Stolpersteine Riehlstr. 6A

Hausansicht Riehlstr. 6a

Die Stolpersteine wurden am 23. September 2025 verlegt und von der Charlottenburger Baugenossenschaft gespendet.

Riehlstr. 6a Robin Smedresman

Stolperstein Robin Smedresman

HIER WOHNTE
ROBIN
SMEDRESMAN
JG. 1898
FLUCHT 1938 BELGIEN
INTERNIERT GURS, DRANCY
DEPORTIERT 19.8.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Robin Smedresman wurde am 19. August 1898 als der älteste von vier Söhnen des jüdischen Ehepaares Aisik und Chana Smedresman geboren. Die meiste Zeit lebte die Familie im ärmlichen Berliner Scheunenviertel.

Robin scheint sehr geschickt gewesen zu sein in seiner Arbeit als Handelsvertreter für Mode. Denn um das Jahr 1932 wurde er Mitglied der Charlottenburger Baugenossenschaft und bezog eine große Wohnung in der Riehlstraße 6a. Dies war ein enormer sozialer Aufstieg. Er lebte dort mit seiner Mutter und seinem jüngsten Bruder Alfred, der aber nach seiner Heirat 1933 zu seiner Frau Magdalena und deren Mutter Marie Adler zog (Stolpersteine: Stolpersteine Leibnizstr. 61 – Berlin.de). Vater Aisik war schon 1919 verstorben. Der Bruder Bernhard war verheiratet und lebte mit seiner Frau Luise-Cäcilia und den vier Kindern Hans, Benny, Alfred und Ruth in Neukölln (Stolpersteine: Stolpersteine Finden | Stolpersteine in Berlin). Der dritte Bruder David befand sich seit den 1920er- Jahren in wechselnden Nervenheilanstalten.

Durch seinen Beruf lernte Robin wahrscheinlich auch seine spätere Ehefrau Hildegard Schmutzer kennen, die als Direktrice arbeitete. Die beiden waren schon eine Weile ein Paar, als im September 1935 die „Nürnberger Gesetze” eingeführt wurden. Ab diesem Zeitpunkt war ihre Beziehung illegal, denn Hildegard war keine Jüdin. Das Paar ließ sich davon aber nicht auseinanderbringen und setzte die Beziehung fort. Im Oktober 1935 wurden sie jedoch an die Gestapo verraten und verhaftet. Infolgedessen sollte Robin das Land verlassen und Hildegard wurde ihr Pass abgenommen. Auch diese Bedrohung konnte die beiden nicht trennen, in aller Heimlichkeit verlobten sie sich. Interessanterweise wurde Robins Ausweisung schnell wieder zurückgenommen, da er viele Devisen ins Land brachte und in den Augen der Nazis einen gewissen Nutzen hatte.

Schon seit mehreren Jahren wurde von der Charlottenburger Baugenossenschaft Druck auf die jüdischen Genossen ausgeübt. Robin scheint sich sehr lange dagegen gewehrt zu haben, aber im September 1938 gab auch er dem Druck nach und veräußerte seine Anteile. Im November 1938 spitzte sich die Lage für die jüdischen Menschen in Deutschland zu. Ein paar Tage nach dem Novemberpogrom 1938 floh Robin nach Belgien – als Handelsvertreter nutzte er die Möglichkeit eines Arbeitsvisums, das ihm die Einreise gestattete. Hildegard versuchte nach seiner Abreise, ihren Pass wieder zurückzubekommen. Vergeblich. Schlussendlich flüchtete sie mit einem gefälschten Pass im Dezember 1938 und folgte Robin nach Antwerpen.

Hier begann ein neues Leben für die beiden. Sie konnten offiziell zusammen sein. Sie planten in Belgien ihre Zeit abzuwarten, bis sie ein Visum zur Weiterreise nach Amerika erhalten würden. Sie „wähnten sich geborgen“, schrieb Hildegard. Im Sommer 1939 zogen sie von Antwerpen ins Seebad Knokke, wo sie im Oktober endlich heirateten. Zwar waren die Deutschen im September in Polen eingefallen, aber der Krieg war weit weg. Noch!
Im Hintergrund sammelten die belgischen Behörden schon die Daten der ausländischen Flüchtlinge, die in Belgien Zuflucht gefunden hatten.

Als die Deutsche Wehrmacht im Mai 1940 in Belgien einmarschierte, wurden sehr viele Flüchtlinge als „feindliche Ausländer“ verhaftet und nach Frankreich abgeschoben. Auch Robin. Es war das letzte Mal, dass Hildegard und Robin sich sahen.

Robin wurde zunächst in das Lager Saint Cyprien im Süden Frankreichs gebracht.

