Stolpersteine Spichernstr. 5/6

Hausansicht Spichernstr. 6

Hausanischt Spichernstr. 6

Die Stolpersteine für Benno, Amalie, Gerhard, Lotti und Walter Uhlfelder wurden am 29. Oktober 2025 in Anwesenheit des Paten Silvio Uhlfelder verlegt.

Spichernstr. 6 Benno Uhlfelder

Stolperstein Benno Uhlfelder

HIER WOHNTE
BENNO UHLFELDER
JG. 1868
FLUCHT 1933 BELGIEN
1938 ARGENTINIEN

Benno Uhlfelder kam am 1. März 1868 in Bayreuth zur Welt. Mit fünf Jahren, 1873, zog er mit seiner Familie nach Nürnberg um. Seine Eltern waren Caroline Uhlfelder geb. Goldschmidt, sie wurde 1845 in Ebelsbach geboren und starb 1906 in Nürnberg, sein Vater war Leopold Uhlfelder, geboren 1840, er stammte aus Roth, 1921 starb er in Nürnberg.

Schon als kleiner Junge begeisterte Benno sich für Musik, lernte Klavier, begann bereits als junger Mann zu komponieren und 1906 gründete er seinen eigenen Musikverlag, den „Berolina Verlag“.

Eine seiner Kompositionen widmete er König Alfons XIII. (König von Spanien von 1886-1931), der ihn dafür mit dem Orden „Isabel La Catolica” auszeichnete. Seine Werke veröffentlichte er im eigenen „Berolina Verlag”.
Doch zunächst absolvierte er nach dem Schulabschluss an der Städtischen Handelsschule eine kaufmännische Lehre in der Bleistiftfabrik Lyra in Nürnberg und arbeitete dann als kaufmännischer Angestellter in der Firma seines Vaters „Nürnberger Spielwaren und Puppen“. Als sein Bruder Leo Uhlfelder nach New York zog, folgte er ihm und fand 1891 eine Stelle bei einem deutschen Versicherungsbroker. Danach durchlief er verschiedene berufliche Stationen, als kaufmännischer Angestellter eines großen Spiele- und Galanterie-Importunternehmens, im Geschäft seines Bruders Leo und als Pianist. Schon damals – als er eine Zeitlang als Pianist in einem Hotel in einem Seebad auf Long Island seinen Lebensunterhalt verdiente -, war er mit Antisemitismus konfrontiert, der Hotelprospekt wies ausdrücklich daraufhin, dass „jüdische Gäste nicht erwünscht“ seien.

Schließlich kehrte Benno, der inzwischen acht Sprachen beherrschte, nach Nürnberg zurück und arbeitet zunächst im Geschäft seiner Eltern, später in einer Puppenfabrik in Dresden und in der Glasbilderfabrik Grimme & Hempel in Leipzig. Von dort wechselte er zur Firma Heymann & Schmidt AG, einer Luxuspapierfabrik in Berlin in der Schönhauser Allee 164. Diese Aufgabe war mit zahlreichen Reisen nach Schweden, Spanien und Italien verbunden.
Seine erste Ehefrau Käthe, geb. Sachs, die er am 9. Juni 1906 geheiratet hatte, starb 1919. Mit ihr hatte er zwei Kinder, Walter, geb. 1907, und Lotti, geb. 1912. Sie wohnten seit 1907 in der Spichernstraße 5/6 in Wilmersdorf, in einer herrschaftlichen 6-Zimmer-Wohnung im Hochparterre. Benno als Haushaltsvorstand war im Adressbuch seit 1906 als Kaufmann und Kunstverleger und mit eigenem Telefonanschluss verzeichnet, hier war auch sein Musikverlag „Berolina Verlag“ bis 1922 als Geschäftsadresse aufgeführt.

