Stolpersteine Leibnizstr. 61

Hausansicht Leibnizstr. 61

Die Stolpersteine wurden am 23. September 2025 verlegt, der Stolperstein für Marie Adler wurde von Stephan Lazarides gespendet.

Leibnizstr. 61 Marie Adler

HIER WOHNTE
MARIE ADLER
GEB. FLEISCHMANN
GESCH. WEIL
JG. 1885
FLUCHT 1939
BELGIEN
TOT 9.6.1940

Marie Adler wurde am 9. Oktober 1885 als Tochter von Philipp und Rosa Fleischmann in Gyemely, Ungarn geboren. Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.

Sie heiratete Ladislaus / Laszlo Weil, mit dem sie 1910 eine Tochter, Magdalena, bekam. Das Paar ließ sich scheiden und 1920 kam Marie mit ihrer Tochter nach Berlin, wo sie den Schuhmachermeister Wilhelm Adler heiratete. Sie wohnten in der Leibnizstraße 61, wo Wilhelm auch sein Schuhmacher-Geschäft betrieb. 1926 starb er. Im darauffolgenden Jahr eröffnete Marie in den Räumlichkeiten der Schuhmacherei einen Strumpfwarenvertrieb.

Im Dezember 1933 heiratete die Tochter Magdalena den Kaufmann/Lageristen Alfred Smedresman, der zuvor mit seinem Bruder Robin und seiner Mutter Chana in der Riehlstraße 6a gelebt hatte. Das junge Paar blieb bei Marie wohnen. Ab dem Jahr 1937 ist das Geschäft für Strumpfwaren nicht mehr im historischen Adressbuch zu finden. Wahrscheinlich wurde es “arisiert”.

Nach dem Novemberpogrom 1938 entschlossen sich Marie, Magdalena und Alfred zu flüchten. Sie planten, über Belgien nach Kuba zu gelangen. Allerdings gab es Probleme mit Maries Pass. So reiste ihr Schwiegersohn im Dezember schon mal voraus. Marie und Magdalena konnten erst später folgen – Marie wurde am 12. Dezember vom Amtsgericht Berlin wegen „Passvergehens“ zu einer 60 Reichsmark Geldstrafe oder einer Gefängnisstrafe von zwölf Tagen verurteilt.

Im Januar konnten Mutter und Tochter Alfred endlich folgen. Am 13. Januar 1939 überquerten Marie und Magdalena die belgische Grenze. Zunächst kamen sie zu dritt – also mit Alfred – in Antwerpen im jüdischen Viertel unter. Etwas später trennten sich ihre Wege. Zunächst zog Marie in einen anderen Teil Antwerpens und dann in den belgischen Seeort De Panne. Hier starb sie am 9. Juni 1940.

Ihre Kinder Alfred und Magdalena wurden 1942 in Auschwitz ermordet.

Recherche und Text: Rachel Soost

Quellen:
  • Berliner Adressbücher
  • Akten Belgisches Staatsarchiv
Leibnizstr. 61 Magdalena Smedresman

HIER WOHNTE
MAGDALENA
SMEDRESMAN
GEB. WEIL
JG. 1910
FLUCHT 1939 BELGIEN
INTERNIERT MECHELEN
DEPORTIERT 4.8.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 25.9.1942

Magdalena Smedresman wurde am 20. April 1910 in Budapest/Ungarn als Tochter von Ladislaus/Laszlo Weil und seiner Ehefrau Marie geboren. Die Eltern ließen sich scheiden als Magdalena noch ein Kind war. Und im Jahr 1920 zog ihre Mutter Marie nach Berlin, wo sie den Schuhmachermeister Wilhelm Adler heiratete, der in der Leibnizstraße 61 eine Schuhmacherei betrieb.

Wahrscheinlich begleitete die zehnjährige Magdalena ihre Mutter, denn sie lebte bei ihr in der Leibnizstraße 61, als sie am 19. Dezember 1933 den Kaufmann / Lageristen Alfred Smedresman heiratete. Zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit arbeitete Magdalena als Kontoristin. Das junge Paar wohnte nach der Hochzeit bei der mittlerweile verwitweten Marie Adler.

Es ist nicht bekannt, wie sie sich kennengelernt hatten, doch es gab eine Sache die sie womöglich verband: Beide müssen sehr sportlich gewesen sein. 1936 gewann Magdalena als Mitglied des jüdischen Sportvereins Hakoah den zweiten Platz im 200 Meter Lauf bei einem Sportfest im Grunewald. Und Alfred arbeitete später, auf der Flucht, als Sportlehrer.

