Stolpersteine Marburger Straße 1

Hausansicht Marburger Str. 1

Der Stolperstein für Irene Meyer wurde am 12.04.2010 verlegt.

Die Stolpersteine für Egon und Ilse Loewenberg wurden am 10.10.2017 verlegt und von Ines und Bernhard Hagemeyer gespendet..

Stolperstein für Irene Meyer

Stolperstein für Irene Meyer

HIER WOHNTE
IRENE MEYER
JG. 1873
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 11.5.1943

Irene Meyer wurde am 8. Juli 1873 in Hamburg geboren. Über ihre Herkunft und ihre Motivation, nach Berlin zu ziehen, war nichts zu recherchieren. Sie blieb ledig und kinderlos.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Irene 59 Jahre alt. Im Amtlichen Fernsprechbuch Berlin 1932 findet sich eine Irene Meyer im Holzhof-Centrum in Reinickendorf.

1935 zog sie in eine 3-Zimmer-Wohnung im dritten Stock des Vorderhauses in der Marburger Str. 1 an der Ecke Tauentzienstraße. Die Miete der Wohnung mit Innentoilette betrug 75 RM. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wurde nicht nur Irene Meyer in dieser Wohnung registriert, sondern auch die aus Westpreußen stammende Hedwig Strauß geborene Salomon (*12. März 1892). Ihr hatte Irene Meyer ein möbliertes Zimmer ihrer Wohnung für 36 RM untervermietet.

Anfang Juli 1942 bekam Irene Meyer die Aufforderung, eine Vermögenserklärung auszufüllen, die sie am 15. Juli 1942 unterschrieb. Ihre Miete hatte sie bis zum 31. Juli 1942 bezahlt. Es ist anzunehmen, dass sie bis zu ihrer Deportation mehr als zwei Monate in der Großen Hamburger Straße interniert wurde.

Zusammen mit 1021 Leidensgenossinnen und -genossen wurde sie von der Gestapo am 3. Oktober 1942 mit dem „3. großen Alterstransport“ vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Im Ghetto von Theresienstadt fand sie unmenschliche Lebensbedingungen vor.
Sie überlebte trotzdem mehr als sieben Monate. Irene Meyer starb am 11. Mai 1943, einen Monat nach ihrem 70. Geburtstag.

Am 5. April 1943 wurde ihre Wohnung in der Marburger Straße 1 bis auf das untervermietete Zimmer geräumt. Für Möbel und Hausrat wurden dem Oberfinanzpräsidenten nach Abzug von 30 % von einem Möbelhändler 637,78 RM gutgeschrieben.

Die Untermieterin Hedwig Strauß blieb nach Irene Meyers Deportation weiterhin in der Wohnung. Sie wurde am 19. April 1943 mit dem „37. Osttransport” nach Auschwitz deportiert, wo man sie vermutlich in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordete. Ihr Zimmer in der Marburger Straße 1 wurde am 18. Mai 1943 geräumt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, November 2025

Quellen:
  • Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 – Bundesarchiv
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 26515 Irene Meyer

Irene Meyer wurde am 8.7.1873 in Hamburg geboren.

Stolperstein Egon Loewenberg

HIER WOHNTE
EGON LOEWENBERG
JG. 1900
DEPORTIERT 1.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Egon Loewenberg kam am 9. August 1900 als zweiter Sohn des Hals- Nasen- und Ohrenarztes Dr. Richard Loewenberg und seiner Frau Margarete geb. Levy in Berlin zur Welt. Sein älterer Bruder Herbert wurde 1897 geboren und verstarb bereits 1906. Sein jüngerer Bruder Fritz, der 1907 ebenfalls in Berlin auf die Welt kam wurde Physiotherapeut und konnte 1938 nach Uruguay fliehen.