Benno Uhlfelder

Benno Uhlfelder

Seine zweite Frau Amalie, geb. Weinberg, heiratete er am 25. Mai 1921, ihr gemeinsamer Sohn Gerhard wurde am 30. November 1923 in Berlin geboren. Auch mit Amalie und den drei Kindern blieb er bis 1933 in der Spichernstraße 5/6 wohnen. Von 1925 bis 1933 stand Benno Uhlfelder als Konsul von Guatemala im Telefonbuch.

Als Komponist von Schlagern, Potpourris, Musikstücken für Theater und Operette machte sich Benno unter dem Pseudonym Ernst von Oosten einen Namen. Auch Geschichten veröffentlichte er, auf Deutsch und auf Spanisch.
Benno, er war der Älteste der Uhlfelders, hatte sieben Geschwister:
Klärchen, die Jüngste, wurde nur ein halbes Jahr alt. Hannchen (geb. 1871, verheiratete Mendel), Emma (geb. 1873, verheiratete Fürther) und Richard (geb. 1881) wanderten nach New York aus. Leo, der ebenfalls ein paar Jahre lang in New York gearbeitet hatte, wie auch Auguste lebten in Deutschland und erlebten den Aufstieg der Nazis nicht mehr. Betty aber, geboren am 14. Juni 1877 und verheiratet mit Friedrich Landauer – sie lebten zunächst in Ravensburg und später in Berlin – wurden am 15. August 1942 nach Riga deportiert, wo beide am 18. August 1942 ermordet wurden.

Als Komponist war Benno Uhlfelder in der Stagma organisiert (ihre Nachfolgeorganisation wurde später die heutige GEMA). Als Jude wurde er sofort 1933 ausgeschlossen und bezog also auch keine Tantiemen mehr, was für die Familie durchaus einen finanziellen Verlust bedeutete.

Bereits Ende Juli 1933, als Benno erkannte, dass die Uhlfelders beruflich und privat immer mehr drangsaliert werden würden, emigrierte die Familie nach Belgien. Mit dem Zug ab Bahnhof Zoo reisten Benno, Amalie und Gerhard nach Brüssel. Der älteste Sohn Walter blieb mit seiner ersten Frau Ruth in Wiesbaden und flüchtete mit ihr später nach Frankreich. Die Tochter Lotti kam später nach, da sie noch Vermögensfragen klären musste. In Brüssel blieben sie fünf Jahre. Am 30. Juli 1938 gelang Benno, Amalie, Gerd und Lotti die Flucht nach Übersee, auf der Highland Patriot der britischen Royal Mail Lines reisten sie von Tilbury, England nach Buenos Aires in Argentinien. Benno war damals sehr krank und musste sofort nach der Ankunft operiert werden.

Mit Mally und ihrem Sohn Gerd lebte Benno in Buenos Aires in einer kleinen Mietwohnung.

Als Benno sich von den Strapazen der Operation erholt hatte, arbeitete er zunächst als Vertreter einer Wurstfabrik, bald aber wurde er Niederlassungsleiter der „Alliance International du Tourisme” und des „Royal Touring Club de Belgique”. Weiterhin hat er sich als Musikkritiker einer Zeitung einen Namen gemacht.

Benno Uhlfelder ist am 26. Oktober 1946 in Buenos Aires gestorben.

Text: Gisela Just / Silvio Uhlfelder

Pate: Silvio Uhlfelder (Enkel von Benno und Amalie Uhlfelder)

Quellen:
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)
  • Bundesarchiv/Gedenkbuch
  • Dokumente und Fotos aus Familienbesitz
Spichernstr. 6 Amalie Uhlfelder

Stolperstein Uhlfelder

HIER WOHNTE
AMALIE UHLFELDER
GEB. WEINBERG
JG. 1887
FLUCHT 1933 BELGIEN
1938 ARGENTINIEN

Amalie Uhlfelder kam am 11. Dezember 1887 in Herne zur Welt. Ihre Eltern waren Max Weinberg, geboren am 18. Februar 1855 in Herne, gestorben am 23. Oktober 1938 in Herne, und Sophie Weinberg geb. Eichenwald, geboren am 11. November 1859 in Billerbeck, gestorben am 19. Juli 1939 in Herne.

