Stolpersteine Kurfürstendamm 22

Stolpersteine Kurfuerstendamm 22

Stolpersteine Kurfuerstendamm 22

Diese Stolpersteine wurden am 06.08.2011 verlegt.

Mitten auf dem Kurfürstendamm: Zeichen der Mahnung und Erinnerung von Helmut Lölhöffel, Koordinator der Stolpersteine-Initiative Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
in: Berlin aktuell – Informationen aus und über Berlin
Ausgabe Dezember 2011 | Nr. 8

Stolperstein Selma Veit

Stolperstein Selma Veit

HIER WOHNTE
SELMA VEIT
GEB. HEYMANN
JG.1889
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Die Stolpersteine für die Familie Veit wurden von Ruth und Siegbert Veit (USA), gespendet.

Stolperstein Adolf Veit

Stolperstein Adolf Veit

HIER WOHNTE
ADOLF VEIT
JG.1890
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Von Helmut Lölhöffel, Koordinator der Stolpersteine-Initiative Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf zur Einweihung der Stolpersteine für die Familie Veit:
Mitten auf dem Berliner Kurfürstendamm wurden am 6. August 2011 zum Gedenken an die von den Nazis umgebrachte Familie Veit vier Stolpersteine verlegt. Fast 72 Jahre vorher hatten sich Adolf Veit und sein damals 16-jähriger Sohn Siegbert an dieser Stelle für immer verabschiedet. Nun erlebten Siegbert Veit (88) und seine Frau Ruth (86) mit, wie die Nachwelt an seine Familie erinnert wird.

Der Kurfürstendamm, einer der weltweit bekannten einstigen Prachtboulevards, feierte 2011 sein 125-jähriges Bestehen. Der 5. Mai 1886, als die erste Dampfstraßenbahn fuhr, gilt als Geburtsstunde des „Kudamm“. Er war eine bevorzugte Adresse jüdischer Berliner. Die Stolpersteine- Initiative leistete zu diesem Jubiläum ihren eigenen Beitrag.

Im Haus mit der Nummer 22, gleich neben dem Café Kranzler, wohnte der Gastwirt Adolf Veit mit Frau Selma und den beiden Kindern Siegbert und Merry Hanna. Sie betrieben das vornehme „Speisehaus Veit“, ein koscheres Restaurant, das – so war in der Werbung zu lesen – „unter Aufsicht der Jüdischen Gemeinde“ stand. Das Lokal war bis Anfang 1943 geöffnet. Offenbar wollten die Nationalsozialisten an diesem zentralen Ort Berlins der Weltöffentlichkeit vorführen, wie „liberal“ sie waren. Aber wer traute sich, nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und nach dem Beginn der Judendeportationen, die in Berlin nicht zu verbergen waren, in ein jüdisches Restaurant zu gehen?

Dann wurde das „Speisehaus Veit“ aber doch geschlossen. Und kurz danach, am 6. März 1943, wurden Adolf, Selma und Merry Hanna sowie deren Cousine Meta Veit aus ihrer Wohnung im ersten Stock gezerrt und in Lastwagen getrieben. Vom berüchtigten Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald wurden sie dann im von den Nazis so genannten „35. Osttransport“ mit 665 Menschen nach Auschwitz deportiert. 13 Familienmitglieder sind umgebracht worden oder wurden Opfer des Kriegs. Für vier von ihnen liegen Stolpersteine in Ingelbach in der Nähe von Mainz.

Nur Siegbert und seine Tante Helene Meyer, geb. Veit, mit ihrer Familie sind dem Massenmord entkommen. Mit anderen jüdischen Schulkameraden wurde Siegbert Veit am 27. August 1939, vier Tage vor dem deutschen Überfall auf Polen, nach England in Sicherheit gebracht. Von dort ging er später in die USA, wo er bis heute in der Nähe von Chicago am Ufer des Michigan-Sees lebt. Er hat zwei Kinder, sechs Enkel und einen Urenkel.

Für ihn und seine ebenfalls mit einem Kindertransport geflüchtete Frau Ruth war die von ihm gewünschte Verlegung der Stolpersteine ein bewegendes Erlebnis.
Während der Initiator des inzwischen europaweiten Stolpersteine-Projekts, der Künstler Gunter Demnig, die Betonwürfel mit den Messingplatten, darauf die eingravierten Namen der Ermordeten, in das Pflaster einklopfte, verlas Berlins damaliger Innensenator Ehrhart Körting die Liste der 13 einstigen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Kurfürstendamm 22, die deportiert und umgebracht worden waren. Für sie alle wurden gleichzeitig Stolpersteine verlegt:
Adolf Veit, Selma Veit, Merry Hanna Veit, Meta Veit, Alice Elli Jeruchim, Manfred Jeruchim, Maria Marion Jeruchim, Georg Jeruchim, Sophie Jeruchim, Bernhard Casper, Dora Dorothea Casper, Edith Rosen, Margot Rosen.

