Stolpersteine Mommsenstraße 7

Hausansicht Mommsenstr 7

Hausansicht Mommsenstr 7

Die Stolpersteine für die Familie Blitz-Machol – Ernestine Blitz geborene Jacobi, Ludwig Blitz, Lilly Hilde Machol geborene Blitz, Heinz Joseph Machol, Ernst Machol, Gert Machol und Peter Machol – wurden am 6. Juni 2026 verlegt und von Peter Kahane gespendet.

Stolperstein für Ernestine Blitz

Stolperstein für Ernestine Blitz

HIER WOHNTE
ERNESTINE BLITZ
GEB. JACOBI
JG. 1861
DEPORTIERT 11.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.12.1942

Ernestine Blitz geborene Jacobi wurde am 10. Oktober 1861 in Tarnowke, einem Dorf im ehemaligen Landkreis Flatow, geboren.

Ihre Eltern waren der Handelsmann Lewi Jacobi und Helene geb. Lewin. Bekannt sind zwei ältere Schwestern, Rosalie und Clara.

Ernestine heiratete den Handelsmann Samuel Blitz. Das Paar lebte in Krojanke, Westpreußen, wo sie drei Kinder bekamen – Hans (1898), Ludwig (1902) und Lilly Hilde (1903). Von Krojanke aus nahm der älteste Sohn, Hans Blitz, für das Königliche Preußen am 1. Weltkrieg teil. Am 7. August 1918 ist er 19-jährig in Frankreich gefallen.
Die Kinder Ludwig und Lilly zogen nach Berlin. Hier lebte bereits seit 1906 ihr Onkel, der Bruder ihres Vaters, Jakob Blitz mit seiner Familie.

Am 13. August 1927 heiratete Ernestines Tochter Lilly Blitz, mittlerweile 24-jährige Buchhalterin in Berlin, den 35-jährigen Ingenieur für Fahrzeugtechnik, Heinz Machol. Es war Heinz Machols zweite Ehe. Die erste Ehe war 1926 geschieden worden. 1928 und 1930 wurden die Söhne Gert und Peter, Ernestine Blitz’ Enkelkinder, geboren.
1932 zogen Lilly und Heinz Machol mit den kleinen Söhnen Gert und Peter und dem 12-jährigen Sohn aus Heinz Machols erster Ehe, Ernst Wolfgang, in die große 5-Zimmer-Wohnung im Parterre des Hauses Mommsenstraße 7. Vermutlich lebte auch Lillys 31-jähriger Bruder Ludwig Blitz mit in der Wohnung.

Am 19. März 1935 verstarb in Krojanke Ernestines Ehemann Samuel Blitz mit 69 Jahren. Den Tod meldete ihr Sohn Ludwig an. Seine Adresse war Berlin, Mommsenstraße 7.
Nun zog auch die 73-jährige Witwe Ernestine Blitz zu ihrer Tochter Lilly Hilde nach Berlin in die kleine möblierte „Mädchenkammer“ in der Mommsenstraße 7.

Nach den Novemberpogromen 1938, bei denen die brutale Verfolgung der jüdischen Bevölkerung deutlich sichtbar wurde, floh Heinz Machols Sohn aus erster Ehe, der nun 18-jährige Ernst Wolfgang Machol, nach der Volkszählung am 17. Mai 1939 zu seiner Mutter Mathilde und seiner Schwester Doris nach Frankreich.

Am 17. Mai 1939 lebte Ernestine Blitz’ Sohn Ludwig Blitz in der Königstraße 11, jetzt Otto-Braun-Straße 83. Von dieser Adresse aus wurde der 39-jährige am 17. November 1941 vom Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald mit dem Ziel Riga verschleppt. Dieser Zug wurde auf Wunsch der Gestapo nach Kaunas (Kowno) umgeleitet. Der Zug traf am 19. November in Kaunas ein. Alle 1.006 Personen dieses Transports wurden am 25. November 1941 in den am Fort IX vorbereiteten Gruben erschossen.
Auf Ludwig Blitz’ Deportationskarte ist über seinen letzten Wohnort vermerkt: „Berlin NO, Königstr. 11 dsg. od. illegal gel.“.

Am 11. August 1942 wurde Ernestine Blitz mit dem 41. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Ernestine Blitz war fast 81 Jahre alt. Der Deportationsbahnhof war der Güterbahnhof Moabit.

Spätestens am 27. Juli hatte sie sich bereits im Sammellager Große Hamburger Straße 26 einfinden müssen. An diesem Tag unterzeichnete sie die Vermögenserklärung.

Wenige Wochen später, am 30. Dezember 1942, wurde Ernestine Blitz’ Tod im Ghetto Theresienstadt vermerkt. Als Ursache wurde „ENTERITIS-Darmkatarrh“ angegeben. Festgestellt wurde der Tod durch Dr. Friedrich Fischer-Feldmann. Am Nachmittag des Neujahrstages 1943 fand ihre Beisetzung im Ghetto Theresienstadt statt.

