HIER WOHNTE
ELFRIEDE WOLFF
JG. 1877
DEPORTIERT 2.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Elfriede Wolff wurde am 16. Dezember 1877 in der Neuen Königstraße 77 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Leipzig stammenden Kaufmann und Maschinenfabrikanten Julius Juda Wolff (*8. August 1843) und dessen Ehefrau Laura geborene Löwenstein (*4. Dezember 1846), war sie das dritte Kind von insgesamt fünf Kindern. Ihre Schwester Emma (*7. August 1874) war drei Jahre älter als sie. Ihre Schwester Margarethe (*24. Mai 1876) wurde nur fünf Tage alt. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee beigesetzt. Drei Jahre nach Elfriede kam ihr jüngerer Bruder Theodor (*25. Juli 1880) in dem damals thüringischen (heute Sachsen-Anhalt) Sangerhausen zur Welt, wohin die Familie in der Zwischenzeit umgezogen war. Auch ihr jüngster Bruder Georg (*7. April 1886) wurde in Sangerhausen geboren. Um 1890 ging die Familie zurück nach Berlin, wo die Söhne höhere Schulen besuchten und anschließend studierten. Auch Elfriede und Emma werden vermutlich eine höhere
schulische Bildung genossen haben.
Als Elfriedes Schwester Emma am 21. Mai 1900 mit 25 Jahren den Schneidermeister Arnot Erber (*1. Februar 1877) heiratete, wohnte die Familie Wolff in der Breiten Straße 3a in Berlin-Pankow. Emma und Arnot wurden Eltern von zwei Kindern, Hedwig (*20. März 1901) und Kurt (*2. Juni 1902).
Am 9. Februar 1904 heiratete Elfriedes Bruder Theodor seine evangelische, aus Breslau stammenden Verlobte Gertrud Traeger. Sie wurden Eltern von drei Töchtern, Edith (*1904), Sylvia (*1905) und Charlotte (*1907). Theodor wurde später Dr. phil. und Schriftsteller von Beruf. Er veröffentlichte unter dem Namen Dr. Theodor Wolff-Thüring, um sich von seinem Namensvetter, dem Publizisten und Chefredakteur des Berliner Tageblatts Theodor Wolff, zu unterscheiden.
Elfriedes Bruder Georg studierte Medizin und wurde Arzt von Beruf. Georg (*7. April 1886) heiratete am 11. Januar 1919 die aus Husum stammende Ida Christina Christiansen (*5. April 1891). Sie wurden Eltern von zwei Kindern, Renate (*16. März 1920) und Peter Christian (*5. Februar 1923).
Elfriede blieb ledig und wohnte vermutlich bei ihren Eltern in der Albestraße 7 in Berlin-Friedenau. Ihre Mutter starb im 74. Lebensjahr am 27. April 1920. Vier Jahre später starb am 17. März 1924 mit 80 Jahren ihr Vater. Danach wird sie in die nahe gelegene Deidesheimer Straße 8 in ihre erste und letzte freigewählte Wohnung umgezogen sein. Hier wohnte sie auch noch während der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939.
Ihre ältere Schwester Emma war schon am 20. März 1927 mit 52 Jahren gestorben. Dem Witwer Arnot Erber und seinen Kindern gelang die Flucht nach Neuseeland. Elfriedes jüngster Bruder Georg war mit seiner Familie am 11. November 1937 in die USA emigriert.
Wann Elfriede zur Untermiete bei den Eheleuten Albert (*1884) und Johanna Kleinberger geborene Ney (*1893) in die Kaiserallee 79a (heute Bundesallee 79) zog, ist nicht bekannt. Im gleichen Haus wohnte seit 1910 ihr Bruder Theodor mit seiner Familie in einer Fünf-Zimmer-Wohnung.
Eigentlich wäre Theodor durch die „privilegierte Mischehe“ mit einer „Arierin“ vor der Deportation geschützt gewesen. Doch die Gestapo nahm ihn am 25. Januar 1943 fest und brachte ihn in verschiedene Berliner Gefängnisse. Ohne Wissen seiner Familie wurde er zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Auschwitz deportiert.
Bei der “Fabrikaktion” am 28. Februar 1943 setzte die Gestapo die 55-jährige Elfriede Wolff bei der Zwangsarbeit fest und brachte sie in ein Sammellager. Mit dem 35. Osttransport wurde sie mit mehr als 1.800 Leidensgenossinnen und -genossen am 2. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.
Alfred und Johanna Kleinberger, Elfriedes Vermieter, entgingen der Deportation durch Suizid. Beide starben am 4. März 1943 an einer Schlafmittelvergiftung im Jüdischen Krankenhaus.
Elfriedes Bruder Dr. phil. Theodor Wolff wurde am 20. Juli 1943 in Auschwitz ermordet. Für ihn wurde am 5. Juni 2004 ein Stolperstein in der Bundesallee 79 verlegt.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Februar 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
- My Heritage
- Stolpersteinbiografie für Dr. Theodor Wolff von Dr. Ruth Federspiel