Trotz des pausenlosen Straßenlärms und der vorbeiströmenden Touristen schien es so, als wäre ein Moment der Stille eingekehrt. Ungefähr 100 Menschen hatten sich im Kreis um die Stelle versammelt, wo Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte, und lauschten andächtig erschauernd den Worten des Senators. In einer kurzen Ansprache charakterisierte Körting das Stolpersteine-Projekt als großartige Idee, um denen ihre Namen wiederzugeben, die die Nazis auslöschen wollten, und um an ihrem letzten freiwilligen Wohnort derer zu gedenken, die keine Gräber haben.

Und dann bat Siegbert Veit ums Wort. Seine knappen Sätze berührten und ergriffen die Zuhörer: „Vor 72 Jahren hat mein Vater mich hier vor unserem Haus verabschiedet. Wir wussten beide, wir würden uns nie mehr wiedersehen. Mein Vater sagte zu mir: ‚Junge, bleib gesund und bleib ein guter Jude!‘ Heute bin ich 88. Ich denke, beides ist mir gelungen.“

Das Haus Kurfürstendamm 22 steht nicht mehr. Dort, wo Siegbert Veit seine Jugend verbrachte, liegen nun 13 Stolpersteine.

Biografische Zusammenstellung: Helmut Lölhöffel

Stolperstein Merry Hanna Veit

Stolperstein Merry Hanna Veit

HIER WOHNTE
MERRY HANNA VEIT
JG.1929
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Stolperstein Meta Veit

Stolperstein Meta Veit

HIER WOHNTE
META VEIT
JG.1923
DEPORTIERT 19.10.1942
RIGA
ERMORDET 22.10.1942

Stolperstein Bernhard Casper

Stolperstein Bernhard Casper

HIER WOHNTE
BERNHARD CASPER
JG.1882
DEPORTIERT 10.9.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.10.1944
AUSCHWITZ

Bernhard – auch Baruch – Casper wurde am 19. Mai 1882 in Briesen in Westpreußen (heute Wąbrzeźno in Polen) in eine jüdisch-orthodoxe Familie geboren. Sein Vater hieß Hermann, seine Mutter Marie geborene Friedländer. Er hatte zwei deutlich ältere Schwestern, Helene (*1871) und Karoline (*1876).

Bernhards Vater war Rabbinatsverwalter in der Briesener Synagoge. Es ist anzunehmen, dass Bernhard nach dem Besuch der jüdischen Elementarschule in dieser Synagoge eine religiöse Ausbildung erhielt. Als er ungefähr vierzehn Jahre alt war, zog die Familie nach Obersitzko (Obrzycko) in Posen um. Hier wurde sein Vater Rabbiner.

Am 25. Januar 1904 heiratete Bernhard die gleichaltrige Dora (Dorothea) Wollstein (*10. November 1882), eine Kaufmannstochter aus Meseritz in der Provinz Brandenburg (heute Międzyrzecz in Polen). Man rief sie Dorchen.

Bernhards große Schwestern waren zu diesem Zeitpunkt bereits unter der Haube: Helene hatte den Kantor und Religionslehrer Leopold – oder Lipa – Bornstein geheiratet, mit dem sie nach Bad Segeberg in Schleswig-Holstein zog, Carolina den Kultusbeamten und Schächter Jakob Tschornicki, mit dem sie erst in Rüsselsheim und später in Mainz lebte. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter Marie Casper ebenfalls nach Mainz, wo sie 1923 starb.

Bernhard und Dora Casper bekamen zwei Töchter, Johanna (*14. Oktober 1907) und Ruth (*9. Juli 1914). Die Familie scheint zu dieser Zeit in Ostrowo gelebt zu haben. Wahrscheinlich bald nach dem Ersten Weltkrieg, als Posen an Polen fiel, zog Bernhard Casper mit Frau und Töchtern nach Berlin. Er wurde Kantor und Schulsekretär in der Synagoge Grunewald in der Franzensbader Straße 7, wo die Familie auch eine Wohnung erhielt. Die Synagoge war 1923 von einem privaten Synagogenverein in einem ehemaligen Tanz- und Ausflugslokal gegründet worden. Sie bot Platz für rund 400 Gläubige. 1929, als Bernhard und Dora hier ihre silberne Hochzeit feierten, wurde sie im Einvernehmen mit dem Synagogenverein von der Jüdischen Gemeinde Berlin übernommen.

