Stolpersteine Holsteinische Str. 31

Hauseingang Holsteinische Straße

Die Stolpersteine wurden am 9. März 2026 verlegt.

Stolperstein für Alfred Baruch

HIER WOHNTE
ALFRED BARUCH
JG. 1869
DEPORTIERT 19.1.1942
GHETTO RIGA
ERMORDET

Alfred Baruch wurde am 6. September 1869 in Breslau in Schlesien (Wrocław, Polen) geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann David Baruch (*1823) und dessen zweite Ehefrau Rosalie geborene Margoles (*1840), war er das einzige Kind. Aus der ersten Ehe seines Vaters hatte Alfred einen 16 Jahre älteren Halbbruder mit Namen Martin (*4. März 1853).

Auch Alfred trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde wie er Kaufmann von Beruf. Als Alfred 30 Jahre alt war, starb sein Vater 1899. Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1900 war Alfred als reisender Kaufmann in Schwerin gemeldet. Sein eigentlicher Hauptwohnsitz war damals in Hamburg in der Danziger Straße 12.

Wann und wo Alfred seine spätere Ehefrau, die aus Berlin stammende Margarete Mai (*18. September 1870) kennenlernte, ist unbekannt. Sie heirateten am 21. Februar 1902 in Berlin. Alfred war damals 33 Jahre und Margarete 32 Jahre alt. Die Ehe blieb kinderlos.

Im Telefonbuch von 1916 war der Kaufmann Alfred Baruch am Planufer 36 in Berlin-Kreuzberg zu finden. Im Oktober 1918 zogen die Eheleute Baruch nach Wilmersdorf in die Holsteinische Straße 31 in eine 3 ½-Zimmer-Wohnung im 1. Stock des Hauses. Ein Jahr darauf starb Alfreds Mutter Rosalie in Breslau.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Alfred 63 Jahre alt. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 war neben Alfred und Margarete Baruch noch eine jüdische Untermieterin, die 28-jährige Mia Regina Graetzer (*22. Juli 1910), bei ihnen gemeldet. Sie bewohnte für 27 RM die Mädchenkammer. Wann das „arische“ Ehepaar Ernst Resch zu ihnen zur Untermiete eingezogen war, konnte nicht recherchiert werden. Es war mehr als unüblich, dass „Arier“ bei Juden zur Untermiete wohnten. Sie hatten das Balkonzimmer teilmöbliert für 35 RM gemietet.

Im Berliner Adressbuch erschien der Eintrag „Baruch, M., Kfm.“ 1940 zum letzten Mal. Die Eheleute Baruch wohnten nachweislich noch 1941 in ihrer Wohnung.

Ab Mitte Dezember 1941 wurden sie von der Gestapo aufgefordert, ihre Vermögenserklärungen auszufüllen, die sie am 21. Dezember 1941 unterschrieben.

Mit dem 9. Osttransport wurden Alfred und Margarete Baruch zusammen mit 1.004 Leidensgenossen und -genossinnen am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert. Im Ghetto starb Alfred mit ca. 72 Jahren und Margarete mit 71 Jahren.

Ihre Untermieterin Mia Regina Graetzer nahm sich im April 1942 das Leben, nachdem sie die Kündigung ihres Mietvertrages und den Deportationsbefehl in den Osten erhalten hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering mit Unterstützung der Hausbewohnerin Stefanie Egner, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 2382, Alfred Baruch
Stolperstein für Margarete Baruch

HIER WOHNTE
MARGARETE BARUCH
GEB. MAI
JG. 1870
DEPORTIERT 19.1.1942
GHETTO RIGA
ERMORDET

Margarete Baruch wurde als Margarete Mai am 18. September 1870 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann und späteren Buchhändler Siegfried Max Mai (*1841) und dessen Ehefrau Fanny Mai geborene Hirschberg (*29. Juni 1840), die am 11. Dezember 1869 geheiratet hatten, war Margarete das erste von insgesamt vier Kindern. Ihre Schwester Elisabeth (*18. Juli 1872) war zwei Jahre, ihr Bruder Alexander Ulrich (*11. August 1873) drei Jahre und ihre Schwester Gertrud (*4. November 1874) vier Jahre jünger als sie. Bei Gertruds Geburt wohnte die Familie in der Leipziger Straße 119. Margaretes Großmutter Rahel Hirschberg geborene Liebermann (1810-1884) war eine Tochter des Kaufmanns Jacob Liebermann (1780-1867), Bruder des Textilunternehmers Joseph Bendix Liebermann (1783-1860), der wiederum Großvater des Malers Max Liebermann (1847-1935) war.

