Stolpersteine Königin-Elisabeth-Str. 58

Stolpersteine vor dem Haus in der Koenigin-Elisabeth-Str. 58

Stolpersteine vor dem Haus in der Koenigin-Elisabeth-Str. 58

Die Stolpersteine für Max, Margarete, Alice und Johanna Heim und Martha Barth wurde am 4. Oktober 2010 vor dem Haus Königin-Elisabeth-Straße 58 verlegt.

Stolperstein für Dr. Max Heim

Stolperstein für Dr. Max Heim

HIER WOHNTE
DR. MAX HEIM
JG. 1865
DEPORTIERT 28.5.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.2.1944

Dr. Max Heim wurde am 14. Februar 1865 in Neisse (Nysa) im Regierungsbezirk Oppeln in Oberschlesien als erstes von insgesamt fünf Kindern geboren. Sein Vater, der aus Pleschen (Pleszew) in Posen stammende Kaufmann Hermann Heim (*6. Januar 1842), war bei Max’ Geburt 23 Jahre alt und seine Mutter, die aus Ziegenhals (Głuchołazy), Kreis Neisse stammende Ottilie Heim geborene Goldstein (*1846), 19 Jahre alt. Es vergingen elf Jahre, bis am 20. Juni 1876 seine Schwester Margarete in der Familienwohnung An der Spandauer Brücke 2 in Berlin-Mitte zur Welt kam. Am 9. März 1878 wurden die Zwillingsbrüder Rudolf und Georg geboren. Der kleine Bruder Wilhelm, der 1880 geboren wurde, starb noch im gleichen Jahr.

Max’ Vater Hermann Heim hatte 1883 die Fayencefabrik (Feine Keramikware) von Chodziez übernommen und unter dem Namen „HM & Co. Schloss Chodziesen“ modernisiert. 1896 gelang ihm ein echter Durchbruch mit der Porzellanproduktion, in der zeitweise 2000 Mitarbeiter angestellt waren.

Max hatte an der Universität Berlin Philosophie und Chemie studiert und in Philosophie promoviert. Er wohnte auf Schloss Chodzież in Kolmar (Kolmar oder Colmar) in Posen, wo die Fayence Fabrik ansässig war, als er am 15. November 1894 heiratete. Seine Ehefrau war die aus Leobschütz (Głubczyce) stammende 28-jährige Margarete Bloch (*31. Dezember 1865), die vor der Hochzeit am Belle-Alliance-Platz 7 (heute: Mehringplatz) in Berlin-Kreuzberg wohnte. Ihre Mutter Johanna Bloch war wie Max’ Mutter Ottilie eine geborene Goldstein, vielleicht waren Max und Margarete Cousin und Cousine. Max’ Großmutter Rosalie, die Mutter seines Vaters, war eine geborene Bloch, auch hier sind verwandtschaftliche Beziehungen zu Margaretes Vater Leopold Bloch möglich.

Ein Jahr nach der Hochzeit, am 10. Dezember 1895, wurden Max und Margarete Heim in Chodzież Eltern ihrer ersten Tochter Alice. Am 2. November 1897 wurde ihre zweite Tochter Susanne ebenfalls in Chodzież geboren.

Max’ Mutter Ottilie war zwei Wochen vor Susannes Geburt am 18. Oktober 1897 mit 51 Jahren in Berlin gestorben. Seine 22-jährige Schwester Margarete heiratete am 29. Dezember 1898 den Apotheker Friedrich Bloch (*6. Mai 1859) aus Leobschütz. Friedrich war der ältere Bruder von Max’ Ehefrau. Am 13. Oktober 1899 wurde ihre Tochter Johanna Ottilie Käthe geboren.

Max’ Vater, der Witwer Hermann Heim, heiratete am 23. September 1902 mit 60 Jahren in zweiter Ehe Johanna Heymann (*19. August 1849) aus Chelmce (Chełmiczki, Polen). Vermutlich hatte er in dieser Zeit seine Porzellanfabrik verkauft und sich als Privatier zur Ruhe gesetzt.

Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim 1903 das erste Mal in der Müllerstraße 177 als Chemiker. Ab 1904 führte er in der Chausseestraße 39 ein chemisches und metallurgisches Laboratorium. Er wohnte mit seiner Familie in der Lynarstraße 14 in Spandau.

