HIER WOHNTE
MAX ROSENBAUM
JG. 1872
DEPORTIERT 25.6.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 19.3.1944
Max Rosenbaum wurde am 10. Mai 1872 im schlesischen Königshütte (polnisch Chorzow) Kreis Beuthen geboren. Sein Vater war Simon Salo Rosenbaum (1843 – 1913), seine Mutter hieß Johanna, geb. Wurm (1850 – 1917). Am 7. Juni 1870 hatte Salo die 20-jährige Johanna in Königshütte geheiratet, wo er als Braumeister tätig war.
Dem Ehepaar wurden vier Kinder geboren: Clara am 6. März 1871 (gest. 1925), Max am 10. Mai 1872, Anna im Jahr 1876 und Paul 1877.
1882 zog die Familie nach Kattowitz in Oberschlesien, wo Salo sich als Schankwirt niederließ.
In Berlin ist die Familie Rosenbaum erstmals 1892 unter der Adresse Wassergasse 39 gemeldet, ab 1900 wohnte sie in der Oranienburger Straße 31. Salo war bereits Rentner, als er am 5. September 1913 starb.
Max wurde Textilkaufmann und ging als solcher nach Moskau. Dort lernte er Adele Levy (*1. September 1883) kennen und heiratete sie. In Moskau wurden auch ihre zwei Kinder geboren, Therese Sophie am 23. Dezember 1904 und Waldemar am 20. August 1906. Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs muss die Familie über Schweden nach Deutschland zurückgekehrt sein. Max eröffnete 1911 in der Jerusalemer Straße 11/12 eine Handelsfirma für Textil und Bekleidung. Es war die Filiale der bekannten Samtfabrikation aus Hannover „Lindener Velvets“. Die Firma wurde 1939 liquidiert. Um 1919 gründete Max die „Ost-Compagnie für Handel und Industrie mbH“ unter der Geschäftsadresse Unter den Linden 14.
Nach Angaben eines Onkels war Max während des Krieges als Armierungssoldat eingesetzt worden.
Max Rosenbaum lebte mit seiner Familie zunächst in der Steglitzer Zimmermannstraße 3, ab 1921 in der Schloßstraße 67 in einer 6-Zimmer-Wohnung, die teilweise untervermietet war. Adele Rosenbaum arbeitete bei der Post als Dolmetscherin.
Therese war in erster Ehe mit Emanuel Kurt Aron verheiratet. Die Ehe wurde am 27. August 1925 geschlossen und 1928 geschieden. 1935 oder 1936 heiratete sie den polnischen Pelzhändler Abraham Szafran, wodurch sie die polnische Staatsbürgerschaft erhielt. Bis dahin lebte sie in der elterlichen Wohnung in der Schloßstraße. 1938 folgte das Ehepaar Thereses Bruder Waldemar nach Frankreich, sie ließen sich in Nizza nieder. Abraham wurde im Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert, Therese in Jahr später, am 17. Dezember 1943 über Drancy ebenfalls nach Auschwitz. Beide wurden ermordet.
Waldemar entging der Deportation aus Frankreich durch Flucht nach Spanien, wo er verhaftet wurde und ein Jahr im Gefängnis verbringen musste. Er hatte früh die Gefahr des heraufkommenden Nationalsozialismus erkannt und war schon 1933 nach Frankreich ausgewandert. Ein Jahr später, so berichtete er, seien seine Eltern Max und Adele nach Paris gereist, um ihn zu besuchen. Sie nutzten den Aufenthalt, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen, was aber misslang. Aus demselben Grund reisten sie nach Belgien und England, aber auch hier waren sie erfolglos. Da sie inzwischen ein Visum für die USA beantragt hatten, kehrten sie nach Berlin zurück.
Möglicherweise hatten sie zwischenzeitlich ihre Wohnung in der Schloßstraße auf den Namen eines Untermieters überschrieben und ihr Mobiliar verkauft, denn später wohnten sie nur noch möbliert und getrennt in zwei Wohnungen. Max Rosenbaum war zur Zeit der Volkszählung im Mai 1939 am Ludwigkirchplatz 7 gemeldet, vermutlich als Untermieter bei einem der jüdischen Hauptmieter des Hauses. Adele lebte in der Giesebrechtstraße 12 bei Rosenthal. Ab 1941 wurde sie zusammen als Untermieter bei dem jüdischen Ehepaar Julius und Bertha Pinner in der Spichernstraße 19 zwangseingewiesen.
Am 25. Juni 1942 wurde das Ehepaar Rosenbaum in das böhmische Ghetto Theresienstadt verschleppt. Es war der 10. Alterstransport, der insgesamt 50 Berliner Jüdinnen und Juden in das überfüllte Ghetto brachte. Max überlebte die katastrophalen Bedingungen knapp zwei Jahre, er starb am 19. März 1944. Adele war schon ein Jahr zuvor, am 17. April 1943 verstorben. Ihre Vermieter Julius und Bertha Pinner wurden am 14. August 1942 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert, wo sie nur wenige Monate nach Ankunft ums Leben gebracht wurden.
Waldemar Rosenbaum starb am 7. Juni 1977 in Nizza. Im Jahr 1957 beantragte er einen Erbschein und stellte einen Antrag auf Entschädigung für seine Eltern als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
Recherche und Text: Karin Sievert, Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf
Quellen:
- Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
- Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz
- Entschädigungsamt Berlin
- Berlin – Brandenburgisches Landeshauptarchiv
- Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin
- Landesarchiv Berlin, Standesamtsunterlagen über Ancestry
- Arolsen Archives
- Mapping The Lives
- Deportationslisten
- Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
- Loose: „Berliner Juden im Getto Litzmannstadt 1941 – 1944
- Yad Vashem – Opferdatenbank
-
Micaela Haas: Biografie Adele Rosenbaum