton nach New York, USA.

Betty und Ellen blieben in Berlin zurück. Wann Ellen ihren späteren Ehemann, den kaufmännischen Angestellten Kurt Michaelis (*3. Juli 1904) kennenlernte, ist unbekannt. Er wohnte 1939, nach seiner Scheidung von seiner ersten Ehefrau, wieder bei seinen Eltern in der Waitzstraße 3 in Berlin-Charlottenburg. Sein Vater Hermann Michaelis starb am 29. März 1939, sodass Kurt bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 nur noch mit seiner Mutter Fanny Michaelis geborene Braunspan (*12. Juli 1873) dort gemeldet war. Auch Kurts jüngerer Bruder Heinz Werner (*28. Oktober 1908) war die Emigration am 16. Mai 1939 nach New York, USA gelungen. Als Kurt Michaelis und Ellen Sommer am 11. Juni 1942 heirateten, lebte Kurts Mutter Fanny schon in Shanghai, sodass Kurt zu seiner Ehefrau Ellen und deren Mutter Betty in die Hektorstraße 13 zog. Was sie damals noch nicht wissen konnten: Ihre Ehe würde nur zwei Monate dauern.

Anfang August 1942 bekamen Betty und ihr Schwiegersohn Kurt Michaelis den Deportationsbefehl in den Osten. Die 34-jährige Ellen leistete zu der Zeit Zwangsarbeit bei der Firma Siemens & Halske und wurde deshalb noch von der Deportation zurückgestellt. Betty und Kurt wurden am 15. August 1942 vom Güterbahnhof Moabit zusammen mit ca. 1.000 Leidensgenossinnen und -genossen nach Riga deportiert, wo sie kurz nach ihrer Ankunft auf dem Bahnhof Riga-Skirotava in den Wäldern von Rumbala und Bikernieki ermordet wurden. Betty Sommer geborene Berlowitz starb mit 60 Jahren. Ihr Schwiegersohn Kurt Michaelis starb mit 38 Jahren.

Bettys Tochter Ellen wohnte nun alleine in der Wohnung in der Hektorstraße 13. Ein halbes Jahr später, bei der sogenannten Fabrikaktion, wurde sie von der Gestapo am 27. Februar 1943 an ihrem Arbeitsplatz festgenommen und in ein Sammellager gebracht. Am 1. März 1943 wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurde. Ellen Michaelis geborene Sommer starb mit 35 Jahren. Ihre Schwiegermutter Fanny Michaelis starb im Mai 1945 in Shanghai.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 36312, Betty Sommer, Reg. 36A (II) 26839, Ellen Michaelis geborene Sommer