HIER WOHNTE
CHARLOTTE
BODLÄNDER
GEB. BRINITZER
JG. 1904
DEPORTIERT 25.1.1942
RIGA
ERMORDET
Charlotte Bodländer wurde als Charlotte Ruth Brinitzer am 15. Mai 1904 in Berlin geboren.
Für ihre Eltern, den Kaufmann Siegbert Brinitzer und dessen Ehefrau Else Anna geborene Frank, war sie das erste Kind von insgesamt zwei Kindern. Ihr Bruder Hellmut kam vier Jahre nach ihr am 31. Oktober 1908 zur Welt. Als Charlotte 10 Jahre alt war, wurde ihr Vater im Ersten Weltkrieg als Frontkämpfer eingezogen. Bis zum Ende des Krieges war ihre Mutter mit ihren beiden Kindern allein. Charlotte wurde Sekretärin von Beruf.
Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den Reklamezeichner Erich Bodländer (*26. Juli 1914) aus der Suarezstraße 2 in Berlin-Charlottenburg, kennenlernte, ist unbekannt. Die 32-jährige Charlotte und der 22-jährige Erich heirateten am 14. Januar 1936. Sieben Monate später wurde ihr Sohn Wolf am 17. August 1936 geboren. Charlotte wohnte damals in der Kalkreuthstraße 16 in Berlin-Schöneberg. Als Wolf anderthalb Jahre alt war, wurde die Ehe von Charlotte und Erich am 18. Februar 1938 geschieden.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Charlotte Bodlaender in der Motzstraße 87 gemeldet. Vermutlich zogen Charlotte und ihr Sohn Wolf dann vorübergehend zu ihren Eltern in die Düsseldorfer Straße 77 in Berlin-Wilmersdorf. In seiner Vermögenserklärung gab ihr Vater im Dezember 1941 an, dass seine Tochter Charlotte in der Düsseldorfer Straße 14 zur Untermiete bei der Witwe Henriette Bernstein wohne. Charlotte leistete Zwangsarbeit bei der Wintershall AG in Rudow.
Charlottes Bruder Hellmut wohnte mit seiner nichtjüdischen Ehefrau Johanna Maria Minna Brinitzer geborenen Bergmann bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 in der Winterfeldstraße 11 in Berlin-Schöneberg.
Charlottes Eltern wurden mit dem 8. Osttransport am 13. Januar 1942 nach Riga deportiert, wo sie kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Charlotte wurde mit ihrem Sohn Wolf mit dem 10. Osttransport am 25. Januar 1942 ebenfalls nach Riga deportiert. Im Gegensatz zu ihren Eltern wurden Wolf und sie in das Ghetto Riga eingewiesen, wo die beiden im März 1942 ermordet wurden. Charlotte Bodländer geborene Brinitzer starb mit 37 Jahren. Ihr Sohn Wolf starb mit 5 Jahren.
Ihr Bruder Hellmut wurde vermutlich im März 1943 in dem Arbeitserziehungslager Großbeeren interniert und anschließend nach Auschwitz deportiert. Er überlebte den Holocaust und emigrierte zusammen mit seiner Ehefrau Johanna 1948 in die USA.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Februar 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
- My Heritage
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 5313, Siegbert Brinitzer, Reg. 36A (II) 4269, Charlotte Bodlaender