Ernestine Blitz’ Tochter Lilly Machol wurde nach dem Auszug ihrer Mutter mit ihrer Familie in die Bleibtreustraße 17 zwangsumgesiedelt. Ein halbes Jahr später musste die Familie Machol von der Zwangswohnung Bleibtreustraße 17 aus getrennt ihre letzte Reise antreten.
Am 1. März 1943 wurde Heinz Joseph Machol mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz verschleppt. Fünf Tage später, am 6. März, mussten mit dem 35. Osttransport Ehefrau Lilly Hilde mit den gemeinsamen Kindern, dem 14-jährigen Gert und dem 12-jährigen Peter, folgen. Alle wurden im KZ Auschwitz ermordet.

Ernestine Blitz’ Schwager Jakob Blitz wurde mit seiner Frau Bertha geb. Rosenbaum am 28. Mai 1943 mit dem 90. Alterstransport ebenfalls nach Theresienstadt deportiert, wo er am 2. Februar 1944 verstarb. Seine Frau Bertha überlebte die Befreiung nur um wenige Wochen. Sie verstarb in Theresienstadt am 24. Juni 1945.

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Stolperstein für Ludwig Blitz

Stolperstein für Ludwig Blitz

HIER WOHNTE
LUDWIG BLITZ
JG. 1902
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO / KAUNAS FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Ludwig Blitz wurde am 7. Januar 1902 als mittleres von drei Kindern des Handelsmanns Samuel Blitz und seiner Ehefrau Ernestine geb. Jacobi in Krojanke / Westpreußen geboren.
Sein älterer Bruder Hans kam am 13. Dezember 1898 zur Welt, seine jüngere Schwester Lilly Hilde am 28. September 1903.

Von Krojanke aus nahm Ludwigs Bruder Hans Blitz für das Königliche Preußen am 1. Weltkrieg teil. Am 7. August 1918 ist er 19-jährig in Frankreich gefallen.
Ludwig und Lilly Blitz zogen nach Berlin. Hier lebte bereits seit 1906 ihr Onkel Jakob Blitz, der Bruder ihres Vaters, mit seiner Familie. Über Ludwig Blitz’ Ausbildungsweg liegen keine Informationen vor.

Am 13. August 1927 heiratete Lilly Blitz, mittlerweile 24-jährige Buchhalterin, den 35-jährigen Ingenieur für Fahrzeugtechnik Heinz Machol in Berlin. 1928 und 1930 wurden die Söhne Gert und Peter, Ludwigs Neffen, geboren.
1933 zogen Lilly und Heinz Machol mit den kleinen Söhnen Gert und Peter und dem 12-jährigen Ernst Wolfgang Machol, Heinz Machols Sohn aus erster Ehe, in die große 5-Zimmer-Wohnung im Parterre des Hauses Mommsenstraße 7.
Vermutlich lebte auch der nun 31-jährige Ludwig Blitz bei Schwester und Schwager mit in der Wohnung.

Am 19. März 1935 verstarb in Krojanke Ludwigs Vater Samuel Blitz mit 69 Jahren. Ludwig Blitz meldete einen Tag später den Tod seines Vaters an. Ludwigs Adresse auf der Sterbemitteilung war Berlin, Mommsenstraße 7. Als sein Beruf wurde Händler angegeben. Nun zog auch seine Mutter, die 73-jährige Witwe Ernestine Blitz, zu ihrer Tochter Lilly Hilde nach Berlin in die Mommsenstraße 7.

Vor dem 17. Mai 1939 wird Ludwig Blitz in die Königstraße 11, jetzt Otto-Braun-Straße 83, gezogen sein. Von dieser Adresse aus wurde der 39-Jährige am 17. November 1941 vom Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald mit dem 6. Osttransport aus Berlin mit dem Ziel Riga verschleppt. Auf der Deportationskarte ist als Ludwig Blitz‘ letzte Adresse vermerkt: „Berlin NO, Königstr. 11 dsg. od. illegal gel.“.

Der Zug, der nach Riga fahren sollte, wurde nach Kaunas (Kowno) umgeleitet. Er traf dort am 19. November ein. Alle Personen dieses Transports wurden am 25. November 1941 in den am Fort IX vorbereiteten Gruben erschossen.

Am 11. August 1942 wurde Ludwig Blitz’ Mutter, Ernestine Blitz, mit dem 41. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt verschleppt.
Am 30. Dezember 1942 wurde Ernestine Blitz’ Tod im Ghetto Theresienstadt vermerkt. Am 1. März 1943 wurde Ludwig Blitz‘ Schwager Heinz Joseph Machol mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz verschleppt. Fünf Tage später, am 6. März, mussten mit dem 35. Osttransport Ludwigs Schwester Lilly Hilde Machol mit seinen Neffen, dem 14-jährigen Gert und dem 12-jährigen Peter, folgen.

Die Familie Machol wurde im KZ Auschwitz ermordet.

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Stolperstein für Lilly Hilde Machol, Mommsenstr 7

Stolperstein für Lilly Hilde Machol

HIER WOHNTE
LILLY HILDE
MACHOL
GEB. BLITZ
JG. 1903
DEPORTIERT 6.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Lilly Hilde Machol geborene Blitz wurde am 28. September 1903 in Krojanke (Krajenka/Polen) als jüngstes von drei Kindern ihrer Eltern, des Handelsmanns Samuel Blitz und Ernestine geb. Jacobi geboren. Zu ihrer Geburt war ihr ältester Bruder Hans 4 Jahre alt und ihr Bruder Ludwig 1,5 Jahre alt.

