Stolpersteine Prinzregentenstr. 92

diese Stolpersteine wurden am 3. April 2025 verlegt.

Prinzregentenstr. 92 Eugenie Frischmann

HIER WOHNTE
EUGENIE
FRISCHMANN
GEB. SCHWARZ
JG. 1880
DEPORTIERT 9.3.1944
AUSCHWITZ
ERMORDET

Eugenie Schwarz wurde am 26. Juli 1880 im polnischen Częstochowa (Czenstochau) geboren. Die einzigen Hinweise zu den Eltern von Eugenie Schwarz finden sich in ihrer Entschädigungsakte und auf einer Einwanderungskarte für Brasilien, die ihre Schwester Stephanie Rupp geb. Schwarz betreffen. Demnach hieß der Vater Josef Schwarz und die Mutter Rosalie Moszkowski.

Ihre Schwester, die Opernsängerin Stephanie Rupp geb. Schwarz wurde am 26. Juli 1884 in Warschau, Polen, geboren. Am 15. Januar 1930 heiratete sie in Berlin den 17 Jahre jüngeren Pianisten Franz Rupp (1901–1992). 1930 wohnten Stephanie und Franz Rupp in der Prinzregentenstraße 77. Beider letzter Wohnsitz war New York, USA, wo Stephanie Rupp geb. Schwarz im April 1975 verstarb.

Am 6. Januar 1899 heiratete Eugenie Schwarz den in Łódź (Polen) geborenen Kaufmann Adolf Frischmann (ca. 1869–4. Dezember 1932 in Berlin, Deutschland). In Łódź wurde am 4. August 1900 ihr Sohn, der spätere Zeichner, Karikaturist und Grafiker Marcel Bolesław Frischmann (auch bekannt als Marcel Frishman), geboren. Er floh 1933 zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin und Grafikerin Margret (Grete) Kroch (1896 in Leipzig, Deutschland–1972 in London, England) aus Deutschland. Marcel Frishman verstarb 1952 in London, England. Seine jüngere Schwester Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann wurde am 5. Februar 1902 ebenfalls in Łódź, Polen, geboren.

Um 1906 kam die Familie nach Berlin und wohnte u. a. in der Ringbahnstraße 6 (Berlin-Charlottenburg), in der Landhausstraße 52 (Berlin-Wilmersdorf), in der Berliner Straße 31 (Berlin-Wilmersdorf) und zuletzt in der Kufsteiner Straße 57 (Berlin-Schöneberg). Ab 1934 war Eugenie Frischmann als Witwe unter der Adresse Bamberger Straße 30 in Schöneberg im Berliner Adressbuch aufgeführt. Ab einem nicht näher bekannten Zeitpunkt lebte sie im Haushalt ihrer Tochter Ernestine Hammerschmidt, deren Ehemann Fritz Hammerschmidt und ihres Enkels Anselm in der Prinzregentenstraße 92.

Eugenie Frischmann war Mitglied in der Jüdischen Gemeinde Berlin. „Ab 19. September 1941 war sie gezwungen, den Judenstern zu tragen und musste trotz ihres Alters entehrende Beschimpfungen und Bedrohungen über sich ergehen lassen, sodass sie sich nicht mehr auf die Straße hinauswagte“, gab ihre Tochter Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann im Jahr 1957 in den Entschädigungsakten zu Protokoll.

Den Entschädigungsakten ist auch zu entnehmen, dass am 1. März 1944 Eugenie Frischmann „von der Gestapo verhaftet und in das Sammellager Berlin Schulstrasse eingeliefert und im Alter von 63 ½ mit dem 50. Osttransport deportiert wurde“, und zwar am 9. März 1944 zusammen mit ihrem neunjährigen Enkel Anselm Hammerschmidt und ihrem Schwiegersohn Fritz Hammerschmidt. Ebenfalls am 9. März 1944 wurden die Bezirke Lichtenberg, Zehlendorf und Lichterfelde bombardiert.
Am 19. Juli 1947 wurde durch eine Entscheidung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg Eugenie Frischmann geb. Schwarz für tot erklärt. Als Todesdatum wird der 23. März 1944 festgestellt, der Sterbeort ist Auschwitz.

Recherche und Biografie: Elke Beibler

Quellen:
Ancestry,
BLHA (Brandenburgisches Landeshauptarchiv), Arolsen Archives,
LaBo (Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten)
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Rupp_(Pianist), https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_der_Alliierten_auf_Berlin
Fotos: Federica Frishman

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Prinzregentenstr. 92 Fritz Paul Hammmerschmidt

HIER WOHNTE
FRITZ PAUL
HAMMERSCHMIDT
JG. 1894
DEPORTIERT 9.3.1944
AUSCHWITZ
ERMORDET

Fritz Paul Hammerschmidt wurde am 21. November 1894 in Cottbus, Brandenburg, Deutschland, geboren. Seine Mutter war die 1859 in Berlin geborene und 1916 in Cottbus verstorbene Bertha Hirschberg. Sein Vater war der Rechtsanwalt Abraham Leib Louis Hammerschmidt, auch bekannt als Abraham Ludwig Hammerschmidt (1858 in Jastrow/Jastrowie, Polen–1934 in Cottbus, Deutschland).

Hermann Siegfried Franz Hammerschmidt (1887–1944), Hans Hammerschmidt (1895–unbekannt) und Walter Otto Hammerschmidt (1900–1939) waren Brüder von Fritz Hammerschmidt, und alle waren wie er Rechtsanwälte. Seine Schwestern waren die 1892 in Cottbus geborene Frieda Berliner geb. Hammerschmidt, die 1937 in Berlin verstarb, sowie die 1893 ebenfalls in Cottbus geborene Hertha Goertel geb. Hammerschmidt.
Ende Mai 1918 wurde Fritz Hammerschmidt zum Kriegsdienst einberufen, den er bis zum 20. August 1918 ableistete. „Fritz, der zweitälteste, ein schmächtiger zierlicher Jurastudent, wurde aus dem Heer entlassen, weil er schon bei der Ausbildung am Gewehr versagte. Beim Exerzieren, dem ,Griffe kloppen‘, konnte er mit seinen kleinen Händen den Schaft nicht umfassen. So tat er das Ungeheuerliche: er ließ wiederholt das Gewehr fallen. Als auch der stets folgende Arrest diesem Mangel nicht abhelfen konnte, schickte man Fritz nach Hause“, so nachzulesen im Buch seines Neffen Wolfgang Hammerschmidt.

Im Mai 1919 wurde Fritz Hammerschmidt in Cottbus vereidigt, nachdem er in Berlin seine 1. Prüfung zum Rechtsanwalt abgelegt hatte. Im Oktober 1922 bestand er sein Staatsexamen und war anschließend mehrere Jahre kommissarisch als Richter beschäftigt. Anfang 1925 erhielt Fritz Hammerschmidt seine Zulassung als Rechtsanwalt beim Kammergericht in Berlin und unterhielt gemeinsam mit seinem Bruder, dem Rechtsanwalt Walter Hammerschmidt, eine eigene Kanzlei, in der „teilweise vier und mehr Schreibkräfte“ beschäftigt waren. Zur Mandantschaft zählte auch „die Chinesische Gesandtschaft und deren Staatsangehörige“.
Vielleicht lernten sich Fritz Hammerschmidt und seine zukünftige Frau Ernestine Frischmann in diesem Umfeld kennen, denn Ernestine Frischmann (1902–1984) arbeitete als Sekretärin in der Gesandtschaft der Republik China.

Am 28. November 1931 heirateten Fritz Hammerschmidt und Ernestine Frischmann in Berlin-Charlottenburg. Die Trauung bezeugten der „Rechtsanwalt Walter Hammerschmidt“ und „der Zeichner Marcel Frischmann“. Am 6. September 1934 wurde der Sohn Anselm in Berlin-Wilmersdorf geboren.

Mit dem Inkrafttreten des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ verlor Fritz Hammerschmidt seine berufliche Existenz. In einem Einschreiben an den „Herrn Preussischen Justizminister“ und den Kammergerichtspräsidenten vom 8. April 1933 bat Fritz Hammerschmidt „ergebenst um meine Weiterzulassung bzw. Wiederzulassung zur Rechtsanwaltschaft beim Kammergericht“ und fügte diesem Schreiben „in der Anlage eine Bescheinigung der Chinesischen Gesandtschaft“ bei. Die Gesandtschaft legte großen Wert darauf, „auch weiterhin die Herrn Rechtsanwälte Hammerschmidt mit der Vertretung ihrer Staatsangehörigen zu beauftragen“, und würde „es sehr begrüssen, wenn die Wünsche der Gesandtschaft berücksichtigt würden“. Im Mai 1933 wiederholte Fritz Hammerschmidt seine Bitte, „das gegen uns ausgesprochene Vertretungsverbot wieder zurückzunehmen“.

Mit Ablauf des 30. November 1938 verlor Fritz Hammerschmidt seine Zulassung und wurde mit Datum 1. Dezember 1938 aus der Liste der beim Kammergericht zugelassenen Rechtsanwälte gelöscht.

Fritz Hammerschmidt musste schwere Zwangsarbeit leisten, zuletzt als Arbeiter bei der Firma Gelling & Co., Kurfürstendamm 35 (Gelling, P. & Co. Holz-Leder- u. Werkstoff-Spezialität). „Vom 19. September 1941 ab war er gezwungen, den Judenstern zu tragen. Grundbesitz musste zwangsverkauft werden, das Bankkonto wurde beschlagnahmt. Starke Aufregungen durch häufige Haussuchungen und Bedrohungen sowie Sorge um die Familie, verbunden mit gänzlich unzureichender Ernährung und schwerer ungewohnter Arbeit, bewirkten ein Abnehmen der Kräfte.“ (Brüssel im September 1956, Ernestine Frischmann-Godefroid verw. Hammerschmidt)
Der Bruder Hans Hammerschmidt erinnerte sich, dass Fritz Hammerschmidt ein „leidenschaftlicher Kunstsammler“ war. Im Zusammenhang mit den Entschädigungsanträgen gab Hans Hammerschmidt in einer eidesstattlichen Erklärung in Bezug auf die letzte frei gewählte Wohnadresse der Hammerschmidts in der Prinzregentenstraße 92 zu Protokoll: „Über die Einrichtung der Wohnung meines Bruders und meiner Schwägerin kann ich nur sagen, dass beide ausser sehr schönen und z. T. sehr wertvollen Stilmöbeln, sehr wertvolle Kunstgegenstände besessen haben. Ich erinnere mich noch ganz genau einer Bronzefigur aus China, die einen sitzenden Buddha darstellte und etwa aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. stammen sollte. Diese Figur war einzigartig in ihrer Schönheit und so wertvoll, dass ein Museum – nach meiner Erinnerung das Kaiser Friedrich Museum [Anm. der Verf.: heutiges Bode Museum] sie erwerben sollte. Weiter besass mein Bruder eine ganze Reihe sehr wertvoller Gemälde. Ich erinnere mich noch deutlich an ein riesiges Bild von dem Impressionisten Heckendorf, ein Gemälde des Expressionisten Nolde und unzählige Zeichnungen und Radierungen, vor allem prachtvolle Zeichnungen des Malers Liebermann.“ In der Vermögenserklärung vom 29. Februar 1944 finden sich keine Stilmöbel, keine Gemälde oder Zeichnungen mehr, sondern lediglich ein paar Damen- und Herrenkleidungsstücke.

Geschwächt und gedemütigt, wurde Fritz Hammerschmidt am 1. März 1944 von der Gestapo verhaftet und in das Sammellager Berlin Schulstraße eingeliefert. Mit dem 50. Osttransport wurde er gemeinsam mit seinem Sohn Anselm Hammerschmidt und seiner Schwiegermutter Eugenie Frischmann geb. Schwarz nach Auschwitz deportiert. Mit einer gerichtlichen Entscheidung aus dem Jahre 1947 wurde als Todesdatum der 23. März 1944 festgehalten.