1910 wurde in der Reihe „Bibliothek der gesamten Technik“ im 145. Band Dr. Max Heims Artikel „Steingut-Fabrikation“ veröffentlicht.

Am 22. Oktober 1910 starb Hermann Heim mit 68 Jahren in Charlottenburg. Sein damals 32-jähriger Sohn Georg meldete den Tod beim Standesamt.

1920 war Dr. Max Heim Geschäftsführer der „Dr. M. Heim, chemische Auskunftei und Verwertungsgesellschaft m.b.H.“ in der Spandauer Straße 20 in Berlin-Charlottenburg.
Seit 1921 wohnten Max Heim und seine Familie in der Königin-Elisabeth-Straße 53 in Berlin-Charlottenburg.

Käthe Bloch, Max’ Nichte, heiratete am 8. Januar 1921 den Rechtsanwalt Martin Kraus (*10. Oktober 1885). Am 12. April 1922 wurden sie Eltern ihrer Tochter Eva. Martin Kraus war derjenige, der gut ein Jahr später, am 2. Januar 1923, den Tod seines Schwiegervaters Friedrich Bloch in der Eisenzahnstraße 1 in Berlin-Wilmersdorf meldete. Margarete Bloch wurde mit 47 Jahren Witwe und wohnte danach viele Jahre mit der Familie ihrer Tochter in der Paderborner Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf.

Max’ Bruder, der Kaufmann Georg Heim, und Anna Elisabeth Hamann hatten am 12. Mai 1921 geheiratet. Sie wohnten zusammen mit Georgs Zwillingsbruder Rudolf in der Duisburger Straße 12. Rudolf starb schon mit 46 Jahren am 22. August 1924 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Georg Heim emigrierte schon 1934 nach Südafrika, nachdem er gleich zu Beginn der Machtübernahme der Nationalsozialisten verhaftet worden war.

1938 war Max’ chemisches Laboratorium abgewickelt. Im Berliner Adressbuch stand Dr. Max Heim nur noch als Besitzer der Marks-Drogerie in der Bismarckstraße 103, wohnhaft in der III. Etage des Hauses in der Königin-Elisabeth-Straße 53.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 waren Dr. Max Heim, seine Ehefrau Margarete, seine beiden unverheirateten Töchter, die 43-jährige Alice und die 41-jährige Susanne, sowie die zweite Ehefrau seines Vaters, die 89-jährige Johanna Heim, und seine Schwägerin Martha Barth geborene Bloch in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiert, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden.

Im Dezember 1939 gelang Max’ Nichte Käthe Kraus geborene Bloch mit ihrem Ehemann und ihrer 17-jährigen Tochter Eva die Emigration nach New York, USA.

Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 in der Königin-Elisabeth-Straße 58, danach wurde die gesamte Familie bis auf Susanne in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Max’ jüngste Tochter Susanne hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte, An der Spandauer Brücke 1b, gezogen.

Als erste der Familie deportierte die Gestapo am 13. August 1942 Max’ Schwester Margarete Bloch geborene Heim in das Ghetto Theresienstadt.

Im November 1942 erhielten Johanna Heim und Martha Barth geborene Bloch den Deportationsbefehl. Am 20. November 1942 ging es vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt. Schon nach 11 Tagen, am 1. Dezember 1942, starb Johanna Heim mit 93 Jahren aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto.

Drei Monate später, am 22. Februar 1943, starb auch Margarete Bloch mit 66 Jahren. Ihr folgte am 13. April 1943 Max’ Schwägerin Martha Barth im Alter von 76 Jahren.

Wann genau Dr. Max Heim und seine Ehefrau Margarete von der Wielandstraße 17 in das „Siechenheim” in der Auguststr. 14/16 in Berlin-Mitte zwangsumgesiedelt wurden, ist nicht bekannt. Ihre Tochter Alice gab in ihrer Vermögenserklärung, die sie am 26. Januar 1943 ausfüllte und unterschrieb, an, dass ihr Haushalt in der Königin-Elisabeth-Straße 58 aus einer Person bestehe.

Seine Tochter Susanne war zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Lewinski schon am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden.

Eine Woche später, am 26. Februar 1943, wurde auch Alice deportiert und vermutlich direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet.

Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo Dr. Max Heim und seine Ehefrau Margarete zusammen mit 326 weiteren gelisteten Personen mit dem 90. Alterstransport nach Theresienstadt. Dr. Max Heim starb mit 79 Jahren am 28. Februar 1944 im Ghetto. Eine Woche später, am 7. März 1944, starb auch seine Ehefrau Margarete mit 78 Jahren. Eine Familie wurde ausgelöscht.

Käthe Kraus, Tochter seiner Schwester Margarete, stellte nach dem Krieg diverse Entschädigungsanträge.

Text und Recherche: Gundula Meiering, März 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten * Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg.36A (II) 14190 Alice Heim, Reg.36A (II) 3658 Margarete Bloch, geborene Heim
Stolperstein für Margarete Heim

Stolperstein für Margarete Heim

HIER WOHNTE
MARGARETE HEIM
GEB. BLOCH
JG. 1865
DEPORTIERT 28.5.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 7.3.1944

Margarete Heim geborene Bloch wurde am 31. Dezember 1865 in Leobschütz (Głubczyce), Schlesien geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Leopold Bloch. Ihre Mutter hieß Johanna Bloch geborene Goldstein. Margarete war das fünfte von insgesamt sechs Kindern. Ihr ältester Bruder Richard (*1856) war Gerichtsreferendar, als er mit 30 Jahren am 18. Dezember 1886 in Berlin starb. Wie der Sterbeurkunde zu entnehmen ist, war ihr Vater zu der Zeit bereits verstorben. Ihre Mutter zog nach dem Tod ihres Ehemannes mit ihren Kindern von Leobschütz nach Berlin in die Auguststraße 50 in Mitte. Am 31. Mai 1888 heiratete ihre älteste Schwester Marie mit 31 Jahren Meyer (später Emanuel) Schindler.

Wann und wo Margarete ihren späteren Ehemann Dr. Max Heim (*14. Februar 1865) kennenlernte, ist nicht bekannt. Max hatte an der Universität Berlin Philosophie und Chemie studiert und in Philosophie promoviert. Er wohnte auf Schloss Chodzież im Kreis Colmar in Posen, wo sein Vater eine Fayence Fabrik besaß. Als sie am 15. November 1894 in Berlin heirateten, wohnte Margarete am Belle-Alliance-Platz 7 (heute Mehringplatz) in Berlin-Kreuzberg. Ihre Mutter Johanna Bloch war wie Max’ Mutter Ottilie eine geborene Goldstein, vielleicht waren Margarete und Max Cousine und Cousin. Max’ Großmutter Rosalie, die Mutter seines Vaters, war eine geborene Bloch, auch hier sind verwandtschaftliche Beziehungen zu Margaretes Vater Leopold Bloch möglich.

Ein Jahr nach der Hochzeit, am 10. Dezember 1895, wurden Max und Margarete in Chodziez Eltern ihrer ersten Tochter Alice. Am 2. November 1897 wurde ihre zweite Tochter Susanne ebenfalls in Chodzież geboren. Max’ Mutter Ottilie war zwei Wochen vor Susannes Geburt, am 18. Oktober 1897, mit 51 Jahren in Berlin gestorben.

Ihr älterer Bruder Friedrich, der Apotheker von Beruf war, nahm am 29. Dezember 1898 Max’ Schwester Margarete Heim zur Frau. Margaretes Mutter Johanna war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben. Anfang der 1900er- Jahre hatte Margaretes Schwiegervater Hermann vermutlich seine Porzellanfabrik auf Schloss Chodzież verkauft und sich als Privatier zur Ruhe gesetzt. 1902 heiratete er in zweiter Ehe Johanna Heymann (*19. August 1849) aus Chelmce. Margarete, ihr Ehemann Max und die zwei Töchter kamen in dieser Zeit zurück nach Berlin. Max führte ein chemisches und metallurgisches Laboratorium.

Margaretes Bruder Arthur starb mit 40 Jahren ledig am 20. Juni 1903. Ihre jüngste Schwester Martha war 1905 Geschäftsinhaberin einer Posamentenwaren- (Kurzwaren-) Handlung in der Schönhauser Allee 156 in Berlin-Prenzlauer Berg. 1913 heiratete sie in London Rafael Barth.