Über Lillys Leben in Krojanke ist nichts bekannt. Sie hat eine Ausbildung zur Buchhalterin erhalten.
Von Krojanke aus nahm ihr ältester Bruder Hans für das Königliche Preußen am 1. Weltkrieg teil. Am 7. August 1918 ist er mit 19 Jahren in Frankreich gefallen.
Lilly und ihr Bruder Ludwig Blitz zogen von Krojanke nach Berlin.
Vor der Eheschließung mit ihrem zukünftigen Ehemann Heinz Machol lebte Lilly Blitz zur Untermiete in der Uhlandstraße 171/72.

Am 13. August 1927 fand die standesamtliche Trauung mit dem 35-jährigen Heinz Joseph Machol statt. Lilly Blitz war 24 Jahre alt. Für ihren Mann Heinz Joseph war es die zweite Ehe. Er war im Jahr davor geschieden worden. Die gemeinsamen Kinder Doris und Ernst Wolfgang, 7 und 6 Jahre alt, lebten vermutlich zunächst bei ihrer Mutter Mathilde, die bereits im Jahr der Scheidung erneut geheiratet hatte.
Heinz Joseph Machol war Ingenieur für Fahrzeugtechnik und Teilhaber und später bis 1927 Inhaber einer Metallwarenfirma im Stadtteil Kreuzberg. Ab 1929 war Heinz Machol als Zivilingenieur und Sachverständiger für Kraftfahrzeuge tätig.
Am 30. Mai 1928 wurde Sohn Gert geboren, zwei Jahre später, am 1. Mai 1930, Sohn Peter.

Ab 1932 lebte die Familie in der Mommsenstraße 7, Parterre rechts, in einer gutbürgerlich ausgestatteten 5-Zimmerwohnung, dabei Ernst Wolfgang, Heinz Machols Sohn aus der ersten Ehe.
Vermutlich wird Lillys Bruder Ludwig ebenfalls in der Mommsenstraße 7 gelebt haben. Im März 1935 meldete er in Krojanke den Tod seines dort verstorbenen Vaters Samuel Blitz an. Als seine eigene Adresse gab er Berlin, Mommsenstraße 7, an.
Nach dem Tod ihres Ehemanns Samuel Blitz zog nun auch Lillys 73-jährige verwitwete Mutter Ernestine nach Berlin zu ihrer Tochter Lilly.
Die Söhne Gert und Peter besuchten zunächst die öffentliche Volksschule in der benachbarten Bleibtreustraße. Nachdem ihnen der Schulbesuch in einer öffentlichen Schule 1938 verwehrt wurde, mussten sie in eine private jüdische Schule wechseln.
Ende 1939 emigrierte der nun 18-jährige Ernst Wolfgang Machol zu seiner Mutter und Schwester nach Frankreich.
Lilly Machols Bruder Ludwig Blitz findet sich bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 im Haus Neue Königstraße 11, jetzt Otto-Braun-Straße 81/83. Am 17. November 1941 wurde der 39-Jährige mit dem 6. Osttransport aus Berlin, Ziel Riga, verschleppt. Dieser Zug wurde nach Kaunas umgeleitet. Alle 1.006 Personen dieses Transports wurden am 25. November 1941 im Fort IX in Kaunas ermordet.

Vom 1. September 1941 an bestand für jüdische Menschen ab dem 7. Lebensjahr Kennzeichnungspflicht. Sie mussten auf der linken Brustseite ihrer Kleidung gut sichtbar aufgenäht in der Öffentlichkeit einen handtellergroßen gelben Stern tragen.
Im Sommer 1942 bekam Lilly Machols Mutter die Aufforderung zur Deportation in das Ghetto Theresienstadt am 14. September. Wenige Wochen später, am 30. Dezember 1942, wurde ihr Tod im Ghetto Theresienstadt vermerkt. Lilly Machols Mutter Ernestine Blitz wurde 81 Jahre alt.
Sofort nach dem Auszug ihrer Mutter musste die Familie Machol von der Mommsenstraße 7 in die Bleibtreustr. 17 umziehen. Ab dem 1. Oktober 1942 wurde die ehemalige Wohnung der Machols in der Mommsenstraße 7 „mit Genehmigung des Herrn Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt an den SS-Sturmführer Michael Schön vermietet.“
Sicher ist, dass zum Zeitpunkt der Zwangsumsiedlung der Familie Machol auch ihre Deportation geplant war. Am 1. März 1943 wurde Heinz Joseph Machol mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz verschleppt. Fünf Tage später mussten Ehefrau Lilly Hilde und die gemeinsamen Kinder, der 14-jährige Gert und der 12-jährige Peter, mit dem 35. Osttransport am 6. März folgen.

Die Familie wurde im KZ Auschwitz ermordet.

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Stolperstein für Heinz Joseph Machol, Mommsenstr 7

Stolperstein für Heinz Joseph Machol

HIER WOHNTE
HEINZ JOSEPH
MACHOL
JG. 1892
DEPORTIERT 1.3.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Heinz Joseph Machol wurde am 24. Februar 1892 in Alt Ruppin geboren.