Amalie heiratete am 25. Mai 1921 in Berlin Benno Uhlfelder, geb. am 1. März 1868 in Bayreuth. Der gemeinsame Sohn Gerhard wurde am 30. November 1923 geboren. Benno hatte bereits zwei Kinder aus der ersten Ehe, Walter und Lotti. Seine Frau Käthe, geb. Sachs war 1919 gestorben.

Mit Benno und den drei Kindern lebte Amalie, genannt Mally, bis 1933 in der Spichernstraße 5/6 in Berlin-Wilmersdorf, in einer herrschaftlichen 6-Zimmer-Wohnung im Hochparterre. Eingetragen im Adressbuch war ihr Mann als Haushaltsvorstand, zunächst als Kaufmann und Inhaber seines Musikverlags „Berolina Verlag“, später als Konsul von Guatemala. Ob Mally einen Beruf erlernt hatte, wissen wir nicht.

Amalie hatte vier Schwestern:
Hertha, die jüngste, verheiratete Dillenberg, geboren am 26. April 1902 in Herne, gestorben am 26. Juni 1980 in Düsseldorf, sie hat als Einzige die Deportation nach Auschwitz überlebt. Helene, verheiratete Mendlicki, geboren am 30. Juli 1882 in Herne, sie lebte in Herten/Recklinghausen, ermordet am 27. Januar 1942 Riga, (Ghetto). Elsa, verheiratete Poppert, geboren am 20. September 1892 in Herne, sie lebte in Wilmersdorf und wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und später nach Auschwitz, wo sie am 10. November 1944 ermordet wurde. Paula, verheiratete Israel, geboren am 15. Mai 1885 in Herne, sie lebte in Berlin-Kreuzberg und wurde am 27. November 1941 nach Riga deportiert und am 30. November 1942 in Riga-Rumbula ermordet.

Bereits Ende Juli 1933, als die Uhlfelders erkannten, dass sie beruflich und privat drangsaliert werden würden, emigrierten sie nach Belgien. Mit dem Zug ab Bahnhof Zoo reisten Benno, Amalie und Gerhard nach Brüssel. Der älteste Sohn Walter blieb mit seiner ersten Frau Ruth in Wiesbaden und flüchtete mit ihr später nach Frankreich. Die Tochter Lotti kam später nach, da sie noch Vermögensfragen klären musste. In Brüssel blieben sie fünf Jahre. Am 30. Juli 1938 gelang Benno, Amalie, Gerd und Lotti die Flucht nach Übersee, per Schiff reisten sie von Tilbury, England nach Buenos Aires in Argentinien. Benno war damals sehr krank und musste sofort nach der Ankunft operiert werden, Amalie blieb einen Monat lang mit ihm im Krankenhaus.

Mit Benno und ihrem Sohn Gerd lebte Mally in Buenos Aires in einer kleinen Mietwohnung. Sie hatten wenig Geld, der lange Krankenhausaufenthalt hatte all ihre Ersparnisse aufgebraucht. Sie arbeitete als Hutmacherin und starb mit 60 Jahren am 24. November 1947 an Herzversagen, die Trauer um die Ermordung ihrer Schwestern, den frühen Tod der Tochter Lotti 1941 und den Tod ihres Ehemanns Benno ein Jahr zuvor war zu schwer geworden.

