HIER WOHNTE
JENNY PELTESON
JG. 1861
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.12.1942
Jenny Peltesohn wurde am 24. September 1861 in Posen (Poznań, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Heimann Hermann Peltesohn (*23. März 1823) und dessen Ehefrau Ernestine geborene Weiß (*1831), war sie das sechste von insgesamt neun Kindern. Georg (1852-1914), Benjamin Benno (1854-vor 1933), Hulda (*21. April 1856), Amanda (*1857) und Felix (*1859) waren älter und Nathan (*1862), Rosa (*20. Juni 1865) und Anna (*1868) jünger als sie.
Die Familie wohnte in der Altstadt von Posen in der Büttelstraße 12. Vermutlich erhielt auch Jenny wie ihre Geschwister eine höhere Bildung. Jenny war 23 Jahre alt, als die Familie 1884 nach Berlin zog. Wie auch ihre jüngste Schwester Anna, blieb Jenny ledig. Am 27. März 1894 starb ihr Vater Heimann im Alter von 74 Jahren. Ihre Mutter wurde mit 65 Jahren Witwe. Ihre Schwester Rosa heiratete mit 29 Jahren 1895 den 51-jährigen Arzt Ludwig Friedländer. Ein Jahr später wurden sie in Posen Eltern ihrer Tochter Irene (*1. Oktober 1896). 1898 starb Ludwig Friedländer, woraufhin Rosa mit Irene nach Berlin zog. Schon zwei Jahre später, starb auch Rosa am 8. Mai 1900. Irene wurde mit drei Jahren Vollwaise und wurde von ihrer Tante Anna Peltesohn als Pflegetochter aufgezogen.
Vermutlich kümmerte sich Jenny um ihre Mutter, die nach langen schweren Leiden am 7. Februar 1908 im 79. Lebensjahr in der Augsburger Straße 6 in Charlottenburg starb. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Jenny, ihre jüngste Schwester Anna und deren Pflegetochter Irene Friedländer wohnten weiterhin zusammen.
Jennys Schwester Anna betrieb als Schulvorsteherin diverse private Schulprojekte, sicherlich ging ihr Jenny dabei helfend zur Hand und führte den gemeinsamen Haushalt. Wie Anna änderte auch Jenny die Schreibweise ihres Nachnamens in “Pelteson” ohne h.
Ihre Schwester, die Witwe Amanda Peltasohn geborene Peltesohn, starb am 3. September 1929 mit 72 Jahren. Sie hinterließ ihren Sohn, den Landesgerichtsdirektor Paul Peltason (*10. März 1881), der schon 1920 die Schreibweise seines Nachnamens ohne „h“ ändern ließ.
Am 24. Oktober 1932 starb Jennys älterer Bruder, der Sanitätsrat und Hals-, Nasen-, Ohrenarzt Dr. Felix Peltesohn mit 73 Jahren in seiner Wohnung in der Schillstraße 16 in Berlin-Schöneberg. Auch er war ledig.
Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Jenny 71 Jahre alt. Seit 1935 wohnten die Schwestern Jenny und Anna in einer Siebenzimmerwohnung in der Uhlandstraße 114. Im Oktober 1938 wurde Jennys damals 70-jährigen Schwester Anna die Führung einer Schule verboten und die Schulräume in der Pariser Straße 4, die sie gemietet hatte, gekündigt. Irene Friedländer gelang im Februar 1939 die Flucht nach Großbritannien. Jenny und Annas Wohnung wurde nach 1939 zur Zwangswohnung. Bei ihrem Auszug 1942 hatten sie vier jüdische Untermieter.
Ihre Schwester Hulda Mitzky geborene Peltesohn wohnte zusammen mit ihrer verwitweten Tochter Anna Topp geborener Mitzky (*25. Mai 1888) und ihrer Enkelin Else Topp (*13. Oktober 1910) in der Kaiserallee 46 (heute Bundesallee 46) in Berlin-Wilmersdorf ganz in der Nähe von Jenny und Anna. Anna Topps Ehemann, der evangelische Diplomingenieur Emil Karl Topp, war schon 1912, drei Jahre nach der Hochzeit gestorben. Die kleine Else war damals erst zwei Jahre alt. Hulda Mitzky geborene Peltesohn starb am 6. April 1942 mit 85 Jahren in ihrer Wohnung an Altersschwäche.
Jennys Bruder Nathan, der in Hamburg als Augenarzt tätig gewesen war, wurde als erster der Familie Peltesohn im Juli 1942 in das Altersghetto Theresienstadt deportiert, wo er schon kurz danach, am 7. August 1942 starb. Sein Sohn Gerhart war im November 1938 mit seiner Familie in die USA emigriert.
Am 14. September 1942 wurden Jenny und Anna ebenfalls in das Ghetto Theresienstadt deportiert. 14 Tage vorher, am 1. September mussten sie ihre Vermögenserklärungen ausfüllen und unterschreiben. Da sie ein Vermögen von mehr als 1.000 RM nachweisen konnten, wurden sie gezwungen Heimeinkaufsverträge für das Ghetto Theresienstadt abzuschließen. Ihren Neffen Paul und dessen Ehefrau Hedwig (*17. März 1890) deportierte die Gestapo am 3. Oktober 1942 ebenfalls dorthin. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb Jenny gut drei Monate nach ihrer Ankunft mit 81 Jahren am 22. Dezember 1942. Ihre Schwester Anna starb ca. einen Monat später am 13. Januar 1943 an ihrem 75. Geburtstag. Ihr Neffe Paul Peltason starb am 22. Januar 1943 laut Todesfallanzeige an einer Lungenentzündung mit 61 Jahren im Ghetto. Seine Ehefrau Hedwig (*17. März 1890) lebte noch in Theresienstadt, als die Cousine ihres Ehemannes, Anna Topp, im Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert wurde. Da sie
evangelisch getauft war und zusammen mit ihrem evangelischen Ehemann eine Tochter hatte, die in der Sprache der Nationalsozialisten “Mischling ersten Grades” war, konnte Anna Topp ihre Deportation vermutlich hinauszögern, aber nicht verhindern. Am 16. Mai 1944 wurde Hedwig Peltason nach Auschwitz deportiert, wo sie kurz nach der Ankunft ermordet wurde. Sie starb mit 54 Jahren.
Anna Topp überlebte das Ghetto Theresienstadt und kehrte mit 57 Jahren noch 1945 zu ihrer Tochter Else in die Kaiserallee 46 zurück.
Jennys Nichte Dr. phil. Irene Ida Friedländer (*1896), Tochter ihrer Schwester Rosa Friedländer geborener Peltesohn, der die Flucht nach Großbritannien gelungen war, stellte am 28. September 1949 einen Suchantrag nach Jenny, Anna, Paul und Hedwig.
Recherche und Text: Gundula Meiering mit Unterstützung von Christine Wunnicke, Juli 2026
Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationsliste
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 29289, Anna Pelteson und Jenny Pelteson