Bei der Schließung des Lagers Ende 1940 war er einer von 3870 meist jüdischen Personen, die in das Lager Gurs verschleppt wurden. Die Zustände in diesem Lager waren furchtbar, hier litt Robin zwei Jahre. Am 19. August 1942, seinem 44. Geburtstag, wurde er über das Lager Drancy bei Paris in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Er hat entweder den Transport nicht überlebt oder wurde bei seiner Ankunft sofort ermordet, denn ab dem Datum gibt es keine Spur mehr von ihm. Er wurde nach dem Krieg vom Amtsgericht Charlottenburg für tot erklärt.

Recherche und Text: Rachel Soost.

Siehe auch: Rachel Soost: Hilde und Robin, Roman, erschienen November 2025 als TB und E-book

Quellen:
  • Adressbücher Berlin
  • Gedenkbuch des Bundesarchivs
  • Berliner Gedenkbuch der FU
  • Landesarchiv Berlin – Entschädigungsbehörde
  • ITS Arolsen: (nicht öffentlich)
  • Mémorial de la Shoah
Riehlstr. 6a Hildegard Schmutzer

Stolperstein Hildegard Smedresman

HIER WOHNTE
HILDEGARD
SCHMUTZER
VERH. SMEDRESMAN
JG. 1909
FLUCHT 1938 BELGIEN
VERHAFTET 29.6.1940
MEHRERE GEFÄNGNISSE
ENTLASSEN DEZ. 1941
AB MAI 1942 IN BERLIN
VERSTECKT / ÜBERLEBT

Hildegard Schmutzer wurde am 13. März 1909 als einziges Kind des Baumeisters August Schmutzer und seiner Ehefrau Charlotte geboren. Als junge Frau absolvierte sie später eine Ausbildung zur Schneiderin und bildete sich zur Direktrice weiter. Sie war in der „Kleiderfabrik Franz Metzger” und später in der Firma „Blusen-Gumpert” beschäftigt.

Irgendwann Anfang der 1930er-Jahre wurden sie und der jüdische Modehandelsvertreter Robin Smedresman ein Paar. Im September 1935 erklärten die Nationalsozialisten mit den „Nürnberger Gesetzen” Beziehungen zwischen zwischen Juden und Nichtjuden zu einem Verbrechen. Hildegard und Robin wollten sich ihre Verbindung nicht verbieten lassen. Doch irgendjemand denunzierte das Paar schon einen Monat später an die Gestapo. Sie wurden verhaftet.

Hildegard wurde der Pass abgenommen und Robin aus dem Deutschen Reich ausgewiesen. Die Ausweisung wurde sehr schnell zurückgenommen, da er aufgrund seiner Tätigkeit viele Devisen ins Land brachte und in den Augen der Nazis einen gewissen Nutzen hatte. Hildegards Pass blieb aber eingezogen. Trotz allem setzten sie ihre Beziehung weiterhin heimlich fort, verlobten sich sogar.

Im Sommer 1938 – der jüdische Besitzer der Firma „Blusen-Gumpert” war enteignet und das Unternehmen „arisiert” worden – wurde Hildegard dann als „bekannt judenfreundlich“ von ihrer „arischen“ Chefin entlassen. Ein paar Monate später, nach dem Novemberpogrom 1938, war auch Hildegard und Robin klar, dass es für sie zu gefährlich war, weiter in Berlin zu bleiben – sie planten eine Flucht über Belgien nach Amerika. Dafür reiste Robin mit der Hilfe seines Arbeitsvisums nach Belgien schon vor. Hildegard wollte ihm folgen, sobald sie ihren Pass zurückerhalten hätte. Tagelang saß sie auf dem Polizeirevier Alexanderplatz und bemühte sich um ihren eingezogenen Pass. Doch sie bekam ihn nicht. Daher floh sie im Dezember 1938 kurz vor dem Jahreswechsel mit einem gefälschten holländischen Pass über die belgische Grenze.

Das Paar war wieder vereint und kam für einige Zeit im jüdischen Viertel in Antwerpen unter, wo Hildegard zum jüdischen Glauben konvertierte, ehe sie im Sommer ins belgische Seebad Knokke umzogen, wo sie im Oktober 1939 endlich heirateten. Hier wollte das Ehepaar abwarten, bis sie ein Visum für die Einreise nach Amerika erhielten. Sie bezogen eine kleine möblierte Wohnung und konnten endlich offen zusammensein. In ihrem Bericht schrieb Hildegard: „Wir wähnten uns geborgen.“ Doch schon kurze Zeit nachdem die Deutschen in Belgien einmarschiert waren, wurde Robin als sog. „feindlicher Ausländer“ verhaftet und nach Frankreich abgeschoben.