1920 war Margaretes Ehemann Geschäftsführer der „Dr. M. Heim, chemische Auskunftei und Verwertungsgesellschaft m.b.H.“ in der Spandauer Straße 20 in Berlin-Charlottenburg.
Seit 1921 wohnte die Familie dort in der Königin-Elisabeth-Straße 53.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 brachte nichts Gutes für die Geschäfte ihres Mannes. 1934 starb ihre Schwester Marie mit 76 Jahren. Maries Sohn, der Landgerichtsrat Ernst Leopold Schindler (*25. Dezember 1890), meldete ihren Tod beim Standesamt. Die Nationalsozialisten hatten ihn nach der Machtergreifung mit 43 Jahren in den Ruhestand versetzt.

1938 gab es das chemische Laboratorium von Dr. Max Heim nicht mehr. Im Berliner Adressbuch stand Dr. Max Heim nur noch als Besitzer der Marks-Drogerie in der Bismarckstraße 103, wohnhaft in der III. Etage des Hauses in der Königin-Elisabeth-Straße 53.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 waren Margarete, ihr Ehemann Dr. Max Heim, ihre beiden unverheirateten Töchter, die 43-jährige Alice und die 41-jährige Susanne sowie die 89-jährige Johanna Heim und Margaretes Schwester Martha Barth geborene Bloch in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiert, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden.

Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 in der Königin-Elisabeth-Straße 58, danach wurde die gesamte Familie bis auf Susanne in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Margaretes jüngste Tochter Susanne hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte, An der Spandauer Brücke 1b, gezogen.

Im November 1942 erhielten Johanna Heim und Margaretes Schwester Martha den Deportationsbefehl. Sie wurden nach Theresienstadt deportiert, wo Johanna im Ghetto schon nach 11 Tagen mit 93 Jahren und Martha Barth nach drei Monaten mit 76 Jahren starb.

Wann genau Margarete und ihr Ehemann Dr. Max Heim von der Wielandstraße 17 in das „Siechenheim” in der Auguststraße 14/16 in Berlin-Mitte noch einmal zwangsumgesiedelt wurden, ist nicht bekannt. Ihre Tochter Alice gab in ihrer Vermögenserklärung, die sie am 26. Januar 1943 ausfüllte und unterschrieb, an, dass ihr Haushalt aus einer Person bestehe.

Ihre Tochter Susanne war zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Lewinski schon am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Eine Woche später, am 26. Februar 1943, wurde auch Alice deportiert und vermutlich direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau einer Gaskammer ermordet.

Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo Margarete und Max Heim zusammen mit 326 weiteren gelisteten Personen mit dem 90. Alterstransport nach Theresienstadt. Margaretes Ehemann Dr. Max Heim starb mit 79 Jahren am 28. Februar 1944 im Ghetto. Eine Woche später, am 7. März 1944, starb auch Margarete mit 78 Jahren. Eine Familie wurde ausgelöscht.

Ihre Nichte Käthe Kraus, Tochter ihres Bruders Friedrich, überlebte, weil sie im Dezember 1939 mit ihrer Familie nach New York emigriert war. Ihr Neffe Ernst Leopold Schindler, Sohn ihrer Schwester Marie, überlebte aufgrund seiner Ehe mit einer nicht-jüdischen Frau.

Text und Recherche: Gundula Meiering, März 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, Bundesarchiv;
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten
  • Personenstandsunterlagen über Ancestry;
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg.36A (II) 14190 Alice Heim, Reg.36A (II) 3658 Margarete Bloch geborene Heim
Stolperstein für Alice Heim

Stolperstein für Alice Heim

HIER WOHNTE
ALICE HEIM
JG. 1895
DEPORTIERT 26.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Alice Heim wurde am 10. Dezember 1895 in Chodzież (zwischen 1878 und 1920 auch Colmar genannt) im Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen im Deutschen Reich geboren. Ihre Eltern Dr. Max Heim (*14. Februar 1865) und Margarete Bloch (*31. Dezember 1865) heirateten am 15. November 1894 in Berlin. Zwei Jahre nach Alice kam am 2. November 1897 ihre Schwester Susanne ebenfalls in Chodzież zur Welt.

Ihr Vater hatte an der Universität Berlin Philosophie und Chemie studiert und in Philosophie promoviert. Die Familie wohnte auf Schloss Chodzież, wo Alices Großvater Hermann Heim die Fayencefabrik (Feine Keramikware) von Chodzież 1883 übernommen und unter dem Namen „HM & Co. Schloss Chodziesen“ modernisiert hatte. 1896 gelang ihm mit der Porzellanproduktion, in der zeitweise 2000 Mitarbeiter angestellt waren, ein echter Durchbruch. Vermutlich verkaufte Hermann Heim um die Jahrhundertwende die Porzellanfabrik und setzte sich mit 60 Jahren als Privatier zur Ruhe.