Margaretes Mutter Fanny starb schon mit 47 Jahren am 18. Juni 1888, kurz vor Margaretes 18. Geburtstag. Vermutlich musste Margarete nach dem Tod der Mutter für den Vater und ihre Geschwister den Haushalt führen. Der Großvater Hirsch Abel Hirschberg (*1798) starb am 4. April 1889, ein Jahr nach seiner Tochter Fanny, mit 91 Jahren.

Als Margaretes jüngste Schwester Gertrud ihre Hochzeitsvorbereitungen traf, wohnte die Familie Mai in der Marienstraße 12 in Berlin-Mitte. Gertrud heiratete mit 25 Jahren, am 30. Juni 1899, den „Oberfactor“ Berthold Manasse (*2. August 1874). Schon sechs Monate später wurde deren Sohn Paul geboren. Er starb am nächsten Tag.

Zwei Jahre später heiratete Margaretes Bruder Alexander Ulrich am 21. Februar 1901 die aus Danzig stammende Gertrud Dorothea Neustadt (*10. April 1881). Sie wurden Eltern von Hans Emanuel (*8. Dezember 1901) und Ruth (*20. Januar 1906).

Wann und wo Margarete ihren späteren Ehemann, den aus Breslau stammenden Kaufmann Alfred Baruch, kennenlernte, ist unbekannt. Sie heirateten am 21. Februar 1902 in Berlin. Die Ehe blieb kinderlos.

Ihre Schwester Elisabeth heiratete am 14. Oktober 1904 einen Bruder ihres Schwagers Berthold, den Buchhändler Hugo Manasse (*15. Januar 1872).

Margaretes Vater, der Buchhändler Siegfried Max Mai, starb am 21. Dezember 1909 mit 67 Jahren. Er wurde wie seine Ehefrau Fanny auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Hugo Manasse nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil. Elisabeth und Hugo wohnten schon 1915 in der Franzensbader Str. 3 in Berlin-Schmargendorf. Im Oktober 1918 zogen auch die Eheleute Baruch nach Wilmersdorf in die Holsteinische Straße 31 in eine 3 ½-Zimmer-Wohnung im 1. Stock des Hauses.

Margaretes Neffe Hans Mai, Sohn ihres Bruders, wanderte am 6. Dezember 1922 mit 20 Jahren von Hamburg nach Buenos Aires in Argentinien aus. Ihr Schwager Hugo Manasse starb am 22. Juni 1926 mit 54 Jahren. Margaretes Schwester Elisabeth wurde mit 53 Jahren Witwe.

Am 2. Dezember 1930 gab es dann wieder etwas zu feiern. Margaretes Nichte, die Medizin-Praktikantin Ruth Mai, heiratete den Assistenzarzt Dr. Georg Lemchen (*7. Januar 1902). Sie wurden 1932 Eltern von Hannah Beate Lemchen (*17. Januar 1932).

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Margarete 62 Jahre alt. Ob auch sie Fluchtpläne hatte, ist nicht gewiss. Seit mehr als 15 Jahren wohnte sie in der Holsteinischen Straße 31. Vermutlich fühlte sie sich zu alt, um noch einmal neu im Ausland anzufangen.

Ihrer Schwester, der Witwe Elisabeth Manasse, gelang noch rechtzeitig die Flucht in die USA. Ihre Schwester Gertrud und deren Ehemann Berthold Manasse flüchteten nach Palästina. Ihr Bruder Ulrich und ihre Schwägerin Gertrud emigrierten zusammen mit ihrer Tochter Ruth, deren Ehemann Georg Lemchen sowie deren Tochter Hannah Beate nach Neuseeland.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 war neben Margarete und Alfred Baruch noch eine jüdische Untermieterin, die 28-jährige Mia Regina Graetzer (*22. Juli 1910), bei ihnen gemeldet. Sie bewohnte für 27 RM die Mädchenkammer. Wann das „arische“ Ehepaar Ernst Resch zu ihnen zur Untermiete einzog, konnte nicht recherchiert werden. Es war mehr als unüblich, dass „Arier“ bei Juden zur Untermiete wohnten. Sie hatten das Balkonzimmer teilmöbliert für 35 RM gemietet. Margarete erhielt eine Reichsversicherungsrente von 79,90 RM monatlich.

