Stolpersteine Uhlandstraße 114/115

Hauseingang Uhlandstr. 114/115, 25.03.2012

Hauseingang Uhlandstr. 114/115

Die Stolpersteine für die Familie Arnade wurden am 11.12.2006 verlegt.
Die Stolpersteine für Anna und Jenny Pelteson wurden am 23.08.2011 verlegt.

Stolperstein Herbert Arnade, 25.03.2012

Stolperstein Herbert Arnade, 25.03.2012

HIER WOHNTE
HERBERT ARNADE
JG. 1908
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Herbert Arnade wurde am 16. Februar 1908 in Görlitz geboren. Seine Frau Katja Arnade ist am 22. Juni 1919 in Berlin geboren. Ihr Sohn Uriel Arnade erblickte am 3. Mai 1943 in Berlin das Licht der Welt, die er nie zu sehen bekam. Uriel wurde mit nicht einmal eineinhalb Jahren grausam ermordet. Er wurde in Auschwitz ins offene Feuer geworfen.

Die Eltern von Herbert Arnade waren Paul (1874-1942) und Margarete Arnade geb. Pinoff (1886-1944). Der Großvater Julius Arnade (1844-1915) hatte 1872 die Görlitzer Kofferfabrik gegründet, die Paul weiterführte. Das Gebäude in Zgorzelc-Ujazd (früher Görlitz-Moys) ist noch vorhanden. Dort wurden Koffer, Gepäckstücke, Reise- und Schultaschen und Rucksäcke aus Leder hergestellt. Julius Arnade war Stadtverordneter und wurde zum Königlichen Kommerzienrat ernannt.

Adressbucheintrag der Firma Arnade

In Görlitz ließ Julius Arnade 1916 eine Villa mit riesigem Park in der Holteistraße 7 bauen. Sie wurde 2015 zum Verkauf angeboten.
1936 war die Fabrik von den Nazis geschlossen worden, da der Besitzer Paul Arnade zur damals starken jüdischen Bevölkerung der Stadt gehörte. Er war ein angesehener Bürger und Vorsitzender des Görlitzer Verkehrsvereins.

Herbert Arnade

Herbert Arnade war evangelisch getauft. Nach seinem Studium arbeitete er als Diplom-Ingenieur bei Siemens&Halske in Berlin. Er wohnte in Wilmersdorf in der Uhlandstraße 114/115 und befreundete sich mit seinem Kollegen Willy Schülke (1905-1987), der in Prenzlauer Berg wohnte und wie er Hobby-Astrologe war. Beide fertigten Horoskope an.

Während Arnades Bruder Hans Peter nach Johannesburg (Südafrika) flüchtete, blieb Herbert in Deutschland, obwohl ihn sein Freund Willy bedrängte, er solle in Ausland gehen. Doch schon am Arbeitsplatz wurde er gedemütigt, indem er Anfang der 1940er Jahre zur Hilfskraft herabgestuft und in eine Werkstatt abkommandiert wurde. Diese und andere Verfolgungen ertrug er, weil er dachte, er würde gebraucht und ihm könne nichts passieren.

Sechs Wochen nach der Geburt ihres Sohnes, den sie Uriel (hebräisch: „Licht Gottes“) nannten, sind Herbert Arnade, seine jüdische Frau Katja und das Kleinkind am 16. Juni 1943 in einem mit 429 Menschen besetzten Zug nach Theresienstadt in Böhmen deportiert worden. Kurz vorher schenkte er Willy Schülke drei Bücher und bemerkte, er würde sie sich „nach der Rückkehr“ wieder holen.

Auf der Deportationsliste war Herbert Arnade als „Geltungsjude“ eingetragen. Weil er mit einer Jüdin verheiratet war, ordnete ihn die Geheime Staatspolizei in diese Kategorie ein. Im Ghetto Theresienstadt wurde die junge Familie getrennt. Er las Mithäftlingen aus einer Bibel vor und sang mit ihnen Kirchenlieder, wurde berichtet. Am 29. September 1944 wurde Herbert Arnade mit 1489 Insassen nach Auschwitz weiterdeportiert. Katja und Uriel mussten am 12. Oktober 1944 mit 1499 Menschen nach Auschwitz. Dort sind sie wie fast alle ermordet worden.

