Stolpersteine Sigmaringerstr. 26

Diese Stolpersteine wurden am 3. April 2025 verlegt.

Sigmaringer Str. 26 Josef Ball

Stolperstein Josef Ball

HIER WOHNTE
JOSEF BALL
JG. 1878
DEPORTIERT 29.10.1941
ŁÓDŹ / LITZMANNSTADT
1942 CHEŁMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942

Diese Stolpersteine wurden am 3. April 2025 verlegt und von Familie Norman gespendet.Deren Sohn Jakow teilte im Rahmen des „Twinning-Programm” der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem seine Bar Mitzwa mit Max Ball, der seine Bar Mitzwa nicht mehr erlebte. Der Sohn Platon teilte seine Bar Mitzwa mit Hanni Vortrefflich, die ihre Bat Mitzwa ebenfalls nicht mehr feiern konnte.

Josef Ball wurde am 12. Dezember 1878 in Samter, in der damaligen preußischen Provinz Posen (heute Szamotuly, polnische Woiwodschaft Großpolen) geboren. Seine Frau Hedwig, geb. Hauben kam am 16. Januar 1896 in Przemisl zur Welt, einer Stadt im Südosten Polens an der Grenze zur Ukraine. Über ihren Lebensweg, wann und wo sie heirateten und wann sie nach Berlin kamen, ist nichts bekannt. Ihr Sohn Max wurde am 15 Juli 1935 in Berlin geboren, und mindestens ab 1937 wohnte die Familie im Haus Sigmaringer Straße 26. Josef war Fleischer.

Unmittelbar nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden Bürger jüdischen Glaubens zunehmend gedemütigt, entrechtet und verfolgt. In Berlin begann Mitte Oktober 1941 deren systematische Deportation „in den Osten”. Die Familie Ball gehörte mit zu den ersten Deportierten.

Josef, Hedwig und Max Ball mussten sich in der von den Nationalsozialisten als „Sammellager” missbrauchten Synagoge an der Levetzowstraße 7-8 in Moabit einfinden. Von dort mussten sie mit vielen Leidensgenossen ca. 8 km durch die Stadt zum Güterbahnhof Grunewald marschieren. Fast niemand will damals diese Menschenmenge, die unter Bewachung durch die Polizei und Gestapo am helllichten Tag durch die Stadt getrieben wurde, gesehen haben. Nur Kranke und stark Gehbehinderte wurden auf Lastwagen transportiert. Vom Gleis 17 des Güterbahnhofs, das heute eine Gedenkstätte ist, wurde die Familie Ball mit dem sogenannten „3. Osttransport” am 29. Oktober 1941 mit ungefähr 1000 weiteren jüdischen Berlinerinnen und Berlinern in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Am 4. Mai 1942 wurden sie in das nahegelegene Kulmhof/Chelmno verschleppt.

Die Nationalsozialisten hatten die ehemalige polnische Staatsdomäne Chelmno zu dem Vernichtungslager Kulmhof umgewandelt. Sofort nach der Ankunft mussten die schon so lange gedemütigten und entwürdigten Menschen sich im „Schloss” entkleiden. Man gaukelte ihnen vor, dass sie entlaust und gebadet würden, um zum Arbeitsdienst nach Deutschland zurückgeschickt zu werden. Tatsächlich aber wurden sie über eine Rampe in verschlossene Lastwagen getrieben und auf einer kurzen Fahrt in die umliegenden Wälder durch die in die Wagen geleiteten Abgase ermordet und in Massengräbern verscharrt.

Josef und Hedwig Ball erlitten mit ihrem Sohn dieses grauenhafte Schicksal. Der kleine Max war erst knapp 7 Jahre alt und hatte seine Bar Mitzwa zur offiziellen Aufnahme in die jüdische Gemeinde noch nicht feiern können.

Recherche und Text: Gisela Morel-Tiemann
Quellen:
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Adressbücher
Vernichtungslager Kulmhof – Wikipedia-
36A (II) 38669

Sigmaringer Str. 26 Hedwig Ball

Stolperstein Hedwig Ball

HIER WOHNTE
HEDWIG BALL
GEB. HAUBEN
JG. 1896
DEPORTIERT 29.10.1941
ŁÓDŹ / LITZMANNSTADT
1942 CHEŁMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942

Sigmaringer Str. 26 Max Ball

Stolperstein Max Ball

HIER WOHNTE
MAX BALL
JG. 1935
DEPORTIERT 29.10.1941
ŁÓDŹ / LITZMANNSTADT
1942 CHEŁMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942

Sigmaringer Str. 26 Hermine Vortrefflich

Stolperstein Hermine Vortrefflich

HIER WOHNTE
HERMINE
VORTREFFLICH
GEB. RING
JG. 1904
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Hermine Vortrefflich war am 13. Oktober 1904 als Tochter von Sara und Josef Ring in Teschen, einer zwischen Polen und der Tschechoslowakei geteilten Stadt, geboren worden. Sie war polnische Staatsbürgerin und mit Eduard Vortrefflich (geb.1897) verheiratet. Das Ehepaar wohnte seit 1926 in der Sigmaringer Straße 26 im Vorderhaus in der 4. Etage. Tochter Hanni kam am 3. März 1931 zur Welt. Eduard emigrierte oder floh zu einem unbekannten Zeitpunkt nach London, sodass die Familie getrennt war. Dies geht aus einem Gedenkblatt hervor, dass Eduard Vortrefflich 1968 unter seinem geänderten Namen Edward Fort bei der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hinterlegt hat.

Über das Leben von Hermine Vortrefflich und ihrer Tochter Hanni ist wenig bekannt. Es muss aber, nachdem der Ehemann und Vater die beiden verlassen hatte, sehr ärmlich und schwierig gewesen sein. Der „Vermögenserklärung” vom 16. Januar 1943, die sie – wie alle jüdischen Menschen – vor der Deportation abzugeben hatten, ist zu entnehmen, dass sie in der Wohnung – obwohl Hauptmieter – nur noch ein Zimmer mit Küchenbenutzung bewohnten, für das sie monatlich 28 RM Miete zu zahlen hatten. Hermine war als Arbeiterin bei einem Otto Preter für 22 RM wöchentlich beschäftigt und vollkommen mittellos. Die wenigen Möbel waren z.T. von der Jüdischen Reichsvereinigung geliehen. Die Wohnung wurde am 20. März 1943 „geräumt” und es gab nichts, was zu Geld zu machen oder als „Vermögen” zugunsten der Staatskasse hätte „eingezogen” werden können.

Hermine und Hanni Vortrefflich mussten sich im von den Nationalsozialisten als „Sammellager” missbrauchten Altenheim der jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburger Straße einfinden. Von dort wurden sie am 29. Januar 1943 vom Güterbahnhof Moabit mit dem sogenannten „27. Osttransport” mit über 900 Leidensgenossen aus Berlin und weiteren aus Köln und München nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Hermine Vortrefflich war 39 Jahre alt, die kleine Hanni erst 12. Sie hatte ihre Bat Mitzwa, d.h. die Religionsmündigkeit, nicht mehr erleben können.

Recherche und Text: Gisela Morel-Tiemann
Quellen:
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- BLHA Akte Nr. 36 A(II)38669
- Deportationsliste: OT27-16.jpg (1197×849) Nr. 302 und 303
- Gedenkblatt bei Yad Vashem

Sigmaringer Str. 26 Hanni Vortrefflich

Stolperstein Hanni Vortrefflich

HIER WOHNTE
HANNI
VORTREFFLICH
JG. 1931
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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