HIER WOHNTE
FRIEDA FANNI
BERGHEIMER
GEB. MEYER
JG. 1889
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
18. OKT. 1941
Frieda Fanni (lt. Geburtsurkunde Fanny) Bergheimer geb. Meyer, kam am 29. April 1889 in Berlin zur Welt. Sie war Tochter des Reisenden Handelsmannes Gustav Meyer (1855 – 1920) und seiner Frau Bella, geb. Abt (*9. Mai 1864) Bella Meyer wurde nach Theresienstadt deportiert und dort am 22. Februar 1943 ermordet. Lt. Todesfallanzeige soll sie an Altersschwäche gestorben sein.
Frieda hatte einen älteren Bruder, Walter (*2. Dezember 1887), und eine jüngere Schwester, Elise, verh. Mosessohn (*3. Oktober 1892). Beide überlebten die Verfolgungen durch die Nazis, Walter allerdings verstarb tragischerweise kurz nach dem Ende des Krieges am 12. Mai 1945 im Berliner Gertrauden Krankenhaus an den Folgen einer Schussverletzung am Oberschenkel und einer Lungenentzündung. Elise wurde im August 1945 von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin als Überlebende der Shoa erklärt.
Nach ihrer Heirat am 30. April 1919 führte Frieda vermutlich den Haushalt, war jedoch in der Heiratsurkunde mit der Berufsbezeichnung „Kontoristin“ eingetragen. Gemäß der nationalsozialistischen Kategorisierung war sie „Volljüdin”. Das vermutlich kinderlose Ehepaar wohnte seit mindestens 1931 in der Rönnestraße 24 in Berlin-Charlottenburg.
Als im Oktober 1941 die systematischen Deportationen von jüdischen Berlinerinnen und Berliner begannen, waren die Bergheimers für den ersten großen Transport „in den Osten” vorgesehen. Dieser ging mit knapp 1100 Menschen am 18. Oktober 1941 vom Güterbahnhof Grunewald, Gleis 17, in Richtung Ghetto Łódź – von den Nazis in Litzmannstadt umbenannt – ab. Sie wurden fast alle in den folgenden Monaten in der ca. 50 km entfernten Tötungsstätte Cheŀmno / Kulmhof in umgebauten Lastwagen durch die in die Wagen geleiteten Abgase ermordet und in Massengräbern verscharrt.
Die Bergheimers hatten die Aufforderung erhalten, sich in einer der „Sammelstellen” – vermutlich in der zu diesem Zweck von den Nationalsozialisten missbrauchten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 in Moabit – zur „Abwanderung in den Osten” einzufinden. Dieser Aufforderung kamen sie nicht nach. Bevor die Gestapo sie aus ihrer Wohnung abholen konnte, nahmen sich Ernst und Frieda Bergheimer gemeinsam am 18. Oktober 1941 nachmittags durch Schlafmittel- und Gasvergiftung das Leben – ein letzter verzweifelter Akt der Selbstbestimmung angesichts des unausweichlichen Schicksals. Sie wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Weissensee, Feld 3, Reihe 11 unter den Nummern 106600 und 106601 beigesetzt. Im Jahr 2002 wurden dort Kriegsgräbersteine mit ihren Namen errichtet.
Das Gedenken an Ernst und Frieda Bergheimer durch diese Stolpersteine bewahrt die Erinnerung an zwei Berliner Leben, die durch die nationalsozialistische Verfolgung ausgelöscht wurden – und an den stillen Mut, der in ihrer letzten Entscheidung lag.
Recherche und Text: Dr. med Esther Cuerda Galindo mit Ergänzungen der Stolperstein Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf
Quellen: