Stolperstein Pfalzburger Str. 83

Pfalzburger Straße 83

Dieser Stolperstein wurde am 17. Juli 2025 verlegt.

Pfalzburger Straße 83 Charlotte Horwitz

HIER WOHNTE
CHARLOTTE
HORWITZ
JG. 1880
DEPORTIERT 17.7.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Heute vor 145 Jahren, am 17. Juli 1880, wurde Charlotte Horwitz, genannt „Lotte“, in Berlin-Mitte geboren. Ihr Vater Moritz Horwitz ist im Adressbuch ab 1879 als Mitinhaber der Firma Horwitz & Saalfeld verzeichnet, einer Fabrik für Metallwaren und insbesondere Gasbrenner. Sie befand sich unter wechselnden Adressen in Mitte und Kreuzberg. Von 1892 bis 1898 wird Moritz Horwitz als Alleininhaber genannt und produziert Gegenstände für die Gas- und elektrische Beleuchtung. Danach besteht die Firma nicht mehr, und er erscheint im Adressbuch für 1899 als „Vertreter auswärtiger Häuser“. Im Juli dieses Jahres, zwei Tage vor Charlottes 19. Geburtstag, stirbt er im Alter von 53 Jahren. Laut Todesanzeige „entschlief“ er „sanft“; eine Todesursache wird nicht genannt.

Charlottes Mutter Minna, geb. Hellinger stammte aus Ostrowo in der Provinz Posen, einem Ort, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts 30 % der Bevölkerung jüdisch waren. Sie wohnte nach dem Tod ihres Mannes zunächst in Kreuzberg und dann in Charlottenburg, bis sie im September 1911 in das Gartenhaus der Pfalzburger Straße 83 zog. Offenbar wohnten Lotte und ihr jüngerer Bruder, der Kaufmann Arnold Horwitz, bei ihr. Da er im Alter von 39 Jahren in einer Anstalt für Epileptiker starb, musste sich Lotte wohl nicht nur um ihre Mutter, sondern auch um ihn kümmern, und das mag der Grund sein, warum sie ledig blieb. In einer kurz vor Kriegsende gestellten Suchanfrage ihres Vetters Ernst Hellinger, eines bedeutenden Mathematikers, der in die USA emigrieren konnte, ist ihr Beruf als Sekretärin angegeben.

Im März 1939 starb Minna Horwitz, und im Herbst verließ Lotte die Pfalzburger Straße. Die drei Adressen im Umkreis, an denen sie zur Untermiete wohnte, haben wir als nicht frei gewählt eingestuft, während Lotte hier viele Jahre zu Hause war. An ihrem 62. Geburtstag, am 17. Juli 1942, wurde sie nach Theresienstadt deportiert und knapp zwei Jahre später von dort nach Auschwitz. In der Transportliste nach Theresienstadt wird sie als arbeitsfähig bezeichnet, aber es ist zu vermuten, dass sie schon kurz nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet wurde.

Tehí nafscháh zerurá bitzrór ha-chajím
Möge ihre Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens

Biografische Zusammenstellung: Joachim Mugdan, Basel, Juni 2025

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