HIER WOHNTE
SALLY FRIEDRICH
LIPPMANN
JG. 1890
VERHAFTET 19.6.1933
KZ BÖRNICKE
ERMORDET 22.6.1933
Salli Friedrich Lippmann kam am 12. März 1890 in der Mulackstraße im sogenannten Scheunenviertel in Berlin als Sohn des jüdischen Kaufmanns Max Lippmann und dessen Ehefrau Tobine, geb. Josephsohn, zur Welt. Salli Friedrichs Geschwister Elli (*1891), Helene (*1895) und Emmi Ernestine (*1897) wurden ebenfalls in Berlin geboren.
Von seinen Geschwistern überlebten, außer Emmi, alle die Nazizeit, weil sie mit den nicht-jüdischen Männern Hermann Ziemens (*1870) bzw. Amandus Kobache (*1889) in einer sogenannten „Mischehe“ verheiratet waren. Emmi konnte 1939/1940 über Großbritannien in die USA fliehen, verstarb dort jedoch 1943 unerwartet an Herzversagen.
Über Friedrich ist bekannt, dass er im 1.Weltkrieg als Soldat diente und am 20. Juni 1918 in Berlin die Stenotypistin Margarete Melanie, geb. Victor, geb. am 17. Dezember 1885 in Güsten (Anhalt), heiratete. Das Ehepaar bekam die gemeinsame Tochter Toni Louise (*1919). Sowohl seine Ehefrau Margarete Melanie als auch seine Tochter Toni Louise wurden von den Nazis verschleppt und ermordet.
Von Beruf war Salli Friedrich Bankbeamter und hatte lange Jahre als Angestellter bei der Dresdner Bank in Berlin gearbeitet. Als Jude wurde er im Frühjahr 1933 auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07. April 1933 entlassen.Nach seiner Entlassung war Friedrich als Buchhalter in der Lungenheilanstalt Beetz-Sommerfeld tätig, wo er in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 1933 von der SA-Standarte 224 verhaftet wurde. Die SA-Standarte richtete sich gegen Mitglieder eines sozialdemokratischen Wahlvereins. Ob Salli Friedrich diesem Wahlverein angehörte oder nahestand, ist nicht bekannt. Jedoch bezeichnete ihn der gemeinsam mit ihm verhaftete Otto Schmidt als „Genosse Lippmann“.
Am 22. Juni 1933 wurde Salli Friedrich ins KZ Börnicke verschleppt und dort ermordet. Er verstarb dort noch am selben Tag seiner Einlieferung an den Folgen stundenlanger und schwerster Misshandlungen und Erniedrigungen durch die dort diensthabenden SA-Männer.