Stolpersteine Düsseldorfer Str. 77

Düsseldorfer Straße 77, 27.2.2013, Foto: KHMM

Düsseldorfer Straße 77, 27.2.2013, Foto: KHMM

Die Stolpersteine für Siegbert und Else Brinitzer, Charlotte und Wolf Bodländer wurden am 12.4.2010 verlegt. Die Stolpersteine für Ida und Karl Schmey wurden am 17.02.2023 verlegt.

Stolperstein für Siegbert Brinitzer

Stolperstein für Siegbert Brinitzer

HIER WOHNTE
SIEGBERT BRINITZER
JG. 1875
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Siegbert Brinitzer wurde am 9. Juni 1875 in Dupine Kreis Paulsdorf/Rosenberg, Oberschlesien geboren. Er erhielt in Breslau eine gute Schulbildung. Er heiratete Else Frank – ihr eigentlicher Name war Anna Eliza – aus Landsberg, Oberschlesien und lebte mit ihr zunächst in Dupine.
Von dort zogen sie nach Berlin, wo er zum Kaufmann ausgebildet wurde.
Das Ehepaar hatte zwei Kinder: die Tochter Charlotte, die 1904 das Licht der Welt erblickte und den Sohn Hellmut, der 1908 in Berlin- Schöneberg geboren wurde.
Im Ersten Weltkrieg musste Siegfried Brinitzer an der Front kämpfen.
Nach der Rückkehr bekam er eine Anstellung in einer Damenhutfabrik und übernahm bald deren Generalvertretung in Berlin.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begannen die unsäglichen Einschränkungen des täglichen Lebens und Boykottmaßnahmen. Als ehemaliger Frontkämpfer erhielt er die Genehmigung, sein Geschäft selbst zu liquidieren. Die dort befindlichen Möbel musste er selbst zur Polizei bringen, wo sie spurlos verschwanden.
Damit waren die Grundlagen seiner Erwerbsmöglichkeiten verloren und er musste sich, um die Familie zu ernähren als Bodenleger verdingen.
Am 9. Januar 1942 mussten bei der Vermögenserklärung alle in der Wohnung befindlichen Möbelstücke und auch Bankguthaben und Versicherungen aufgelistet werden.
Diese Aufforderung die Vermögenserklärung auszufüllen, war ihm ein Hinweis auf die bevorstehende Deportation.
Am 12. Januar 1942 wurde die Wohnung geräumt, das Ehepaar Brinitzer am 13.Januar 1942 zum Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald getrieben und mit mehr als 1000 Berliner Juden nach Riga deportiert und dort ermordet.
Der Sohn Hellmut konnte Mitte der 30er Jahre emigrieren und lebte 15 Jahre in den USA, kehrte aber in den 50er Jahren nach Deutschlund zurück und lebte in Hamburg.
Über die Wohnung gibt es in den Akten noch eine umfangreiche Korrespondenz zwischen dem Vermieter und dem zuständigen Amt..
Der Vermieter schreibt:“ Die Wohnung kann sofort bezogen werden. In der Wohnung befanden sich bei der Inventarisierung aufgelistete Sachen im Werte von 931RM. Darunter befanden sich Kleiderschränke, Betten, Steppdecken, Stühle, Heizöfen, Kisten mit Geschirr. Die Wohnung wurde danach verschlossen.
Bei Besichtigung der Wohnung am 10.4. 42 (!) wurde festgestellt, dass eine Instandsetzungsverpflichtung besteht, die der jüdische Vormieter in jedem Fall zu übernehmen hat.“
Am 27.4.1944 fragt die Oberfinanzdirektion nach, ob noch Vermögenswerte aus der Wohnung zu holen sind.

Stolperstein für Else Brinitzer

Stolperstein für Else Brinitzer

HIER WOHNTE
ELSE BRINITZER
GEB. FRANK
JG. 1877
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Brinitzer, Else Anna –Eliza geb. Frank ´wurde am 6. August 1877 in Landsberg/Rosenberg Oberschlesien geboren. Ihre Eltern sorgten dafür, dass sie eine gute Schulbildung bekam. In der Schule erwies sie sich als fremdsprachlich sehr gewandt. Nachdem sie am 3. August 1903 mit Siegbert Brinitzer in Dupine die Hochzeit gefeiert und sie dort eine Weile gelebt hatten, zog sie mit ihrem Mann nach Berlin, wo sie die beiden Kinder Charlotte und Hellmut zur Welt brachte und versorgte.
Als ihr Mann 1914 zum Kriegsdienst eingezogen wurde, übernahm sie wichtige Tätigkeiten und konnte so die Existenz des Geschäfts zu sichern.
Sie versuchte, mit ihrem Mann die Drangsalierungen der Nazis zu durchstehen.
Mit ihm zusammen wurde sie am 13. Januar 1942 in den Zug nach Riga gepfercht und dort nach der Ankunft ermordet.

Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Landesarchiv Entschädigungsakten
Textbearbeitung Stolpersteininitiative Charlottenburg – Wilmersdorf

Stolperstein für Charlotte Bodländer

Stolperstein für Charlotte Bodländer

HIER WOHNTE
CHARLOTTE
BODLÄNDER
GEB. BRINITZER
JG. 1904
DEPORTIERT 25.1.1942
RIGA
ERMORDET

Charlotte Bodländer wurde als Charlotte Ruth Brinitzer am 15. Mai 1904 in Berlin geboren.