Die Familie Heim ging in dieser Zeit zurück nach Berlin. Ihr Vater führte ein chemisches und metallurgisches Laboratorium und wohnte mit seiner Familie in der Lynarstraße 14 in Spandau. Seit 1921 wohnte die Familie in der Königin-Elisabeth-Straße 53 in Berlin-Charlottenburg. Alice war damals 25 Jahre alt. Es ist anzunehmen, dass auch sie in der Firma ihres Vaters arbeitete.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 waren Alice und ihre Familie sowie die zweite Ehefrau ihres Großvaters, die 89-jährige Johanna Heim, und ihre Tante Martha Barth geborene Bloch in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiert, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden.

Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 in der Königin-Elisabeth-Straße 58, danach wurde die gesamte Familie bis auf Alices jüngere Schwester Susanne in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Susanne hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte (An der Spandauer Brücke 1b) gezogen.

Alice leistete seit 1941 für 22 RM in der Woche Zwangsarbeit bei der Firma Osram in der Helmholtzstraße in Berlin-Charlottenburg. Am 26. Januar 1943 musste sie vor ihrer Deportation die 16-seitige Vermögenserklärung ausfüllen und unterschreiben. Wann genau ihre Eltern von der Gestapo von der Wielandstraße 17 in das „Siechenheim” in der Auguststraße 14/15 zwangsumgesiedelt wurden, ist nicht bekannt. In der Vermögenserklärung gab sie an, dass ihr Haushalt nur aus einer Person bestehe. Die Witwe ihres Großvaters, Johanna Heim, und ihre Tante Martha Barth waren schon am 20. November 1942 nach Theresienstadt deportiert worden.

Ihre Schwester Susanne war zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Lewinski eine Woche vor ihr, am 19. Februar 1943, nach Auschwitz deportiert und ermordet worden.

Erst am 24. Februar 1943 wurde ihr die Zustellungsurkunde im Sammellager in der Großen Hamburger Str. 26 übergeben. Ihr Vermögen von 1.500 RM wurde hiermit dem Deutschen Reich überschrieben. Am 26. Februar 1943 wurde Alice zusammen mit 1.099 weiteren Personen mit dem 30. Osttransport nach Auschwitz deportiert und vermutlich direkt nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Alice Heim starb mit 47 Jahren als Opfer der Verfolgung durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.
Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo Margarete und Max Heim zusammen mit 326 weiteren gelisteten Personen mit dem 90. Alterstransport nach Theresienstadt. Alices Vater Dr. Max Heim starb mit 79 Jahren, am 28. Februar 1944, aufgrund der katastrophalen Verhältnisse im Ghetto. Eine Woche später, am 7. März 1944, starb auch ihre Mutter Margarete mit 78 Jahren. Eine Familie wurde von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ausgelöscht.

Text und Recherche: Gundula Meiering, März 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten
  • Personenstandsunterlagen / über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg.36A (II) 14190 Alice Heim, Reg.36A (II) 3658 Margarete Bloch geborene Heim
Stolperstein für Johanna Heim

Stolperstein für Johanna Heim

HIER WOHNTE
JOHANNA HEIM
GEB. HEYMANN
JG. 1849
DEPORTIERT 20.11.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 1.12.1942

Johanna Heim geborene Heymann wurde am 19. August 1849 in Chelmce (Chełmiczki, Polen) im damaligen Kreis Strelno, Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen in Preußen geboren. Ihr Vater hieß Leyser Heymann und ihre Mutter war Lene Heymann geborene Latte. 1871 wurde Chelmce Bestandteil des Deutschen Reiches, Johanna war damals 22 Jahre alt.

Wann und warum sie nach Berlin ging, konnte nicht recherchiert werden. 1902 lebte die 53-jährige Johanna zusammen mit ihrem 35-jährigen Neffen Salo Josephson, Sohn ihrer verstorbenen Schwester Golde, in der Weberstraße 49 in Berlin-Lichtenrade.

