Stolperstein Kurfürstendamm 145

Hausansicht Kurfürstendamm 145

Hausansicht Kurfürstendamm 145

Der Stolperstein wurden am 30. Oktober 2025 verlegt.

Kurfürstendamm 145 Marie Rausnitz

Stolperstein Marie Rausnitz

HIER WOHNTE
MARIE RAUSNITZ
VERH. POLLAK
JG. 1913
FLUCHT 1935
PALÄSTINA

Marie (Miriam) Rausnitz wurde am 19. September 1913 in Berlin geboren. Sie war die Tochter von Leopold (Mordechai) und Sabina Rausnitz und hatte die Schwester Erna. Der Vater war Kürschnermeister und betrieb seit mindestens 1925 ein Pelzgeschäft in der Mommsenstraße 15. Damals wohnte die Familie in der Krummen Straße 44. Ab 1933 besaß Maries Vater ein Textil- und Bekleidungsgeschäft am Kurfürstendamm 145 und wohnte mit seiner Familie auch in dem großen Wohn- und Geschäftshaus, das im Krieg zerstört wurde.

Marie besuchte eine wirtschaftliche Oberschule und führte im elterlichen Pelzhandel die Buchhaltung. Sie beherrschte Englisch und Französisch. Sport war ein Mittelpunkt ihres Lebens, bei „Makkabi Berlin” betrieb sie Kunstturnen.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 traf der NS-Terror auch die Familie Rausnitz. Das Geschäft wurde erst boykottiert, dann enteignet und somit der Familie damit die Lebensgrundlage entzogen. Maries Schwester Erna floh nach Triest und musste ihr Judentum verbergen, um zu überleben.

Maries Sportverein „Makkabi Berlin” war das Zentrum der jüdischen Sportbewegung mit circa 90 Vereinen in Deutschland. Auch der Makkabi-Weltverband hatte seinen Sitz in Berlin. Durch die diskriminierenden und ausgrenzenden Bestimmungen der Nazis wurden jüdische Sportler und Sportlerinnen schon 1933 nicht nur aus den allgemeinen Sportverbänden ausgeschlossen, sondern den jüdischen Vereinen wurde auch die Nutzung öffentlicher Sportstätten verweigert. Der Makkabi-Weltverband verlegte daher seinen Sitz nach London und entwickelte ein eigenes Liga-System, um weiterhin Wettkämpfe austragen zu können – u.a. die Maccabiade (Maccabiah) – vergleichbar den Olympischen Spielen. Das gelang in Berlin 1933 noch relativ gut, wurde aber immer schwieriger. 1939 lösten die Nationalsozialisten Makkabi Deutschland auf.

1935 durfte Marie Rausnitz wegen ihrer Leistungen als Kunstturnerin zur 2. Maccabiah nach Palästina reisen. Die Wettkämpfe fanden in Tel Aviv statt – mit 1350 Sportlern und Sportlerinnen aus 26 Ländern. Die zahlenmäßig stärkste Mannschaft kam aus Deutschland. Marie fuhr mit dem Schiff „Jerusalem“ von Triest nach Jaffa, und diese Reise bot Marie die Chance zur Flucht. Sie kehrte nicht nach Berlin zurück – wie viele andere, die nicht nach Nazi-Deutschland zurückkamen. Da die britischen Mandatsbehörden Jüdinnen und Juden ohne gültige Einreisepapiere verfolgten, festnahmen und internierten, tauchte Marie unter und hielt sich in Binyamina südlich von Haifa verborgen.

Marie Rausnitz heiratete Meir Pollak und änderte ihren Vornamen zu Miriam. Ihre Söhne hießen Ilan und Adi. Marie (Miriam) Rausnitz-Pollak starb 1980 und wurde in Binyamina beigesetzt. In ihrer Familie blieb ihr Satz lebendig: „Ein Heimatland ist nichts Selbstverständliches.“ Der Stolperstein erinnert an ihr Leben, an den NS-Terror und an ihre Entscheidung von 1935.

Recherche und Text: Catharina Michels, Schwiegertochter des Sohnes von Miriam Rausnitz, Ilan Porat, ergänzt von Gisela Morel-Tiemann

Quellen:
  • Berliner Adressbücher
  • Suche – Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin
  • Was ist Makkabi? – Makkabi Deutschland e.V.

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