Stolperstein Suarezstr. 42

Hauseingang Suarezstr. 42, Foto: H-J. Hupka, 2014

Hauseingang Suarezstr. 42, Foto: H-J. Hupka, 2014

Dieser Stolperstein wurde am 11.5.2010 verlegt.

Stolperstein für Ernst Stern

Stolperstein für Ernst Stern

HIER WOHNTE
ERNST STERN
JG. 1877
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

Ernst Stern wurde am 29. August 1877 in der Genthiner Straße 9 in Berlin-Mitte geboren. Für seine Eltern, den aus Sohrau in Oberschlesien (Żory, Polen) stammenden Kaufmann Julius Jakob Stern (geb. 1851) und dessen Ehefrau Julie Stern geborene Weil (geb. 1852), war er der Jüngste von insgesamt drei Kindern. Seine Schwester Amalie Margarethe (geb. 9. Juni 1873) war vier Jahre und sein Bruder Georg (geb. 21. Februar 1875) zwei Jahre älter als er. Drei Monate vor Ernst Geburt starb Georg mit zwei Jahren am 10. Mai 1877.

Ernst wurde wie sein Vater, der kurz vor Ernsts 16. Geburtstag am 13. Juli 1893 mit 52 Jahren starb, Kaufmann von Beruf. Als 16-Jähriger ging er am 14. April 1894 als Handlungsgehilfe nach New York. Später gründete er in Berlin eine eigene Buchdruckerei. Seine Schwester Amalie Margarethe (geb. 9. Juni 1873) heiratete mit 22 Jahren am 4. Juli 1895 den 33-jährigen Dr. med. Arnold Freudenthal (geb. 11. Oktober 1861).

Seine Mutter Julie Stern geborene Weil starb mit 63 Jahren am 13. November 1914 im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde.

Wann und wo Ernst seine spätere evangelisch getaufte Ehefrau, die aus Rosenhain im Kreis Strasburg in Westpreußen stammende Buchhalterin und Geschäftsinhaberin Luise Amalie Hinz (geb. 1. März 1880) kennenlernte, ist unbekannt. Der 37-jährige Ernst und die 34-jährige Luise Amalie Hinz heirateten am 23. Januar 1915 in Charlottenburg, einem Vorort von Berlin. Als Trauzeuginnen waren die Buchhalterin Luise Klocke und die Sekretärin Hedwig Dawitz, die zusammen mit Luise Amelie in der Berliner Straße 102 wohnte, anwesend.

Die Ehe endete nach 16 Jahren am 2. Oktober 1931 mit dem Tod von Luise Amalie Stern geborene Hinz, die erst 51 Jahre alt war. Sie wohnten damals im Tegeler Weg 26. Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Ernst 55 Jahre alt und wohnte in der Suarezstraße 42.

Sein Schwager Dr. med. Arnold Freudenthal, der seine Praxis in der Rankestraße hatte, starb am 2. Dezember 1938 in der Klinik von Dr. Alexander in der Achenbachstraße 15 an einer Blutkrankheit.

Nachdem Ernst Sterns Firma circa 1937 „arisiert” wurde, gab er seine Wohnung in der Suarezstraße 42 vermutlich als Hauptmieter an die Witwe M. Tiedemann ab. Sie stand 1938 das erste Mal im Berliner Adressbuch und Ernst Stern war 1936 das letzte Mal dort verzeichnet gewesen. Frau Thiedemann hatte in der ersten Etage links des Hauses noch zwei weitere Untermieterinnen, Johanna Berth (geb. 1875) und Helene Bernhard (geb. 1872). Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war Ernst Stern der einzige Jude in der Wohngemeinschaft.

Ernsts ältere Schwester, die Witwe Margarethe Freudenthal, wurde als erste der beiden Geschwister am 24. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto Theresienstadt starb sie drei Monate später am 18. Oktober 1942 mit 69 Jahren, laut Todesfallanzeige an Magenkrebs.

Ernst bekam Ende August 1942 den Deportationsbefehl in den Osten. Am 28. August 1942 unterschrieb er seine Vermögenserklärung. Zusammen mit 800 Leidensgenossinnen und –genossen sollten sie am 31. August 1942 deportiert werden. Der 19. Osttransport verließ aber erst am 5. September 1942 den Güterbahnhof Moabit und erreichte am 8. September 1942 den Bahnhof von Riga in Lettland. Hier wurden sie in einem nahegelegenen Wald erschossen und in Massengräbern verscharrt. Ernst Stern starb mit 65 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 37151,
  • Ernst Stern