Ab Januar 1925 arbeitete er als Rechtsanwalt bei einem Kollegen in der Gneisenaustraße 16, bei dem er schon als Referendar tätig war, beantragte beim Landgericht seine Aufnahme in die Rechtsanwaltsliste und bezog eine Wohnung im 4. Obergeschoss in der Kantstraße 129 in Charlottenburg. In kurzer Zeit etablierte sich Jacobsohn in Berlin und es ist davon auszugehen, dass seine Berufstätigkeit sich erfolgreich und positiv entwickelte, denn er bereitete seine Selbstständigkeit in eigenen Büroräumen vor. Zuvor wechselte er noch einmal in die Jüdenstraße, doch schon im August 1925 ließ Jacobsohn vermerken: „…dass ich am 1. August d.J. mein Büro von der Jüdenstraße verlegt habe. Ich übe meine Praxis nunmehr allein aus. Mein Büro befindet sich …in der Stralauer Straße 39 (am Molkenmarkt d.A.).“
Am 1. Juni 1926 heiratete er Marie Freudenthal geb. Riess (geb. 25. November 1887 in Groß-Wittenberg, gest. 1934 Berlin), mit der er insgesamt acht Jahre zusammenlebte. Nachdem Kurt Jacobsohn im Oktober 1931 als Notar zugelassen worden war, bedeutete dies für seine berufliche Tätigkeit im Milieu des mondänen westlichen Charlottenburg einen weiteren Karriereschritt. Im Oktober 1931 zog das Ehepaar von der Kantstraße schließlich in ein großbürgerliches Wohnhaus am Kurfürstendamm 37 um, in dem Kurt Jacobsohn als Rechtsanwalt und Notar auch seine Kanzlei betrieb.
Mit der sogenannten „Machtübernahme“ 1933 änderten sich jedoch die Lebensbedingungen für die jüdische Bevölkerung rasant. Neben den systematischen Diskriminierungen und Schikanen erlebte Kurt Jacobsohn in seinem Privatleben einen tiefen Einschnitt, denn seine Ehefrau Marie verstarb am 8. Januar 1934. In seiner beruflichen Situation vollzog sich im November 1935 eine folgenschwere Zäsur, denn ihm wurde das Notariat entzogen. Nun schien für Kurt Jacobsohn sein Leben am Kurfürstendamm allein nicht mehr möglich und er beauftragte im September 1935 das Auktionshaus Adolf Herold mit der Versteigerung seines Büro- und Wohnungsinventars. Im Versteigerungsauftrag nannte er als Grund für die Maßnahme „Verkleinerung“ und zog nach Abwicklung dieser Auktion an den Kurfürstendamm 51. Dorthin verlegte er auch seine Büroräume.
Drei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Kurt Jacobsohn 1937 die Volontärin Liesbeth Guthman (geb. 15. Februar 1910 in Worms, deportiert von Theresienstadt nach Auschwitz am 15. Mai 1944, dort ermordet). Am 16. Juni 1938 wurde ihr Sohn Hans-Adolf geboren. Die Familie zog vor der Geburt von Hans im Laufe des April 1938 vom Kurfürstendamm 51 in eine 5-Zimmer-Wohnung in der Gieselerstraße 12, wo Kurt Jacobsohn noch mit der Berufsbezeichnung Rechtsanwalt unter dieser Anschrift im Adressbuch 1939 aufgeführt ist.
Da er im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft und eine schwere Verwundung erlitten hatte, durfte er ab November 1938 als Jurist weiterarbeiten (sog. „Frontkämpferprivileg“) und war damit von dem generellen Berufsverbot ausgenommen. Trotzdem bedeutete die Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus Gesellschaft und Berufsleben auch für die Familie Jacobsohn eine massive Veränderung. Denn Kurt Jacobsohn war lediglich als jüdischer Konsulent zugelassen: ein Rechtsberater, der ausschließlich jüdische Mandanten in wenigen verbliebenen Angelegenheiten vertreten oder beraten, das Anwaltszimmer im Gericht nicht betreten und keine Robe tragen durfte.
Ausgrenzung und antisemitischer Terror entluden sich schließlich in den Pogromen vom 9. November 1938, in dessen Folge Kurt Jacobsohn festgenommen und im KZ Sachsenhausen bis Anfang Dezember 1938 interniert war.
Es ist anzunehmen, dass die gefährlichen und bedrohlichen Lebensumstände in Berlin die Familie schließlich bewogen, die Stadt zeitweise zu verlassen. Sie verbrachten im Jahre 1940/41 einige Monate bei den Eltern von Liesbeth Jacobsohn in Worms und lebten dort im Wohnhaus von Isidor Kiefer in der Kriemhildenstraße 20. Das vormalige Wohnhaus des bereits 1933 in die USA emigrierten Fabrikanten und jüdischen Gemeindevorstehers Kiefer diente in Worms vielen jüdischen Familien als temporäre Unterkunft.
Wann die Familie Jacobsohn zurück nach Berlin zog, ist zeitlich nicht fassbar. In den Adressbüchern ab 1941 ist Kurt Jacobsohn nicht mehr aufgeführt. Ab 1942 war er im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 als „Stammordner“ und beim „Abholdienst“ eingesetzt. Am 24. August 1943 zog die Familie schließlich mit einigen Möbeln in die Große Hamburger Straße um und war dort bis zu ihrer Deportation interniert. Die Wohnung in der Gieselerstraße wurde versiegelt. Drei Tage vor ihrem Abtransport nach Theresienstadt erstellte Kurt Jacobsohn seine Vermögenserklärung und am 23. Februar 1944 wurde die Familie mit dem Transport 102 vom Anhalter Bahnhof ins Ghetto nach Theresienstadt deportiert. Dieser Transport mit 73 Menschen war der letzte des Sammellagers Große Hamburger Straße. Knapp drei Monate später, am 15. Mai 1944 wurde Kurt Jacobsohn mit seiner Frau und seinem Sohn nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Mitte der 1950er-Jahre leitete die ältere Schwester von Kurt Jacobsohn, Regina Pfeiffer-Horn, die 1947 in die USA emigriert war, einen Rückerstattungsantrag für ihren Bruder und seine Familie ein. Die Kinder der ältesten Schwester Anna Amalia wurden einige Zeit später als Antragsteller mitaufgenommen, so dass diese drei Überlebenden als Erbengemeinschaft im Verfahren beim Wiedergutmachungsamt Berlin auftraten. Erst 1968 wurde das Verfahren positiv entschieden, 13 Jahre nach Antragstellung und entwürdigenden Verzögerungen von Seiten der Behörden.
Recherche und Text: Brigitte Jacob
Quellen: