Stolperstein Nachodstr. 11

Hausansicht Nachodstr. 11

Hausansicht Nachodstr. 11

Der Stolperstein wurde am 29. Oktober 2025 verlegt.

Nachodstr. 11 Dr. Rudolf Schild

Stolperstein Dr. Rudolf Schild

HIER WOHNTE
DR. RUDOLF
SCHILD
JG. 1873
VERHAFTET 7.1.1936
KZ COLUMBIAHAUS
FLUCHT IN DEN TOD
25. JAN. 1936

Rudolf Schild wurde am 7. November 1873 in eine jüdische Familie in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern waren der Bankier Louis Schild (1831–1902) und dessen Ehefrau Ida, geb. Nordschild (1841–1915). Er hatte mindestens vier Geschwister, die alle vor ihm verstarben. Der Vater betrieb mit einem Geschäftspartner zunächst das Bankhaus Schild & Scheidt, trennte sich jedoch um 1882 von seinem Partner und führte fortan die Bank als Familienbetrieb weiter, wobei seine Frau die Position der Prokuristin übernahm.

Rudolf Schild dürfte im Sommer 1892 die Hochschulreife erlangt haben, denn ab dem Herbst desselben Jahres studierte er bis Anfang 1897, abgesehen von einer Unterbrechung im Sommersemester 1894, Medizin in München. Hier wurde er Ende 1897 approbiert und „magna cum laude“ zum Dr. med. promoviert. Seine Dissertation unter dem Titel „Ueber Gastrostomie mit besonderer Berücksichtigung der neueren Methoden“ legte Schild im Folgejahr vor.

Von 1898 bis 1901 war Rudolf Schild Assistent an der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses in seiner Heimatstadt Frankfurt, wechselte anschließend aber an verschiedene Universitätskliniken in Berlin. Am 1. April 1903 übernahm er zusammen mit einem Kollegen das „Institut für diätetische und physikalische Behandlung“ in Frankfurt, wodurch er zu den ersten Ärzten in der Stadt gehörte, die mit Radium experimentierten und bei denen sich Patienten einer Strahlentherapie unterziehen konnten.

Im April 1910 trennte sich Rudolf Schild von seinem Praxispartner und zog nach Berlin, wo spätestens seit 1903 auch sein älterer Bruder mit seiner Familie lebte. Schild ließ sich als Internist zunächst in der Aschaffenburger Straße 23 in Wilmersdorf nieder. 1915 diente er als Stabsarzt in Spandau, und ab 1917 wurde er in den Berliner Adressbüchern in der Nachodstraße 11 geführt. Diese Wohn- und Praxisadresse behielt er bis an sein Lebensende bei.

Rudolf Schild dürfte sich spätestens mit dem Wechsel nach Berlin vom Judentum gelöst haben. Fortan bezeichnete er sich als evangelisch. Als homosexueller Mann blieb Schild zeit seines Lebens unverheiratet. Er engagierte sich früh im Wissenschaftlich-humanitären Komitee (WhK) Magnus Hirschfelds, der weltweit ersten Interessenvertretung Homosexueller, die sich für die Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher Kontakte unter Männern bzw. die Abschaffung des § 175 RStGB einsetzte, und 1920 wurde Schild zum Obmann der Vereinigung gewählt. Am 28. Oktober 1921 hielt er in dieser Funktion einen Vortrag unter dem Titel „Sind die Homosexuellen zur Ehe geeignet?“, und 1928 veröffentlichte er in der Zeitschrift „Die Freundschaft“ einen Aufsatz über die vermeintliche „Heilbarkeit der Homosexualität“. In diesem Aufsatz sprach er sich gegen zeitgenössische Aversions- und Konversionstherapien aus und äußerte die Hoffnung, die Homosexualität werde in Zukunft einmal vorurteilsfrei und gleichberechtigt als eine Ausdrucksform menschlichen Verhaltens neben anderen angesehen.

Um 1935 wurde Rudolf Schild in mehreren polizeilichen Verhören von beschuldigten „Strichern“ als Sexualpartner genannt. Möglicherweise waren es diese Angaben, die zu einem Verfahren wegen homosexueller Betätigung gegen ihn führten und letztlich den Anlass seiner Inhaftierung lieferten. Schild wurde am 7. Januar 1936 festgenommen und wenig später in das KZ Columbia-Haus überstellt. Am Abend des 25. Januar 1936 wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden. Der zuständige Standortarzt stellte zunächst als Todesursache „Herzschwäche im Coma diabeticum“ fest. Eine anschließend durchgeführte Obduktion ergab allerdings, dass Schild an einer Zyankali-Vergiftung gestorben war. Vermutlich hatte er als Arzt Zugang zu dem Mittel gehabt und es bereits bei seiner Festnahme unbemerkt bei sich getragen.

Biografische Zusammenstellung: Raimund Wolfert

Quellen:
https://frankfurter-personenlexikon.de/node/12463
https://magnus-hirschfeld.de/gedenken/personen/schild-rudolf/

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