Stolpersteine Königsallee 15

Dieser Stolperstein wurde am 4. April 2025 verlegt.

Koenigsallee 15 Max Lazarus

HIER WOHNTE
MAX LAZARUS
JG. 1881
DEPORTIERT 29.10.1941
ŁÓDŹ / LITZMANNSTADT
1942 CHEŁMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942

Max Lazarus wurde am 12. November 1881 im pommerschen Hammerstein (Krs. Schlochau, heute Czarne/Polen), einer 4.000-Einwohner-Stadt geboren. Etwa mit Beginn des Ersten Weltkrieges zog er nach Potsdam um, wo er als Kaufmann für den Kampffmeyer-Mühlenkonzern arbeitete. 1914 heiratete er dort seine Frau Lotte, geb. Hoffmann. Kurz darauf folgte die Geburt ihrer zwei Kinder Ernst (1915) und Eva Susanne (1916). Mit Beginn der 1920er-Jahre zog er nach Berlin um, wo er unter seinem Namen 1922 einen Getreide-, Lebens- und Futtermittelhandel mit Sitz in der Taubenstraße 35 (Berlin-Mitte) gründete. Im gleichen Jahr erwarb er eine Villa in der Koenigsallee 15 im noblen Berliner Stadtteil Grunewald. In den Folgejahren war er in den Aufsichtsräten gleich mehrerer Gesellschaften und Banken aus dem Getreidegeschäft tätig. 1926 erwarb er die Oranienburger Dampfmühle.

Max Lazarus

Nach der Machterlangung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde er von seinen Geschäftsführer- und Aufsichtsratsposten abberufen und seine Unternehmen 1937/38 liquidiert. Die Kinder Ernst und Eva konnten sie zuvor noch nach England bzw. Südfrankreich in Sicherheit bringen lassen. Seine Villa beherbergte zwischenzeitlich die American School in Berlin; er selbst und seine Frau zogen in den zur Chauffeurswohnung umgebauten Pferdestall auf demselben Grundstück um, ehe sie 1940 Haus und Grundstück weit unter Wert an die Hitlerjugend verkaufen mussten. Das Ehepaar wurde in ein sogenanntes „Judenhaus“ in die Motzstraße (Berlin-Wilmersdorf) eingewiesen.

Von dort aus wurden sie am 29. Oktober 1941 mit dem dritten Deportationszug zusammen mit rund 1.000 weiteren jüdischen Bewohnern Berlins vom Bahnhof Grunewald ins Getto Litzmannstadt (das heutige Łodz) deportiert. Während seine Frau Lotte im Januar 1942 vermutlich an den katastrophalen Verhältnissen im Ghetto verstarb (offizielle Todesursache: Dickdarmkatarrh), wurde Max Lazarus am 4. Mai 1942 von Litzmannstadt ins Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) weitertransportiert und dort vermutlich unmittelbar nach der Ankunft durch Autoabgase ermordet. Seine Kinder Ernst und Eva Susanne überlebten die NS-Schreckensherrschaft; Nachfahren der Familie leben heute in den USA.

Verfasser: Thomas Ney

Quellen:
  • die Wiedergutmachungsakten im Berliner Landesarchiv, Signaturen B Rep. 025-08 Nr. 1329/50 und B Rep. 025-08 Nr. 2686/55, teilweise durchsuchbar über die Webseite des United States Holocaust Memorial Museum
  • die Akten der nationalsozialistischen Vermögensverwertungsstelle, LHA Potsdam, Rep. 36A (2) Nr. 21435.
  • Akten des Ältesten der Juden des Gettos Litzmannstadt, Archiwum Państwowe w Łodzi, Signatur 39/278/0
  • die Tagebücher von Gregor Ziemer (früherer Direktor der American School in Berlin – welche zeitweise in der Villa der Lazarus-Familie residierte): Ziemer, Gregor: Diaries 1937-1938, Archiv des American Heritage Center (University of Wyoming), Nr. 08176.
  • Ziemer, Patsy: Two thousand and ten days of Hitler, New York 1940.
  • Lose, Ingo: Berliner Juden im Getto Litzmannstadt 1941-1944, Stiftung Topografie des Terros, Berlin 2009.
  • Darüber hinaus habe ich u. A. einen intensiven Austausch meiner Rechercheergebnisse mit Frau Ursula Szczepinska, Direktorin für Bildung und Forschung am Florida Holocaust Museum in den USA, sowie mit Arlyne Laurence, Witwe des ältesten Sohnes von Eva Susanne Lazarus, geführt.
Koenigsallee 15 Lotte Lazarus

HIER WOHNTE
LOTTE LAZARUS
GEB. HOFFMANN
JG. 1890
DEPORTIERT 29.10.1941
ŁÓDŹ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 24.1.1942

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