HIER WOHNTE
DR. MAX HEIM
JG. 1865
DEPORTIERT 28.5.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.2.1944
Dr. Max Heim wurde am 14. Februar 1865 in Neisse (Nysa) im Regierungsbezirk Oppeln in Oberschlesien als erstes von insgesamt fünf Kindern geboren. Sein Vater, der aus Pleschen (Pleszew) in Posen stammende Kaufmann Hermann Heim (*6. Januar 1842), war bei Max’ Geburt 23 Jahre alt und seine Mutter, die aus Ziegenhals (Głuchołazy), Kreis Neisse stammende Ottilie Heim geborene Goldstein (*1846), 19 Jahre alt. Es vergingen elf Jahre, bis am 20. Juni 1876 seine Schwester Margarete in der Familienwohnung An der Spandauer Brücke 2 in Berlin-Mitte zur Welt kam. Am 9. März 1878 wurden die Zwillingsbrüder Rudolf und Georg geboren. Der kleine Bruder Wilhelm, der 1880 geboren wurde, starb noch im gleichen Jahr.
Max’ Vater Hermann Heim hatte 1883 die Fayencefabrik (Feine Keramikware) von Chodziez übernommen und unter dem Namen „HM & Co. Schloss Chodziesen“ modernisiert. 1896 gelang ihm ein echter Durchbruch mit der Porzellanproduktion, in der zeitweise 2000 Mitarbeiter angestellt waren.
Max hatte an der Universität Berlin Philosophie und Chemie studiert und in Philosophie promoviert. Er wohnte auf Schloss Chodzież in Kolmar (Kolmar oder Colmar) in Posen, wo die Fayence Fabrik ansässig war, als er am 15. November 1894 heiratete. Seine Ehefrau war die aus Leobschütz (Głubczyce) stammende 28-jährige Margarete Bloch (*31. Dezember 1865), die vor der Hochzeit am Belle-Alliance-Platz 7 (heute: Mehringplatz) in Berlin-Kreuzberg wohnte. Ihre Mutter Johanna Bloch war wie Max’ Mutter Ottilie eine geborene Goldstein, vielleicht waren Max und Margarete Cousin und Cousine. Max’ Großmutter Rosalie, die Mutter seines Vaters, war eine geborene Bloch, auch hier sind verwandtschaftliche Beziehungen zu Margaretes Vater Leopold Bloch möglich.
Ein Jahr nach der Hochzeit, am 10. Dezember 1895, wurden Max und Margarete Heim in Chodzież Eltern ihrer ersten Tochter Alice. Am 2. November 1897 wurde ihre zweite Tochter Susanne ebenfalls in Chodzież geboren.
Max’ Mutter Ottilie war zwei Wochen vor Susannes Geburt am 18. Oktober 1897 mit 51 Jahren in Berlin gestorben. Seine 22-jährige Schwester Margarete heiratete am 29. Dezember 1898 den Apotheker Friedrich Bloch (*6. Mai 1859) aus Leobschütz. Friedrich war der ältere Bruder von Max’ Ehefrau. Am 13. Oktober 1899 wurde ihre Tochter Johanna Ottilie Käthe geboren.
Max’ Vater, der Witwer Hermann Heim, heiratete am 23. September 1902 mit 60 Jahren in zweiter Ehe Johanna Heymann (*19. August 1849) aus Chelmce (Chełmiczki, Polen). Vermutlich hatte er in dieser Zeit seine Porzellanfabrik verkauft und sich als Privatier zur Ruhe gesetzt.
Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim 1903 das erste Mal in der Müllerstraße 177 als Chemiker. Ab 1904 führte er in der Chausseestraße 39 ein chemisches und metallurgisches Laboratorium. Er wohnte mit seiner Familie in der Lynarstraße 14 in Spandau.
1910 wurde in der Reihe „Bibliothek der gesamten Technik“ im 145. Band Dr. Max Heims Artikel „Steingut-Fabrikation“ veröffentlicht.
Am 22. Oktober 1910 starb Hermann Heim mit 68 Jahren in Charlottenburg. Sein damals 32-jähriger Sohn Georg meldete den Tod beim Standesamt.
1920 war Dr. Max Heim Geschäftsführer der „Dr. M. Heim, chemische Auskunftei und Verwertungsgesellschaft m.b.H.“ in der Spandauer Straße 20 in Berlin-Charlottenburg.