Das Ehepaar Casper erlebte die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die ersten Jahre ihres Regimes in der Synagoge Grunewald. Etwa anderthalb Jahre vor deren Zerstörung bei den “Kristallnacht”-Pogromen im November 1938 scheint Bernhard Casper Kantorenamt und Wohnung aufgegeben zu haben. Die “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 erfasste ihn und seine Frau unter der Adresse Kurfürstendamm 22.

Beide Töchter, Johanna und Ruth, waren nach Palästina emigriert, wahrscheinlich bereits 1933 oder 1934. Ruth war zu diesem Zeitpunkt wohl schon verheiratet. Möglicherweise wanderten beide gemeinsam mit Ruths Mann Wolfgang Anker und dessen Eltern aus. Über Johannas weiteren Lebensweg ist nichts bekannt, auch ihr Todesdatum ließ sich nicht feststellen. Ruth bekam mit ihrem Mann Wolfgang mindestens zwei Kinder. Sie starb 1991, mit 84 Jahren, in Israel.

Wie Bernhard und Dora Casper ihre letzten Lebensjahre verbrachten, wissen wir nicht. Ihr sehr spätes Deportationsdatum könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie versucht haben, sich zu verstecken. Als Joseph Goebbels die Stadt Berlin im Juni 1943 für “judenfrei” erklärte, waren sie jedenfalls noch dort. Im Herbst 1943 wurden sie in das Sammellager Große Hamburger Straße gebracht und von dort aus am 10. September in einem überfüllten, luftlosen Waggon nach Theresienstadt geschafft. Dort mussten sie noch über ein Jahr lang das menschenunwürdige Leben im Ghetto ertragen. Am 16. September 1944 brachte man sie gemeinsam nach Auschwitz und vergaste sie wahrscheinlich gleich nach der Ankunft. Bernhard Casper wurde 62 Jahre alt, seine Frau Dora starb kurz vor ihrem 62. Geburtstag.

Auch Bernhards große Schwestern überlebten den Holocaust nicht. Helene und ihr Mann Leopold Bornstein waren seit 1934 ständig auf der Flucht, zuerst nach Dänemark, dann nach Danzig, schließlich nach Prag. Von dort aus wurden sie im Sommer 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und ermordet. Die zu dem Zeitpunkt bereits verwitwete Karoline wurde im September 1942 von Mainz aus ebenfalls nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 1. Januar 1943. Für sie und ihren Sohn Max Tschornicki, einen Rechtsanwalt und Sozialdemokraten, der im Widerstand war, sind in Mainz Stolpersteine verlegt.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Adressbücher Berlin
  • Jüdisches Jahrbuch Groß-Berlin
  • myheritage.com, geni.com, wikitree.com
  • mappingthelives.org
  • M. Brocke et al. Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871-1945, De Gruyter 2016
  • Jüdische Presse
  • Posener Heimatblätter
  • Stolpersteine Mainz
  • Stolpersteine Bad Segeberg
  • Alemannia Judaica
Stolperstein Doro Dorothea Casper

Stolperstein Doro Dorothea Casper

HIER WOHNTE
DORA DOROTHEA
CASPER
GEB. WOLLSTEIN
JG.1882
DEPORTIERT 10.9.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.10.1944
AUSCHWITZ

Stolperstein Georg Jeruchim

Stolperstein Georg Jeruchim

HIER WOHNTE
GEORG JERUCHIM
JG.1899
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK

Wie viele andere deutschen Juden, die im Krieg für das Deutsche Kaiserreich gekämpft hatten, rettete auch Georg Jeruchim sein Einsatz im Ersten Weltkrieg nicht vor der Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten. Der Sohn von Moritz und Dora Jeruchim, geb. Less, wurde am 21. Mai 1899 in Vandsburg in Westpreußen geboren. Er hatte drei Brüder: Philipp, Bruno und Walter Jeruchim. Als Georg Jeruchim fünf Jahre alt war, verstarb sein Vater. Sein Bruder Walter kam mit 15 Jahren ums Leben. Für seinen Einsatz als Soldat des Deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg wurde Georg Jeruchim mehrfach dekoriert. Nach dem Ende des Krieges kehrte er in seine Heimat zurück und lernte das Fleischerhandwerk. Als Georg Jeruchim 26 Jahre alt war, zog er 1925 nach Berlin. Seine Ehefrau Sophie Wassermann, geboren am 27. Mai 1893, von Beruf Modistin, stammte aus Radymno in Galizien. Sie heirateten am 9. Juni 1927 in Berlin.