Zum Gedenken an die Eltern Paul und Margarete Arnade, sind 2014 in Görlitz an der Jakobstraße 31 zwei Stolpersteine verlegt worden. Paul Arnade war in Theresienstadt umgekommen. Seine Frau wurde in Auschwitz ermordet.

Klaus Schülke, der Sohn von Willy Schülke, den „Onkel Herbert“ als Sechsjährigen kannte, hat die drei Bücher und ein Notizbuch, das Arnade bei seinem Vater ließ, dem Jüdischen Museum gestiftet.

Text: Helmut Lölhöffel aufgrund von Berichten von Klaus Schülke (Berlin) und mit Archivmaterial aus Görlitz

Stolperstein Katja Arnade, 25.03.2012

Stolperstein Katja Arnade, 25.03.2012

HIER WOHNTE
KATJA ARNADE
GEB. WINIKOW
JG. 1919
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Stolperstein Uriel Arnade, 25.03.2012

Stolperstein Uriel Arnade, 25.03.2012

HIER WOHNTE
URIEL ARNADE
JG. 1943
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Stolperstein Anna Pelteson, 25.03.2012

Stolperstein Anna Pelteson

HIER WOHNTE
ANNA PELTESON
JG. 1868
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.1.1943

Anna Pelteso(h)n kam am 13. Januar 1868 als Tochter des Kaufmanns Heimann Peltesohn und von dessen Ehefrau Ernestine geborene Weiß in Posen (Poznań) zur Welt. Die Familie wohnte sehr zentral in der Altstadt in der Büttelstraße 12. Anna war das jüngste von neun Kindern. Sie hatte vier Brüder – Georg (*1852), Benno (*1854), Felix (*1859) und Nathan (*1862) – und vier Schwestern, Hulda (*1856), Amanda (*1857), Jenny (*1861) und Rosa (*1865).

Anna besuchte in Posen eine private Mädchenschule, dann wechselte sie auf die Königliche Luisenschule und schrieb sich dort schon als Halbwüchsige in das angeschlossene Lehrerinnenseminar ein. Nachdem die Familie Peltesohn 1884 nach Berlin gezogen war, setzte Anna dort ihre Ausbildung in einem privaten Lehrerinnenseminar in Mitte fort. Mit achtzehn Jahre legte sie die Prüfungen für mittlere und höhere Mädchenschulen ab. Danach zog sie für einige Monate nach England, wo sie als Erzieherin bei einer Londoner Familie beschäftigt war, dann kehrte sie nach Berlin zurück. Sie arbeitete als Privatlehrerin und bot Sprachkurse für jüdische Mädchen und Frauen an, bis sie 1891 wieder nach England ging. Dort verbrachte sie sechs Jahre als Lehrerin, Erzieherin und Hauswirtschaftlerin.

Mit dreißig Jahren kehrte sie zurück nach Berlin. 1898 gründete sie am Lützowplatz eine Art privaten Hort für Mädchen, das “Institut für Erziehung und Beaufsichtigung von Schulmädchen außerhalb ihrer Schulzeit”. Daneben bot sie Hauswirtschaftskurse an. Aus diesen Projekten gingen bald mehrere “Schulzirkel” für jüdische Oberschülerinnen hervor, die sie zunächst ohne staatliche Lizenz betrieb. Sie bekam sofort Schwierigkeiten mit der Berliner Schulbehörde, die ihr Tun und Treiben fortan argwöhnisch beobachtete. Nach vielen Eingaben und Gesuchen bis hinauf zum Ministerium – die Akten der Schulbehörde bescheinigen ihr mit vorwurfsvollem Unterton ein “großes Selbstbewusstsein” – gestattete man ihr, nachträglich eine Prüfung für Schulvorsteherinnen abzulegen und erteilte ihr dann die staatliche Anerkennung für ihre Schulzirkel, allerdings zunächst mit einer Vielzahl von Auflagen. Etwa durfte sie nur eine begrenzte Zahl von Schülerinnen unterrichten und keine zusätzlichen Lehrkräfte einstellen. Anna ließ sich nicht beirren und nicht einschüchtern. Eine ihrer Schülerinnen erinnerte sich später an eine hochgewachsene Frau, “sehr nett, aber streng”. Sie unterrichtete viele Fächer, darunter Englisch, Französisch und Gesang. Die Schule basierte auf einem reformpädagogischen Konzept mit kleinen Lerngruppen und kurzen Schulstunden, die auch gesundheitlich beeinträchtigten Mädchen eine gute Ausbildung ermöglichten.