Der Druck auf die jüdische Bevölkerung nahm immer mehr zu und fand im Novemberpogrom 1938 einen vorläufigen Höhepunkt. Jetzt beschlossen die drei, nach Belgien zu fliehen. Von dort wollten sie so bald wie möglich weiter nach Kuba. Allerdings gab es Probleme mit dem Pass von Magdalenas Mutter Marie. Wegen eines nicht genannten Passvergehens wurde sie zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe verurteilt. Wahrscheinlich reiste Alfred deswegen schon im Dezember 1938 vor. Im neuen Jahr, am 13. Januar 1939 folgten Magdalena und Marie ihm.

Die drei kamen zunächst im jüdischen Viertel Antwerpens unter. Dann trennten sich ihre Wege. Marie starb am 9. Juni 1940 im Seeort De Panne. Kurz darauf, auch im Juni 1940, wurde Magdalena im Armenkrankenhaus Stuyvenberggasthuis behandelt. Warum sie die Behandlung benötigte, ist nicht dokumentiert, die zeitliche Nähe zum Tod ihrer Mutter lässt aber einen Zusammenhang vermuten.

Als Flüchtlinge durften sie zunächst auch keiner Arbeit nachgehen, doch später scheinen sie für wenig Geld gearbeitet zu haben – Alfred als Sportlehrer und Schneider, Magdalena als Maniküre und Pediküre und auch als Sportlehrerin.

Als die deutsche Wehrmacht in Belgien einmarschierte, begannen die schlimmen Repressalien auch hier. Das Ehepaar musste im Januar 1941 nach Genk/Limburg in ein Lager. Daraus wurden sie im März oder April 1941 zwar wieder entlassen, aber wahrscheinlich wurde ihnen danach verboten, wieder zurück nach Antwerpen zu ziehen. Sie wohnten danach in Brüssel.

1942 erhielt hier Alfred die Aufforderung, sich zum Arbeitsdienst zu melden. Magdalena erhielt diese Aufforderung nicht, dennoch meldete sie sich freiwillig. Es ist stark anzunehmen, dass sie mit ihrem Mann zusammenbleiben wollte. Zunächst wurden sie mit vielen anderen in die Kaserne Dossin im belgischen Ort Mechelen/Malines gesperrt. Die Zustände in diesem Durchgangslager waren furchtbar. Die Menschen mussten unter entsetzlichen Bedingungen ausharren. Der Ort war aus praktischen Erwägungen ausgewählt worden, denn direkt neben der Kaserne verliefen Schienen, was es für die Nazis bequem machte, von hier aus Züge voller Menschen in die Vernichtung zu schicken.

Am 4. August 1942 wurden Alfred und Magdalena mit dem ersten Transport von Mechelen/Malines nach Auschwitz deportiert. Nach einer qualvollen Reise kamen sie dort an und erhielten keine Häftlingsnummer. Dies weist darauf hin, dass sie sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurden und dass auf ihren Sterbeurkunden erlogene Todesursachen und Daten vermerkt wurden.

Laut Todesurkunde starb Magdalena Smedresman am 25. September 1942.

Recherhe und Text: Rachel Soost

Quellen:
  • Berliner Adressbücher
  • Gedenkbuch des Bundesarchivs
  • Berliner Gedenkbuch der FU
  • Akten Belgisches Staatsarchiv
  • Totenbuch Auschwitz
Leibnizstr. 61 Alfred Smedresman

HIER WOHNTE
ALFRED
SMEDRESMAN
JG. 1909
FLUCHT 1938 BELGIEN
INTERNIERT MECHELEN
DEPORTIERT 4.8.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 16.9.1942

Alfred Smedresman wurde am 1. Juni 1909 als das jüngste Kind des Tabakschneiders Aisik und seiner Frau Chana Smedresman geboren. Die Eheleute hatten insgesamt vier Söhne: Robin, darauf folgte Bernhard, dann David und als Nachzügler Alfred. Der Vater starb im Jahr 1919.