Am 24. März 1944 verlor der Kanzler des Spanischen Konsulats in Berlin, Herr J. Salcher, durch einen „Bombenvolltreffer“ sein „gesamtes Hab und Gut“. Mit dem Betreff „Verkauf der in der bisherigen Judenwohnung Hammerschmidt Berlin-Wilmersdorf, Babelsberger Str. 52, befindlichen Moebel“ wendet er sich Anfang September 1944 an den Herrn Oberfinanzpräsidenten in Berlin. Herr J. Salcher würde die Möbel gegen Bezahlung übernehmen, hauptsächlich aber möchte er „die Wohnung zugeteilt bekommen“, damit er baldmöglichst die Gelegenheit erhält, seine Tätigkeit „als Kanzler des Spanischen Konsulats (Vertreter des Spanischen Konsuls), als Gerichtsdolmetscher (tätig in der deutschen Rechtspflege), als Hausverwalter und als Zellenleiter der NSDAP“, also die „dienstlichen und beruflichen Arbeiten zu Hause“, erledigen zu können. Zudem beging er seine silberne Hochzeit, und er würde sich „sehr freuen“, wenn er nach dem „Totalverlust seiner Fuenfzimmereinrichtung“ jetzt die Gelegenheit hätte, durch Erwerb von Möbeln sich „wieder ein eigenes Heim aufzubauen“.
Fritz Hammerschmidt und Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann wurde die Möglichkeit genommen, ihre silberne Hochzeit in einem eigenen Heim begehen zu können.

Recherche und Biografie: Elke Beibler

Quellen:
Adressbücher Berlin,
Ancestry,
Bundesarchiv, BLHA (Brandenburgisches Landeshauptarchiv),
Arolsen Archives,
LaBo (Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten)
sowie: „Spurensuche – Zur Geschichte der jüdischen Familie Hammerschmidt in Cottbus“ von Wolfgang Hammerschmidt, erschienen im Psychosozial-Verlag, Gießen, 1996 (ISBN: 978-3-932133-28-2)
Fotos: Federica Frishman

  • Fritz Hammerschmidt english version

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Prinzregentenstr. 92 Ernestine Hammerschmidt

HIER WOHNTE
ERNESTINE
HAMMERSCHMIDT
GEB. FRISCHMANN
JG. 1902
DEPORTIERT 3.5.1944
AUSCHWITZ
TODESMARSCH
KZ RAVENSBRÜCK
BEFREIT

Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann wurde am 5. Februar 1902 in Łódź, Polen, geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Adolf Frischmann (ca. 1869 in Łódź, Polen–4. Dezember 1932 in Berlin, Deutschland) und Eugenie Frischmann geb. Schwarz (26. Juli 1880 in Częstochowa/Czenstochau, Polen–23. März 1944 in Auschwitz/Oświęcim, Polen).

Ab ca. 1906 lebte die Familie Frischmann in Berlin. Ernestine Frischmann besuchte in Berlin-Wilmersdorf das Lyceum, die höhere Handels- und Sprachschule und andere Ausbildungsinstitute wie das Konservatorium der Musik, und sie besuchte Vorlesungen an der Humboldt-Hochschule und der Universität Berlin. Im Anschluss an ihre Ausbildung arbeitete Ernestine Frischmann als Sekretärin und Übersetzerin. So war sie z. B. bei der Olex-Petroleum-Gesellschaft in Berlin-Schöneberg und der Shell-Gesellschaft tätig und auch bei der Konzert-Direktion Borkon in der Rankestraße.
Von 1929 bis 1941 war Ernestine Frischmann in der Chinesischen Botschaft in Berlin als Sekretärin für Deutsch und Fremdsprachen angestellt. „Ihr oblag die Korrespondenz in deutscher und auch in englischer und französischer Sprache. Sie beherrschte perfekt das Maschinenschreiben und Stenographie. Sie war stets gewissenhaft und pflichtgetreu und hat ihre Dienste zur völligsten Zufriedenheit versehen“, erinnerte sich im August 1945 der Botschaftsrat der Chinesischen Botschaft in Rio des Janeiro, Brasilien, Herr Tan Pau Tuan. Ab 1. August 1941 bis 28. Februar 1944 war Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann als Sekretärin an der Botschaft der Türkischen Republik in Berlin angestellt.

