Stolpersteine Prinzregentenstr. 90

Hauseingang Prinzregentenstr. 90

Hauseingang Prinzregentenstr. 90

Die Stolpersteine wurden am 30. September 2010 vor dem Haus Prinzregentenstraße 90 verlegt.

Stolperstein für Ludwig Brodda

Stolperstein für Ludwig Brodda

HIER WOHNTE
LUDWIG BRODDA
JG. 1877
DEPORTIERT 14.11.1941
MINSK
ERMORDET

Ludwig Brodda kam am 28. Juni 1877 als Sohn des Kaufmanns Heinrich Brodda und dessen Ehefrau Mathilde geborene Brasch in Posen (Poznań) zur Welt. Er hatte eine große Schwester namens Julie (*1872), einen großen Bruder namens Gabriel (*1875) und einen kleinen Bruder namens Philipp (*1878). Wahrscheinlich in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zog die ganze Familie nach Berlin. Ludwigs Vater arbeitete dort als Handelsvertreter. Ludwig Brodda, der wohl eine kaufmännische Ausbildung genossen hatte, eröffnete 1908 zusammen mit einem Kompagnon den Textil- und Bekleidungshandel “Mamroth & Brodda” mit Sitz in der Leipziger Straße. Er arbeitete dabei auch als Handelsvertreter für ausländische Fabriken.

1910 heiratete er im hessischen Eschwege die Tochter eines dort ansässigen Lederhändlers, Erna Dörnberg; wie sich das Paar zusammengefunden hat, wissen wir nicht. Erna zog zu Ludwig nach Berlin und dort wohl gleich in die Prinzregentenstraße 90 in Wilmersdorf, wo sie im zweiten Stock des Vorderhauses wohnten. Ludwigs Eltern lebten zwei Häuser weiter.
Am 4. Juli 1912 bekam das Ehepaar Brodda eine Tochter, Lilli Alice.

Ludwigs Bruder Gabriel war in die USA ausgewandert und hatte dort geheiratet. Seine unverheiratete Schwester Julie starb 1928 in Berlin an einem Herzinfarkt. Der jüngste Bruder, Philipp, der ebenfalls Handelsvertreter war, wohnte mit seiner Frau in der Babelsberger Straße 49 in Wilmersdorf.

Ludwigs und Ernas Tochter Lilli heiratete 1936 den fünf Jahre älteren Berliner Kaufmann Heinz Karo. Dessen Vater besaß in der Cuvrystraße einen Lebensmittelgroßhandel, in dem vielleicht auch Heinz arbeitete. Lilli und Heinz scheinen bei Lillis Eltern gewohnt zu haben, jedenfalls waren alle vier – Ludwig und Erna Brodda, Lilli und Heinz Karo – zum Zeitpunkt der “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 in der Prinzregentenstraße 90 gemeldet.
Lilli und Heinz Karo gelang 1941 die Emigration in die Vereinigten Staaten. 1943 wurden sie in Hagerstown/Maryland eingebürgert. Sie änderten ihren Familiennamen von Karo zu Karr und zogen nach New York. Heinz starb dort 1982, Lilli 1991.

Ob Ludwig Brodda und seine Frau ebenfalls zu emigrieren versuchten, ist nicht bekannt. Am 14. November 1941 wurde das Ehepaar zusammen mit 998 weiteren Berliner Jüdinnen und Juden ins Ghetto Minsk deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Ludwig Brodda wurde 64 Jahre alt, seine Ehefrau Erna 56.