Die Schule zog in die Motzstraße 8 in Schöneberg um, dann in die Augsburger Straße 6 in Charlottenburg, wo Annas verwitwete Mutter lebte, und schließlich in die Pariser Straße 4 in Wilmersdorf. An diesem Haus erinnert heute eine Gedenktafel an die Schulgründerin. 1903 trat sie zum evangelisch-lutherischen Glauben über. Das war die Voraussetzung dafür, auch christliche Mädchen unterrichten zu können. Sie änderte die Schreibweise ihres Nachnamens vom als jüdisch gelesenen “Peltesohn” zu dem eher englisch klingenden “Pelteson” und versuchte später, den neuen Namen amtlich anerkennen zu lassen, was ihr aber nicht gestattet wurde. Das hielt sie allerdings nicht davon ab, sich trotzdem “Pelteson” zu schreiben.

Anna Pelteson erkämpfte sich einen anerkannten Platz im Berliner Bildungssystem. Sie arbeitete zunehmend mit öffentlichen Schulen zusammen, die “schwächliche” Mädchen in ihre sanften Schulzirkel schickten und ihre erfolgreichsten Schülerinnen im Gegenzug in die Regelschulen eingliederten. Um 1910 hatte sie ihre Schule um ein Pensionat, einen Kindergarten sowie um eine Grundschule für Knaben erweitert und bot Fortbildungskurse für Schulabgängerinnen an, bei denen renommierte Gastdozenten Vorträge über verschiedene akademische Themen hielten. Bereits am Standpunkt Motzstraße hatte sie einen arbeitslosen Lehrer eingestellt, der selbst auch in der Motzstraße wohnte: Rudolf Steiner. Er unterrichtete einige Jahre bei Anna Pelteson Literatur, Geschichte und Physik. Als er danach andere Wege ging, blieben die beiden befreundet, und Anna stellte Steiner in ihrer Schule auch Räume für seine theosophischen Vorträge zur Verfügung. Als Rudolf Steiner später die Waldorfpädagogik begründete, war Anna Pelteson aber nicht bereit, sich dieser Bewegung anzuschließen.

1922 wollte Anna Pelteson, die unverheiratet blieb und mit ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester Jenny zusammenlebte, ihre Schule noch einmal erweitern, was aber scheiterte. Die Pelteson-Schule blieb bis in die 1930er-Jahre relativ unverändert bestehen und unterrichtete immer etwa 80 Schülerinnen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann rasch die Demontage von Annas Lebenswerk. Das Pensionat wurde aufgelöst, und bald durfte sie nur noch “nicht-arische” Kinder unterrichten: ob die Direktorin evangelisch getauft war, interessierte die Nazis nicht. Im Oktober 1938, als sie 70 Jahre alt war, wurden ihr die Schulräume in der Pariser Straße gekündigt und die Schule wurde aufgelöst. Viele ihrer Schülerinnen kamen noch kurz in der jüdischen Privatschule von Leonore Goldschmidt unter, bis diese ebenfalls geschlossen wurde.

Seit 1935 wohnten Anna Pelteson und ihre Schwester Jenny in einer Siebenzimmerwohnung in der Uhlandstraße 114. Am 14. September 1942 wurden beide ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Ihren Bruder Nathan, der in Hamburg als Augenarzt gelebt hatte, trafen sie dort nicht mehr an: Er war bereits im Juli nach Theresienstadt deportiert und am 7. August ermordet worden. Annas Schwester Jenny starb gut drei Monate nach ihrer Ankunft in Theresienstadt, am 22. Dezember 1942, mit 81 Jahren. Anna Pelteson überlebte die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto noch einen knappen Monat. Sie starb am 13. Januar 1943 an ihrem 75. Geburtstag.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
Yad Vashem
Gedenkbuch des Bundes
mappingthelives.org
MyHeritage
geni.com
Adressbücher Posen und Berlin
Stolpersteine Hamburg
“Hier ist kein Bleiben länger”: jüdische Schulgründerinnen in Wilmersdorf. Ausstellungskatalog Wilmersdorf-Museum 1992
H. Bergemann u. S. Ladwig-Winters, Der Prozess der »Gleichschaltung« der
Lehrerverbände sowie die Diskriminierung und Verfolgung Berliner Lehrkräfte im
Nationalsozialismus, Berlin 2016
A. Brämer, Kein Beruf für Israels Töchter? Jüdische Frauen im niederen preußischen Schulwesen 1800–1914 in: G. Lamprecht (Hrsg.), „So wirkt ihr lieb und hilfsbereit…“ Jüdische Frauen in der Geschichte, Graz 2009
Die Drei, Zeitschrift für Anthroposophie, 4/2019

Stolperstein Jenny Pelteson, 25.03.2012

Stolperstein Jenny Pelteson

HIER WOHNTE
JENNY PELTESON
JG. 1861
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.12.1942

Jenny Peltesohn wurde am 24. September 1861 in Posen (Poznań, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Heimann Hermann Peltesohn (*23. März 1823) und dessen Ehefrau Ernestine geborene Weiß (*1831), war sie das sechste von insgesamt neun Kindern. Georg (1852-1914), Benjamin Benno (1854-vor 1933), Hulda (*21. April 1856), Amanda (*1857) und Felix (*1859) waren älter und Nathan (*1862), Rosa (*20. Juni 1865) und Anna (*1868) jünger als sie.

Die Familie wohnte in der Altstadt von Posen in der Büttelstraße 12. Vermutlich erhielt auch Jenny wie ihre Geschwister eine höhere Bildung. Jenny war 23 Jahre alt, als die Familie 1884 nach Berlin zog. Wie auch ihre jüngste Schwester Anna, blieb Jenny ledig. Am 27. März 1894 starb ihr Vater Heimann im Alter von 74 Jahren. Ihre Mutter wurde mit 65 Jahren Witwe. Ihre Schwester Rosa heiratete mit 29 Jahren 1895 den 51-jährigen Arzt Ludwig Friedländer. Ein Jahr später wurden sie in Posen Eltern ihrer Tochter Irene (*1. Oktober 1896). 1898 starb Ludwig Friedländer, woraufhin Rosa mit Irene nach Berlin zog. Schon zwei Jahre später, starb auch Rosa am 8. Mai 1900. Irene wurde mit drei Jahren Vollwaise und wurde von ihrer Tante Anna Peltesohn als Pflegetochter aufgezogen.

Vermutlich kümmerte sich Jenny um ihre Mutter, die nach langen schweren Leiden am 7. Februar 1908 im 79. Lebensjahr in der Augsburger Straße 6 in Charlottenburg starb. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Jenny, ihre jüngste Schwester Anna und deren Pflegetochter Irene Friedländer wohnten weiterhin zusammen.

Jennys Schwester Anna betrieb als Schulvorsteherin diverse private Schulprojekte, sicherlich ging ihr Jenny dabei helfend zur Hand und führte den gemeinsamen Haushalt. Wie Anna änderte auch Jenny die Schreibweise ihres Nachnamens in “Pelteson” ohne h.
Ihre Schwester, die Witwe Amanda Peltasohn geborene Peltesohn, starb am 3. September 1929 mit 72 Jahren. Sie hinterließ ihren Sohn, den Landesgerichtsdirektor Paul Peltason (*10. März 1881), der schon 1920 die Schreibweise seines Nachnamens ohne „h“ ändern ließ.