Am 28. November 1931 heiratete sie den Rechtsanwalt Fritz Hammerschmidt in Berlin-Charlottenburg. Zeugen der Vermählung waren der Rechtsanwalt Walter Hammerschmidt (1900 in Cottbus, Deutschland–1939 in Berlin, Deutschland) und der am 4. August 1900 in Łódź, Polen geborene Bruder von Ernestine, der Fotograf, Zeichner und Karikaturist Marcel Frischmann. Am 6. September 1934 wurde Anselm Hammerschmidt in Berlin-Wilmersdorf geboren. Er war das einzige Kind von Ernestine und Fritz Hammerschmidt.

Ernestine Hammerschmidt hatte berufliche Pläne, aber „ein Aufstieg in der begonnenen Laufbahn als Botschaftssekretärin war mir versagt, da der notwendige Besuch eines Fachinstitutes aus rassischen Gründen versagt war und außerdem die Laufbahn durch die Deportation unterbrochen wurde“.

Ursprünglich sollte Ernestine Hammerschmidt mit ihrem Ehemann Fritz Hammerschmidt, ihrem Sohn Anselm und ihrer Mutter Eugenie Frischmann am 9. März 1944 von Berlin nach Auschwitz deportiert werden. Doch während ihres Aufenthaltes im Sammellager erkrankte sie an Diphtherie und wurde deshalb im Jüdischen Krankenhaus stationär behandelt. Mit der Entlassung nach abgeschlossener Behandlung kam sie am 2. Mai 1944 zurück ins Sammellager Schulstraße. Ihre Familie lebte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Am 3. Mai 1944 wurde sie mit dem 52. Osttransport ins Konzentrationslager Birkenau deportiert und sollte im Januar 1945 nur eine von vielen Häftlingen sein, die auf die sogenannten Todesmärsche geschickt wurden. Sie kam nach Ravensbrück und wurde im Mai 1945 von den alliierten Truppen aus dem Konzentrationslager Neustadt-Gleve (Außenlager von Ravensbrück) befreit. Mit einem Krankentransport des belgischen Roten Kreuzes wurde Ernestine Hammerschmidt nach Belgien gebracht, wo sie am 20. August 1945 eintraf. Zunächst lebte sie in Brüssel-Forest, ab 1947 in Ixelles (beides Gemeinden der Region Brüssel in Belgien), später dann in Brüssel.

Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann hat überlebt, war aber von ihrem Martyrium gezeichnet. Im Laufe der vor ihr liegenden Jahre füllte sie viele Formulare aus, musste Urkunden und eidesstattliche Versicherungen beibringen, nachweisen, dass sie und ihre Familie u. a. am beruflichen Fortkommen gehindert wurden, dass man ihr alles genommen hatte, was sie besaß. Und sie musste ärztliche Atteste beibringen, die bewiesen, dass ihre Gesundheit gelitten hatte.

Nach Kriegsende hat neben ihrem Bruder Marcel Frischmann eine sehr gute Freundin mit Namen Kate Chao nach Ernestine Hammerschmidt und ihrer Familie gesucht. Kate Chao wohnte ca. 1946 in Clausthal – Zellerfeld, einer kleinen Stadt in Niedersachsen, mehr ist über sie nicht bekannt.
Ernestine Hammerschmidt nahm 1947 eine stundenweise Tätigkeit als Hilfskraft bei der Chinesischen Botschaft in Brüssel an. Im August 1955 wurde sie entlassen, da sie „infolge des Gesundheitszustandes die übertragenden Arbeiten nicht mehr zufriedenstellend ausführen kann“, wie sie sich selbst erinnerte.

1952 heiratete Ernestine Hammerschmidt den am 29. Oktober 1905 in Ressaix, Belgien, geborenen Musiker und Künstler Arthur Georges Leon Godefroid. Bereits am 21. September 1963 verstarb Arthur Godefroid in Ixelles, Belgien, und Ernestine Godefroid-Frischmann wurde zum zweiten Mal Witwe.

Ernestine Godefroid-Frischmann starb am 19. November 1984 in Saint-Gilles-lez-Bruxelles, Belgien.

Recherche und Biografie: Elke Beibler
Quellen: Ancestry,
Archives générales du Royaume,
Bundesarchiv, BLHA (Brandenburgisches Landeshauptarchiv),
LaBo (Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten),
Commune dʼIxelles – Département Citoyenneté,
Arolsen Archives,
Jewish Museum of Belgium
Fotos: Federica Frishman

  • Ernestine Hammerschmidt english version

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Prinzregentenstr. 92 Anselm Hammmerschmidt

HIER WOHNTE
ANSELM
HAMMERSCHMIDT
JG. 1934
DEPORTIERT 9.3.1944
AUSCHWITZ
ERMORDET

Anselm Hammerschmidt wurde am 6. September 1934 in Berlin-Wilmersdorf geboren. Er war das einzige Kind des Rechtsanwalts Fritz Hammerschmidt und seiner Ehefrau Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann. In einigen Dokumenten, die die Familie von Anselm betreffend überliefert hat, wird als zweiter Vorname Ludwig angegeben.

Am 1. August 1940 oder am 1. Oktober 1940 wurde er als Anselm Israel Hammerschmidt eingeschult. In welche Schule Anselm ging, ist der Karteikarte der Reichsvereinigung der Juden nicht eindeutig zu entnehmen. Gewohnt hat die Familie Hammerschmidt zu jenem Zeitpunkt bereits in der Helmstedter Straße 24, wo von 1928 bis 1933 auch die Schriftstellerin Anna Seghers lebte.

Im Jahr 1936 besuchte Anselms Cousin Wolfgang Hammerschmidt seinen Onkel Fritz Hammerschmidt in Berlin: „Onkel Fritz nahm mich mit in seine schöne Wohnung in der Wilmersdorfer Prinzregentenstraße. Ich schlief im Wohnzimmer auf der Couch, die mir Tante Erna abends als Bett bereitete. Der kleine Anselm, mein jüngster Cousin, war erst drei Jahre alt und ein süßes, verwöhntes Einzelkind mit mädchenhaften langen schwarzen Wimpern.“

In Korrespondenzakten, die in den Arolsen Archives verwahrt werden, gibt es einen Vermerk aus dem Jahr 1946, wonach Anselm Hammerschmidt „nicht in den jüdischen Aufzeichnungen, nicht in den ,Hias‘-Aufzeichnungen [Anm. der Verf.: Hebrew Immigrant Aid Society] jüdischer Überlebender, nicht in den Aufzeichnungen der Finanzabteilung“ zu finden ist. „Vermutlich am selben Tag deportiert wie Fritz Hammerschmidt (Osttransport 9. März 1944), nach dem Datum der letzten Mitteilung zu urteilen.“

Anselm Hammerschmidt wurde zusammen mit seinem Vater Fritz Hammerschmidt und seiner Großmutter Eugenie Frischmann geb. Schwarz am 9. März 1944 mit dem 50. Osttransport von Berlin nach Auschwitz deportiert. Ursprünglich sollte auch seine Mutter Ernestine Hammerschmidt geb. Frischmann am 9. März 1944 deportiert werden, wurde aber auf der Transportliste gestrichen. Der neunjährige Anselm Hammerschmidt sollte seine Mutter nie wiedergesehen. „Durch Entscheidung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg vom 19. Juli 1947 wurde Anselm Hammerschmidt für tot erklärt. Als Zeitpunkt des Todes ist der 23. März 1944 festgestellt.“

Recherche und Biografie: Elke Beibler

Quellen: Ancestry, Bundesarchiv, Arolsen Archives sowie
„Spurensuche – Zur Geschichte der jüdischen Familie Hammerschmidt in Cottbus“ von Wolfgang Hammerschmidt, erschienen im Psychosozial-Verlag, Gießen, 1996 (ISBN: 978-3-932133-28-2)
Fotos: Federica Frishman

  • Anselm Hammerschmidt english version

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