Stolperstein Am Vogelherd 20

Dieser Stolperstein wurde am 4. April 2025 verlegt.

Am Vohelherd 20 Lilli Buch

Stolperstein für Lilli Buch

HIER WOHNTE
LILLI BUCH
GEB. JABLONSKI
JG. 1892
DEPORTIERT 1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 1944

Lilli Jablonsky wurde am 3. Juni 1892 in Breslau geboren, 1943 deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.

Sie wurde 1892 als 2. Kind einer jüdischen Familie in Breslau geboren.
Ihr zehn Jahre älterer Bruder Ernst, geb. 1882, hat mit seiner Frau und zwei Söhnen den Holocaust in Palästina überlebt. Alle vier sind auch in Israel gestorben.

Die Spuren von Lilli Jablonsky in Breslau sind bis Anfang der 20er- Jahre verfolgbar. Sie hat dort als Zeichnerin sowohl für Bühnenentwürfe als auch für Gebrauchsgrafik und Buchillustrationen gearbeitet. In einigen noch erhaltenen Briefen lässt sich ihre Persönlichkeit in einer sehr schönen, ausdrucksstarken, schwungvollen und ausgewogenen Schrift erahnen. Die erhaltenen Briefe dokumentieren, dass sie zwischen 1918 und 1920/21 von Breslau aus mit und für Armin Theophil Wegner gearbeitet hat, der als Schriftsteller, Jurist, Reisender und Menschenrechtsaktivist einige Bücher herausgegeben hat, in denen er u.a. gegen den Völkermord an den Armeniern durch die Türken und gegen einen zunehmenden Antisemitismus in Europa Stellung bezogen hat.

Der erhaltene Briefwechsel mit Armin T. Wegner zeigt, dass sich die anfängliche reine Arbeitsbeziehung langsam auch zu einem freundschaftlichen und sehr vertrauten Briefwechsel entwickelt hat.
Lilli Jablonsky hat mindestens bis Anfang der 20er- Jahre in Breslau gelebt und dort wahrscheinlich auch ihren späteren Ehemann Dr. Fritz Peter Buch (1894-1964) kennengelernt, der u.a. in Breslau bis 1921 studiert hat. 1920 erwähnt Lilli ihre gerade stattgefundenen Heirat in einem Brief an Armin T. Wegner, allerdings schon mit leicht kritischen Bemerkungen bzgl. der Spezies „Ehemänner“. Ob dieser Ehemann Fritz Peter Buch war, geht aus diesem Brief nicht hervor, erscheint aber sehr gut möglich.

Dr. Fritz Peter Buch lebte von 1894 bis 1964; er war deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Regisseur. Er spielte ab 1933 nach dem nationalsozialistischen Machtantritt zunehmend eine wichtige Rolle in der Propaganda-Filmindustrie des 3. Reiches, arbeitete eng mit der UFA und später mit TOBIS zusammen. Nach der Machtergreifung durch die Nazis fand auch die Scheidung Fritz Peter Buchs von seiner jüdischen Ehefrau Lilli Buch statt, wahrscheinlich auf Druck des Reichspropaganda- Ministeriums.

Wann Lilli Buch, geb. Jablonsky nach Berlin gezogen ist, ist unbekannt. 1928 wurde der gemeinsame Sohn Thomas Buch geboren. 1938 wurde Thomas Buch als 10-Jähriger in das Französische Gymnasium eingeschult, da seine Eltern glaubten, dass dort der Einfluss der NS-Machthaber vielleicht weniger ausgeprägt sei, als an anderen Schulen, wie er in seinen Erinnerungen schreibt. Den Schulweg von 20 Minuten legte er als S-Bahn FahrschüIer zusammen mit Jan Kohlmeyer und Friedrich Curtius aus Eichkamp zurück, eine gut genutzte Zeit für unerledigte Hausaufgaben. Ab 1938/1939 wohnte Thomas alleine mit seiner Mutter Lilli Buch Am Vogelherd 20.

Fritz Peter Buch, Arier und mit prominenter Stellung im 3. Reich, hat das Haus aufgrund des §8 der Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens v. 3.12.1938 RGBL I Ende 1938 für einen Kaufpreis von 28.000 Reichsmark von den jüdischen Erstbesitzern erstanden. Dr. Richard Roeder und seine Frau Hedwig emigrierten Anfang 1939 und überlebten, er wohnte aber selber nicht hier. Trotz etlicher Mahnungen des Finanzamtes und eines von den jüdischen Erstbesitzern (Ehepaar Roeder) bestellten Bevollmächtigten hat Fritz Peter Buch große Anteile des Kaufpreises bis mindestens 1943 nicht bezahlt. Immer wieder findet er mithilfe seines Rechtsanwaltes neue Ausflüchte gegenüber seinen Gläubigern und bittet mehrmals um Stundung, u.a.: „wegen Außenaufnahmen für seinen Hitlerjugendfilm 1940, Dreharbeiten in Holland 1942, Verpflichtung als Leutnant der Reserve ab März 1942, 1943 erneute Zahlungsmahnung an Dr. Buch ohne Stundungsgewährung… .“

Zurück zu Lilli Buch, geb. Jablonsky:
1941 wurde Thomas Buch als Halbjude der weitere Schulbesuch am Französischen Gymnasium verboten; erst da erfuhr der 12/13-jährige, dass seine Mutter Jüdin war. Kurze Zeit konnte noch ein Privatunterricht für ihn und andere jüdische Kinder organisiert werden. Aber kurze Zeit später setzte sich Lilli Buch mit Thomas in ein der Familie gehörendes Haus nach Thumsee /b. Bad Reichenhall,Österreich ab, in der Hoffnung, dort außerhalb des Blickfeldes der NS-Behörden zu sein. Dies war leider nicht der Fall: Im Sommer 1943 wurde Lilli Buch verhaftet und von dort in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie 1944 ermordet wurde.

1944 konnte der 16-jährige Thomas mit Hilfe seines Vaters Fritz Peter Buch als Auszubildender in einer Tischlerei in Salzburg unterkommen und erlebte dort das Kriegsende. 1947 legte Thomas Buch in Bad Reichenhall sein Abitur ab und begann danach seine Karriere bei der LZB in München und der Bundesbankzentrale in Frankfurt/Main.
Thomas Buch war verheiratet und hatte 2 Töchter. Gestorben ist er 2006 in München.

Recherche und Text: Bettina v. Moers, 4. April 2025

Quellen:
„Schüler erinnern sich an das Französische Gymnasium 1940 – 19S0, Hrsg. Anneliese Bödecker, Thomas Dunskus Hrsg)“,
Yad Vashem,
Manuela Goos, Brigitte Heyda:Eichkamp Eine Siedlung mitten in Berlin
hrg. v. Siedlerverein Eichkamp e.V. Berlin 1999
BLHA: Oberfinanzpräsident Berlin, Akte der Oberfinanzdirektion betr. Roeder, Richard (1940 – 1974)
Landesarchiv Berlin Rep. Acc. Nr. 685-40)
Wikipedia

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