Ihr späterer Ehemann, der Kaufmann Hermann Heim (*6. Januar 1842), stammte aus Pleschen (Pleszew) ungefähr 38 km von Johannas Geburtsort Chelmce entfernt. Schon sehr jung hatte er in erster Ehe Ottilie Goldstein (*1846) geheiratet und wurde mit 23 Jahren Vater seines ersten Sohnes Max. Insgesamt bekam das Ehepaar fünf Kinder. Am 18. Oktober 1897 starb Hermanns Ehefrau Ottilie mit 51 Jahren in Berlin. Hermann Heim wurde mit 55 Jahren Witwer.

Fünf Jahre später, am 23. September 1902, heirateten die 53-jährige Johanna Heymann und der 60-jährige Witwer Hermann Heim. Trauzeugen waren Josef Goldstein und Salo Josephson. Hermann Heim wohnte damals in der Winsstraße 34 in Berlin-Prenzlauer Berg. Schon 1903 waren sie im Berliner Adressbuch in der Augsburger Straße 42 in Wilmersdorf zu finden. Hermanns Schwiegersohn Friedrich Bloch arbeitete in der Apotheke im gleichen Haus.

Am 22. Oktober 1910 starb Hermann Heim mit 68 Jahren. Sein damals 32-jähriger Sohn Georg meldete den Tod beim Standesamt Charlottenburg. Johanna wurde nach acht Jahren Ehe mit 61 Jahren Witwe.

Ihr Neffe Salo Josephson starb mit 71 Jahren am 22. Mai 1938, seine Ehefrau, die er 1904 geheiratet hatte, folgte ihm am 30. Dezember 1938.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war die 89-jährige Johanna bei ihrem Stiefsohn Dr. Max Heim zusammen mit seiner Ehefrau und seinen zwei erwachsenen Töchtern Alice und Susanne in der Königin-Elisabeth-Straße 58 gemeldet. Im Berliner Adressbuch wurde vermerkt, dass die Nr. 53 in der Königin-Elisabeth-Straße nicht mehr existiere, demnach war eine Veränderung der Straßennummerierung vorgenommen worden. Das Berliner Adressbuch führte Dr. Max Heim bis einschließlich 1941 hier, danach wurde die gesamte Familie, bis auf Susanne, in die Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen. Die jüngste Tochter der Heims, Susanne, hatte 1941 mit 43 Jahren den Witwer Alfred Lewinski geheiratet und war zu ihm nach Berlin-Mitte An der Spandauer Brücke 1b gezogen.

Im November 1942 erhielten Johanna Heim und Martha Barth geborene Bloch den Deportationsbefehl. Die Gestapo forderte sie auf, eine 16-seitige Vermögenserklärung auszufüllen. Mit 98 weiteren Menschen fuhren sie am 20. November 1942 vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt. Johanna starb schon nach 11 Tagen mit 93 Jahren am 1. Dezember 1942. In der Todesfallanzeige wurde als Todesursache Alters- und Herzschwäche angegeben.

Gut drei Monate später, am 13. April 1943, starb auch Martha Barth geborene Bloch mit 76 Jahren im Ghetto Theresienstadt.

Dr. Max Heim und seine Ehefrau Margarete wurden von der Gestapo in das „Siechenheim“ in der Auguststraße 14/16 zwangseingewiesen. Am 28. Mai 1943 deportierte die Gestapo sie mit dem 90. Alterstransport mit 328 gelisteten Namen nach Theresienstadt, wo sie aufgrund der Verhältnisse 1944 starben. Ihre Töchter Alice und Susanne wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Text und Recherche: Gundula Meiering, März 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten
  • Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg.36A (II) 14190 Alice Heim, Reg.36A (II) 3658 Margarete Bloch geborene Heim
Stolperstein für Martha Barth

Stolperstein für Martha Barth

HIER WOHNTE
MARTHA BARTH
GEB. BLOCH
JG. 1867
DEPORTIERT 20.11.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.4.1943

Martha Barth geborene Bloch wurde am 6. Juli 1867 in Leobschütz (Głubczyce), Schlesien geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Leopold Bloch. Ihre Mutter hieß Johanna Bloch geborene Goldstein.
Martha war das jüngste von insgesamt sechs Kindern. Ihr ältester Bruder Richard (*1856) war Gerichtsreferendar, als er mit 30 Jahren am 18. Dezember 1886 in Berlin starb. Ihr Vater war zu der Zeit bereits verstorben. Ihre Mutter zog nach dem Tod ihres Ehemannes mit ihren Kindern von Leobschütz in die Auguststraße 50 in Berlin-Mitte.

