Stolpersteine Landauer Straße 11

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Hausansicht Landauer Str. 11
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Die Stolpersteine für Leonhard Bock, Else Bock, Eva Mendel, Leopold Rosenthal, Irmgard Rosenthal und Klaus Manfred Rosenthal wurden am 30.09.2010 verlegt.

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Stolperstein für Leonhard Bock
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
LEONHARD BOCK
JG. 1879
DEPORTIERT 19.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Leonhard Bock wurde am 12. Oktober 1879 in Neubrandenburg geboren, seine Ehefrau Else Bock, geb. Neustadt, am 24. Dezember 1895, also am Heiligen Abend, in Berlin. Die Eltern Leonhards waren Julius und Franziska Bock, die von Else waren Emil und Selma Neustadt. Die Kinder hießen Werner und Marianne, geboren am 13. Dezember 1923 in Berlin. Sie konnten nach England flüchten.

Bocks hatten vorher in der Duisburger Straße 15 gewohnt und waren Untermieter bei dem Ehepaar Leopold (geboren 1885) und Irmgard (geboren 1899) Rosenthal in der Landauer Straße 11. Zuletzt mussten sie die Wohnung allerdings noch einmal wechseln: in die Hildegardstraße 31 zur Familie Lasnitzki.

Else und Leonhard Bock
Else und Leonhard Bock
Bild: Familienarchiv

Beide wurden zur Zwangsarbeit abkommandiert. Letzte Arbeitsstätte Leonhard Bocks war die Berliner Kunstharzpresserei, letzte Arbeitsstätte von Else Bock war bei Siemens und Halske im Wernerwerk.
Am 19.2.1943 sind Leonhard und Else Bock nach Auschwitz deportiert worden, Vorher hatten sie „Vermögenserklärungen“ abgeben müssen, in der er ein geringes Geldvermögen (8 RM bei Postbank), keine Liegenschaften oder Wertpapiere und wenige Möbel oder Kleidung angab. Leonhard Bock trug allerdings den Besitz von 800 Büchern ein. Die Schätzung des Wertes der Hinterlassenschaft nahm ein Obergerichtsvollzieher namens Lesnik vor.

In einem von der Tochter Marianne Rothwell geb. Bock und ihrem Mann Sidney Rothwell aus Manchester (Großbritannien) eingeleiteten Wiedergutmachungsverfahren, das sich jahrelang von 1949 bis 1962 hinzog, verlangte sie Entschädigung für Guthaben, Wertpapiere, Gold, Silber, Schmuck und Pelze, ein Radiogerät und Hausrat sowie für die Literatur ihres Vaters.

Leopold und Irmgard Rosenthal sind bald danach, am 17. Mai 1943, nach Auschwitz deportiert worden. Bruno, Jetty und Susi Lasnitzky sind wenige Tage nach Bocks ebenfalls nach Auschwitz deportiert worden.

Recherchen: Heiner Horsten und Helmut Lölhöffel
Quellen: Brandenburgisches Landesarchiv Potsdam; Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, Yad Vashem Jerusalem; Entschädigungsamt Berlin.

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Stolperstein für Else Bock
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ELSE BOCK
GEB. NEUSTADT
JG. 1895
DEPORTIERT 19.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolperstein für Eva Mendel
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
EVA MENDEL
GEB. VALLENTIN
JG. 1870
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
4.9.1942

Eva Mendel geb. Vallentin wurde am 2. Juni 1870 in Berlin geboren. Am Tag der Volkszählung (17.5.1939) war sie in der Landauer Straße 11 gemeldet. Zuletzt wohnte sie allerdings in der Prinzregentenstraße 6 bei Werner und Edith Karoly, die Anfang März 1943 nach Auschwitz deportiert wurden.

Die Geheime Staatspolizei hatte die 72jährige Frau zeitweise aus den Augen verloren. Am 23.8.1942 schrieb sie in ihre Akten: „Vermutlich Selbsttötung“. Obwohl Eva Mendel erst am 4. September 1942 Selbstmord beging, notierte die Gestapo aber zwölf Tage später am 16.9.1942, sie wäre „flüchtig“ und ihr Vermögen werde eingezogen.
Das erst neun Monate danach, am 15.6.1943, erfasste Inventar und Vermögen bestand aus geringem Möbelbesitz, aber einem Goldpfandbrief im Wert von 4 500 Reichsmark und einem Guthaben von etwa 10 000 RM bei der Deutschen Bank. Alles, was Eva Mendel in ihrer Verzweiflung zurückließ, kassierte der nationalsozialistische Staat. Es wurde, wie die Beamten im Oberfinanzpräsidium aufschrieben, „zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogen“.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmerdorf, Heiner Horsten.
Quelle: Landeshauptarchiv Potsdam, Akten der Geheimen Staatspolizei (Gestapo).

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Stolperstein für Leopold Rosenthal
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
LEOPOLD
ROSENTHAL
JG. 1885
DEPORTIERT 17.5.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Leopold Rosenthal wurde am 4. September 1885 in Berlin geboren. Er war verheiratet mit Irmgard, geb. Loewe, die am 11. Mai 1899 in Berlin geboren wurde. Sie wohnten in der Landauer Straße 11 in einer offenbar geräumigen Wohnung und hatten zwei Kinder: den Sohn Klaus Manfred, geboren am 10. August 1929 in Berlin-Dahlem, und die Tochter Inge, die in die Schweiz entkommen konnte und überlebt hat.

Rosenthals nahmen als Untermieter Leonhard und Else Bock auf, die vorher mit ihren zwei nach England geflüchteten Kindern in der Duisburger Straße 15 gewohnt hatten und 1943 nach Auschwitz deportiert wurden. Die letzte Wohnung von Leopold und Irmgard Rosenthal war in der Konstanzer Straße 4, wohin sie unter Zwang umquartiert wurden.

Nachdem sie abgeholt worden waren, wie üblich frühmorgens in einem Möbelwagen, um diese Aktion zu verdecken, wurden sie in die Sammelstelle Große Hamburger Straße 26, ein jüdisches Altersheim, gefahren. Dort gab Leopold Rosenthal für sich selbst, seine Ehefrau und den Sohn Vermögenserklärungen ab, die gleich waren. Er machte keine konkreten Angaben. Den archivierten Formularen ist noch heute anzusehen, dass er sie offensichtlich in einem schon verzweifelten Zustand ausfüllte. Vermögensbestandteile waren eine Lebensversicherung über 10 000 RM, Mobiliar und Besteck.

Leopold und Irmgard Rosenthal wurden zusammen mit ihrem Sohn Klaus Manfred am 17. Mai 1943 deportiert, nach Auschwitz geschafft und dort ermordet.
Die Wohnung der Rosenthals bekam am 14.3.1943 Dr. Elisabeth Fränkel, die offenbar ausgebombt war.

Recherche: Heiner Horsten. Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv

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Stolperstein für Irmgard Rosenthal
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
IRMGARD
ROSENTHAL
GEB. LOEWE
JG. 1899
DEPORTIERT 17.5.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolperstein für Klaus Manfred Rosenthal
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
KLAUS MANFRED
ROSENTHAL
JG. 1929
DEPORTIERT 17.5.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET