HIER WOHNTE
AMALIE UHLFELDER
GEB. WEINBERG
JG. 1887
FLUCHT 1933 BELGIEN
1938 ARGENTINIEN
Amalie Uhlfelder kam am 11. Dezember 1887 in Herne zur Welt. Ihre Eltern waren Max Weinberg, geboren am 18. Februar 1855 in Herne, gestorben am 23. Oktober 1938 in Herne, und Sophie Weinberg geb. Eichenwald, geboren am 11. November 1859 in Billerbeck, gestorben am 19. Juli 1939 in Herne.
Amalie heiratete am 25. Mai 1921 in Berlin Benno Uhlfelder, geb. am 1. März 1868 in Bayreuth. Der gemeinsame Sohn Gerhard wurde am 30. November 1923 geboren. Benno hatte bereits zwei Kinder aus der ersten Ehe, Walter und Lotti. Seine Frau Käthe, geb. Sachs war 1919 gestorben.
Mit Benno und den drei Kindern lebte Amalie, genannt Mally, bis 1933 in der Spichernstraße 5/6 in Berlin-Wilmersdorf, in einer herrschaftlichen 6-Zimmer-Wohnung im Hochparterre. Eingetragen im Adressbuch war ihr Mann als Haushaltsvorstand, zunächst als Kaufmann und Inhaber seines Musikverlags „Berolina Verlag“, später als Konsul von Guatemala. Ob Mally einen Beruf erlernt hatte, wissen wir nicht.
Amalie hatte vier Schwestern:
Hertha, die jüngste, verheiratete Dillenberg, geboren am 26. April 1902 in Herne, gestorben am 26. Juni 1980 in Düsseldorf, sie hat als Einzige die Deportation nach Auschwitz überlebt. Helene, verheiratete Mendlicki, geboren am 30. Juli 1882 in Herne, sie lebte in Herten/Recklinghausen, ermordet am 27. Januar 1942 Riga, (Ghetto). Elsa, verheiratete Poppert, geboren am 20. September 1892 in Herne, sie lebte in Wilmersdorf und wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und später nach Auschwitz, wo sie am 10. November 1944 ermordet wurde. Paula, verheiratete Israel, geboren am 15. Mai 1885 in Herne, sie lebte in Berlin-Kreuzberg und wurde am 27. November 1941 nach Riga deportiert und am 30. November 1942 in Riga-Rumbula ermordet.
Bereits Ende Juli 1933, als die Uhlfelders erkannten, dass sie beruflich und privat drangsaliert werden würden, emigrierten sie nach Belgien. Mit dem Zug ab Bahnhof Zoo reisten Benno, Amalie und Gerhard nach Brüssel. Der älteste Sohn Walter blieb mit seiner ersten Frau Ruth in Wiesbaden und flüchtete mit ihr später nach Frankreich. Die Tochter Lotti kam später nach, da sie noch Vermögensfragen klären musste. In Brüssel blieben sie fünf Jahre. Am 30. Juli 1938 gelang Benno, Amalie, Gerd und Lotti die Flucht nach Übersee, per Schiff reisten sie von Tilbury, England nach Buenos Aires in Argentinien. Benno war damals sehr krank und musste sofort nach der Ankunft operiert werden, Amalie blieb einen Monat lang mit ihm im Krankenhaus.
Mit Benno und ihrem Sohn Gerd lebte Mally in Buenos Aires in einer kleinen Mietwohnung. Sie hatten wenig Geld, der lange Krankenhausaufenthalt hatte all ihre Ersparnisse aufgebraucht. Sie arbeitete als Hutmacherin und starb mit 60 Jahren am 24. November 1947 an Herzversagen, die Trauer um die Ermordung ihrer Schwestern, den frühen Tod der Tochter Lotti 1941 und den Tod ihres Ehemanns Benno ein Jahr zuvor war zu schwer geworden.
Text: Gisela Just / Silvio Uhlfelder
Pate: Silvio Uhlfelder (Enkel von Benno und Amalie Uhlfelder)
Quellen:
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA)
- Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO)
- Bundesarchiv/Gedenkbuch
- Dokumente und Fotos aus dem Familienbesitz