Seine Eltern waren der praktische Arzt Dr. med. Hartwig Machol und Hedwig Machol geb. Klemperer. Das Paar hatte im Mai 1890 in Bromberg, dem damaligen Wohnort und Elternhaus der Braut, geheiratet. Beide stammten aus kinderreichen jüdischen Elternhäusern, Hartwig Machol aus einer Kaufmannsfamilie, Hedwig Klemperer aus einer Rabbinerfamilie. Ihr Vater, Dr. phil. Wilhelm Klemperer, war Geistlicher (Rabbiner) der jüdisch orthodoxen Synagogengemeinde Bromberg. Ein Jahr später sollte er 1891 als Prediger an die Jüdische Reformgemeinde in Berlin wechseln. Der promovierte Arzt Hartwig Machol führte 1890 eine Hausarztpraxis in Alt Ruppin.
Seit der Reifeprüfung nannte er sich Hermann Machol. Auf offiziellen Dokumenten steht weiterhin der Vorname Hartwig.

Hedwig Machol zog zu ihrem Ehemann Hermann nach Alt Ruppin, wo 1892 der kleine Heinz-Josef geboren wurde. Drei Wochen nach der Geburt verstarb Hedwig Machol am 18. März 1892 mit 21 Jahren im Kindbett.
Zweieinhalb Jahre nach ihrem Tod heiratet der 32-jährige Hermann Machol am 14. August 1894 erneut. Seine Braut war die aus einem jüdischen Berliner Ärztehaushalt stammende drei Jahre jüngere Elsbeth Jacobine Badt. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren der wohlhabende Calauer Kaufmann und Bankier Mayer Ball und seine Frau Eleonore Ball geb. Mosse. Die junge Ehefrau nahm das Kleinkind Heinz an Kindesstelle an.
1895 wurde Heinz Josephs Halb-Bruder Paul Louis und drei Jahre später, 1898, seine Halb-Schwester Charlotte Alma Rosa geboren.

Um 1899 zog die Familie in das westfälische Oberhemer. Heinz Machol war 7 Jahre alt. Er besuchte vermutlich die dortige evangelische Grundschule, die Woesteschule.
1904 wurde in Hemer der Nachzügler Kurt Jakob geboren. Heinz Machol war bereits 12 Jahre alt. Ab 1908 besuchte er die Knabenoberschule Iserlohn, ab 1910 die gymnasiale Oberstufe an der Königlichen Höheren Maschinenbauschule in Hagen. 1912 legte er dort die Reifeprüfung ab.

Im Herbst 1915 starb Heinz’ Halbbruder Paul Louis als „Einjähriger Kriegsfreiwilliger“ im ersten Weltkrieg in Frankreich.
Victor Klemperer erwähnt in seinem Tagebuch, dass sein Neffe Heinz Joseph Machol eine Ausbildung zum Ingenieur für Fahrzeugtechnik absolviert habe.
Zwei Jahre nach Pauls Tod zog die Familie 1917 aus Hemer nach Niederschönhausen vor die Tore Berlins. Heinz Machol war zunächst Teilhaber, dann alleiniger Inhaber der elektrischen Schweißerei Max Karow & Co.
Am 23. Februar 1920 heiratete der 28-jährige Heinz Machol die ein Jahr jüngere, aus einem Berliner evangelischen Elternhaus stammende Prokuristin, Minna Mathilde Emilie Grabowski, genannt Hilde.
Am 24. Oktober 1920 wurde das erste Kind, Doris, geboren. Ein Jahr später, am 21. Oktober 1921, kam Sohn Ernst Wolfgang auf die Welt. Die Ehe hielt sechs Jahre und wurde am 1. Juni 1926 geschieden. Das Sorgerecht wurde aufgeteilt. Tochter Doris verblieb bei ihrer Mutter Mathilde, Sohn Ernst wurde seinem Vater Heinz zugesprochen.
Vermutlich blieben die Kinder vorerst bei ihrer Mutter in der bisherigen Wohnung.
Am 13. August 1927 heiratete Heinz Joseph Machol mit 35 Jahren erneut. Seine Braut war die 24-jährige Buchhalterin Lilly Hilde Blitz. Lilly Blitz entstammte einer großen jüdischen Familie aus Krojanke.
Am 30. Mai 1928 wurde Sohn Gert geboren, zwei Jahre später, am 1. Mai 1930, Sohn Peter. Ab 1929 war Heinz Machol als Zivilingenieur, Sachverständiger für Kraftfahrzeuge tätig. Die Familie zog mehrmals um, 1932 in die große Parterre-Wohnung in der Mommsenstraße 7.

1933 floh Mathilde Schneidemühl mit ihrer 13-jährigen Tochter Doris nach Spanien. Sohn Ernst Wolfgang verblieb in der zweiten Familie seines Vaters Heinz Machol. In der Mommsenstraße 7 bewohnte die Familie eine große, gutbürgerlich ausgestattete 5-Zimmerwohnung im Parterre rechts.
In der Familie lebten auch Ernst Wolfgang Machol, 1935 Lillys Bruder Ludwig Blitz und nach dem Tod ihres Ehemanns Samuel Blitz, Lilly Machols Mutter Ernestine Blitz.
Heinz Machols Sohn Ernst Wolfgang floh 1939 zu seiner Mutter und Schwester nach Frankreich.