Für ihre Eltern, den Kaufmann Siegbert Brinitzer und dessen Ehefrau Else Anna geborene Frank, war sie das erste Kind von insgesamt zwei Kindern. Ihr Bruder Hellmut kam vier Jahre nach ihr am 31. Oktober 1908 zur Welt. Als Charlotte 10 Jahre alt war, wurde ihr Vater im Ersten Weltkrieg als Frontkämpfer eingezogen. Bis zum Ende des Krieges war ihre Mutter mit ihren beiden Kindern allein. Charlotte wurde Sekretärin von Beruf.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den Reklamezeichner Erich Bodländer (*26. Juli 1914) aus der Suarezstraße 2 in Berlin-Charlottenburg, kennenlernte, ist unbekannt. Die 32-jährige Charlotte und der 22-jährige Erich heirateten am 14. Januar 1936. Sieben Monate später wurde ihr Sohn Wolf am 17. August 1936 geboren. Charlotte wohnte damals in der Kalkreuthstraße 16 in Berlin-Schöneberg. Als Wolf anderthalb Jahre alt war, wurde die Ehe von Charlotte und Erich am 18. Februar 1938 geschieden.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Charlotte Bodlaender in der Motzstraße 87 gemeldet. Vermutlich zogen Charlotte und ihr Sohn Wolf dann vorübergehend zu ihren Eltern in die Düsseldorfer Straße 77 in Berlin-Wilmersdorf. In seiner Vermögenserklärung gab ihr Vater im Dezember 1941 an, dass seine Tochter Charlotte in der Düsseldorfer Straße 14 zur Untermiete bei der Witwe Henriette Bernstein wohne. Charlotte leistete Zwangsarbeit bei der Wintershall AG in Rudow.

Charlottes Bruder Hellmut wohnte mit seiner nichtjüdischen Ehefrau Johanna Maria Minna Brinitzer geborenen Bergmann bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 in der Winterfeldstraße 11 in Berlin-Schöneberg.

Charlottes Eltern wurden mit dem 8. Osttransport am 13. Januar 1942 nach Riga deportiert, wo sie kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Charlotte wurde mit ihrem Sohn Wolf mit dem 10. Osttransport am 25. Januar 1942 ebenfalls nach Riga deportiert. Im Gegensatz zu ihren Eltern wurden Wolf und sie in das Ghetto Riga eingewiesen, wo die beiden im März 1942 ermordet wurden. Charlotte Bodländer geborene Brinitzer starb mit 37 Jahren. Ihr Sohn Wolf starb mit 5 Jahren.

Ihr Bruder Hellmut wurde vermutlich im März 1943 in dem Arbeitserziehungslager Großbeeren interniert und anschließend nach Auschwitz deportiert. Er überlebte den Holocaust und emigrierte zusammen mit seiner Ehefrau Johanna 1948 in die USA.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Februar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 5313, Siegbert Brinitzer, Reg. 36A (II) 4269, Charlotte Bodlaender
Stolperstein für Wolf Bodländer

Stolperstein für Wolf Bodländer

HIER WOHNTE
WOLF
BODLÄNDER
JG. 1936
DEPORTIERT 25.1.1942
RIGA
ERMORDET

Wolf Bodländer wurde am 17. August 1936 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Reklamezeichner Erich Bodländer (*26. Juli 1914) aus der Suarezstraße 2 in Berlin-Charlottenburg und dessen Ehefrau, der 32-jährigen Sekretärin Charlotte Bodländer geborene Brinitzer aus der Kalkreuthstraße 16 in Berlin-Schöneberg, war er das einzige Kind.

Als Wolf anderthalb Jahre alt war, ließen sich seine Eltern am 18. Februar 1938 scheiden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Wolfs Mutter in der Motzstraße 87 gemeldet. Vermutlich zog sie später mit ihm vorübergehend zu seinen Großeltern Siegbert und Anna Brinitzer in die Düsseldorfer Straße 77 in Berlin-Wilmersdorf. Danach wohnten sie ganz in der Nähe zur Untermiete in der Düsseldorfer Straße 14 bei der Witwe Henriette Bernstein. Seine Mutter leistete Zwangsarbeit bei der Wintershall AG in Rudow, so wird Wolf viel Zeit bei seiner Großmutter in der Düsseldorfer Straße 77 verbracht haben.

Wolfs Großeltern wurden mit dem 8. Osttransport am 13. Januar 1942 nach Riga deportiert, wo sie kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Der 5-jährige Wolf wurde mit seiner Mutter mit dem 10. Osttransport am 25. Januar 1942 ebenfalls nach Riga deportiert. Im Gegensatz zu seinen Großeltern wurden Wolf und seine Mutter in das Ghetto Riga eingewiesen, wo die beiden im März 1942 ermordet wurden. Charlotte Bodländer geborene Brinitzer starb mit 37 Jahren. Ihr Sohn Wolf starb mit 5 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Februar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 5313, Siegbert Brinitzer, Reg. 36A (II) 4269, Charlotte Bodlaender
Stolperstein Ida Schmey

Stolperstein Ida Schmey

HIER WOHNTE
IDA SCHMEY
GEB. LANDSBERG
JG. 1872
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 19.11.1942

Stolperstein Karl Schmey

Stolperstein Karl Schmey

HIER WOHNTE
KARL SCHMEY
JG. 1866
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 10.9.1942

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