Am 24. Oktober 1932 starb Jennys älterer Bruder, der Sanitätsrat und Hals-, Nasen-, Ohrenarzt Dr. Felix Peltesohn mit 73 Jahren in seiner Wohnung in der Schillstraße 16 in Berlin-Schöneberg. Auch er war ledig.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Jenny 71 Jahre alt. Seit 1935 wohnten die Schwestern Jenny und Anna in einer Siebenzimmerwohnung in der Uhlandstraße 114. Im Oktober 1938 wurde Jennys damals 70-jährigen Schwester Anna die Führung einer Schule verboten und die Schulräume in der Pariser Straße 4, die sie gemietet hatte, gekündigt. Irene Friedländer gelang im Februar 1939 die Flucht nach Großbritannien. Jenny und Annas Wohnung wurde nach 1939 zur Zwangswohnung. Bei ihrem Auszug 1942 hatten sie vier jüdische Untermieter.

Ihre Schwester Hulda Mitzky geborene Peltesohn wohnte zusammen mit ihrer verwitweten Tochter Anna Topp geborener Mitzky (*25. Mai 1888) und ihrer Enkelin Else Topp (*13. Oktober 1910) in der Kaiserallee 46 (heute Bundesallee 46) in Berlin-Wilmersdorf ganz in der Nähe von Jenny und Anna. Anna Topps Ehemann, der evangelische Diplomingenieur Emil Karl Topp, war schon 1912, drei Jahre nach der Hochzeit gestorben. Die kleine Else war damals erst zwei Jahre alt. Hulda Mitzky geborene Peltesohn starb am 6. April 1942 mit 85 Jahren in ihrer Wohnung an Altersschwäche.
Jennys Bruder Nathan, der in Hamburg als Augenarzt tätig gewesen war, wurde als erster der Familie Peltesohn im Juli 1942 in das Altersghetto Theresienstadt deportiert, wo er schon kurz danach, am 7. August 1942 starb. Sein Sohn Gerhart war im November 1938 mit seiner Familie in die USA emigriert.

Am 14. September 1942 wurden Jenny und Anna ebenfalls in das Ghetto Theresienstadt deportiert. 14 Tage vorher, am 1. September mussten sie ihre Vermögenserklärungen ausfüllen und unterschreiben. Da sie ein Vermögen von mehr als 1.000 RM nachweisen konnten, wurden sie gezwungen Heimeinkaufsverträge für das Ghetto Theresienstadt abzuschließen. Ihren Neffen Paul und dessen Ehefrau Hedwig (*17. März 1890) deportierte die Gestapo am 3. Oktober 1942 ebenfalls dorthin. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb Jenny gut drei Monate nach ihrer Ankunft mit 81 Jahren am 22. Dezember 1942. Ihre Schwester Anna starb ca. einen Monat später am 13. Januar 1943 an ihrem 75. Geburtstag. Ihr Neffe Paul Peltason starb am 22. Januar 1943 laut Todesfallanzeige an einer Lungenentzündung mit 61 Jahren im Ghetto. Seine Ehefrau Hedwig (*17. März 1890) lebte noch in Theresienstadt, als die Cousine ihres Ehemannes, Anna Topp, im Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert wurde. Da sie evangelisch getauft war und zusammen mit ihrem evangelischen Ehemann eine Tochter hatte, die in der Sprache der Nationalsozialisten “Mischling ersten Grades” war, konnte Anna Topp ihre Deportation vermutlich hinauszögern, aber nicht verhindern. Am 16. Mai 1944 wurde Hedwig Peltason nach Auschwitz deportiert, wo sie kurz nach der Ankunft ermordet wurde. Sie starb mit 54 Jahren.

Anna Topp überlebte das Ghetto Theresienstadt und kehrte mit 57 Jahren noch 1945 zu ihrer Tochter Else in die Kaiserallee 46 zurück.

Jennys Nichte Dr. phil. Irene Ida Friedländer (*1896), Tochter ihrer Schwester Rosa Friedländer geborener Peltesohn, der die Flucht nach Großbritannien gelungen war, stellte am 28. September 1949 einen Suchantrag nach Jenny, Anna, Paul und Hedwig.

Recherche und Text: Gundula Meiering mit Unterstützung von Christine Wunnicke, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationsliste
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 29289, Anna Pelteson und Jenny Pelteson