Im Januar 1942 verstarb Heinz Machols Vater Hartwig Machol mit 79 Jahren in Berlin. Im Oktober des Vorjahres war bereits seine Stiefmutter Elsbeth Machol verstorben.
Am 11. August 1942 musste Lilly Machols Mutter Ernestine Blitz mit fast 81 Jahren ihre Familie und den Lebensort Berlin mit dem 41. Alterstransport Richtung Theresienstadt verlassen. In Theresienstadt wurde am 30. Dezember 1942 ihr Tod vermerkt. Fünf Wochen später wurde Heinz Machols Halbbruder, der Jurist Dr. Kurt Machol mit seiner Frau Editha und dem 2-jährigen Söhnchen Abel Stefan mit dem 20. Osttransport nach Raasiku in Estland in den Tod verschleppt.

Sofort nach dem Auszug der Schwiegermutter Ernestine Blitz zog die Familie von der Mommsenstraße 7 in die Bleibtreustraße17, v.ptr. [Vorderhaus Parterre]. Der Umzug war vermutlich nicht freiwillig. Dokumentiert ist, dass ab dem 1. Oktober 1942 die ehemalige Wohnung der Machols in der Mommsenstraße 7 „mit Genehmigung des Herrn Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt an den SS-Sturmführer Michael Schön vermietet“ wurde.
Ein halbes Jahr nach ihrer Zwangsumsiedlung in die Bleibtreustraße 17 mussten die Familienmitglieder von hier aus getrennt ihre letzte Reise antreten. Am 1. März 1943 wurde Heinz Joseph Machol mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz verschleppt. Fünf Tage später mussten am 6. März mit dem 35. Osttransport Ehefrau Lilly Hilde mit den gemeinsamen Kindern, dem 14-jährigen Gert und dem 12-jährigen Peter, folgen.

Heinz Joseph, Lilly, Gert und Peter Machol gelten als in Auschwitz ermordet.

Überleben konnten durch Flucht Heinz Machols Kinder aus erster Ehe, Doris und Ernst Wolfgang, sowie seine Halbschwester Charlotte Machol.

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Stolperstein für Ernst Machol, Mommsenstr 7

Stolperstein für Ernst Machol

HIER WOHNTE
ERNST MACHOL
JG. 1921
FLUCHT 1939
FRANKREICH
INTERNIERT DRANCY
BEFREIT

Ernst Wolfgang Machol wurde als zweites Kind der Eheleute Heinz und Mathilde (Hilde) Machol geb. Grabowski am 21. Oktober 1921 geboren. Im Jahr zuvor war seine Schwester Doris acht Monate nach der Eheschließung der Eltern (23. Februar 1920) am 24. Oktober 1920 ebenfalls in Berlin zur Welt gekommen.

Ernst Machols Vater Heinz Joseph Machol wurde 1892 in Alt Ruppin geboren. Er hatte eine Ausbildung als Autoingenieur und führte eine kleine Fabrik in Kreuzberg. Später war er als Zivilingenieur und Sachverständiger für Kraftfahrzeuge tätig. Heinz Machol stammte aus einer jüdischen Familie. Mathilde Emilie Grabowski wurde 1896 in Berlin in eine evangelische Familie geboren. Die 23-Jährige hatte zur Zeit der Eheschließung im März 1920 den Beruf einer Prokuristin.
Am 1. Juni 1926 wurde die Ehe geschieden. Die Kinder Doris und Ernst Wolfgang waren 6 und 5 Jahre alt. Sie blieben vermutlich zunächst bei ihrer Mutter in der bisherigen Wohnung. Das Sorgerecht wurde aufgeteilt. So verblieb Tochter Doris bei ihrer Mutter Mathilde, Sohn Ernst wurde seinem Vater Heinz zugesprochen.

Am 30. Oktober des Jahres heiratete Mathilde Machol erneut. Die Ehe mit dem jüdischen Berliner Rechtsanwalt Dr. Fritz Marcus Schneidemühl wurde nach 4 Jahren geschieden. 1933 floh Mathilde Schneidemühl mit ihrer 13-jährigen Tochter Doris nach Spanien. Ernst Wolfgang blieb in der zweiten Familie seines Vaters Heinz Machol in Berlin.

Am 13. August 1927 hatte Ernst Wolfgangs Vater Heinz Joseph Machol mit 35 Jahren die aus einer jüdischen Familie stammende 24-jährige Lilly Hilde Blitz geheiratet. 1928 und 1930 wurden die Söhne Gert und Peter geboren.
1932 war die Familie Machol von Kreuzberg nach Wilmersdorf in die Mommsenstraße 7 gezogen. Hier bewohnte die Familie eine große, gutbürgerlich ausgestattete 5-Zimmerwohnung im Parterre rechts. Noch bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 wird der 17-jährige Sohn Ernst Wolfgang dort aufgeführt.

