Stolpersteine Neue Kantstraße 19

Hausansicht Neue Kantstr. 19

Hausansicht Neue Kantstr. 19

Die Stolpersteine für Dr. Hugo und Maria Nathanson wurden am 29. Oktober 2025 verlegt.

Stolperstein für Dr. Hugo Nathansohn

Stolperstein für Dr. Hugo Nathansohn

HIER WOHNTE
DR: HUGO NATHANSOHN
JG 1881
DEPORTIERT 29.1.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSSCHWITZ
ERMORDET

Hugo Nathansohn wurde am 18. Oktober 1881 in Beuthen/Oberschlesien geboren.
Sein Vater war Julius Nathansohn, Fabrikant, seine Mutter war Franziska Nathansohn, geb. Brehmer. Er hatte eine jüngere Schwester Else, die 1886 geboren wurde und bereits 1891 verstarb. Sein Bruder Bruno Otto, geb. 1887, wurde Rechtsanwalt. Er heiratete im April 1919 Paula Kochmann in Hindenburg, dem jetzigen Zabrze/Polen. Otto lebte zu diesem Zeitpunkt in Berlin Charlottenburg, Schlüterstraße 65 und konnte nach Palästina fliehen.

Hugo Nathansohn heiratete im Alter von 38 Jahren, am 14. Oktober 1919, Maria Steinberg in ihrer Geburtsstadt Mönchengladbach. Auf der Heiratsurkunde ist sein Beruf mit Volkswirtschaftlicher Angestellter, Dr. der Philosophie genannt. Seine Wohnadresse war zu diesem Zeitpunkt Lohmeyerstraße 3, Gartenhaus.

Hugo Nathansohn ist in den Berliner Adressbüchern als Redakteur, Schriftsteller und ab 1929 als Volkswirt bezeichnet. Er wohnte mit seiner Frau Maria um diesem Zeitpunkt herum an der Neuen Kantstraße 19 in Charlottenburg. Von dort musste das Ehepaar im November 1942 zwangsweise in die Küstriner Straße 4 (heute Damaschkestraße), Hochparterre, umziehen. Er und seine Frau mussten Zwangsarbeit leisten, er bei den Deutschen Waffen- und Munitionswerken in Borsigwalde und sie bei dem Altpapierhändler Hans Lemke an der Kaiserin-Augusta-Allee 8 in Charlottenburg.

Beide mussten sich zur Deportation im jüdischen Altersheim an der Gerlachstraße in Mitte einfinden. Von dort wurden Hugo und Maria Nathansohn am 29. Januar 1943 mit dem sogenannten “84. Alterstransport” nach Theresienstadt deportiert. Am 9. Oktober 1944 wurden sie weiter nach Auschwitz verschleppt, wo sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Hugo Nathansohn war zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt.

Es gibt Akten im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam-Golm und beim Entschädigungsamt Berlin bzw. Landesarchiv Berlin. Beim Landesarchiv Berlin „Dr. Hugo Nathansohn gegen Georg Müller“ geht es um ein Grundstück in Berlin-Hermsdorf, Olafstraße 66, das Dr. Hugo Nathansohn gehörte. Das Verfahren wurde 1951 von den Geschwistern Ruth Pietrkowski und Bruno Nathansohn, beide aus Israel, und der Jewish Restitution Successor Organisation geführt. Beide sind 1960 in Israel verstorben. Mehr über das Verfahren bleibt unbekannt, da die Akte im Landesarchiv unter Datenschutz fällt.

Hugo Nathansohn war der Schwager von Johanna Levy aus der Homuthstraße 7, für die 2023 ein Stolperstein verlegt wurde (Johanna Levy geb. Steinberg | Stolpersteine in Berlin).

Recherche und Text:
Helmuth Pohren-Hartmann, Stolperstein-Initiative Stierstraße, Friedenau

Quellen:
- Ancestry
- Berliner Adressbücher
- Mapping the Lives
- Yad Yashem
- Arolsen Archiv
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA) Akten Nrn. 36 A(II) 27948-27950

Stolperstein für Maria Nathansohn

Stolperstein für Maria Nathansohn

HIER WOHNTE
MARIA NATHANSOHN
GEB. STEINBERG
JG 1887
DEPORTERT 29.1.1943
1944 AUSSCHWITZ
ERMORDET

Maria Nathansohn geb. Steinberg, wurde am 24. Oktober 1887 in Mönchengladbach /Rheinprovinz in eine jüdische Familie geboren. Ihr Vater war der Kaufmann und Fabrikant Moritz Steinberg, ihre Mutter war Minna Steinberg geb. Levy. Sie hatte einen Bruder Siegfried, der 1880 geboren wurde und bereits 1886 verstarb. Über ihre Kindheit ist nichts bekannt.

Am 14. Oktober 1919 heiratete sie in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach im Alter von 32 Jahren Hugo Nathansohn aus Beuthen in Oberschlesien. Er war laut Heiratsurkunde ein Doktor der Philosophie und volkswirtschaftlicher Angestellter. Seit schätzungsweise 1929 lebte das Ehepaar in Charlottenburg in der Neue Kantstraße19. Sie hatten keine Kinder.

Marias ältere Schwester Johanna Levy geb. Steinberg, zog nach ihrer Scheidung von Wilhelm Levy, mit dem sie 2 Kinder hatte, nach Berlin, um in der Nähe von Maria und ihrem Mann zu sein. Johanna Levy wurde bereits am 18. Oktober 1941 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert und am 12. Januar 1942 dort ermordet. Für sie liegt seit 2023 ein Stolperstein in der Homuthstraße 7 in Berlin Friedenau (Johanna Levy geb. Steinberg | Stolpersteine in Berlin).

Aus ihrer Wohnung an der Neuen Kantstraße 19 mussten Maria und Hugo Nathanson im November 1942 zwangsweise in eine Wohnung an der Küstriner Straße 4, die jetzige Damaschkestraße, ziehen. Aus der 16-seitigen Vermögenserklärung, die jede Person akribisch vor der Deportation ausfüllen musste, kann man ersehen, dass Maria als Arbeiterin für 18 RM die Woche bei dem Altpapierhändler Hans Lemke an der Kaiserin-Augusta- Allee 8 Zwangsarbeit leisten musste.

Als der Deportationsbefehl kam, musste sich das Ehepaar Nathansohn im jüdischen Altenheim an der Gerlachstraße 21 in Mitte einfinden. Dorthin wurden jedenfalls die Zustellungsurkunde geschickt, die ihnen mitteilte, dass all ihr noch vorhandenes Eigentum „nunmehr dem deutschen Reich zugefallen sei“. Wohl aus der Gerlachstraße wurden Maria und Hugo Nathanson am 29. Januar 1943 nach Theresienstadt deportiert. Nach 21 Monaten unter elenden Bedingungen in Theresienstadt wurden Maria und Hugo Nathansohn am 9. Oktober 1944 mit 1.600 weiteren Menschen von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet wurden.

Recherche und Text:
Helmuth Pohren-Hartmann, Stolperstein-Initiative Stierstraße, Friedenau

Quellen:
- Ancestry
- Berliner Adressbücher
- Mapping the Lives
- Yad Yashem
- Arolsen Archiv
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA) Akten Nrn. 36 A(II) 27948-27950

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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