Text: Gisela Just / Silvio Uhlfelder

Pate: Silvio Uhlfelder (Enkel von Benno und Amalie Uhlfelder)

Quellen:
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)
  • Bundesarchiv/Gedenkbuch
  • Dokumente und Fotos aus dem Familienbesitz
Spichernstr. 6 Gerd Uhlfelder

Stolperstein Gerd Uhlfelder

HIER WOHNTE
GERD UHLFELDER
JG. 1923
FLUCHT 1933 BELGIEN
1938 ARGENTINIEN

Gerhard, genannt Gerd, stammt aus der zweiten Ehe seines Vaters Benno Uhlfelder mit Amalie, geb. Weinberg. Er wurde am 30. November 1923 in Berlin geboren. Mit seinen Eltern und den Geschwistern aus der ersten Ehe seines Vaters, Walter und Lotti, wohnte er bis Juli 1933 in der Spichernstraße 5/6, Hochparterre, in Wilmersdorf. Im Adressbuch ist sein Vater Benno ab 1907 als Kaufmann und Kunstverleger und mit eigenem Telefonanschluss verzeichnet, hier ist auch sein Musikverlag „Berolina Verlag“ bis 1922 als Geschäftsadresse aufgeführt.

Am 1. August 1933, als den Eltern klar wurde, dass sie in Deutschland beruflich und privat immer mehr drangsaliert werden würden, emigrierte die Familie nach Belgien, Mit dem Zug ab Bahnhof Zoo reiste Gerd, der bis dahin die 4. Volksschule in der Nachodstraße besucht hatte, mit seinen Eltern nach Brüssel. Sein Bruder Walter, der Älteste, blieb mit seiner ersten Frau Ruth in Wiesbaden und flüchtete mit ihr 1934 nach Frankreich. Seine Schwester Lotti kam später nach, da sie noch Vermögensfragen klären musste. Fünf Jahre blieb die Familie in Brüssel, wo Gerd zur Schule ging und in der großen Synagoge seine Bar Mitzwa machte.

Gerd Uhlfelder mit seiner Mutter Mally

Gerd Uhlfelder mit seiner Mutter Mally

Am 30. Juli 1938 gelang Benno, Amalie, Gerd und Lotti die Flucht nach Übersee, per Schiff reisten sie von Tilbury, England nach Buenos Aires in Argentinien. Walter war mit seiner Frau Ruth nach Frankreich geflüchtet.
In Buenos Aires arbeitete Gerd, da für den weiteren Schulbesuch kein Geld da war, zunächst in einer Apotheke, später machte er eine Ausbildung im Alvear Palace Hotel. Dort arbeitete er als Koch, Kellner, Maitre an der Rezeption und als Concierge. In den Ferien verdingte er sich auch als Kellner in einem Hotel im Badeort Mar del Plata.

1948, mit 25 Jahren, gründete er zusammen mit dem jüdischen Emigranten Werner Wagner die Konzertagentur „Organizacion de Conciertos Gerard“, die fast 40 Jahre bestand. Er engagierte Musiker und Sänger aus Europa, USA und Japan und organisierte Konzerte in ganz Lateinamerika, von Argentinien bis nach Mexiko.

Am 12. März 1949 heiratete er Ruth Grünewald, geboren am 24. März 1922 in Beverungen, eine Tochter jüdischer Emigranten, Salli und Else Grünewald, die mit ihren Kindern Gerda, Ruth und Eva nach Argentinien geflüchtet waren.

Gerd Uhlfelder wird vom argentinischen Präsidenten Raul Alfonsin im Präsidentenpalast empfangen, Mitte 80er-Jahre

Gerd Uhlfelder wird vom argentinischen Präsidenten Raul Alfonsin im Präsidentenpalast empfangen, Mitte 80er-Jahre

Nach ihrer Ankunft in Buenos Aires hatte Gerd mit seinen Eltern in einer kleinen Mietwohnung gelebt. Eine Entschädigungszahlung aus Deutschland ermöglichte es Gerd später, diese Wohnung zu kaufen, hier konnte er mit seiner Frau Ruth die gemeinsamen Kinder Renata und Silvio (die heute beide in Frankfurt a.M. leben) großziehen. Was in den Anfangsjahren vormittags als Kinderzimmer diente, wurde nachmittags, wenn Ruth in aller Eile aufgeräumt hatte, zum Büro von Gerds Konzertagentur. Als er finanziell bessergestellt war, konnte er mit seinem Partner Werner Wagner in einem anderen Gebäude ein Büro einrichten.