Chana, Robin und Alfred lebten bis 1932 im Berliner Scheunenviertel. Zwei der Brüder verließen die gemeinsame Wohnung schon früher – David musste ab den 1920er Jahren in verschiedenen Nervenheilanstalten behandelt werden (Stolperstein Riehlstraße 6a) und Bernhard heiratete 1926. Er zog mit seiner Frau Luise-Cäcilia und ihrem gemeinsamen Kind nach Neukölln (Stolpersteine Schillerpromenade 23).

1933 heiratete Alfred, der mittlerweile als Kaufmann und Lagerist (in den Jahren 1934-1936 bei der Firma Grünthal, Sohrensohn und Co.) arbeitete, Magdalena Weil. Die junge Ungarin arbeitete als Kontoristin und lebte bei ihrer verwitweten Mutter Marie Adler in der Leibnizstraße 61. Diese betrieb dort ein Strumpfwarengeschäft.

Alfred und Magdalena waren sehr sportlich. Sie war Mitglied im jüdischen Sportverein Hakoah, und er arbeitete später auf der Flucht als Sportlehrer. Es ist nicht bekannt, wie die beiden sich kennenlernten, aber die Liebe zum Sport hat dabei möglicherweise eine Rolle gespielt.

Der Druck auf die jüdische Bevölkerung nahm in den nächsten Jahren immer mehr zu. Ab 1937 erscheint das Strumpfwarengeschäft von Alfreds Schwiegermutter nicht mehr in den historischen Adressbüchern. Es ist anzunehmen, dass es “arisiert” wurde. Die Ausmaße der Verfolgung und Diskriminierung fanden zum Novemberpogrom 1938 einen vorläufigen Höhepunkt und die drei beschlossen nun zu flüchten. Es stellte sich heraus, dass es Probleme mit Maries Pass gab. So reiste Alfred am 27. Dezember 1938 voraus nach Belgien; seine Frau und Schwiegermutter folgten am 13. Januar 1939.

Im jüdischen Viertel in Antwerpen fanden sie zu dritt für eine gewisse Zeit zusammen Unterkunft, dann trennten sich ihre Wege. Kurz nachdem seine Schwiegermutter im belgischen Seeort De Panne starb, ging es Alfreds Frau Magdalena so schlecht, dass sie in einem Krankenhaus in Antwerpen behandelt werden musste. Als Flüchtlinge durften sie zunächst keiner Arbeit nachgehen, doch später scheinen sie für wenig Geld gearbeitet zu haben – Alfred als Sportlehrer und Schneider, Magdalena als Maniküre und Pediküre und auch als Sportlehrerin.

Als die deutsche Wehrmacht in Belgien einmarschierte, begannen die schlimmen Repressalien auch hier. Alfred und seine Frau wurden im Januar 1941 gezwungen, nach Genk/Limburg in ein Lager umzuziehen. Daraus wurden sie im März oder April 1941 zwar wieder entlassen, aber wahrscheinlich wurde ihnen danach verboten, wieder zurück nach Antwerpen zu gehen. Sie wohnten danach in Brüssel.

1942 erhielt Alfred die Aufforderung, sich zum Arbeitsdienst zu melden. Magdalena erhielt diese Aufforderung zwar nicht, meldete sich aber freiwillig. Es ist anzunehmen, dass sie mit ihrem Mann zusammenbleiben wollte. Zunächst wurden sie mit vielen anderen in die Kaserne Dossin im belgischen Ort Mechelen/Malines gesperrt. Die Zustände in diesem Durchgangslager waren furchtbar. Die Menschen mussten unter entsetzlichen Bedingungen ausharren, bis es für sie weiterging. Die Kaserne war aus praktischen Gründen zum Durchgangslager bestimmt worden. Direkt nebenan verliefen Schienen, was es für die Nazis bequem machte, von hier aus Züge voller Menschen in die Vernichtung zu schicken.

Am 4. August 1942 wurden Alfred und Magdalena mit dem ersten Transport von Mechelen/Malines nach Auschwitz deportiert. Nach einer qualvollen Reise kamen sie dort an und erhielten keine Häftlingsnummer. Dies weist darauf hin, dass sie sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurden und dass auf ihren Sterbeurkunden erlogene Todesursachen und Daten vermerkt wurden.

Laut der Todesurkunde starb Alfred Smedresman am 16. September 1942

Recherche und Text: Rachel Soost

Quellen:
  • Berliner Adressbücher
  • Gedenkbuch des Bundesarchivs
  • Berliner Gedenkbuch der FU
  • Totenbuch Auschwitz

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