Im Berliner Adressbuch erschien der Eintrag „Baruch, M., Kfm.“ 1940 zum letzten Mal. Die Eheleute Baruch wohnten nachweislich noch 1941 in ihrer Wohnung.

Ab Mitte Dezember 1941 wurden sie von der Gestapo aufgefordert, ihre Vermögenserklärungen auszufüllen, die sie am 21. Dezember 1941 unterschrieben.

Mit dem 9. Osttransport wurden Margarete und Alfred Baruch zusammen mit 1.004 Leidensgenossen und -genossinnen am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert. Im Ghetto starb Margarete mit 71 Jahren und ihr Ehemann Alfred mit ca. 72 Jahren.

Ihre Untermieterin Mia Regina Graetzer nahm sich im April 1942 das Leben, nachdem sie die Kündigung ihres Mietvertrages und den Deportationsbefehl in den Osten erhalten hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering mit Unterstützung der Hausbewohnerin Stefanie Egner, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 2382, Alfred Baruch
  • Regina Scheer, „Wir sind die Liebermanns“, List Taschenbuch, Berlin 2008
Stolperstein für Mia Regina Graetzer

HIER WOHNTE
MIA REGINA
GRAETZER
JG. 1910
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
8. APRIL 1942

Mia Regina Graetzer wurde am 22. Juli 1910 in der Fritschestraße 50 in Berlin- Charlottenburg geboren. Sie war das einzige Kind des Bankbuchhalters und Kaufmanns Siegbert Graetzer (*23. April 1876) und dessen Ehefrau, der aus Posen stammenden Zigarettenfabrikantentochter Franziska Graetzer geborene Stepak-Rosenthal (*18. Juni 1885). Mias Vater war bei ihrer Geburt 34 Jahre und ihre Mutter 25 Jahre alt. 1911 gründete ihr Vater mit Dr. Siegfried Ascher eine Terraingesellschaft mit beschränkter Haftung. Die kleine Familie Graetzer wohnte 1915 in der II. Etage der Roscherstraße 9 in Berlin-Charlottenburg. Von 1916 bis 1918 nahm Mias Vater in der Garnison am Ersten Weltkrieg teil. In den 1920er-Jahren war er im Berliner Telefonbuch in der Königin-Augusta-Straße 7 (heute Reichpietschufer) in Berlin-Tiergarten zu finden. Über Mias Kindheit und Jugend konnte nichts recherchiert werden.

Als Mia 1931 mit 21 Jahren volljährig wurde, ließen sich ihre Eltern scheiden. Ihr Vater hatte 1930 in der Weltwirtschaftskrise sein gesamtes Vermögen und seine Existenzgrundlage verloren. Er lebte fortan von Wohlfahrtsunterstützung. Ihre Mutter arbeitete als Putzmacherin (Hutmacherin). Welchen Beruf Mia erlernte, ist nicht bekannt.

Vermutlich wohnte Mia bis 1938 in der Roscherstraße 9 bei ihrer Mutter. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 war Franziska Graetzer dann in der Fasanenstraße 69 gemeldet. Mia wohnte in ihrer Nähe, zur Untermiete bei den Eheleuten Baruch in der I. Etage, in der Mädchenkammer der Wohnung, in der Holsteinischen Straße 31 in Berlin-Wilmersdorf.

Mias Vater hatte bis Januar 1939 zur Untermiete bei Heinrichs in der Ansbacher Straße 20/21 gewohnt. Hier wurde er im Februar 1939 von einem Mitbewohner denunziert, woraufhin Ermittlungen wegen „Verdachts der homosexuellen Betätigung an einem Knaben“ von der Kriminalpolizei gegen ihn aufgenommen, wurden. In einer Verhandlung im März 1939 bestritten Mias Vater und der Knabe die Anschuldigungen. Das Verfahren wurde daraufhin nicht weiterverfolgt. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war Siegbert Graetzer in der Teplitzer Straße 38 in Berlin-Grunewald gemeldet.

Vermutlich wurden Mia, Mias Mutter und auch ihr Vater 1940 zur Zwangsarbeit verpflichtet. Ihre Mutter war die erste der Familie, die Anfang Oktober 1941 den Deportationsbefehl erhielt. Am 16. Oktober 1941 musste sie sich im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einfinden. Dort wurde sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Zwei Tage später, am 18. Oktober, ging es zu Fuß in strömenden Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für alle sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug aus Berlin insgesamt 1.251 Personen in den Osten transportierte. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann, in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Einen Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurde Franziska Graetzer in der Alexanderhofstraße 35 in Raum 95 einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachte sie hier den Winter und das Frühjahr 1942. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto starb Mias Mutter Franziska Graetzer geborene Stepak-Rosenthal am 8. März 1942 mit 57 Jahren im Ghetto.

Mias Vermieter, die Eheleute Baruch, wurden am 21. Dezember 1941 aufgefordert, ihre Vermögenserklärungen auszufüllen. Die Gestapo deportierte sie am 19. Januar 1942 nach Riga, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden.

Mias Vater bekam den Deportationsbefehl in die Vorbergstraße 2 in Berlin-Schöneberg und wurde am 2. April 1942 von der Gestapo in das Warschauer Ghetto deportiert, wo Siegbert Graetzer vermutlich mit 66 Jahren starb.

Mia blieb allein zurück. Mit Schreiben vom 4. April 1942 wurde ihr die Kündigung ihres Untermietvertrages zum frühestmöglichen Zeitpunkt, spätestens aber am 30. April 1942, mitgeteilt. Anfang April erhielt auch sie den Deportationsbefehl in den Osten. Um der Deportation zu entkommen, wählte sie den Freitod. Sie starb mit 31 Jahren.

Wir wissen nicht, ob sie ihrem Leben aus Verzweiflung ein Ende setzte oder ob ihr Tod ein Akt des Widerstands war, um der zugedachten Entwürdigung durch die Deportation zu entkommen. Am 8. April 1942 um 15 Uhr 30 Minuten wurde die Arbeiterin Mia Regina Graetzer in der Wohnung in der Holsteinischen Straße 31 tot aufgefunden. Tag und Stunde des Todes wurden nicht festgestellt. Als Todesursache wurde auf der Sterbeurkunde mit „Selbstmord durch Erhängen“ angegeben.

Mia Regina Graetzer wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee im Grab Nr. 108 185 im Gräberfeld S 4 in der Reihe 4. beigesetzt. Die Beisetzung wurde von dem 30-jährigen Helmut Lipski (*15. Dezember 1911), ehemals Salzbrunner Straße. 44 in Berlin-Schmargendorf, der zum Zeitpunkt von Mias Tod zur Untermiete bei Fanny Fersenheim (*1863) in der Großgörschenstraße. 35 wohnte, angemeldet. Die Gestapo deportierte den Arbeiter Helmut Lipski am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz, wo sie auch ihn ermordeten.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 2382, Alfred Baruch und Reg. 36A (II) 23664 Helmut Lipski
Stolperstein für Max Morgenstern

HIER WOHNTE
MAX MORGENSTERN
JG. 1883
VERHAFTET 13.9.1939
KZ SACHSENHAUSEN
ERMORDET 14.1.1940

Max Morgenstern wurde am 30. März 1883 in Bielitz (heute Bielsko, Polen) geboren. Seine Eltern waren der Handelsmann Isaak Hirsch Morgenstern und dessen Ehefrau Gütel Morgenstern geborene Biedermann. Max hatte drei Schwestern, Eugenie, Fanny (*27. Januar 1889) und Sali (*1894), sowie zwei Brüder, Josef (*15. Oktober 1895) und Bernhard.