Ernst Machol hatte weiterhin Kontakt zu seiner Mutter Mathilde und Schwester Doris. Diese hatten mit Beginn der Diktatur unter Franco Spanien verlassen und lebten nun in Frankreich. Auf einem Foto von Oktober 1937 ist Ernst mit Mutter und Schwester in Paris zu sehen. Ernst und Doris Machol galten nach den NS Rasse Gesetzen von 1935 als sogenannte Mischlinge 1. Grades. Sofern sie nicht jüdischen Glaubens waren, waren sie vom Tragen des Judensterns befreit.

Nach den Novemberpogromen 1938 und der offenen Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger floh Ernst Machol endgültig zu Mutter und Schwester nach Frankreich. Am 17. Mai 1944 wurde Ernst Machol im Sammel- und Durchgangslager Drancy, nordöstlich von Paris, inhaftiert. Das Lager wurde am 19. August 1944 befreit.
Auf einem Foto desselben Sommers 1944 ist Ernst (Ernest) Machol als Mitglied der Compagnie Rayman, Toulouse (Haute Garonne) zu sehen.
Durch ein Flugblatt der jüdischen patriotischen Miliz von Paris am 31. August 1944 in jiddischer Sprache wurde die Gründung der Compagnie Rayman angekündigt. Nach der Gründung in Paris entstanden weitere Gruppen auch im Süden Frankreichs.

Ernst Wolfgang Machol kam vermutlich nach dem Tod seiner Mutter Mathilde, die 1946 in Nizza starb, zurück nach Berlin. Bis zu seiner Emigration am 30. Mai 1949 von Bremerhaven nach New York lebte er in der Waldsiedlung Krumme Lanke im Quermatenweg.

Ernst Wolfgang Machol 1953

Ernst Wolfgang Machol 1953

Am 1. März 1947 berichtete Victor Klemperer über seinen Großneffen: „Ernst Machol, der Amerikadolmetscher, war aus Zehlendorf gekom̅en, […] Ernst M. will zu seiner weiteren Ausbildung auf eine Weile nach USA, dann aber zurückkehren. Er hat eine französ. Hôtelierschule besucht, Kochen gelernt; sein jetziges Amt – er bearbeitet Einwanderungen – gibt ihm starken Einblick in Soziales.“
So gab Ernst Machol bei seinem Antrag auf Einbürgerung in die USA am 29.Juli 1949 als Beruf „social worker“ an. Seinen Lebensunterhalt verdiente er in den USA jedoch als freier Fotograf.
Dort heiratete er 1949 mit 28 Jahren die ein Jahr ältere Leonore Johanna Gottheiner.

Mit nur 37 Jahren verstarb Ernst Wolfgang Machol am 20. Mai 1959 in St. Francisco an einer Krebserkrankung.
Die Ehe war zuvor kinderlos geschieden worden.

Sein Vater Heinz Joseph Machol wurde am 1. März 1943 mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Fünf Tage nach ihm folgten am 6. März mit dem 35. Osttransport seine Ehefrau Lilly Hilde sowie die gemeinsamen Kinder, der 14-jährige Gert und der 12-jährige Peter. Auch sie wurden in Auschwitz ermordet.

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Stolperstein für Gert Machol

Stolperstein für Gert Machol

HIER WOHNTE
GERT MACHOL
JG. 1928
DEPORTIERT 6.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Gert Machol wurde am 30. Mai 1928 als erstes Kind des Ehepaars Heinz Joseph und Lilly Hilde Machol geborene Blitz in Berlin geboren. Die beiden hatten im August 1927 in Friedenau die Ehe geschlossen. Beide stammten aus jüdischen Elternhäusern.
Heinz Joseph Machol war als Zivilingenieur und Sachverständiger für Kraftfahrzeuge tätig. Bei Gerts Geburt war er 36 Jahre alt. Lilly Hilde war 24 Jahre alt. Auf der Eheschließungsurkunde wird als ihr Beruf Buchhalterin angegeben.

Am 1. Mai 1930 wurde Gerts kleiner Bruder Peter geboren. Heinz Machol findet sich im Berliner Adressbuch von 1930 unter der Adresse Fuldastraße 37 in Neukölln.
1932 zog die Familie in eine 5-6 Zimmer große Wohnung im Parterre rechts der Mommsenstraße 7 in Charlottenburg. Gert war 4 Jahre alt, sein kleiner Bruder Peter 2 Jahre.

Bis zu seiner Flucht 1939 lebte auch Gerts und Peters großer Halbbruder Ernst Wolfgang Machol in der Familie. Ernst stammte aus Heinz Machols erster Ehe mit der protestantischen Mathilde Grabowski. Bei dem Einzug 1932 in die Mommsenstraße war er 12 Jahre alt. Seine ein Jahr ältere Schwester Doris war mit ihrer Mutter nach Spanien emigriert, später von dort nach Frankreich.

Nach dem Tod ihres Ehemanns Samuel Blitz im März 1935 in Krojanke zog Ernestine Blitz, Lilly Machols Mutter und Gerts Großmutter, zu ihrer Tochter Lilly nach Berlin. Sie bewohnte dort eine möblierte Mädchenkammer.1

Auch Gerts Onkel Ludwig Blitz lebte zu der Zeit in der gemeinsamen Wohnung.2
Mit 6 Jahren wurde Gert zu Ostern 1934 in die Schule 19, eine Volksschule in der benachbarten Bleibtreustraße, eingeschult.

