Stolpersteine Bredtschneider Str. 10

Bredtschneiderstraße 10

Diese Stolpersteine wurden am 17. Juli 2025 verlegt.

Bredtschneiderstraße 10v Sigmund Cohn

Stolperstein Siegmund Cohn

HIER WOHNTE
SIEGMUND COHN
JG. 1886
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

Siegmund Cohn wurde am 11. November 1886 in Löcknitz/Pommern geboren. Wann er nach Berlin kam, ist nicht bekannt.

Von Beruf war Siegmund Bankbeamter und wohnte in der Sybelstraße 27. 1928 heiratete er, für damalige Verhältnisse erst spät, die 1891 geborene Auguste Gertrud Kuttner aus Graudenz. Kinder hatte das Paar keine. Das Ehepaar wohnte bis 1932 am Kaiserdamm 73, dann bis 1937 am Kaiserdamm 22 in einer großzügig und aufwändig ausgestatteten Wohnung, für die Auguste seit dem Beginn ihrer Berufstätigkeit die Anschaffungen gemacht hatte.

Auch während ihrer Ehe bliebt Auguste als Turn- und Tanzlehrerin berufstätig, sie war sehr erfolgreich, verdiente gut und war in der Lage, finanzielle Unterstützung nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für das Medizinstudium ihres Bruders Moritz zu leisten.
1937 und 1938 finden sich die beiden nicht mehr im Berliner Adressbuch, Siegmund hatte in diesen Jahren bereits seine Anstellung verloren. Auch Auguste konnte ihr Turn- und Tanzinstitut, das sie unter ihrem Geburtsnamen Auguste Kuttner führte, nicht mehr betreiben. Und nur bis zum 30. Juni 1939 durfte sie als Turnlehrerin an der Mittelschule der jüdischen Gemeinde arbeiten, die seit 1938 unter der Aufsicht der Reichsvereinigung der Juden stand, sie war dort angestellt gewesen seit den frühen 30er Jahren. Ab da galt §9 der 10. Verordnung des Reichsbürgergesetzes und sie wurde in den Ruhestand versetzt. Danach arbeitete sie als Betreuerin in der Jüdischen Kinderhilfe in der Auguststraße bzw. Blumenstraße.

Sie hatten jetzt beide ihre professionelle Arbeit verloren und kein wirkliches Einkommen mehr, Siegmund Cohn wurde zwangsverpflichtet zur Arbeit in den Chemischen Fabriken J.D. Riedel – E. de Haen AG in Berlin-Britz zu einem Stundenlohn von 71,5 Pfennig. Auch ihre Wohnung mussten sie aufgeben.

Womöglich konnten die beiden, so ganz ohne Einkommen, bei Familienmitgliedern von Siegmund Cohn in der Sybelstraße 27 unterkommen. Schließlich fanden sie wieder eine eigene Wohnung, ab 1939 ist Siegmund Cohn, als Haushaltsvorstand, im Berliner Adressbuch unter der neuen Anschrift Bredtschneiderstraße 10 in Charlottenburg verzeichnet.
1941 sind sie nicht mehr im Adressbuch aufgeführt, vermutlich fanden sie, sicher nicht ganz freiwillig, ab 1.Februar 1941 Unterschlupf in der Sybelstraße 27, in dem Haus, wo Siegmund vor seiner Ehe mit Auguste mit seiner Familie wohnte. Ihr Vermieter war Daniel Cohn. Von hier aus wurde das Ehepaar deportiert.

Nachdem die Gestapo im Auftrag des Oberfinanzpräsidenten ihre Konten gesperrt, ihre Wohnungseinrichtung mitsamt allen Wertsachen wie Porzellan, Bilder und Schmuck beschlagnahmt und Bankguthaben und Wertpapiere konfisziert hatte, musste sich Siegmund Cohn zusammen mit seiner Ehefrau Auguste Cohn Anfang September 1942 an der Sammelstelle Levetzowstraße einfinden.