Die Stadt Bielitz lag etwa 60 km südlich von Kattowitz. Am Ende des Ersten Weltkrieges erhoffte sich die deutsche Bevölkerung dort den Verbleib in Deutschösterreich, Bielitz wurde aber Teil des wiedererrichteten Polens und 1922 zusammen mit den Gebieten Ostoberschlesiens in der „Autonomen Woiwodschaft Schlesien“ vereinigt. Bielitz blieb auch innerhalb Polens mehrheitlich von Deutschen bewohnt. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung machte 20 Prozent aus. In der Zwischenkriegszeit blieb die Stadt ein wichtiges Zentrum der Deutschen in Polen und wurde „Klein Berlin“ genannt. Doch zu dieser Zeit wohnte und arbeitete Max als Kaufmann schon in der Reichshauptstadt Berlin.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau, die in Oppeln in Schlesien geborene 35-jährige Paula Kochmann (*1. Oktober 1885), kennenlernte, ist nicht bekannt. Max Schwester, die Wirtschafterin Sali Morgenstern, hatte 1913 den aus Kattowitz stammenden Schenkwirt Fritz Kochmann geheiratet. Fritz war Paulas Bruder. Max und Paula heirateten am 23. November 1920 in Berlin-Schöneberg. Als Geburtsort gab Max auf der Heiratsurkunde „Bielitz in der Tschechoslowakei“ an. Zum Zeitpunkt der Hochzeit war er 36 Jahre alt und wohnte zusammen mit seinem jüngeren Bruder Josef in der Canovastraße 2/3. Der 25-jährige Kaufmann Josef Morgenstern und Paulas Schwägerin, die „evangelische Kaufmann“ Elisabeth Kochmann, die sich mit einer Eheschließungsbescheinigung auswies, waren als Trauzeugen bei der Hochzeit anwesend.

In der Canovastraße, die von der Thorwaldsenstraße zur Rubensstraße führte, war das Ehepaar Morgenstern bis 1935 in der Nr. 2/3 gemeldet. 1936 zogen sie in die Holsteinische Straße 31 nach Berlin-Wilmersdorf. Das Berliner Adressbuch 1937 führte sie dort zum ersten Mal. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren der 56-jährige Max und die 53-jährige Paula weiterhin in der Holsteinischen Straße 31 gemeldet. Im Berliner Adressbuch 1939 waren sie aber nicht mehr zu finden.

Am 15. Mai 1939 flüchtete Max Schwester, die Witwe Sali Kochmann geborene Morgenstern, nach Shanghai. Auch seinen Brüdern Josef und Bernhard und seinen Schwestern Ernestine und Fanny gelang zu einem unbekannten Zeitpunkt gerade noch rechtzeitig die Flucht nach Shanghai.

Am 13. September 1939 wurde Max von der Gestapo verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Der genaue Grund für die Verhaftung konnte nicht recherchiert werden. Es reichte damals aber aus, Jude zu sein, um interniert und zur Zwangsarbeit herangezogen zu werden. Bei Max Morgenstern könnte aber auch seine Staatenlosigkeit ein Grund für die Verhaftung gewesen sein. Da Max Geburtsort früher einmal, wie er in seiner Heiratsurkunde angegeben hatte, zur Tschechoslowakei gehört hatte, dieses Land aber an diesem Ort durch den Versailler Vertrag aufgehört hatte zu existieren, war er – obwohl in Deutschland ansässig – dadurch staatenlos.

Als Staatenloser verfügte er über keine gültigen Personaldokumente. Bei der Heirat hatte er sich mit seiner Geburtsurkunde ausgewiesen. Der NS-Staat, der ausschließlich Reichsangehörigkeit als nationalstaatliche einheitliche deutsche Staatsangehörigkeit eingeführt hatte, unterschied ab 1935 mit dem Reichsbürgergesetz zusätzlich zwischen Reichsbürgern und „Angehörigen rassefremden Volkstums“, wozu die Juden gehörten.

Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Konzentrationslager und bei der Zwangsarbeit starb Max Morgenstern am 14. Januar 1940 morgens um 8 Uhr 45 mit 56 Jahren. Als Todesursache wurde auf der Sterbeurkunde, die zwei Tage später auf schriftliche Anzeige des Lagerkommandanten vom Standesamt Oranienburg ausgestellt wurde, „Herzkranzgefäßverkalkung“ angegeben.

Seine Witwe Paula durfte ihren verstorbenen Ehemann auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beisetzen lassen.

