HIER WOHNTE
JOSEF BALL
JG. 1878
DEPORTIERT 29.10.1941
ŁÓDŹ / LITZMANNSTADT
1942 CHEŁMNO / KULMHOF
ERMORDET 4.5.1942
Diese Stolpersteine wurden am 3. April 2025 verlegt und von Familie Norman gespendet.Deren Sohn Jakow teilte im Rahmen des „Twinning-Programm” der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem seine Bar Mitzwa mit Max Ball, der seine Bar Mitzwa nicht mehr erlebte. Der Sohn Platon teilte seine Bar Mitzwa mit Hanni Vortrefflich, die ihre Bat Mitzwa ebenfalls nicht mehr feiern konnte.
Josef Ball wurde am 12. Dezember 1878 in Samter, in der damaligen preußischen Provinz Posen (heute Szamotuly, polnische Woiwodschaft Großpolen) geboren. Seine Frau Hedwig, geb. Hauben kam am 16. Januar 1896 in Przemisl zur Welt, einer Stadt im Südosten Polens an der Grenze zur Ukraine. Über ihren Lebensweg, wann und wo sie heirateten und wann sie nach Berlin kamen, ist nichts bekannt. Ihr Sohn Max wurde am 15 Juli 1935 in Berlin geboren, und mindestens ab 1937 wohnte die Familie im Haus Sigmaringer Straße 26. Josef war Fleischer.
Unmittelbar nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden Bürger jüdischen Glaubens zunehmend gedemütigt, entrechtet und verfolgt. In Berlin begann Mitte Oktober 1941 deren systematische Deportation „in den Osten”. Die Familie Ball gehörte mit zu den ersten Deportierten.
Josef, Hedwig und Max Ball mussten sich in der von den Nationalsozialisten als „Sammellager” missbrauchten Synagoge an der Levetzowstraße 7-8 in Moabit einfinden. Von dort mussten sie mit vielen Leidensgenossen ca. 8 km durch die Stadt zum Güterbahnhof Grunewald marschieren. Fast niemand will damals diese Menschenmenge, die unter Bewachung durch die Polizei und Gestapo am helllichten Tag durch die Stadt getrieben wurde, gesehen haben. Nur Kranke und stark Gehbehinderte wurden auf Lastwagen transportiert. Vom Gleis 17 des Güterbahnhofs, das heute eine Gedenkstätte ist, wurde die Familie Ball mit dem sogenannten „3. Osttransport” am 29. Oktober 1941 mit ungefähr 1000 weiteren jüdischen Berlinerinnen und Berlinern in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Am 4. Mai 1942 wurden sie in das nahegelegene Kulmhof/Chelmno verschleppt.
Die Nationalsozialisten hatten die ehemalige polnische Staatsdomäne Chelmno zu dem Vernichtungslager Kulmhof umgewandelt. Sofort nach der Ankunft mussten die schon so lange gedemütigten und entwürdigten Menschen sich im „Schloss” entkleiden. Man gaukelte ihnen vor, dass sie entlaust und gebadet würden, um zum Arbeitsdienst nach Deutschland zurückgeschickt zu werden. Tatsächlich aber wurden sie über eine Rampe in verschlossene Lastwagen getrieben und auf einer kurzen Fahrt in die umliegenden Wälder durch die in die Wagen geleiteten Abgase ermordet und in Massengräbern verscharrt.
Josef und Hedwig Ball erlitten mit ihrem Sohn dieses grauenhafte Schicksal. Der kleine Max war erst knapp 7 Jahre alt und hatte seine Bar Mitzwa zur offiziellen Aufnahme in die jüdische Gemeinde noch nicht feiern können.
Recherche und Text: Gisela Morel-Tiemann
Quellen:
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Adressbücher
Vernichtungslager Kulmhof – Wikipedia-
36A (II) 38669