Aufgrund seiner guten Kontakte in ganz Lateinamerika wurde Gerd Uhlfelder zum Honorarkonsul von Jamaika in Argentinien ernannt. Er war Repräsentant von diversen deutschen Musikverlegern in Argentinien wie auch von dem berühmten Klavierbauer Steinway & Söhne.
In Buenos Aires führte er die „Mittagskonzerte“ ein und gründete den Jugendmusikverein „Juventudes Musicales de la Argentina“.
Ein Jahr bevor er starb (er war schwer krank und lebte ohne Nieren fast neun Jahre lang als Dialysepatient) schrieb er ein Buch über sein Lebenswerk, das auf Spanisch unter dem Namen „Allegro ma non troppo“ veröffentlicht wurde.

An 26. September 1991 ist Gerd Uhlfelder in Buenos Aires/Argentinien gestorben.

Text: Gisela Just / Silvio Uhlfelder

Pate: Silvio Uhlfelder (Enkel von Benno und Amalie Uhlfelder wie auch von Salli und Else Grünewald, für seit 2023 Stolpersteine in Beverungen verlegt wurden.

Quellen:
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)
  • Bundesarchiv/Gedenkbuch
Spichernstr. 6 Walter Uhlfelder

Stolperstein Walter Uhlfelder

WALTER UHLFELDER
JG. 1907
FLUCHT 1934 FRANKREICH
INTERNIERT GURS
1940 MAROKKO
1942 FRANKREICH
1943 SCHWEIZ

Walter Uhlfelder stammte aus der ersten Ehe seines Vaters Benno Uhlfelder mit Käthe, geb. Sachs. Er wurde am 13. Juli 1907 in Berlin geboren. Seine Mutter starb, als er 12 Jahre alt war. Mit seinem Vater Benno Uhlfelder und dessen zweiter Frau Amalie geb. Weinberg, mit der er seit 1921 verheiratet war, der jüngeren Schwester Lotti und dem jüngeren Bruder Gerd wohnten sie bis Juli 1933 in der Spichernstraße 5/6, Hochparterre, in Wilmersdorf. Im Adressbuch ist sein Vater Benno ab 1907 als Kaufmann und Kunstverleger und mit eigenem Telefonanschluss verzeichnet, hier ist auch sein Musikverlag „Berolina Verlag“ bis 1922 als Geschäftsadresse aufgeführt.

Am 1. August 1933, als den Eltern klar wurde, dass sie ab sofort in Deutschland beruflich und privat immer mehr drangsaliert werden würden, emigrierte die Familie nach Belgien. Mit dem Zug ab Bahnhof Zoo reiste sein Bruder Gerd mit den Eltern nach Brüssel. Lotti, sie war 20 Jahre alt, kam später nach, da sie noch Vermögensfragen klären musste. Fünf Jahre blieb die Familie in Brüssel, Gerd ging zur Schule und Lotti arbeitete in einem kaufmännischen Unternehmen.

Walter, der Älteste, blieb mit seiner ersten Frau Ruth, geb. Voss aus St. Ingbert, mit der er seit dem 17. Januar 1934 verheiratet war, in Wiesbaden. Sie emigrierten kurz darauf nach Frankreich. Ruth schloss sich der französischen Widerstandsbewegung an, wurde aber am 1. Oktober 1941 von den Deutschen verhaftet und im Gefängnis La Butte festgehalten. Später brachte man sie in die Festung Romainville bei Lilas, von dort, am 9. Februar 1943, in das Durchgangslager Drancy bei Paris und am 11. Februar 1943 nach Auschwitz, wo sie ermordet wurde.