Recherche und Text: Gundula Meiering mit Unterstützung der Hausbewohnerin Stefanie Egner, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Entschädigungsbehörde (LABO) Reg. Nr. 68.246, Antragsteller: Josef Morgan (ehemals Morgenstern)
Stolperstein für Paula Morgenstern

HIER WOHNTE
PAULA MORGENSTERN
GEB. KOCHMANN
JG. 1885
DEPORTIERT 8.7.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Paula Morgenstern wurde als Paula Kochmann am 1. Oktober 1885 in Oppeln in Oberschlesien (Opole, Polen) geboren. Ihre Eltern waren der Wurstmacher Josef Kochmann (*1855) und dessen Ehefrau Minna Kochmann geborene Rosenthal (*1853). Paula hatte zwei ältere Brüder, Hugo (*10. September 1881) und Fritz (*12. August 1883). 1916 wohnte Paula mit ihren Eltern in der Münchener Straße 26/27 in Berlin-Schöneberg.

Wann und wo Paula ihren späteren Ehemann, den aus Bielitz (Bielsko, Polen) stammenden 37-jährigen Kaufmann Max Morgenstern (*30. März 1883), kennenlernte, ist nicht bekannt.

Max Schwester Sali hatte am 8. Mai 1913 Paulas Bruder Fritz in Berlin geheiratet, demnach kannten sich die Familien Morgenstern und Kochmann. Max und Paula heirateten am 23. November 1920 in Berlin-Schöneberg. Der 25-jährige Kaufmann Josef Morgenstern, Max Bruder, und Paulas Schwägerin, die Ehefrau ihres Bruders Hugo, die „evangelische Kaufmann“ Elisabeth Kochmann, die sich mit einer Eheschließungsbescheinigung auswies, waren als Trauzeugen bei der Hochzeit anwesend.

Paula zog nach der Hochzeit zu Max in die Canovastraße 2/3 in Berlin-Friedenau. Ihre Mutter starb 1928 mit 75 Jahren und ihr Vater am 4. April 1934 mit 79 Jahren. Ihr Bruder Fritz starb 10 Tage nach dem Vater, am 14. April 1934, mit 50 Jahren.

Das Ehepaar Morgenstern war bis 1935 in der Canovastraße 2/3 gemeldet. 1936 zogen sie in die Holsteinische Straße 31 nach Berlin-Wilmersdorf. Das Berliner Adressbuch 1937 führte sie dort zum ersten Mal. Bei der “Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 waren die 53-jährige Paula und der 56-jährige Max weiterhin in der Holsteinischen Straße 31 gemeldet. Im Berliner Adressbuch 1939 waren sie aber nicht mehr zu finden.

Am 15. Mai 1939 flüchtete Paulas Schwägerin, die Witwe Sali Kochmann geborene Morgenstern, nach Shanghai. Auch Max‘ anderen Geschwistern gelang zu einem unbekannten Zeitpunkt, gerade noch rechtzeitig, die Flucht nach Shanghai.

Am 13. September 1939 verhaftete die Gestapo Paulas Ehemann Max Morgenstern und internierte ihn im Konzentrationslager Sachsenhausen. Paula blieb allein zurück und lebte fortan in großer Angst.

Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Lager und bei der Zwangsarbeit starb Max Morgenstern am 14. Januar 1940 morgens um 8 Uhr 45. Als Todesursache wurde auf der Sterbeurkunde, die zwei Tage später auf schriftliche Anzeige des Lagerkommandanten vom Standesamt Oranienburg ausgestellt wurde, „Herzkranzgefäßverkalkung“ angegeben.

Paula durfte ihren verstorbenen Ehemann auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beisetzen lassen. Sie hatte jetzt nur noch ihren älteren Bruder Hugo, der durch die “Mischehe” mit seiner „arischen“ Frau Elisabeth geschützt war. Das Ehepaar Kochmann wohnte im Horstweg 8 in Berlin-Charlottenburg.

Wann Paula aus der Holsteinischen Straße 31 auszog beziehungsweise ausziehen musste, ist nicht bekannt. Der Deportationsbefehl erreichte sie Anfang Juli 1942 in der Iranischen Straße 2, Standort des jüdischen Krankenhauses, wo sie vermutlich zu der Zeit arbeitete. Am 8. Juli 1942 wurde sie zusammen mit 500 Leidensgenossinnen und -genossen vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt deportiert. Die Lebensbedingungen im Ghetto waren menschenunwürdig. Viele Ghettobewohner starben schon kurze Zeit nach der Ankunft. Paula war widerstandsfähig und überlebte die Zeit im Ghetto.

