Stolpersteine Schloßstraße 32

Hausansicht Schloßstr. 32

Hausansicht Schloßstr. 32

Die Stolpersteine für Victor und Rosa Rosenfeld sowie Horst Peter Knopp wurden am 30. Oktober 2025 verlegt.

Die Stolpersteine für Hedwig und Alice Rosenberg sowie Peter Neuding wurden im Rahmen eines Schulprojekts der Evangelischen Schule Berlin Zentrum (ESBZ) am 16. April 2026 verlegt.

Schloßstr. 32 Victor Rosenfeld

Stolperstein Victor Rosenfeld

HIER WOHNTE
VICTOR ROSENFELD
JG. 1882
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Victor Rosenfeld wurde am 7. Januar 1882 im ostpreußischen Insterburg, heute Tschernjachowsk (RU), geboren. Er hatte noch vier Geschwister. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.

Am 6. Januar 1906 heiratete Victor in Berlin Elsa Leyser. Am 21. August 1909 wurde ihr gemeinsamer Sohn Heinz Leo Rosenfeld geboren.

Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre lebten Victor und Elsa in der Kufsteiner Straße 2 in Berlin-Schöneberg. Victor hatte ein Bekleidungsgeschäft namens „Sussmann & Rosenfeld“. Ihr Sohn Heinz Leo ist bereits im Jahr 1928 nach Paris gegangen und hat dort als Handelsvertreter gearbeitet. Er hat Deutschland seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht mehr betreten und hat seine Eltern im Jahr 1932 das letzte Mal gesehen. Heinz Leo Rosenfeld hat nach dem Krieg seine Eltern gesucht und erfahren, dass beide unabhängig voneinander deportiert wurden und aus der Deportation nicht zurückkehrten. Heinz Leo Rosenfeld hatte nach derzeitigen Kenntnisstands keine Kinder. 1962 heiratete er in Frankreich und nahm später in den 1970er Jahren die französische Staatsbürgerschaft an. Heinz Leo starb am 4. Juni 1999 im Alter von 89 Jahren in einem französischen Altersheim.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Victor sein Bekleidungsgeschäft wegen der antijüdischen Politik aufgeben. Das Ehepaar geriet dadurch in wirtschaftliche Notlage und auch die Ehe ging zu Bruch. Victor und Elsa trennten sich und ließen sich am 22. Dezember 1941 scheiden. Am 13. Januar 1942 wurden Elsa Rosenfeld und ihre Schwester Therese Wedel von Berlin aus mit dem 8. Osttransport nach Riga deportiert und dort ermordet. Für beide Frauen liegen Stolpersteine vor der Innsbrucker Straße 19 in Schöneberg.

Am 29. Januar 1942 heiratete Victor in Charlottenburg Rosa Knopp geb. Pinkus. Beide lebten seit mindestens 1938 zusammen mit Rosas Sohn Horst Peter Knopp in der Charlottenburger Schloßstraße 32. Laut der Ergänzungsakte zur Volkszählung am 17. Mai 1938 lebten in der Zweizimmerwohnung noch Günter Freudenthal (geb. 11. April 1914) und Hannelore Freudenthal (geb. 1. Oktober 1920).

Irgendwann zwischen 1938 und 1942 musste die Wohnung in der Schloßstraße 32 aufgegeben werden. Victor, Rosa und Horst Peter zogen in die Marburger Straße 5, einem sogenannten „Judenhaus“ der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Am 29. Januar 1943, genau ein Jahr nach der Eheschließung, wurden alle drei mit dem 27. Osttransport von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Der Zug verließ den Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit am 29. Januar 1943 um 17:20 Uhr und kam einen Tag später um 10:48 Uhr in Auschwitz an. Die Historikerin Danuta Czech vermerkt in der Auschwitz Chronik, dass am 30. Januar 1943 ein durch das RSHA organisierter Transport mit 1000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus Berlin in Auschwitz ankam. Der Zug stoppte außerhalb des Lagerkomplexes und die Deportierten wurden durch SS-Personal selektiert. 140 Männer und 140 Frauen wurden als „arbeitsfähig“ bestimmt. Die Männer erhielten die Nummern 97685-97824, die Frauen die Nummern 32744-32883. Sie mussten unter schlimmsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten, die sie nur selten überlebten. Die restlichen 724 Jüdinnen und Juden wurden sofort in die Gaskammern von Birkenau (Auschwitz II) geschickt und ermordet. Laut der Historikerin Rita Meyhoefer hat nicht einer der Deportierten aus diesem Transport den Holocaust überlebt.*

Victor und Rosa Rosenfeld wurden bei der Selektion als nicht arbeitsfähig eingestuft und nach derzeitigen Kenntnisstand direkt in den Gaskammern ermordet. Horst Peter Knopp wurde mit unbekannter Häftlingsnummer in den Lagerkomplex aufgenommen. Er wurde am 24.02.1943 ermordet oder erlag den schweren Bedingungen bei der Zwangsarbeit. Laut Sterbeurkunde Auschwitz – 10614/1943 starb Horst Peter am 24. Februar 1943 an einer Herz- und Kreislaufschwäche.

Rosa Rosenfeld und Horst Peter Knopp wurden in den 1950er Jahren für tot erklärt.

Sein älterer Bruder Julius Rosenfeld wurde am 13. Juni 1942 mit dem 15. Osttransport von Berlin in das KZ Majdanek deportiert und in Sobibor ermordet. Vor der Uhlandstraße 134 in Wilmersdorf wurde für ihn ein Stolperstein verlegt.

Biografie: Dennis Adomatis

*http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1943/transport-29011943-berlin.html

Schloßstr. 32 Rosa Rosenfeld

Stolperstein Rosa Rosenfeld

HIER WOHNTE
ROSA ROSENFELD
GEB. PINKUS
VERW. KNOPP
JG. 1889
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Rosa Rosenfeld, verw. Knopp, geb. Pinkus wurde am 4. Mai 1889 in Xions, Posen, dem heutigen Książ (Polen) geboren. Über Ihre Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.

Über die Ehe mit Knopp ist leider nichts bekannt. Seit mindestens 1933 war Rosa Witwe.

Am 23. Juli 1919 wurde ihr einziger Sohn Horst Peter Knopp im mecklenburgischen Friedland geboren. Seit spätestens 1933 lebten Rosa und Horst Peter in der Charlottenburger Schloßstraße 32.

Irgendwann zwischen 1938 und 1942 musste die Wohnung in der Schloßstraße 32 aufgegeben werden. Victor, Rosa und Horst Peter zogen in die Marburger Straße 5, einem sog. „Judenhaus“ der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Am 29. Januar 1942 heiratete Rosa in Charlottenburg Victor Rosenfeld. Beide lebten seit mindestens 1938 zusammen mit Rosas Sohn Horst Peter Knopp in der Charlottenburger Schloßstraße 32. Laut der Ergänzungsakte zur Volkszählung am 17. Mai 1939 lebten in der Zweizimmerwohnung noch Günter Freudenthal (geb. 11. April 1914) und Hannelore Freudenthal (geb. 1. Oktober 1920).

Am 29. Januar 1943, genau ein Jahr nach der Eheschließung, wurden alle drei mit dem 27. Osttransport von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Der Zug verließ den Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit am 29. Januar 1943 um 17:20 Uhr und kam einen Tag später um 10:48 Uhr in Auschwitz an. Die Historikerin Danuta Czech vermerkt in der Auschwitz Chronik, dass am 30. Januar 1943 ein durch das RSHA organisierter Transport mit 1.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus Berlin in Auschwitz ankam. Der Zug stoppte außerhalb des Lagerkomplexes und die Deportierten wurden durch SS-Personal selektiert. 140 Männer und 140 Frauen wurden als „arbeitsfähig“ bestimmt. Die Männer erhielten die Nummern 97685-97824, die Frauen die Nummern 32744-32883. Sie mussten unter schlimmsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten, die sie nur selten überlebten. Die restlichen 724 Jüdinnen und Juden wurden sofort in die Gaskammern von Birkenau (Auschwitz II) geschickt und ermordet. Laut der Historikerin Rita Meyhoefer hat nicht einer der Deportierten aus diesem Transport den Holocaust überlebt.*

Victor und Rosa Rosenfeld wurden bei der Selektion als nicht arbeitsfähig eingestuft und nach derzeitigen Kenntnisstand direkt in den Gaskammern ermordet. Horst Peter Knopp wurde mit unbekannter Häftlingsnummer in den Lagerkomplex aufgenommen. Er wurde am 24. Februar 1943 ermordet oder erlag den schweren Bedingungen bei der Zwangsarbeit. Laut Sterbeurkunde Auschwitz – 10614/1943 starb Horst Peter am 24. Februar 1943 an einer Herz- und Kreislaufschwäche.

Rosa Rosenfeld und Horst Peter Knopp wurden in den 1950er Jahren für tot erklärt.

Biografie: Dennis Adomatis

*http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1943/transport-29011943-berlin.html

Schloßstr. 32 Horst Peter Knopp

Stolperstein Horst Peter Knopp

HIER WOHNTE
HORST PETER
KNOPP
JG. 1919
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 24.2.1943

Horst Peter Knopp wurde am 23. Juli 1919 im mecklenburgischen Friedland geboren. Seit April 1926 besuchte er eine Volksschule in Friedland, von Oktober 1933 bis Anfang 1935 besuchte er eine Schule in Berlin.

Seit spätestens 1933 bewohnte Horst Peter zusammen mit seiner Mutter Rosa Knopp eine Wohnung in der Charlottenburger Schloßstraße 32. Leider ist über die Jahre 1935 bis 1941 nichts weiter bekannt.

Irgendwann zwischen 1938 und 1942 musste die Wohnung in der Schloßstraße 32 aufgegeben werden. Victor, Rosa und Horst Peter zogen in die Marburger Straße 5, einem sog. „Judenhaus“ der Jüdischen Gemeinde Berlin.

Ab dem 5. Februar 1941 musste Horst Peter zwangsweise für die Siemens-Schuckertwerke AG Berlin arbeiten. Er wird bei Siemens in den Listen ehemaliger Zwangsarbeiter namentlich erwähnt. Es gibt einen Hinweis darauf, dass Horst Peter im Elektromotorenwerk in Siemensstadt gearbeitet haben könnte. Verifiziert ist dies leider nicht. Zum 23. Januar 1943 wurde sein Austrittsdatum mit der Begründung „evakuiert“ auf der Karteikarte der Siemens-Schuckertwerke AG Berlin notiert. Offiziell wurde er als Umschüler in den Akten geführt.

Am 29. Januar 1943 wurden alle drei mit dem 27. Osttransport von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Der Zug verließ den Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit am 29. Januar 1943 um 17:20 Uhr und kam einen Tag später um 10:48 Uhr in Auschwitz an. Die Historikerin Danuta Czech vermerkt in der Auschwitz Chronik, dass am 30. Januar 1943 ein durch das RSHA organisierter Transport mit 1000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus Berlin in Auschwitz ankam. Der Zug stoppte außerhalb des Lagerkomplexes und die Deportierten wurden durch SS-Personal selektiert. 140 Männer und 140 Frauen wurden als „arbeitsfähig“ bestimmt. Die Männer erhielten die Nummern 97685-97824, die Frauen die Nummern 32744-32883. Sie mussten unter schlimmsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten, die sie nur selten überlebten. Die restlichen 724 Jüdinnen und Juden wurden sofort in die Gaskammern von Birkenau (Auschwitz II) geschickt und ermordet. Laut der Historikerin Rita Meyhoefer hat nicht einer der Deportierten aus diesem Transport den Holocaust überlebt.*

Victor und Rosa Rosenfeld wurden bei der Selektion als nicht arbeitsfähig eingestuft und nach derzeitigen Kenntnisstand direkt in den Gaskammern ermordet. Horst Peter Knopp wurde mit unbekannter Häftlingsnummer in den Lagerkomplex aufgenommen. Er wurde am 24. Februar 1943 ermordet oder erlag den schweren Bedingungen bei der Zwangsarbeit. Laut Sterbeurkunde Auschwitz – 10614/1943 starb Horst Peter am 24. Februar 1943 an einer Herz- und Kreislaufschwäche.

Biografie: Dennis Adomatis

*http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1943/transport-29011943-berlin.html

HIER WOHNTE
HEDWIG
ROSENBERG
GEB. FELDHEIM
JG. 1876
DEPORTIERT 16.6.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Hedwig Rosenberg, geb. Feldheim, wurde am 18. September 1876 in Dortmund geboren. Sie stammte aus einer großen Familie und hatte zwei Brüder namens Max und Benno, mit denen sie ihr Leben lang eng verbunden sein sollte.

Am 1. August 1901 heiratete Hedwig in Dortmund den Kaufmann Hirsch Rosenberg. Am 7. Juni 1902 wurde ihre Tochter Alice Bertha geboren, am 25. Juli 1903 ihr Sohn Isaak Walter Rosenberg. Hedwig war als Hausfrau tätig. 1912 zog die Familie nach Berlin, zunächst ans Hansaufer in Berlin-Mitte, 1915 dann zog die Familie in die Schlossstraße 32 in Berlin-Charlottenburg. Auch Hedwigs Brüder waren nach Berlin gezogen und hatten sich als Kaufleute selbstständig gemacht. Max handelte mit Pelzen und lebte im vornehmen Dahlem, während Benno auf der Fischerinsel ein Geschäft für Damenhüte führte.

Hedwigs Tochter Alice war ebenfalls der Stoffbearbeitung zugetan und machte nach ihrer schulischen Ausbildung eine Lehre im Schneiderhandwerk. Sie eröffnete dann eine gut laufende Schneiderei im Wohnhaus ihrer Eltern in der Charlottenburger Schlossstraße 32. Hedwig erlebte die Geburt ihres Enkels Peter, nachdem ihre Tochter Boleslav Neuding geheiratet hatte. Doch die Ehe hielt nicht lange, sodass ihre Tochter Alice mit ihrem kleinen Sohn Peter wieder zu ihr und ihrem Mann in ihr Elternhaus zog. Vermutlich passte Hedwig viel auf ihren Enkel auf. Dann musste Hedwig erleben, wie ihr Mann Hirsch Rosenberg 1931 starb. Die Familie wird eng zusammengerückt sein, und als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, werden alle Familienmitglieder die Auswirkungen des Antisemitismus einschneidend gespürt haben.

Aufgrund der zunehmenden Drangsalierung der jüdischen Bevölkerung in Berlin lief Alice‘ Schneiderei nicht mehr gut, bis sie endgültig gezwungen war, diese 1938 zu schließen. So kamen die Familienmitglieder zu einem schweren Entschluss: Alice floh im März 1939 nach England, Hedwig selbst zog zu ihrem Bruder Max und seiner nicht-jüdischen Frau in die Haderslebener Straße 30 in Dahlem. Max Feldheim hatte sein Haus rechtzeitig auf seine Frau übertragen und das Ehepaar konnte seinen Lebensunterhalt durch Mieteinnahmen sichern. Hedwigs Enkel kam bei ihrem anderen Bruder Benno und seiner nicht-jüdischen Frau Else in Mitte unter. Hedwigs Sohn Walter entschloss sich ebenfalls zur Flucht in die Schweiz.

Am 16. Juni 1943 wurde Hedwig Rosenberg nach Theresienstadt deportiert. Zuvor hatte Joseph Goebbels Berlin als „judenfrei” deklariert. Hedwig überlebte fast ein Jahr die unmenschlichen Bedingungen in Theresienstadt, bis sie am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Das genaue Datum ihres Todes ist nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurde. Auch Hedwigs Enkel Peter Neuding wurde am 3. Februar 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet.

Hedwigs Tochter Alice und ihr Sohn Walter stellten in den 1950er-Jahren gemeinsam einen Entschädigungsantrag. Sie erhielten Entschädigung für die Monate, in denen Hedwig den Stern tragen musste.

Recherche und Text: Ole Schmidt und Marie Kirchner

HIER WOHNTE
ALICE BERTHA
ROSENBERG
GESCH. NEUDING
JG. 1902
FLUCHT 1939
ENGLAND

Alice Bertha Rosenberg wurde am 7. Juni 1902 als Tochter von Hirsch und Hedwig Rosenberg in Dortmund geboren. Sie hatte noch einen jüngeren Bruder namens Walter. 1912 zog sie mit ihrer Familie nach Berlin. Von 1914 bis 1919 besuchte Alice die Schule in der Danckelmannstraße, wo sie auch ihr Reifezeugnis erwarb. Anschließend erlernte sie das Schneiderhandwerk bei der Firma Liese Siebert. 1923 machte sie sich mit einem eigenen Atelier selbständig und beschäftigte später fünf bis sechs Mitarbeiter*innen. Ihre Schneiderei lag im Wohnhaus ihrer Eltern in der Schlossstraße 32 in Charlottenburg.

Im August 1925 heiratete Alice Bolek Neuding in einer Synagoge in Bodenbach bei Děčín. Wie und wo sich die beiden kennengelernt hatten, bleibt verborgen. Am 28. Februar 1927 wurde ihr Sohn Peter Neuding geboren. Doch die Ehe hielt nicht lange, 1930 trennten sich Alice und ihr Mann. Alice zog mit dem kleinen Peter zurück in die Schlossstraße 32 und wohnte wieder bei ihren Eltern. Da ihr Atelier im selben Haus lag, war ihr Arbeitsweg erdenklich kurz, was sicherlich ermöglichte, dass sie trotz Arbeit ihren Sohn Peter sehen konnte. Ein Jahr später musste Alice erleben, wie ihr Vater starb, ab diesem Zeitpunkt war sie die Alleinverdienerin der Familie.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird für Alice, ihre Mutter und die erweiterte Familie mit großer Sorge aufgenommen worden sein. 1936 verließ ihr Bruder Walter Rosenberg Deutschland nach mehreren Verhaftungen durch die Gestapo und floh in die Schweiz.

Ab dem 31. Dezember 1938 durfte Alice nicht mehr selbständig arbeiten; das Berufsverbot durch die „Nürnberger Gesetze” wurde am 18. Januar 1939 vollständig umgesetzt. Da sie als Alleinversorgerin für ihren Sohn und ihre Mutter verantwortlich war, sah sie sich gezwungen auszuwandern. Als eine der letzten Möglichkeiten blieb Alice, ein Visum als Dienstmädchen in England zu beantragen, das nur alleinstehenden Frauen vorbehalten war. Ihre Mutter Hedwig brachte sie zu ihrem Großonkel, Max Feldheim. Ihren Sohn Peter brachte sie bei ihrem Onkel Benno Feldheim und dessen Frau Else in der Wallstraße 32 unter (Stolpersteine: Benno Feldheim | Stolpersteine in Berlin; Else Feldheim geb. Wächter | Stolpersteine in Berlin). Da die Ehefrauen ihrer Onkel beide keine Jüdinnen waren, waren Benno und Max Feldheim durch die „privilegierte Mischehe“ vor der direkten Verfolgung geschützt, auch wenn dieser Schutz bis zuletzt fragil war und für die Zeitgenoss*innen sicherlich nicht als zuverlässig empfunden werden konnte.

Wir können davon ausgehen, dass es nach dem deutschen Überfall auf Polen – also bereits sechs Monate nach Alice‘ Ausreise – unmöglich war, Kontakt nach Deutschland aufrecht zu halten. Alice wird völlig auf sich allein gestellt gewesen sein, ohne zu wissen, wie es ihrem Sohn und ihrer Familie in Berlin ging. In London lebte Alice in der Woodstock Avenue und heiratete im Oktober 1940 den 16 Jahre älteren deutschen Immigranten Martin Moses Straus. Ihre Arbeit als Hausmädchen musste sie aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges konnte Alice beim Roten Kreuz in London Anfragen über den Verbleib ihres Sohnes Peter und ihrer Mutter stellen.