Die gebürtige Polin Sophie war sechs Jahre älter als Georg Jeruchim,sie war Tochter des Kaufmanns Max Wassermann. In der Hauptstadt erwarb Georg Jeruchim Fähigkeiten im Textilgewerbe und machte sich als Textilienwarenhändler selbstständig. Das gute Einkommen ermöglichte es den Jeruchims, in einer großen Eigentumswohnung am Kurfürstendamm 22 zu leben. Die Eheleute hatten drei Kinder. Ihre erste Tochter Alice Elli wurde am 20. April 1928 in Berlin geboren. Ein Jahr später folgte Sohn Manfred. 1934 zog Georg Jeruchims Mutter Dora zu der Familie und kümmerte sich mit um den Haushalt. Sie half bei der Erziehung der Kinder, insbesondere nach der Geburt der jüngsten Tochter Maria am 20. Oktober 1935. Vermutlich Ende der 1930er-Jahre flüchtete Dora Jeruchim nach Schanghai, wo sie den Krieg überlebte und 1947 verstarb.

Die Auszeichnungen für seine Dienste im Ersten Weltkrieg ermöglichten es Georg Jeruchim zunächst, trotz der zunehmenden antisemitischen Maßnahmen weiter seinem Beruf als Textilienwarenhändler nachzugehen. Vermutlich musste er seine Arbeit aber nach 1938 aufgeben.

Am 14. November 1941 wurde er mit seiner fünfköpfigen Familie nach Minsk deportiert, die jüngste Tochter Maria war zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt. Auch Georg Jeruchims Bruder Philipp, der in Seelow-Müncheberg als selbstständiger Vieh- und Pferdehändler gearbeitet hatte, wurde Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen. Er wurde im Dezember 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er am 12. Januar des Folgejahres starb. Georg Jeruchims drei Jahre jüngeren Bruder Bruno gelang es, rechtzeitig das Deutsche Reich zu verlassen. Über China emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er in San Francisco ein neues Leben begann.

Biografische Zusammenstellung: Falk Plücker

Stolperstein Sophie Jeruchim

Stolperstein Sophie Jeruchim

HIER WOHNTE
SOPHIE JERUCHIM
GEB. WASSERMANN
JG.1893
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK

Stolperstein Alice Elli Jeruchim

Stolperstein Alice Elli Jeruchim

HIER WOHNTE
ALICE ELLI
JERUCHIM
JG.1928
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK

Stolperstein Manfred Jeruchim

Stolperstein Manfred Jeruchim

HIER WOHNTE
MANFRED JERUCHIM
JG.1929
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK

Stolperstein Maria Marion Jeruchim

Stolperstein Maria Marion Jeruchim

HIER WOHNTE
MARIA MARION
JERUCHIM
JG.1935
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK

Stolperstein Edith Rosen

Stolperstein Edith Rosen

HIER WOHNTE
EDITH ROSEN
JG.1918
DEPORTIERT 3.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Edith Rosen wurde am 17. Mai 1918 in Greifenberg in Hinterpommern (Gryfice, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Hugo Rosen (*1886) und dessen aus Groß Schliewitz (Gmina Śliwice) stammende Ehefrau Fanny geborene Bieber (*20. Dezember 1890) war sie das zweite von insgesamt drei Kindern. Ihr Bruder Erich Martin (*26. August 1914) war vier Jahre älter und ihre Schwester Margot vier Jahre jünger als sie.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Edith 14 Jahre alt und wohnte bei ihren Eltern in Greifenberg. Am 29. November 1938 wurde ihr Vater im Konzentrationslager Sachsenhausen für kurze Zeit interniert. Im Dezember 1938 flüchtete ihr ältester Bruder Erich von Berlin nach Greifenberg zu seiner Mutter und anschließend nach Shanghai. Vermutlich ließ er seinen zweijährigen Sohn Arno (*15. Februar 1937) bei ihr, weil er ihn dort in Sicherheit glaubte. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ wurde angegeben, dass Arnos Großeltern väterlicherseits jüdisch und die Großeltern mütterlicherseits im Sinne der Nürnberger Gesetze nicht-jüdisch waren, demnach war er „Halbjude“. 1939 wohnten Erichs und Ediths Eltern mit Arno in der Göringstraße 25 in Wollin auf Usedom.