Ludwigs Eltern waren vor dem Holocaust gestorben. Sein kleiner Bruder Philipp emigrierte mit seiner Ehefrau wohl schon 1934 in die Schweiz, später nach Frankreich, und landete schließlich in den Vereinigten Staaten. Er überlebte den Holocaust.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
Yad Vashem
Gedenkbuch des Bundes
Holocaust Survivors and Victims Database
MyHeritage und Unterlagen in polnischen Archiven
Berliner Adressbücher
Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin
Vermögenserklärungen

Stolperstein für Erna Brodda

Stolperstein für Erna Brodda

HIER WOHNTE
ERNA BRODDA
GEB. DÖRNBERG
JG. 1885
DEPORTIERT 14.11.1941
MINSK
ERMORDET

Erna Brodda geborene Dörnberg kam am 3. Juli 1885 im nordhessischen Eschwege auf die Welt und wuchs dort auf. Ihr Vater, der Kaufmann Bernhard Dörnberg, der in Eschwege einen Lederhandel betrieb, stammte ursprünglich aus Thüringen; ihre Mutter Bertha geborene Eichenberg war Hessin. Erna war die einzige Tochter. Sie hatte zwei ältere Brüder, Siegmund und Max, und einen jüngeren Bruder, Paul.
Siegmund promovierte zum Dr. jur. und arbeitete als Rechtsanwalt und Notar in Eschwege und Kassel; Max eröffnete in Eschwege eine Drogerie; Paul war kaufmännisch tätig. Erna erlernte keinen Beruf.

1910 heiratete sie in Eschwege den aus Posen (Poznań) gebürtigen Kaufmann Ludwig Brodda. Erna war damals 25 und Ludwig 33 Jahre alt. Ludwig Brodda lebte ebenso wie seine Eltern und Geschwister bereits seit einigen Jahren in Berlin. Zusammen mit einem Kompagnon hatte er 1908 den Textil- und Bekleidungshandel “Mamroth & Brodda” mit Sitz in der Leipziger Straße gegründet und arbeitete als Handelsvertreter für ausländische Fabriken. Erna zog zu ihm nach Berlin und dort wahrscheinlich gleich in die Prinzregentenstraße 90 in Wilmersdorf. Sie lebten im zweiten Stock des Vorderhauses. Ernas Schwiegereltern wohnten zwei Häuser weiter.

Am 4. Juli 1912 bekam das Ehepaar Brodda eine Tochter, Lilli Alice. Lilli heiratete 1936 den fünf Jahre älteren Berliner Kaufmann Heinz Karo. Dessen Vater besaß in der Cuvrystraße einen Lebensmittelgroßhandel, in dem vielleicht auch Heinz arbeitete. Lilli und Heinz scheinen bei Lillis Eltern gewohnt zu haben, jedenfalls waren alle vier – Erna und Ludwig Brodda, Lilli und Heinz Karo – zum Zeitpunkt der “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 in der Prinzregentenstraße 90 gemeldet. Lilli und Heinz Karo gelang 1941 die Emigration in die Vereinigten Staaten. 1943 wurden sie in Hagerstown/Maryland eingebürgert. Sie änderten ihren Familiennamen von Karo zu Karr und zogen nach New York. Heinz starb dort 1982, Lilli 1991.

Ob Erna Brodda und ihr Mann Ludwig ebenfalls zu emigrieren versuchten, ist nicht bekannt. Am 14. November 1941 wurde das Ehepaar zusammen mit 998 weiteren Berliner Jüdinnen und Juden ins Ghetto Minsk deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Erna Brodda geborene Dörnberg wurde 56 Jahre alt, ihr Ehemann Ludwig 64.

Ernas Bruder Siegmund, der nach den Novemberpogromen 1938 im KZ Buchenwald interniert gewesen war, emigrierte mit seiner Frau und zwei Söhnen nach Chile. Ihr Bruder Paul und dessen Ehefrau hatten Deutschland ebenfalls rechtzeitig verlassen können, sie starben in den 1970er-Jahren in Brooklyn. Ihr Bruder Max starb 1941 in Eschwege; seine Ehefrau Minna wurde 1943 im Ghetto Theresienstadt ermordet.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
Yad Vashem
Gedenkbuch des Bundes
Holocaust Survivors and Victims Database
MyHeritage und Unterlagen in polnischen Archiven
Berliner Adressbücher
Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin
Vermögenserklärungen

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