Ab April 1939 wurde jüdischen Kindern der Besuch der öffentlichen Schulen verwehrt. Gerts Eltern wählten die private Josef-Lehmann-Schule der jüdischen Reformgemeinde für ihre Söhne. „Die Lehmann-Schule war die einzige Privatschule, die 1939 von der Reichsvertretung übernommen und als VIII. Volksschule der Jüdischen Gemeinde weiter betrieben wurde.“3 Gert besuchte die Schule bis zum Abschluss der 8. Klasse am 31. März 1942.4 5 Er war dann 14 Jahre alt.

Nach der Volkszählung 1939 floh Gerts großer 17-jähriger Halbbruder Ernst Wolfgang zu seiner Mutter und Schwester nach Frankreich.6

Am 10. Januar 1942 verstarb Gerts Großvater, Heinz Machols Vater, der Arzt Dr. med. Hartwig Machol in Friedenau.

Am 11. August desselben Jahres musste Gerts Großmutter Ernestine Blitz ihre Familie mit dem Transport I/42 und dem Ziel Ghetto Theresienstadt verlassen. Sie musste sich bereits am 27. Juli in der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26 befunden haben. Dort wurde ihr die Verfügung zur Einziehung ihres Vermögens zugestellt.

Am 14. September wurde in der Wohnung der Familie Machol durch den Obergerichtsvollzieher Olbrich nach dem letzten Hab und Gut gesucht.

Nach der Deportation der Großmutter zog die Familie in das große Eckhaus Bleibtreustraße 17.

Der Auszug war vermutlich nicht freiwillig. Dokumentiert ist, dass ab dem 1. Oktober 1942 die Wohnung in der Mommsenstraße 7 „mit Genehmigung des Herrn Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt an den SS-Sturmführer Michael Schön vermietet“ wurde.7

Aus der Zwangswohnung in der Bleibtreustraße 17 wurden am 6. März 1943 der 12-jährige Peter, sein 14-jähriger Bruder Gert und seine 38-jährige Mutter Lilly Machol mit dem 35. Osttransport nach Auschwitz in den Tod verschleppt.8
Fünf Tage vorher, am 1. März, wurde bereits sein Vater Heinz Joseph Machol mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.9

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Quellen:
1 BLHA Rep. 36A, Nr. 3826
2 Archiwum Państwowe w Poznaniu Oddział w Pile, Sterberegister Krojanke 1935 Nr. 10
3 Fehrs, Jörg H., Von der Heidereutergasse zum Roseneck, Jüdische Schulen in Berlin 1712-1942, Edition Hentrich Berlin 1993.
4 Arolsen Archives, 12665926 – GERD MACHOL
5 Ladwig-Winters, Simone: Freiheit und Bindung: zur Geschichte der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin von den Anfängen bis zu ihrem Ende 1939. Hrsg.: Galliner, Peter. 1. Auflage. Hentrich & Hentrich, Teetz 2004.
6 Mapping the Lives, https://www.mappingthelives.org
7 BLHA Rep. 36A, Nr. 24738
8 collections.arolsen-archives.org/de, DocID 127212773
9 collections.arolsen-archives.org/de, DocID 127212396

Stolperstein für Peter Machol, Mommsenstr 7

Stolperstein für Peter Machol

HIER WOHNTE
PETER MACHOL
JG. 1930
DEPORTIERT 6.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Peter Machol wurde am 1. Mai 1930 als zweiter Sohn des Ehepaars Heinz und Lilly Machol geb. Blitz in Berlin geboren. Das Paar hatte 1927 in Friedenau die Ehe geschlossen. Beide Eltern stammten aus jüdischen Elternhäusern. Auf der Eheschließungsurkunde wird als Beruf der Mutter Buchhalterin angegeben.
Peters Vater war als Zivilingenieur und Sachverständiger für Kraftfahrzeuge tätig. Er war bei Peters Geburt 38 Jahre, seine Mutter 26 Jahre alt. Die Familie lebte 1930 in Neukölln in der Fuldastraße 37.1 Peters Bruder Gert war zur Geburt des kleinen Bruders fast zwei Jahre alt.

Gegen Ende 1932 zog die Familie nach Charlottenburg in eine 5-6 Zimmer große Wohnung in die Mommsenstraße 7, Parterre rechts. Bis zu seiner Flucht nach Frankreich 1939 lebte in der Familie auch Ernst Wolfgang Machol, Peters großer Halbbruder aus der ersten Ehe seines Vaters. Ernst Machols Schwester Doris war mit der gemeinsamen, evangelisch getauften ‚arischen‘ Mutter Mathilde geb. Grabowski zunächst nach Spanien, später nach Frankreich emigriert. Ebenfalls lebte 1935 Peters Onkel Ludwig Blitz, Bruder seiner Mutter, in der Wohnung. Nach dem Tod seines Großvaters Samuel Blitz 1935 in Krojanke war auch Peters verwitwete Großmutter Ernestine Blitz zu Peters Mutter Lilly in die Mommsenstraße 7 gezogen.