Egon Loewenberg machte Abitur und studierte einige Semester Medizin.Wegen der Krankheit seines Vaters gab er das Studium auf und wurde nach vorübergehender kaufmännischer Tätigkeit Dentist. Er betrieb eine eigene Praxis in der Kantstraße 129 a.

Seine erste Ehe mit Charlot (Lotte) Meinhardt wurde geschieden. Dann heiratete er Ilse Hammerstein, die am 5. Februar 1900 ebenfalls in Berlin geboren worden war. Über ihre Familie und Ausbildung ist nichts bekannt. Beide Ehen blieben kinderlos.

Das Ehepaar Egon und Ilse Loewenberg wohnte in der Marburger Straße 1, dem „Salamanderhaus”. Egon Loewenberg wurde längere Zeit zu Zwangsarbeit verpflichtet.

Seine Tante Käthe Haendschke schrieb in einer „eidesstattlichen Versicherung“ (o.D.):
„Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass mein Neffe Egon Loewenberg bis zu seiner Deportation, also ca. in den Jahren ab 1941, als Straßenfeger tätig sein musste.“

Sein Bruder Fritz Loewenberg schrieb in einem Verhandlungsprotokoll (Deutsche Botschaft Montevideo, 6.7.1955, Beurk. Reg. Nr. 896/55):
„In den letzten Jahren vor seiner Deportation hat mein Bruder Zwangsarbeit geleistet und sicher auch den Judenstern getragen. Dass er Zwangsarbeit geleistet hat, ist mir aus seinen Mitteilungen, die ich über das Rote Kreuz bis etwa 1941 oder 1942 erhalten habe, bekannt.“

Egon und Ilse Loewenberg wurden aus der Marburger Str.1 „abgeholt” und zum Güterbahnhof Moabit verbracht. Von dort wurden sie am 1. März 1943 mit dem sog. „31. Osttransport” nach Auschwitz deportiert. In diesem Deportationszug befanden sich 1736 jüdische Berlinerinnen und Berliner, die bis dahin wegen ihres „kriegswichtigen Arbeitseinsatzes” als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in der Rüstungsindustrie von der Deportation verschont geblieben waren. Am 27. Februar 1943 wurden sie in der reichsweiten sog. „Fabrikaktion” an ihren Arbeitsplätzen verhaftet und vom Güterbahnhof Moabit aus nach Auschwitz deportiert. Sie wurden als arbeitsfähig eingestuft und in dem damals eigens in Auschwitz-Monowitz eingerichteten Zweigwerk der zu I.G. Farben gehörenden Buna-Werke zur Zwangsarbeit herangezogen.

Auch Egon Loewenberg musste dort arbeiten und erkrankte aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Er wurde am 5. März 1943 aus dem Häftlingskrankenbau Buna in Auschwitz-Monowitz in den Häftlingskrankenbau des Stammlagers Auschwitz überstellt und am 24. Mai 1943 ermordet. Von Ilse Loewenberg ist kein genaues Todesdatum bekannt.

Biografische Zusammenstellung: Gisela Morel-Tiemann nach Angaben von Ines und Bernhard Hagemeyer

Quellen:
- Volkszählung vom 17.5.1939
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Deportationsliste: OT31-17.jpg (1209×849) (statistik-des-holocaust.de) Nrn. 330 + 908
- Buna-Werke – Wikipedia
- KZ Auschwitz III Monowitz – Wikipedia
- Auszug aus den Namensverzeichnissen von kranken Häftlingen, die im KZ Auschwitz/ Häftlingskrankenbau Monowitz behandelt wurden. ITS-Arolsen
- Bernhard Hagemeyer: Chalet Grunewald, Hamburg 2016, biografischer Roman auf der Basis historischer Tatsachen und von Erinnerungen der noch lebenden Zeitzeugin, Ines Loewenberg

Stolperstein Ilse Loewenberg

HIER WOHNTE
ILSE LOEWENBERG
GEB. HAMMERSTEIN
JG. 1900
DEPORTIERT 1.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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