Seit 1921 wohnten Max Heim und seine Familie in der Königin-Elisabeth-Straße 53 in Berlin-Charlottenburg.
Käthe Bloch, Max’ Nichte, heiratete am 8. Januar 1921 den Rechtsanwalt Martin Kraus (*10. Oktober 1885). Am 12. April 1922 wurden sie Eltern ihrer Tochter Eva. Martin Kraus war derjenige, der gut ein Jahr später, am 2. Januar 1923, den Tod seines Schwiegervaters Friedrich Bloch in der Eisenzahnstraße 1 in Berlin-Wilmersdorf meldete. Margarete Bloch wurde mit 47 Jahren Witwe und wohnte danach viele Jahre mit der Familie ihrer Tochter in der Paderborner Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf.
Max’ Bruder, der Kaufmann Georg Heim, und Anna Elisabeth Hamann hatten am 12. Mai 1921 geheiratet. Sie wohnten zusammen mit Georgs Zwillingsbruder Rudolf in der Duisburger Straße 12. Rudolf starb schon mit 46 Jahren am 22. August 1924 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.
Georg Heim emigrierte schon 1934 nach Südafrika, nachdem er gleich zu Beginn der Machtübernahme der Nationalsozialisten verhaftet worden war.
1938 war Max’ chemisches Laboratorium abgewickelt. Im Berliner Adressbuch stand Dr. Max Heim nur noch als Besitzer der Marks-Drogerie in der Bismarckstraße 103, wohnhaft in der III. Etage des Hauses in der Königin-Elisabeth-Straße 53.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 waren Dr. Max Heim, seine Ehefrau Margarete, seine beiden unverheirateten Töchter, die 43-jährige Alice und die 41-jährige Susanne, sowie die zweite Ehefrau seines Vaters, die 89-jährige Johanna Heim, und seine Schwägerin Martha Barth geborene Bloch in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiert, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden.
Im Dezember 1939 gelang Max’ Nichte Käthe Kraus geborene Bloch mit ihrem Ehemann und ihrer 17-jährigen Tochter Eva die Emigration nach New York, USA.
Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 in der Königin-Elisabeth-Straße 58, danach wurde die gesamte Familie bis auf Susanne in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Max’ jüngste Tochter Susanne hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte, An der Spandauer Brücke 1b, gezogen.
Als erste der Familie deportierte die Gestapo am 13. August 1942 Max’ Schwester Margarete Bloch geborene Heim in das Ghetto Theresienstadt.
Im November 1942 erhielten Johanna Heim und Martha Barth geborene Bloch den Deportationsbefehl. Am 20. November 1942 ging es vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt. Schon nach 11 Tagen, am 1. Dezember 1942, starb Johanna Heim mit 93 Jahren aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto.
Drei Monate später, am 22. Februar 1943, starb auch Margarete Bloch mit 66 Jahren. Ihr folgte am 13. April 1943 Max’ Schwägerin Martha Barth im Alter von 76 Jahren.
Wann genau Dr. Max Heim und seine Ehefrau Margarete von der Wielandstraße 17 in das „Siechenheim” in der Auguststr. 14/16 in Berlin-Mitte zwangsumgesiedelt wurden, ist nicht bekannt. Ihre Tochter Alice gab in ihrer Vermögenserklärung, die sie am 26. Januar 1943 ausfüllte und unterschrieb, an, dass ihr Haushalt in der Königin-Elisabeth-Straße 58 aus einer Person bestehe.
Seine Tochter Susanne war zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Lewinski schon am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden.
Eine Woche später, am 26. Februar 1943, wurde auch Alice deportiert und vermutlich direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.
Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo Dr. Max Heim und seine Ehefrau Margarete zusammen mit 326 weiteren gelisteten Personen mit dem 90. Alterstransport nach Theresienstadt. Dr. Max Heim starb mit 79 Jahren am 28. Februar 1944 im Ghetto. Eine Woche später, am 7. März 1944, starb auch seine Ehefrau Margarete mit 78 Jahren. Eine Familie wurde ausgelöscht.
Käthe Kraus, Tochter seiner Schwester Margarete, stellte nach dem Krieg diverse Entschädigungsanträge.
Text und Recherche: Gundula Meiering, März 2025
Quellen:
- Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Amtliche Fernsprechbücher Berlin
- Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten * Personenstandsunterlagen über Ancestry
- My Heritage
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg.36A (II) 14190 Alice Heim, Reg.36A (II) 3658 Margarete Bloch, geborene Heim