Bis zu ihrem Tod am 2. Februar 1976 – auf den Tag 33 Jahre nach der Internierung ihres Sohnes Peter – bekam Alice Straus nie ein Zeugnis über den Tod ihres Sohnes. Sie wusste nur, dass er am 3. Februar 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Auch über ihre Mutter wusste Alice nur, dass sie am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt und dann ein Jahr später, am 18. Mai 1944, nach Auschwitz deportiert wurde. So wurde auch ihre Mutter in Auschwitz ermordet. Alice ist auf dem Edmonton Cemetery in London begraben.

Recherche und Text: Ole Schmidt und Marie Kirchner

HIER WOHNTE
PETER NEUDING
JG. 1927
DEPORTIERT 3.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Peter Neuding wurde am 28. Februar 1927 als Sohn von Boleslav (Bolek) Neuding und Alice Rosenberg in Berlin geboren. Seine Eltern wohnten in der Bismarckstraße 66 in Berlin-Charlottenburg. Als Peter drei Jahre alt war, zog er nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter Alice zurück in die Schlossstraße 32 in Berlin-Charlottenburg, wo auch seine Großeltern Hirsch und Hedwig Rosenberg wohnten. Dort befand sich auch das Schneider-Atelier seiner Mutter.

1933 wurde Peter mit sechs Jahren in der Grundschule in der Witzlebenstraße in Charlottenburg eingeschult. 1937 musste Peter die Schule verlassen. Die „Nürnberger Gesetze”, die die Legitimationsgrundlage für die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus waren, erlaubten es jüdischen Kindern nicht, weiter auf staatliche Schulen zu gehen. Er wechselte auf die Theodor-Herzl-Schule, eine Schule des jüdischen Schulvereins, die am Kaiserdamm 78 lag. Diese musste 1938 als direkte Folge der Reichspogromnacht schließen, weil sie von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt und verwüstet wurde.

Ab dem 31. Dezember 1938 durfte seine Mutter Alice nicht mehr selbständig arbeiten; das Berufsverbot durch die „Nürnberger Gesetze” wurde am 18. Januar 1939 vollständig umgesetzt. Da sie als Alleinversorgerin für ihren Sohn Peter und ihre Mutter verantwortlich war, sah sie sich gezwungen auszuwandern. Als eine der letzten Möglichkeiten blieb Alice, ein Visum als Dienstmädchen in England zu beantragen, das nur alleinstehenden Frauen vorbehalten war. Ihren Sohn Peter brachte sie bei ihrem Onkel Benno Feldheim und dessen Frau Else in der Wallstraße 32 auf der Fischerinsel in Berlin-Mitte unter.

Else Feldheim war keine Jüdin und hielt dem nationalsozialistischen Druck stand, sich von ihrem jüdischen Mann zu trennen, so dass Benno Feldheim unter dem brüchigen Schutz der „privilegierten Mischehe“ stand. Offenbar übernahmen die Feldheims auch die offizielle Fürsorge für Peter, denn er wird in den weiteren Unterlagen als Pflegesohn Benno Feldheims aufgezeichnet. Da Peter im Alter von 13 Jahren die Schule nicht mehr besuchen durfte, lieferte er in den Jahren darauf Waren für seinen anderen Großonkel Max Feldheim aus, der Pelzhändler war.

Am 2. Februar 1943 musste sich der nun 15-jährige Peter Neuding im ehemaligen jüdischen Altenheim in der Großen Hamburger Straße einfinden, welches die Nationalsozialisten zu einem „Sammellager “ umgewandelt hatten, nachdem alle Bewohner*innen deportiert worden waren. Am nächsten Tag wurde Peter am frühen Abend mit dem sogenannten „28. Osttransport”, dem Sonderzug „Da 15”, vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße zusammen mit 952 weiteren Personen nach Auschwitz deportiert. Der Zug erreichte Auschwitz am 4. Februar 1943 am späteren Vormittag. Nach der “Selektion” wurden 181 Männer und 106 Frauen im Lager registriert; alle anderen Menschen wurden in den Gaskammern ermordet. Anhand der vergebenen Lagernummern lässt sich bestimmen, dass Peter Neuding zu jenen gehört, die unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurden. Er war 15 Jahre alt.

Recherche und Text: Ole Schmidt und Marie Kirchner

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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