Stolpersteine Johann-Georg-Straße 6

Hauseingang Johann-Georg-Straße 6

Die Stolpersteine wurden am 6. März 2026 verlegt.

Stolperstein für Walter Wind

HIER WOHNTE
WALTER WIND
JG. 1891
FLUCHT 1933
HOLLAND
1936 ARGENTINIEN

Walter Wind wurde am 10. August 1891 in Ratibor geboren. Nach dem Schulbesuch machte er eine Ausbildung als Kaufmann und wurde ein erfolgreicher Miederwaren- und Tuchhändler.

Stolperstein für Lisbeth Wind

HIER WOHNTE
LISBETH WIND
GEB SCHOTTLÄNDER
JG. 1898
FLUCHT 1933 HOLLAND
1936 ARGENTINIEN

Sehr bald lernte er die sieben Jahre jüngere Lisbeth Schottländer kennen, die er im Jahre 1920 heiratete.

Stolperstein Klaus Peter Wind

HIER WOHNTE
KLAUS PETER
WIND
JG. 1921
FLUCHT 1933 HOLLAND
1936 ARGENTINIEN

Im folgenden Jahr wurde der Sohn Klaus Peter geboren, um dessen Erziehung sich vor allem Lisbeth kümmerte.

Im Jahre 1933 war Klaus Peter zwölf Jahre alt und stolzer Schüler des Grunewald-Gymnasiums. Er wurde früh mit den Juden ausgrenzenden Maßnahmen auch im Schulbereich konfrontiert, indem er bestimmte Fächer nicht mehr wählen durfte. Trotzdem hat er Berlin geliebt und ist als Erwachsener immer wieder zurückgekommen. Er genoss es sehr durch die Straßen und Viertel zu spazieren, besonders in Charlottenburg.

Im April 1933, nur zwei Monate nach Hitlers Machtübernahme, begann das nationalsozialistische Regime seinen Antisemitismus in konkrete gesetzliche und administrative Maßnahmen umzusetzen. Es handelte sich dabei nicht um ein einzelnes „Gesetz”, sondern um ein Paket koordinierter Maßnahmen. Die wichtigsten waren:

  • Es wurde ein nationaler Boykott jüdischer Geschäfte ausgerufen.
  • Juden wurden aus öffentlichen Ämtern vertrieben: Beamte, Richter, Universitätsprofessoren.
  • Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen. Die Zahl jüdischer Schüler und Studenten an Schulen und Universitäten wurde stark begrenzt. Es wurden restriktive Quoten eingeführt.

Meine Großmutter Lisbeth Wind sah, dass die Situation für die jüdische Bevölkerung sehr schwierig wurde und dass sie in Zukunft sicherlich noch schlimmer werden würde, und kam zu dem Schluss, dass Deutschland kein sicherer Ort mehr für Juden war.

Die Familie hatte eine sehr gute Freundin in Amsterdam und beschloss, in die Niederlande zu ziehen. Sie lebten drei Jahre lang in Amsterdam und da mein Großvater Walter keine gute Arbeit finden konnte, wanderte die Familie nach Argentinien aus und kam im Januar 1937 in Buenos Aires an.
Rund 65.000 deutsche Juden haben nach der Flucht aus Deutschland ein neues Zuhause in Argentinien gefunden.

Es gab und gibt immer noch eine sehr bedeutende jüdische Gemeinde in Argentinien. In diesem Umfeld lernte mein Vater meine Mutter Edith kennen, die in Ingolstadt geboren war und ebenfalls nach Buenos Aires geflohen war. Sie hatten zwei Kinder, fünf Enkelkinder und acht Urenkel. Mein Vater war immer sehr aktiv in der deutsch-jüdischen Gemeinde.

Anlässlich der Stolpersteinverlegung im Gedenken an die vormaligen Bewohner dieses Hauses können wir unseren kleinen Beitrag leisten, damit so etwas nie wieder geschieht. Es ist eine Verpflichtung von uns allen. Ben Gurion, der 1948 der erste Premierminister des Staates Israel wurde, sagte sinngemäß über den Holocaust: Vergeben, ja, aber nicht vergessen, in der ganzen Welt die Erinnerung wachzuhalten und jungen Menschen und künftigen Generationen zu vermitteln, was während des Holocaust geschehen ist.
Wir sind heute hier, um niemals zu vergessen, um uns zu erinnern, um Walter, Lisbeth und Peter Wind hier an diesem Ort in Charlottenburg zu ehren. Ich möchte Gunter Demnig erwähnen und ihm dafür danken, dass er vor vielen Jahren diese großartige Idee hatte, die Opfer des Holocaust zu ehren.

Text: Ruben Wind (Sohn von Klaus Peter Wind)

Bearbeitung: Stolpersteininitiative Charlottenburg/Wilmersdorf

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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