Am 28. September 1944 begann die Deportation von rund 18.500 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt nach Auschwitz. Paula Morgenstern deportierte die Gestapo mit einem der letzten Transporte, am 16. Oktober 1944. Kurz nach der Ankunft wurde sie in einer Gaskammer von Auschwitz-Birkenau ermordet. Paula Morgenstern geborene Kochmann starb mit 59 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering mit Unterstützung der Hausbewohnerin Stefanie Egner, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Entschädigungsbehörde (LABO) Reg. Nr. 68.246, Antragsteller: Josef Morgan (ehemals Morgenstern)
Stolperstein für Moritz Hecht

HIER WOHNTE
MORITZ HECHT
JG. 1876
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO / KAUNAS FORT IX
ERMORDET 25.11.1941

Moritz Hecht wurde am 15. Februar 1876 in Sondershausen, etwa 50 km südlich von Erfurt in Thüringen, geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Selmar Hecht (*1846) und dessen Ehefrau Dorothea geborene Jacobsohn war er nach der Tochter Franziska (*21. Januar 1874) das zweite Kind und der ersehnte Stammhalter.

Moritz trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde wie er Kaufmann von Beruf. Seine Schwester, die Gesellschafterin von Beruf war, heiratete mit 18 Jahren, am 29. November 1892, den 37-jährigen Kaufmann Wilhelm Haase.

Wann und wo Moritz seine spätere Ehefrau, die in Berlin geborene Selma Hecht (*8. Februar 1881) kennenlernte, ist nicht bekannt. Selma war die älteste Tochter von Hermann (*20. Januar 1847) und Mathilde Hecht geborene Levy (*26. November 1847) aus Berlin. Moritz und Selma heirateten am 22. Februar 1902 in Berlin. Am 8. April 1906 wurden sie Eltern einer Tochter, der sie den Namen Irma gaben. Vier Tage nach der Geburt starb Irma.

Fünf Monate später, am 31. August 1906, starb Moritz‘ Vater mit 60 Jahren. Das Sterbedatum seiner Mutter konnte nicht recherchiert werden. Fast genau ein Jahr später wurde Selmas und Moritz‘ Sohn Heinz am 29. August 1907 geboren. Damals wohnte die Familie in der Admiralstraße 34 in Berlin-Kreuzberg.

Als der Erste Weltkrieg begann, war Moritz 34 Jahre alt. Er war vermutlich Kriegsteilnehmer.

1921 feierte die Familie Hecht die Bar Mitzwa ihres 14-jährigen Sohnes Heinz in der Synagoge am Kottbusser Ufer (seit 1947 Synagoge am Fraenkelufer), die 1916 neu errichtet worden war. Heinz besuchte die Luisenstädtische Ober-Realschule in der Brandenburgstraße (heute Lobeckstraße) nahe der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg. Er verließ die Schule nach der Obersekunda mit dem „Einjährigen“. Danach absolvierte er eine Handelsakademie und machte eine zweijährige kaufmännische Lehre. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete er als kaufmännischer Angestellter. 1930 orientierte er sich neu. Im Warenhaus Hermann Tietz bekam er eine Anstellung als Dekorateur und Reklame-Maler. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, wurde ihm gekündigt, weil er Jude war. Da er als Jude auch keine neue Anstellung fand, machte er sich als Reklame-Maler selbstständig. Der damals 26-Jährige wohnte zu der Zeit in der Pflügerstraße 13 in Berlin-Neukölln.

Moritz und Selma wohnten ganz in seiner Nähe in der Pflügerstraße 1. Das Berliner Adressbuch 1937 führte Moritz zweimal, einmal als Kaufmann in der Pflügerstraße 1 und ein zweites Mal als Vertreter in der Holsteinische Straße 31. Demnach zog das Ehepaar Hecht im Laufe des Jahres 1936 nach Berlin-Wilmersdorf um. Sie wohnten in der II. Etage des Hauses.