Wann genau Edith nach Berlin ging, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war sie zusammen mit ihrer jüngsten Schwester Margot als Untermieterin bei Veit im 1. Obergeschoss des Gartenhauses am Kurfürstendamm 22 gemeldet.

Am 12. Februar 1940 wurden Ediths Eltern mit dem kleinen Arno über Stettin in das Ghetto Piaski deportiert, wo ihr Vater Hugo am 19. Oktober 1941 und, neun Tage später, auch ihre Mutter Fanny am 28. Oktober 1941 starb. Der kleine Arno wurde nach dem Krieg für tot erklärt.

Vermutlich musste Edith in Berlin Zwangsarbeit leisten. Der Deportationsbefehl erreichte sie in der Hufelandstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg in der Wohnung ihrer Tante Erna (*9. Mai 1892), einer jüngeren Schwester ihrer Mutter, und ihres Onkels Erich (*1891), einem jüngeren Bruder ihres Vaters. Zusammen mit ihnen und ca. 950 Leidensgenossinnen und -genossen wurde Edith am 3. Februar 1943 mit dem 28. Osttransport nach Auschwitz deportiert. In einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau wurde sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Edith wurde vermutlich nicht älter als 25 Jahre.

Einen Monat später setzte die Gestapo ihre jüngere Schwester Margot im Rahmen der „Fabrikaktion“ am Arbeitsplatz fest und brachte sie in ein Sammellager. Mit dem 33. Osttransport wurde sie am 3. März 1943 mit 1.885 Leidensgenossinnen und -genossen in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet. Sie starb vermutlich mit 20 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Margot Rosen

Stolperstein Margot Rosen

HIER WOHNTE
MARGOT ROSEN
JG.1922
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Margot Rosen wurde am 16. Juni 1922 in Greifenberg in Hinterpommern (Gryfice, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Hugo Rosen (*1886) und dessen aus Groß Schliewitz (Gmina Śliwice) stammende Ehefrau Fanny geborene Bieber (*20. Dezember 1890), war sie das jüngste von insgesamt drei Kindern. Ihr Bruder Erich Martin (*26. August 1914) war acht Jahre und ihre Schwester Edith vier Jahre älter als sie.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Margot 10 Jahre alt und wohnte bei ihren Eltern in Greifenberg. Am 29. November 1938 wurde ihr Vater im Konzentrationslager Sachsenhausen für ein paar Wochen interniert, kam aber wieder frei. Im Dezember 1938 flüchtete ihr ältester Bruder Erich von Berlin nach Greifenberg zu seiner Mutter und anschließend nach Shanghai. Vermutlich ließ er seinen zweijährigen Sohn Arno (*15. Februar 1937) bei ihr. Hier glaubte er ihn in Sicherheit. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ wurde angegeben, dass Arnos Großeltern väterlicherseits jüdisch und die Großeltern mütterlicherseits im Sinne der Nürnberger Gesetze nicht-jüdisch waren, demnach war er „Halbjude“. 1939 wohnten Erichs und Margots Eltern mit Arno in der Göringstraße 25 in Wollin auf Usedom.

Wann Margot genau nach Berlin ging, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war sie zusammen mit ihrer älteren Schwester Edith als Untermieterin bei Veit im 1. Obergeschoss des Gartenhauses am Kurfürstendamm 22 gemeldet. Sie war damals 16 Jahre alt.

Am 12. Februar 1940 wurden Margots Eltern mit dem kleinen Arno über Stettin in das Ghetto Piaski deportiert, wo ihr Vater Hugo am 19. Oktober 1941 und, neun Tage später, auch ihre Mutter Fanny am 28. Oktober 1941 starb. Der kleine Arno wurde nach dem Krieg für tot erklärt.

Margots ältere Schwester Edith erreichte der Deportationsbefehl in der Hufelandstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg in der Wohnung ihrer Tante Erna (*9. Mai 1892), einer jüngeren Schwester ihrer Mutter, und ihres Onkels Erich Rosen (*1891), einem jüngeren Bruder ihres Vaters. Zusammen mit ihnen wurde Edith am 3. Februar 1943 mit dem 28. Osttransport mit ca. 950 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Edith wurde vermutlich nicht älter als 25 Jahre.

Einen Monat später setzte die Gestapo Margot im Rahmen der „Fabrikaktion“ am Arbeitsplatz fest und brachte sie in ein Sammellager. Mit dem 33. Osttransport wurde sie am 3. März 1943 mit 1.885 Leidensgenossinnen und -genossen in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und vermutlich in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet. Sie starb mit 20 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage

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