Stolperstein Gervinusstraße 11

Hausansicht Gervinusstraße 11

Hausansicht Gervinusstr. 11

Der Stolperstein wurde am 30. Oktober 2025 verlegt und von der Enkelin Elke Harris gespendet.

Gervinusstraße 11 Max Hirsch

Stolperstein Max Hirsch

HIER WOHNTE
MAX HIRSCH
JG. 1872
FLUCHT 1939
ARGENTINIEN

Max Hirsch wurde am 13. November 1872 in Lessen, Kujawien-Pommern, heute Polen geboren. Sein Vater war der Handelsmann Saul Hirsch und die Mutter Emma geb. Mantheim. Er hatte drei Brüder und eine Schwester (Hermann, David, Isidor und Bettie).

Max wurde wie sein Vater Handelsmann und war in verschiedenen Städten in Preußen ansässig. Nachweisbar sind Hannover, Braunschweig und Posen, wo er im Jahr 1900 Sara Brandt heiratete, sowie Berlin, wo er ab 1911 bis zu seiner Flucht wohnte.

Max hatte vier Kinder: die Töchter Edith Esther und Rahel Ilse Steffi und die Söhne Erich Georg Isidor und Josef. Josef wuchs als außereheliches Kind des jüdischen Vaters und der polnischen Mutter in einer Pflegefamilie in Breslau auf, während die anderen Kinder in Posen und Berlin in der Familie des Vaters aufwuchsen. Er wurde katholisch getauft.

In Berlin kam Max zu einigem Wohlstand, besaß eine Fabrik für Herren- und Knabenbekleidung in der Spandauer Straße und ein Herrenausstattungsgeschäft gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dort wo heute das „Bikini“ steht. Tochter Steffi beschreibt in einem Brief den Lebensstil der Familie als gehoben.
Edith Spatz née Hirsch wanderte mit ihrem Mann Isidor 1930 nach Argentinien aus.

Die jüngste Tochter Steffi hatte das Mozart Lyzeum besucht und eine Anstellung bei der Firma Köster A.G. erhalten. Mit 17 Jahren wagte sie einen ersten Fluchtversuch nach Argentinien nachdem sie in Berlin ihre Arbeitsstelle verloren hatte, als alle jüdischen Mitarbeiter entlassen wurden. Sie vertrug aber das Klima und die Trennung von den Eltern nicht und kam zunächst zurück nach Berlin. Im Februar 1938 heiratete Steffi in Berlin und floh einen Monat später mit Ihrem Mann Alfred Schaul nach Argentinien.

Ihr Bruder Erich folgte mit seiner Frau Maria Rostal im September 1938 ebenfalls. Die Geschwister bauten sich in Argentinien einen eigenen Betrieb auf, erneut in der Bekleidungsbranche.

Wie es den in Berlin zurückgebliebenen Eltern in Berlin bis zur endgültigen Flucht erging, ist nicht bekannt. Der Vater verkaufte seinen Betrieb und den Laden 1938, und musste einen großen Teil seines Vermögens an Steuern, der Judenvermögensabgabe (im Bescheid eine „Judensühnezahlung“ genannt) und eine Reichsfluchtsteuer zahlen.

Während sich die Geschwister Hirsch in Argentinien in Sicherheit brachten, wurde der Bruder Josef zur Wehrmacht eingezogen und musste in den Krieg ziehen. Als sich die Verfolgung der Juden ab 1942 auch auf die sogenannten Halbjuden ausweitete, wurde er aus der Wehrmacht ausgeschlossen und tauchte bis zum Kriegsende in einem Kriegsgefangenenlager im Harz unter.

Buchstäblich in letzter Minute betraten der 67-jährige Max und seine Frau im Januar 1939 das Schiff nach Südamerika. Aber der Familie war kein Glück vergönnt: Sara Hirsch verstarb 4 1/2 Jahre nach der Ankunft und Max ein halbes Jahr danach. Er hatte sich nie an die neue Heimat gewöhnen können, in der er sich nicht verständigen konnte und von seinen Kindern abhängig war. Der Sohn Erich starb 1953 mit nur 52 Jahren ebenfalls sehr früh.

Max, Sara und Erich sind in Argentinien auf dem Israelitischen Friedhof La Tablada begraben.

Tochter Edith lebte mit ihrem Mann bis zu Ihrem Tod in Argentinien. Sie wurde 77 Jahre alt und ist auf dem Britischen Friedhof in Buenos Aires begraben.

Tochter Steffi hatte aus einer zweiten Ehe mit Max Goldemann einen Sohn, Johann Peter (Juan Pedro) Goldemann, mit dem sie in den 60/70er Jahren in Berlin lebte. Nach einem mühsamen und frustierenden Kampf mit den Behörden um Wiedergutmachungszahlungen kehrte sie schließlich nach Buenos Aires zurück, wo sie 1985 mit 69 Jahren verstarb und auf dem dortigen Britischen Friedhof begraben wurde. Über das Schicksal ihres Sohnes ist nichts bekannt.

Max‘ Sohn Josef heiratete wenige Tage nach Kriegsende, ließ sich in Hameln an der Weser nieder und bekam mit seiner Frau Anneliese fünf Kinder. Er starb 1986 mit 75 Jahren.

Von den drei Brüdern Max Hirschs ist nichts bekannt. Seine Schwester Bettie hatte in Holland gelebt und wurde 1943 vom Durchgangslager Westerbrook in Holland in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn Robert hat in Holland überlebt und ist 1947 in die USA ausgewandert, wo er 1985 mit 81 Jahren verstarb.

Recherche und Text: Elke Harris (Enkelin)

Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Wegen der Wartezeit von 3 bis 4 Jahren können keine neuen Anträge für Stolpersteine angenommen werden. Bereits registrierte Anträge werden bearbeitet.

Because of a waitingtime of 3 to 4 years new requests for Stolpersteine cannot be accepted. Requests already registered will be processed.