Stolpersteine Schillerstraße 89

Die Stolpersteine für Oskar und Gertrud Hippe wurden am 15. April 2026 verlegt.

HIER WOHNTE
OSKAR HIPPE
JG. 1900
IM WIDERSTAND / IKD
VERHAFTET 5.1.1934
ZUCHTHAUS LUCKAU
ENTLASSEN 1936

Oskar Hippe wurde am 1. April 1900 in Lützendorf, Kreis Querfurt geboren. Er stammte aus einer Eisenbahnerfamilie und hatte zehn ältere Geschwister. Zunächst absolvierte er eine Tischlerlehre, arbeitete später als Rohrleger in Berlin. Schon in sehr jungen Jahren schloss er sich den revolutionären Aktivitäten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an.

Nach dem 1. Weltkrieg, gegen dessen Ende er als 18-Jähriger noch als Soldat eingezogen wurde, schloss er sich dem Spartakusbund an und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD. Er beteiligte sich 1919 an den sogenannten „Märzkämpfen” in Berlin, die einem Generalstreik folgten und die Forderungen der Arbeiter in der „Novemberrevolution 1918” wieder aufnahmen. Die Unruhen wurden blutig niedergeschlagen – es gab über 1200 Tote. Oskar Hippe flüchtete nach Mitteldeutschland, kehrte aber 1924 nach Berlin zurück und wurde im Oktober 1926 wegen „Widerstandes gegen die Staatsgewalt” zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Da Oskar Hippe in der von Leo Trotzki geleiteten „Internationalen Linken Opposition” (LO) aktiv war, wurde er 1928 aus der KPD ausgeschlossen und als eines der führenden Mitglieder der „Internationalen Kommunisten Deutschlands” (IKD) in das „Internationale Sekretariat der Trotzkisten” gewählt. Die ideologischen Auseinandersetzungen, Abspaltungen, Neugruppierungen und Zusammenschlüsse innerhalb der KPD generell und der linken Opposition waren so zahlreich, dass Oskar Hippes jeweilige Zugehörigkeiten und vielfältigen Aktivitäten hier nicht im Einzelnen nachgezeichnet werden können.

Am 30. Januar 1933 kam es anlässlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im „Roten Kiez” von Charlottenburg rund um den Klausener Platz – auch als „Klein-Wedding” bekannt – zu Jubelaufmärschen der SA, und es entwickelten sich Straßenschlachten mit Nazigegnern. Oskar Hippe erlebte den Abend in der Arbeiterkneipe „Werner“ und berichtete später, dass die Nazis, die das Lokal angreifen wollten, „auch an diesem Abend … mit blutigen Köpfen nach Hause geschickt” wurden. Er baute eine Widerstandsgruppe auf, wurde im Januar 1934 verhaftet und im November wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe zunächst im Strafgefängnis Plötzensee und dann im Zuchthaus Luckau wurde er 1938/1939 auf der Großbaustelle für die „Reichsluftschutzschule” als Zwangsarbeiter eingesetzt. 1940 organisierte er für den in Mexiko ermordeten Leo Trotzki eine Trauerfeier. Zeitweilig tauchte er unter und lebte versteckt.

Seinen Überzeugungen blieb Oskar Hippe auch nach Ende der Naziherrschaft treu und trotz aller Verfolgungsmaßnahmen weiter aktiv. Er wurde wieder Mitglied in der KPD und gründete im Sommer 1945 die „Arbeitsgemeinschaft Neues Beginnen”, baute in den Folgejahren trotzkistische Gruppen in der „Sowjetische Besatzungszone” (SBZ) auf und gab antistalinistische Flugschriften heraus. Das brachte ihm eine Verurteilung zu zweimal 25 Jahren Arbeitslager durch das sowjetische Militärtribunal ein. Acht Jahre lang war er unter anderem in Bautzen inhaftiert, bevor er 1946 nach Westberlin entlassen wurde. Von 1956 bis 1968 war er Mitglied im linken Flügel der Charlottenburger SPD.

Oskar Hippe starb am 13. März 1990 in Berlin.

Recherche: Dr. James Diskant

Biografische Zusammenstellung: Gisela Morel-Tiemann

Quellen:

HIER WOHNTE
GERTRUD HIPPE
GEB. MANKOWSKI
JG. 1901
IM WIDERSTAND / IKD
VERHAFTET JAN. 1934
SCHWER MISSHANDELT
ENTLASSEN OKT. 1934

Gertrud Hippe geb. Mankowski, kam 4. November 1901 zur Welt. Sie war gemeinsam mit ihrem Mann Oskar, mit dem sie über 60 Jahre verheiratet war, im kommunistischen Widerstand gegen die Nazis aktiv. Sie engagierte sich als Mitglied der wesentlich von Leo Trotzki initiierten „Linken Opposition”. Deren Hauptanliegen war die Verteidigung des marxistischen Programms – auch gegen den Stalinismus und die Theorie des „Sozialismus in einem Land”.

Gertrud Hippes durchaus eigenständiger Beitrag zum Kampf gegen den Faschismus, ihre Verfolgung, Verhaftungen und Leiden wurden bei weitem nicht so gut dokumentiert und gewürdigt wie die ihres Mannes Oskar Hippe.

Schon ab 1931/1932 traf sich die Gruppe „Aktions-Gemeinschaft gegen den Faschismus” konspirativ in der Wohnung des Ehepaares Hippe in der Schillerstraße 89. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde ihre Wohnung wochenlang von der Gestapo überwacht, um Mitstreiter bei einer eventuellen Kontaktaufnahme zu verhaften. Obwohl es Gertrud Hippe gelang, über einen Kassiber an ihre Schwägerin, die in unmittelbarer Nähe in der Krummen Straße wohnte, Genossen zu warnen, gingen einige der Gestapo in die Falle. Gertrud wurde ebenfalls verhaftet und von der SA auf das Schlimmste gefoltert, sodass Sie lebenslang schwere Behinderungen davontrug.

Sie beteiligte sich an der Herausgabe von oppositionellen Publikationen, vergrub Bücher auf einem Laubengrundstück in Spandau, wo sie 1936 nach der Haftentlassung ihres Mannes zeitweilig versteckt lebten und wurde zusammen mit ihm erneut verhaftet.

Zeit ihres Lebens war Gertrud Hippe im linken Spektrum der Arbeiterbewegung aktiv. Sie verstarb im Februar 1990 in Berlin.

Recherche: Dr. James Diskant

Biografische Zusammenstellung: Gisela Morel-Tiemann

Quellen:

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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