Das Ehepaar wurde am 5. September mit dem Transport 19 von Berlin nach Riga deportiert, wo sie beide am 8. September ermordet wurden.
Augustes Geschwister haben überlebt. Ihrem Bruder Moritz Kuttner, von Beruf Arzt, gelang in den 30er Jahren die Flucht nach Bolivien, der Schwester Betty Fries, geb. Kuttner nach Argentinien. Frieda Cohn, geb. Kuttner wurde zusammen mit ihrem Mann Ernst Cohn nach Theresienstadt deportiert, wo er ums Leben kam. Frieda ging nach dem Krieg nach Palästina bzw. Israel (wir wissen nicht, in welchem Jahr sie Deutschland verließ).

Was mit Siegmund Cohns Verwandten passiert ist, ob Angehörige überlebt haben, ließ sich nicht in Erfahrung bringen.
Auch warum Auguste und Siegmund Cohn sich entschieden haben, in Berlin zu bleiben, oder es einfach nicht mehr geschafft haben, das Land zu verlassen, ist nicht klar.

Patin: Britta Kroschewski
Text: Gisela Just
Quellen:
Bundesarchiv/Gedenkbuch
Arolsen Archives
Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA)
Landesarchiv Berlin WGA-Akten
Entschädigungsamt Berlin
Yad Vashem/Transportliste

Bredtschneiderstraße 10_Auguste Cohn

Stolperstein Auguste Cohn

HIER WOHNTE
AUGUSTE COHN
GEB. KUTTNER
JG. 1891
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

Auguste Cohn wurde am 23. Januar 1891 in Graudenz/Westpreußen (heute poln. Grudziadz) als Auguste Gertrud Kuttner geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Georg Kuttner aus Glogau/Schlesien, und seine Ehefrau Klara geb. Rau aus Graudenz.

1899 zog die Familie mit den vier Kindern nach Berlin. Augustes Geschwister waren Moritz, der jüngste, geb.1892, und die älteren Schwestern Betty, geb. 1886, und Frieda, geb. 1889.

Auguste besuchte private Schulen, zunächst eine Höhere Töchterschule in Moabit, später in der Bülowstraße, die Familie wohnte damals in der Steinmetzstraße, die Schule beendete sie dann in der Oranienstraße.
Nach ihrer Schulzeit und gegen den Widerstand ihrer Eltern, für die wegen ihrer zarten Gesundheit eine Berufstätigkeit nicht in Frage kam, ließ sich Auguste als staatlich geprüfte Turnlehrerin ausbilden. Gleich danach absolvierte sie eine Ausbildung als Orthopädin bei Professor Joachimsthal in der Charité, wo sie auch mit einem Orthopäden zusammenarbeitete, der eine Praxis am Kaiserdamm unterhielt. Nach ihrer Ausbildung mietete sie am Kaiserdamm 6 (wo auch ihr Bruder Dr. Moritz Kuttner später seine Arztpraxis eröffnete) eine eigene Wohnung und nutzte den größten Raum als orthopädischen Turnsaal. Damit legte sie den Grundstein für ihr sehr professionell und modern ausgestattetes Institut für orthopädisches Turnen. Tanzunterricht bot sie bald darauf auch an. Wegen der wachsenden Zahl ihrer Schülerinnen und Schüler mietete sie weitere Räumlichkeiten am Lietzensee an, die sie bis zum Berufsverbot 1938 nutzte, als sie ihr Institut, das sie unter ihrem Geburtsnamen Auguste Kuttner führte, aufgeben musste. Seit den frühen 30er Jahren unterrichtete sie auch als Turnlehrerin an der Jüdischen Mittelschule in der Großen Hamburgerstraße.

Auch während ihrer Ehe blieb Auguste berufstätig, sie war sehr erfolgreich und verdiente gut, und war in der Lage, finanzielle Unterstützung nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für das Medizinstudium ihres Bruders Moritz zu leisten.

1928 heiratete sie, für damalige Verhältnisse erst spät, den 1886 geborenen Bankbeamten Siegmund Cohn aus Löcknitz. Kinder hatte das Paar keine. Mit ihrem Mann wohnte sie bis 1932 am Kaiserdamm 73, dann bis 1937 am Kaiserdamm 22. Das Ehepaar konnte sich eine großzügige und aufwändig ausgestattete Mietwohnung leisten, für die Auguste seit dem Beginn ihrer Berufstätigkeit die Anschaffungen gemacht hatte.

