HIER WOHNTE
ALFRED
SMEDRESMAN
JG. 1909
FLUCHT 1938 BELGIEN
INTERNIERT MECHELEN
DEPORTIERT 4.8.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 16.9.1942
Alfred Smedresman wurde am 1. Juni 1909 als das jüngste Kind des Tabakschneiders Aisik und seiner Frau Chana Smedresman geboren. Die Eheleute hatten insgesamt vier Söhne: Robin, darauf folgte Bernhard, dann David und als Nachzügler Alfred. Der Vater starb im Jahr 1919.
Chana, Robin und Alfred lebten bis 1932 im Berliner Scheunenviertel. Zwei der Brüder verließen die gemeinsame Wohnung schon früher – David musste ab den 1920er Jahren in verschiedenen Nervenheilanstalten behandelt werden (Stolperstein Riehlstraße 6a) und Bernhard heiratete 1926. Er zog mit seiner Frau Luise-Cäcilia und ihrem gemeinsamen Kind nach Neukölln (Stolpersteine Schillerpromenade 23).
1933 heiratete Alfred, der mittlerweile als Kaufmann und Lagerist (in den Jahren 1934-1936 bei der Firma Grünthal, Sohrensohn und Co.) arbeitete, Magdalena Weil. Die junge Ungarin arbeitete als Kontoristin und lebte bei ihrer verwitweten Mutter Marie Adler in der Leibnizstraße 61. Diese betrieb dort ein Strumpfwarengeschäft.
Alfred und Magdalena waren sehr sportlich. Sie war Mitglied im jüdischen Sportverein Hakoah, und er arbeitete später auf der Flucht als Sportlehrer. Es ist nicht bekannt, wie die beiden sich kennenlernten, aber die Liebe zum Sport hat dabei möglicherweise eine Rolle gespielt.
Der Druck auf die jüdische Bevölkerung nahm in den nächsten Jahren immer mehr zu. Ab 1937 erscheint das Strumpfwarengeschäft von Alfreds Schwiegermutter nicht mehr in den historischen Adressbüchern. Es ist anzunehmen, dass es “arisiert” wurde. Die Ausmaße der Verfolgung und Diskriminierung fanden zum Novemberpogrom 1938 einen vorläufigen Höhepunkt und die drei beschlossen nun zu flüchten. Es stellte sich heraus, dass es Probleme mit Maries Pass gab. So reiste Alfred am 27. Dezember 1938 voraus nach Belgien; seine Frau und Schwiegermutter folgten am 13. Januar 1939.
Im jüdischen Viertel in Antwerpen fanden sie zu dritt für eine gewisse Zeit zusammen Unterkunft, dann trennten sich ihre Wege. Kurz nachdem seine Schwiegermutter im belgischen Seeort De Panne starb, ging es Alfreds Frau Magdalena so schlecht, dass sie in einem Krankenhaus in Antwerpen behandelt werden musste. Als Flüchtlinge durften sie zunächst keiner Arbeit nachgehen, doch später scheinen sie für wenig Geld gearbeitet zu haben – Alfred als Sportlehrer und Schneider, Magdalena als Maniküre und Pediküre und auch als Sportlehrerin.
Als die deutsche Wehrmacht in Belgien einmarschierte, begannen die schlimmen Repressalien auch hier. Alfred und seine Frau wurden im Januar 1941 gezwungen, nach Genk/Limburg in ein Lager umzuziehen. Daraus wurden sie im März oder April 1941 zwar wieder entlassen, aber wahrscheinlich wurde ihnen danach verboten, wieder zurück nach Antwerpen zu gehen. Sie wohnten danach in Brüssel.
1942 erhielt Alfred die Aufforderung, sich zum Arbeitsdienst zu melden. Magdalena erhielt diese Aufforderung zwar nicht, meldete sich aber freiwillig. Es ist anzunehmen, dass sie mit ihrem Mann zusammenbleiben wollte. Zunächst wurden sie mit vielen anderen in die Kaserne Dossin im belgischen Ort Mechelen/Malines gesperrt. Die Zustände in diesem Durchgangslager waren furchtbar. Die Menschen mussten unter entsetzlichen Bedingungen ausharren, bis es für sie weiterging. Die Kaserne war aus praktischen Gründen zum Durchgangslager bestimmt worden. Direkt nebenan verliefen Schienen, was es für die Nazis bequem machte, von hier aus Züge voller Menschen in die Vernichtung zu schicken.
Am 4. August 1942 wurden Alfred und Magdalena mit dem ersten Transport von Mechelen/Malines nach Auschwitz deportiert. Nach einer qualvollen Reise kamen sie dort an und erhielten keine Häftlingsnummer. Dies weist darauf hin, dass sie sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurden und dass auf ihren Sterbeurkunden erlogene Todesursachen und Daten vermerkt wurden.
Laut der Todesurkunde starb Alfred Smedresman am 16. September 1942
Recherche und Text: Rachel Soost
Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Totenbuch Auschwitz