Ostern 1936 wurde Peter mit noch 5 Jahren, zwei Jahre nach seinem großen Bruder Gert, in die Schule 19, die Volksschule in der benachbarten Bleibtreustraße eingeschult.2 Dort blieb er drei Jahre, bis er sie nach der dritten Klasse verlassen musste. Ab April 1939 wurde jüdischen Kindern der Besuch der öffentlichen Schulen verwehrt. Peter besuchte die 4. Klasse der Joseph-Lehmann-Schule, einer Privatschule der Jüdischen Reformgemeinde in der Joachimsthaler Str. 13. Danach wechselte er in die Jüdische Oberschule.3 „Die Jüdische Oberschule wechselte häufig ihren Schulsitz. 1941 wurden dann alle jüdischen Schulen in der Joachimsthaler Straße 13 zusammengelegt.“4 „Die Lehmann-Schule war die einzige Privatschule, die 1939 von der Reichsvertretung übernommen und als VIII. Volksschule der Jüdischen Gemeinde weiter betrieben wurde.“5 Zu Beginn des Schuljahres in der Oberschule der Jüdischen Gemeinde schrieb der 11-jährige Peter am 11. September 1941 in das Poesiealbum seiner Klassenkameradin Ruth Schwersenz „‘Lerne Schweigen, ohne zu platzen‘ Zur freundlichen Erinnerung an deinen Schulkameraden Peter Machol, Berlin, den 11.9.1941.“

Das Schweigen ohne zu platzen war für die Kinder der Schule notwendige Alltagsroutine. Ruth Recknagel geb. Schwersenz erläuterte dies in einem Interview im Südwestrundfunk 2004: „Da steht so eine große Kastanie. Immer noch. Und um die Kastanie mussten wir immer im Kreis gehen in den Pausen. Kann man sich vorstellen, was die Lehrer befürchten mussten: dass wir ruhig sind. Dass sich niemand beschwert über die Judenplage.“

Ruth Recknagel überlebte den Naziterror.6 Die gemeinsame Klassenkameradin Renate Hammerschmidt, die ebenfalls in das Poesiealbum geschrieben hatte, wurde wie Peter mit ihren Eltern ermordet.7

Ende 1939 floh Peters großer 18-jähriger Halbbruder Ernst Wolfgang zu seiner Mutter und Schwester nach Frankreich.8
Am 10. Januar 1942 verstarb sein Großvater, der Arzt Dr. med. Hartwig Machol. Ein halbes Jahr zuvor war bereits dessen zweite Ehefrau, Elsbeth Machol, verstorben.
Am 11. August 1942 musste Peters Großmutter Ernestine Blitz mit dem 41. Alterstransport ihre Familie aus Berlin in das sogenannte Altersghetto Theresienstadt verlassen. Sie hatte sich bereits am 27. Juli in der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26 einzufinden. Dorthin wurde die endgültige Enteignung zugunsten des Deutschen Reichs zugestellt.
Am 14. September wurde in der Wohnung der Familie Machol durch den Obergerichtsvollzieher Olbrich nach ihrem letzten Hab und Gut gesucht.9

Nach der Deportation der Großmutter zog die Familie in das Eckhaus Bleibtreustraße 17. Der Auszug war vermutlich nicht freiwillig. Dokumentiert ist, dass ab dem 1. Oktober 1942 die Wohnung „mit Genehmigung des Herrn Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt an den SS-Sturmführer Michael Schön vermietet“ wurde.10

Aus der Bleibtreustraße wurden am 6. März 1943 der 12-jährige Peter, sein 14-jähriger Bruder Gert und seine 38-jährige Mutter Lilly Machol mit dem 35. Osttransport nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.11

Fünf Tage vorher, am 1. März, wurde bereits sein Vater Heinz Joseph Machol mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.12

Text und Recherche: Dorothea Thünken-Klemperer

Quellen:
1 LAB Berliner Adressbücher
2 Arolsen Archives, Dokument 12665929, Peter Machol
3 Arolsen Archives, Dokument 12665931, Peter Machol
4 Wieckhorst Karin, Das Poesiealbum von Ruth Schwersenz inMeyer, B. und Simon, H., Juden in Berlin 1938-1945, Philo Verlagsgesellschaft Berlin, 2000
5 Fehrs, Jörg H., Von der Heidereutergasse zum Roseneck, Jüdische Schulen in Berlin 1712-1942, Edition Hentrich Berlin 1993.
6 SÜDWESTRUNDFUNK, SWR2, Eckpunkt – Für immer und ewig – Wiedergutmachungsrichterin Ruth Recknagel und die Gerechtigkeit, Autorin: Karla Krause, Redaktion: Nadja Odeh, Dienstag, 06.04.2004, 10:05 Uhr, SWR 2
7 https://www.stolpersteine-berlin.de/de/unter-den-linden/6/martin-hammerschmidt
8 Mapping the Lives, https://www.mappingthelives.org
9 BLHA Rep 36 A (II) Nr. 3826
10 BLHA Rep. 36A, (II) Nr. 24738
11 collections.arolsen-archives.org/de, DocID 127212773
12 collections.arolsen-archives.org/de, DocID 127212396

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