Als sie aufgrund des politischen Drucks ihr Institut aufgeben musste, arbeitete sie nur noch als Turnlehrerin an der Jüdischen Mittelschule in der Großen Hamburger Straße, dafür benötigte sie allerdings noch ein zweites Unterrichtsfach und so machte sie auch noch das Examen zur Handarbeitslehrerin.

1937 und 1938 findet sich das Ehepaar Cohn bzw. Siegmund Cohn als Haushaltsvorstand nicht mehr im Berliner Adressbuch, sehr vermutlich hatte Siegmund in diesen Jahren bereits seine Anstellung bei der Bank verloren. Auch Auguste Kuttners Turn- und Tanzinstitut am Kaiserdamm war ab 1937 nicht mehr im Telefonbuch verzeichnet. Und auch als Turn- und Handarbeitslehrerin an der Mittelschule der jüdischen Gemeinde durfte sie ab 30. Juni 1939 nicht mehr arbeiten, die Schule unterstand seit 1938 der Aufsicht der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland unter der Kontrolle des Reichssicherheitshauptamtes bzw. Gestapo. Ab da galt §9 der 10. Verordnung des Reichsbürgergesetzes und so wurde sie mit 48 Jahren in den Ruhestand versetzt. Eine Weile arbeitete sie dann noch als Betreuerin in der Jüdischen Kinderhilfe in der Auguststraße/Blumenstraße.
Womöglich wohnten die beiden, so ganz ohne Einkommen, bei Familienmitgliedern von Siegmund Cohn in der Sybelstraße 27. Schließlich fanden sie wieder eine eigene Wohnung, ab 1939 ist Siegmund Cohn im Berliner Adressbuch unter der neuen Anschrift Bredtschneiderstraße 10 in Charlottenburg aufgeführt.

1941 sind sie nicht mehr im Adressbuch zu finden, sie sind ab 1. Februar 1941 in der Sybelstraße 27, ganz sicher nicht freiwillig, untergekommen. Es ist das Haus, wo Siegmund vor seiner Ehe mit Auguste gemeinsam mit seiner Familie gewohnt hat, Vermieter ist Daniel Cohn. Von hier aus wurde das Ehepaar deportiert.

Nachdem die Gestapo im Auftrag des Oberfinanzpräsidenten ihre Konten gesperrt, ihre Wohnungseinrichtung mitsamt allen Wertsachen wie Porzellan, Bilder und Schmuck beschlagnahmt, Bankguthaben und Wertpapiere konfisziert hat, mussten sich Auguste Cohn und ihr Ehemann Siegmund Cohn Anfang September 1942 an der Sammelstelle Levetzowstraße einfinden und wurden am 5. September mit dem Transport 19 von Berlin nach Riga deportiert, wo sie am 8. September ermordet wurden.

Augustes Geschwister haben überlebt. Ihrem Bruder Moritz Kuttner, von Beruf Arzt, gelang in den 30er Jahren die Flucht nach Bolivien, der Schwester Betty Fries, geb. Kuttner nach Argentinien. Frieda Cohn, geb. Kuttner wurde zusammen mit ihrem Mann Ernst Cohn nach Theresienstadt deportiert, wo er ums Leben kam. Frieda ging nach dem Krieg nach Palästina bzw. Israel (wir wissen nicht, in welchem Jahr sie Deutschland verließ).

Warum Auguste und Siegmund Cohn sich entschieden haben, in Berlin zu bleiben, oder es einfach nicht mehr geschafft haben, das Land zu verlassen, wissen wir nicht.

Patin: Britta Kroschewski
Text: Gisela Just

Quellen:
Bundesarchiv/Gedenkbuch
Arolsen Archives
Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA)
Landesarchiv Berlin WGA-Akten
Entschädigungsamt Berlin
Yad Vashem/Transportliste

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