Schon 1935 hatten die Nationalsozialisten mit ihren „Nürnberger Gesetzen“ die Ausgrenzung der Juden in besonderem Maße verschärft. Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ hatte die Eheschließung zwischen Juden, denen die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden war, und „Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“, sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen diesen Personengruppen verboten. Männer, die gegen das Verbot des außerehelichen Verkehrs verstießen, wurden wegen „Rassenschande“ mit Gefängnis oder Zuchthaus bestraft. Die Strafrahmen des Gesetzes waren ungenau und weit gefasst. Die Formulierung eröffnete Richtern gewollt die Möglichkeit, Juden strenger zu bestrafen als „deutschblütige“ Männer. Um Ermittlungen auszulösen, reichte eine Denunziation.

Moritz und Selmas Sohn Heinz reiste im Sommer 1937, vermutlich in Begleitung seiner Freundin, nach Prag. Bei der Rückfahrt wurde er von der Polizei wegen „Passvergehens“ und „Rassenschande“ zwei Wochen in Untersuchungshaft in Bad Schandau festgehalten und anschließend in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit überführt. Die Große Strafkammer des Landgerichts Berlin erkannte am 30. November 1937 für Recht an, ihn vom Passvergehen freizusprechen, aber wegen „Rassenschande“ zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Im „Lebenslauf des Gefangenen Heinz Hecht“, den er zu Beginn seiner Haftzeit im Zuchthaus Görden in Brandenburg an der Havel am 27. Dezember 1937 auszufüllen hatte, schrieb Heinz Hecht auf die ihm gestellte Frage: „Gestehen Sie die Ihnen zur Last gelegte Tat ein?“: „Ja, jedoch spricht bei meiner Tat der Umstand mit, dass Unkenntnis der Gesetze nicht vor Strafe schützt.“ Auf die Frage: „Unter welchen Umständen und aus welcher Veranlassung haben sie die Tat begangen?“ schrieb er: „Da ich im Sommer 1929 vor dem Amtsgericht Berlin-Lichtenberg aus dem Judentum und der jüdischen Gemeinde austrat (um zum evangelischen Glauben überzutreten), dachte ich, nicht unter die Nürnberger Gesetze von 1935 mehr zu fallen. Als ich dessen aber anders belehrt wurde, war es zu spät und die Tat schon begangen.“

Als er am 30. September 1939 seine Strafe verbüßt hatte, überführte ihn die Gestapo in das Polizeigefängnis am Alexanderplatz. Von dort aus brachten sie ihn in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er am 12. August 1940 zu Tode kam. Als Todesursache wurde Rippenfellentzündung und Lungenentzündung angegeben. Heinz starb kurz vor seinem 33. Geburtstag.

Moritz und Selma durften ihn auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beisetzen. Für Selma muss der Tod ihres einzigen Sohnes ein großer Schock gewesen sein. Vermutlich starb sie kurze Zeit später. Moritz blieb allein zurück. Seine ältere Schwester Franziska war schon 1939 mit 65 Jahren an einer Zuckerkrankheit gestorben.

1940 war der Name „Moritz Hecht“, das letzte Mal im Berliner Adressbuch in der Holsteinischen Straße 31 verzeichnet. Vermutlich wohnte er bis zu seiner Deportation trotzdem dort.

Anfang November 1941 wurde er aufgefordert, seine Vermögenserklärung auszufüllen und sich am 15. November 1941 im Sammellager, in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8, einzufinden. Auch sein Schwager, der Witwer Erich Hecht (*13. Mai 1888), hatte den Deportationsbefehl für diesen Transport bekommen. In dem Sammellager wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Zwei Tage später, am 17. November 1941, ging es zu Fuß oder zum Teil auf offenen Lastwagen für alle sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der VI. Deportationszug sie in den „Osten“ transportierte. Ziel und der Grund der Reise wurden ihnen verheimlicht. Sie wurden in dem Glauben gelassen, umgesiedelt zu werden.Ziel des Transports war die litauische Stadt Kaunas (Kowno, Litauen), die von der deutschen Wehrmacht im Juni 1941 besetzt worden war. In Kaunas wurden sie in die Festungsanlage Fort IX gebracht, die die SS als Sammellager für Juden und Erschießungsstätte nutzte.

Am 25. November 1941 wurden die aus Berlin, München und Frankfurt am Main deportierten Menschen in den Festungsgräben des Fort IX vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A unter der Leitung des SS-Standartenführers Karl Jäger erschossen.

Moritz Hecht starb mit 65 Jahren aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage

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