Stolperstein Tauentzienstraße 8

Der Stolperstein für Martin Adam wurde am 15. April 2026 verlegt.

HIER WOHNTE
MARTIN ADAM
JG. 1894
DEPORTIERT 23.2.1944
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Martin Adam wurde am 19. April 1894 in Berlin geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Er war Innenarchitekt und lebte 1933 in Berlin-Tempelhof, Manteuffelstraße 37. Er handelte mit Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen und hatte sein Geschäft in der Albrechtstraße 15. Ab 1937 ist er in den historischen Berliner Adressbüchern in der Tauentzienstraße 8 eingetragen.

Martin Adam, der aus einer Familie jüdischen Glaubens stammte, heiratete die nicht-jüdische Gertrud Bosch. Nach den nationalsozialistischen rassistischen Kategorien lebte er in einer “privilegierten Mischehe” und war dadurch zunächst vor der Deportation geschützt. Die gemeinsame Tochter Evelyne, die am 9. März 1928 zur Welt kam, wurde als „Mischling 1. Grades” eingestuft. 1941 wurde die Ehe geschieden – vermutlich zwangsweise aufgrund der „Nürnberger Gesetze” von 1935 und dem 1938 folgenden „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre”, das solche „Mischehen” verbot und die „Aufhebung” der Ehe ermöglichte wegen eines „Irrtums über Umstände, die die Person des anderen Ehegatten betreffen“. Die nicht-jüdischen Ehepartner wurden gedrängt, sich scheiden zu lassen, um das eigene Leben und das ihrer Kinder zu retten.

Martin Adam wurde Anfang 1943 aus seiner Wohnung ausgewiesen und als Untermieter bei einer Familie Kiwi in der Waitzstraße 5 „eingesiedelt”. Seine Frau Gertrud stellte am 10. März 1943 einen Antrag auf Herausgabe des Wohnungsinventars, da die Möbel ihm nur „leihweise” überlassen worden seien. Der Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass sie „als Deutsche schon jahrelang keine Geschäfte mit Juden habe ausführen sollen.” Das Haus in der Tauentzienstraße 8 wurde bombardiert und brannte aus, sodass im Januar 1944 ohnehin „keine Vermögenswerte festgestellt” wurden.

Als Martin Adam in der Waitzstraße 5 untergebracht war, war er ab April 1943 bei einem Lothar Hermann als Arbeiter beschäftigt – vermutlich in Zwangsarbeit. Details zu diesen Angaben, die aus seiner „Vermögenserklärung” vom 20. Februar 1944 stammen, waren nicht herauszufinden.

Martin Adam musste sich im Februar 1944 in dem von den Nationalsozialisten als „Sammelstelle” missbrauchten ehemaligen Altenheim der Jüdischen Gemeinde in der Große Hamburger Straße 26 einfinden. Von dort wurde er mit dem sogenannten „102. Alterstransport” am 23. Februar 1944 zusammen mit weiteren 72 jüdischen Berlinerinnen und Berlinern nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er am 28. September 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Der Initiator des Stolpersteins für Martin Adam schilderte bei der Verlegung seine Motivation, an Martin Adam zu erinnern, wie folgt: „Meine Mutter wurde im selben Jahr wie Evelyne geboren und war mit ihr eng befreundet. Sie gingen in dieselbe Schule in der Burggrafenstrasse. Meine Mutter kannte die Familie Adam gut und mochte insbesondere Evelynes Vater Martin Adam sehr gerne. Sie hatte ihn als liebevollen Familienvater in Erinnerung. Dass er schließlich „abgeholt“ und ermordet wurde, hat sie sehr beschäftigt. Ich kenne diese Geschichte seit meiner Kindheit. Als ich kurz vor ihrem Tod mit meiner Mutter in ihrem alten Wohnviertel spazieren ging, kamen wir auch an der Adresse Tauentzienstrasse 8 vorbei. Die Sprache kam auf die Familie Adam, und wir stellten fest, dass es noch keinen Stolperstein für Martin Adam gab. Ich wandte mich an die Stolperstein-Initiative in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf und bin sehr dankbar, dass sie die Recherche zum Schicksal von Martin Adam übernommen und die Verlegung des Steins organisiert hat.”

Recherche und Text: Initiator des Stolpersteins und Gisela Morel-Tiemann

Quellen:
  • Berliner Adressbücher
  • Volkszählung v. 17.5.1939
  • Gedenkbuch des Bundesarchivs
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA): Akte 36A (II) 286
  • Deportationsliste: 102. AT vom 23.2.1944: TT102-3.jpg (1209×849) Nr. 49, mit dem Zusatz: „nicht mehr bestehende privilegierte Mischehe”

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