Am 31. Mai 1888 heiratete Marthas älteste Schwester Marie mit 31 Jahren Meyer (später Emanuel) Schindler. Sechs Jahre später, 1894, heiratete ihre Schwester Margarete mit 28 Jahren Dr. Max Heim, der ebenfalls aus Schlesien stammte. Seine Mutter war wie Marthas Mutter eine geborene Goldstein, sodass verwandtschaftliche Beziehungen zu vermuten sind.

Ihr Bruder Friedrich, der Apotheker von Beruf wurde, nahm am 29. Dezember 1898 die Schwester von Max Heim, Margarete Heim, zur Frau. Ihre Mutter Johanna war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben. Ihr Bruder Arthur starb mit 40 Jahren ledig am 20. Juni 1903.

Martha war 1905 Geschäftsinhaberin, als sie zusammen mit Julius Jonas das Heiratsaufgebot bestellte. In der Schönhauser Allee 156 betrieb sie eine Posamentenwaren- (Kurzwaren-) Handlung in Berlin-Prenzlauer Berg. Da die Verlobten am 16. Mai 1905 nicht beim Standesamt erschienen, konnte die Trauung nicht stattfinden. Auch die geplante Eheschließung mit Richard Eisner am 21. Oktober 1910 fand aus gleichen Gründen nicht statt. 1913 heiratete Martha mit 46 Jahren im Londoner Stadtbezirk Holborn Rafael Barth und hieß fortan Martha Barth.

Wann genau sie nach Berlin zurückkam, ist unbekannt. 1934 starb ihre Schwester Marie mit 76 Jahren. Maries Sohn, der Landgerichtsrat Ernst Leopold Schindler (*25. Dezember 1890), der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit 43 Jahren in den Ruhestand versetzt wurde, meldete den Tod seiner Mutter beim Standesamt.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Martha in der Königin-Elisabeth-Straße 58 in Berlin-Charlottenburg gemeldet. Im gleichen Haus wohnte auch ihre Schwester Margarete mit ihrer Familie. Ungefähr 1941 wurden Martha, ihre Schwester Margarete, ihr Schwager Dr. Max Heim, ihre Nichte Alice und Johanna Heim geborene Heymann, Stiefmutter von Dr. Max Heim, in den IV. Stock der Wielandstraße 17 in Berlin-Charlottenburg zwangseingewiesen.

Im November 1942 erhielten Martha Barth geborene Bloch und Johanna Heim den Deportationsbefehl. Die Gestapo forderte sie auf, ihre 16-seitige Vermögenserklärung auszufüllen. Laut Karteikarte war Martha Barth für den 23. Osttransport am 29. November 1942 nach Auschwitz vorgesehen. Vermutlich konnte sie die Gestapo überzeugen, dass es notwendig sei, die schon 93-jährige Johanna Heim nach Theresienstadt zu begleiten.

Vom Anhalter Bahnhof in Berlin wurden sie am 20. November 1942 mit 98 weiteren Menschen nach Theresienstadt transportiert. Johanna Heim starb schon nach 11 Tagen am 1. Dezember 1942. Martha Barth starb gut drei Monate später mit 76 Jahren am 13. April 1943.

Auch ihr Schwager Dr. Max Heim, ihre Schwester Margarete, ihre Nichte Alice Heim, ihre Nichte Susanne Lewinski geborene Heim und ihre Schwägerin Margarete Bloch, Ehefrau ihres Bruders Friedrich, wurden Opfer der Verfolgung unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und starben im Holocaust.

Marthas Nichte Käthe Kraus, Tochter ihres Bruders Friedrich, war noch im Dezember 1939 mit ihrer Familie nach New York emigriert. Ihr Neffe Ernst Leopold Schindler, Sohn ihrer Schwester Marie, überlebte aufgrund seiner Ehe mit einer nicht-jüdischen Frau.

Text und Recherche: Gundula Meiering, März 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, Bundesarchiv;
  • Mapping the Lives;
  • Berliner Adressbücher;
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin;
  • Arolsen Archives – Deportationslisten, Karteikarten;
  • Personenstandsunterlagen / über Ancestry;
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg.36A (II) 14190 Alice Heim, Reg.36A (II) 3658 Margarete Bloch geborene Heim

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