Während seinen Eltern Benno und Amalie mit den Geschwistern Gerd und Lotti 1938 die Flucht nach Übersee gelungen war – per Schiff von Tilbury, England nach Buenos Aires in Argentinien – blieb Walter zunächst in Frankreich, wo er Ende der 30er- Jahre in Gurs interniert worden war. 1940 konnte er über die Pyrenäen fliehen und mit einem der letzten Schiffe von Bayonne an der Atlantikküste nach Casablanca in Marokko flüchten, wo er erneut interniert wurde. Dank eines Arbeitsvertrags, den ihm eine chemische Firma in Grenoble ausstellte, konnte er nach Frankreich zurückkehren. Von dort gelang es ihm, in die Schweiz zu flüchten, wie sein Flüchtlingsausweis vom 5. April 1943 bis 15. Oktober 1945 dokumentiert.

Nach dem Krieg lebte Walter Uhlfelder in Frankreich. Er heiratete ein zweites Mal, Ilse Brauer, geboren am 12. Juli 1913 in Breslau. Auch diese Ehe blieb kinderlos.

Walter Uhlfelder ist am 30. Juni 1979 in Vanves in Frankreich gestorben, wo er mit seiner Frau Ilse (gestorben 2008) gelebt hatte.

Text: Gisela Just / Silvio Uhlfelder

Pate: Silvio Uhlfelder (Enkel von Benno und Amalie Uhlfelder

Quellen:
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)
  • Bundesarchiv/Gedenkbuch
Spichernstr. 6 Lotti Uhlfelder

Stolperstein Lotti Uhlfelder

HIER WOHNTE
LOTTI UHLFELDER
VERH. LEVY
JG. 1912
FLUCHT 1933 BELGIEN
1938 ARGENTINIEN

Lotti Uhlfelder stammte aus der ersten Ehe ihres Vaters Benno Uhlfelder mit Käthe, geb. Sachs. Sie wurde am 10. September 1912 in Berlin geboren. Ihre Mutter starb, als sie sieben Jahre alt war. Mit ihren Eltern Benno Uhlfelder und dessen zweiter Frau Amalie geb. Weinberg, mit der er seit 1921 verheiratet war, dem älteren Bruder Walter und dem jüngeren Bruder Gerd wohnte sie bis Juli 1933 in der Spichernstraße 5/6, Hochparterre, in Wilmersdorf. Im Adressbuch ist ihr Vater Benno ab 1907 als Kaufmann und Kunstverleger und mit eigenem Telefonanschluss verzeichnet, hier ist auch sein Musikverlag „Berolina Verlag“ bis 1922 als Geschäftsadresse aufgeführt.

Am 1. August 1933, als den Eltern klar wurde, dass sie ab sofort in Deutschland beruflich und privat immer mehr drangsaliert werden würden, emigrierte die Familie nach Belgien, mit dem Zug ab Bahnhof Zoo reiste ihr Bruder Gerd mit seinen Eltern nach Brüssel. Lotti, sie war 20 Jahre alt, kam später nach, da sie noch Vermögensfragen klären musste. Ihr Bruder Walter, der Älteste, blieb mit seiner ersten Frau Ruth in Wiesbaden und flüchtete mit ihr 1934 nach Frankreich. Fünf Jahre blieb die Familie in Brüssel, in dieser Zeit arbeitete Lotti in einem kaufmännischen Unternehmen.

Am 30. Juli 1938 gelang Benno, Amalie, Gerd und Lotti die Flucht nach Übersee, per Schiff reisten sie von Tilbury, England nach Buenos Aires in Argentinien. Walter war 1934 mit seiner Frau Ruth in Frankreich geblieben.
Kurz vor ihrer Flucht nach Argentinien, am 6. August 1938, heiratete Lotti Heinz Levy. Sie hatten zusammen eine Wurstfabrik an der Avenue Forest. In Argentinien, unter dem Namen La Foresta, gründeten sie kurz nach ihrer Ankunft in Buenos Aires wieder eine Wurstfabrik. Viel zu früh, beim Ausliefern von bestellter Ware, starb Lotti am 9. März 1941 bei einem Autounfall in Buenos Aires.

Text: Gisela Just / Silvio Uhlfelder

Pate: Silvio Uhlfelder (Enkel von Benno und Amalie Uhlfelder)

Quellen:
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)

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