Hildegard wurde im Mai oder Juni 1940 von der Gestapo in ihrer Wohnung in Knokke verhaftet – wegen der „Hintergehung der Nürnberger Gesetze“. Bei der Hausdurchsuchung wurden Devisen gefunden, die Robin und sie für ihre Flucht versteckt und für den Lebensunterhalt in Belgien genutzt hatten.

Über mehrere Gefängnisse wurde Hildegard nun wieder nach Berlin gebracht. Dort machte man ihr den Prozess. Zunächst nur wegen des Devisenvergehens, denn ihrem findigen Anwalt war es gelungen beide Vergehen – die sogenannte „Rassenschande“ und die Hinterziehung von Devisen – voneinander zu trennen. Bis Dezember 1941 saß sie dann ihre Strafe im Frauengefängnis Kantstraße ab. Nach ihrer Entlassung kehrte sie zu ihren Eltern nach Kreuzberg zurück. Hier wohnte sie bis sie im Mai des folgenden Jahres eine Vorladung zur Gestapo erhielt.

In der festen Überzeugung, dass es um das noch offene Vergehen gegen die „Nürnberger Gesetze” ging – ihre Eheschließung mit einem Juden – ging sie 1942 in die Illegalität. Sie versteckte sich bis zum Januar 1944 in einer Gartenlaube in Strausberg. Doch dann wurde ihre Helferin samt Familie ausgebombt und benötigte den Platz selbst. Daher zog Hildegard weiter in ein anderes Versteck.

Sie lernte den griechischen Teppichhändler Nikolaus Lazarides kennen, der sie in seiner Wilmersdorfer Wohnung, Jenaer Straße 19, bis zum Ende des Krieges aufnahm, versteckt hielt und seine Lebensmittel mit ihr teilte.

Nach dem Krieg wartete Hildegard vergeblich auf die Rückkehr ihres Ehemannes. Er war in Frankreich zunächst ins Lager St. Cyprien, von dort ins Lager Gurs und zwei Jahre später, am 19. August 1942, über das Lager Drancy bei Paris ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt worden. Dort verlor sich seine Spur und er wurde nach dem Krieg vom Amtsgericht Charlottenburg für tot erklärt. Hildegard und er sahen sich nie wieder.

Hildegard Smedresman wohnte nach dem Krieg zunächst weiter bei Nikolaus Lazarides in der Jenaer Straße 19 und arbeitete als stellvertretende Betriebsführerin, zog später aber mehrmals um. Sie starb im Jahr 2006.

Recherche und Text: Rachel Soost

S. auch: Rachel Soost: Hilde und Robin, Roman, erschienen November 2025 als TB und E-book

Quellen:
  • ITS Arolsen: DocID:78854403
  • Landesarchiv Berlin – Entschädigungsbehörde
Riehlstr. 6a David Smedresman

Stolperstein David Smedresman

DAVID
SMEDRESMAN
JG. 1903
SEIT 1933 MEHRERE
HEILANSTALTEN
SCHICKSAL UNBEKANNT

David Smedresman wurde am 17. März 1903 als dritter von insgesamt vier Söhnen des jüdischen Tabakschneiders Aisik und dessen Ehefrau Chana Smedresman geboren. Die meiste Zeit lebte die Familie im ärmlichen Berliner Scheunenviertel. Sein Vater starb 1919 und die Mutter kümmerte sich fortan alleine um ihre Söhne.

Seine Brüder lebten später mit ihren Familien in Charlottenburg, Wilmersdorf und Neukölln: Robin, geb. 1898 (Stolperstein Stolpersteine Riehlstr. 6A – Berlin.de ), Bernhard, geb 1899 (Stolperstein: Stolpersteine Finden | Stolpersteine in Berlin) und Alfred, geb. 1909 (Stolperstein: Stolpersteine Leibnizstr. 61 – Berlin.de)

David war zu Beginn der 1920er-Jahre Student bis er 1922 oder 1923 erkrankte und ab dann in wechselnden Nervenheilanstalten lebte – wo genau war nicht herauszufinden. Hier besuchte ihn seine Mutter regelmäßig bis zu ihrem Tod im April 1938.

Davids weiteres Schicksal ist unbekannt. Er wurde nach dem Krieg vom Amtsgericht Charlottenburg für tot erklärt.

Recherche und Taxt: Rachel Soost

Quellen:
  • Akten Landesarchiv Berlin – B Rep 042
  • Akten Amtsgericht Charlottenburg
  • Akten Amtsgericht Schöneberg

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