Stolpersteine Am Bahnhof Westend 2

Hauseingang Am Bahnhof Westend 2

Hauseingang Am Bahnhof Westend 2

Diese Stolpersteine wurden am 2. April 2025 verlegt.
Stolperstein für Sally Friedrich Lippmann

Stolperstein für Sally Friedrich Lippmann

HIER WOHNTE
SALLY FRIEDRICH
LIPPMANN
JG. 1890
VERHAFTET 19.6.1933
KZ BÖRNICKE
ERMORDET 22.6.1933

Salli Friedrich Lippmann kam am 12. März 1890 in der Mulackstraße im sogenannten Scheunenviertel in Berlin als Sohn des jüdischen Kaufmanns Max Lippmann und dessen Ehefrau Tobine, geb. Josephsohn, zur Welt. Salli Friedrichs Geschwister Elli (*1891), Helene (*1895) und Emmi Ernestine (*1897) wurden ebenfalls in Berlin geboren.

Von seinen Geschwistern überlebten, außer Emmi, alle die Nazizeit, weil sie mit den nicht-jüdischen Männern Hermann Ziemens (*1870) bzw. Amandus Kobache (*1889) in einer sogenannten „Mischehe“ verheiratet waren. Emmi konnte 1939/1940 über Großbritannien in die USA fliehen, verstarb dort jedoch 1943 unerwartet an Herzversagen.

Über Friedrich ist bekannt, dass er im 1.Weltkrieg als Soldat diente und am 20. Juni 1918 in Berlin die Stenotypistin Margarete Melanie, geb. Victor, geb. am 17. Dezember 1885 in Güsten (Anhalt), heiratete. Das Ehepaar bekam die gemeinsame Tochter Toni Louise (*1919). Sowohl seine Ehefrau Margarete Melanie als auch seine Tochter Toni Louise wurden von den Nazis verschleppt und ermordet.

Von Beruf war Salli Friedrich Bankbeamter und hatte lange Jahre als Angestellter bei der Dresdner Bank in Berlin gearbeitet. Als Jude wurde er im Frühjahr 1933 auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07. April 1933 entlassen.Nach seiner Entlassung war Friedrich als Buchhalter in der Lungenheilanstalt Beetz-Sommerfeld tätig, wo er in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 1933 von der SA-Standarte 224 verhaftet wurde. Die SA-Standarte richtete sich gegen Mitglieder eines sozialdemokratischen Wahlvereins. Ob Salli Friedrich diesem Wahlverein angehörte oder nahestand, ist nicht bekannt. Jedoch bezeichnete ihn der gemeinsam mit ihm verhaftete Otto Schmidt als „Genosse Lippmann“.

Am 22. Juni 1933 wurde Salli Friedrich ins KZ Börnicke verschleppt und dort ermordet. Er verstarb dort noch am selben Tag seiner Einlieferung an den Folgen stundenlanger und schwerster Misshandlungen und Erniedrigungen durch die dort diensthabenden SA-Männer.

Stolperstein für Melanie Lippmann

Stolperstein für Melanie Lippmann

HIER WOHNTE
MELANIE LIPPMANN
GEB. VICTOR
JG. 1885
DEPORTIERT 24.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
1942 CHELMNO / KULMHOF
ERMORDET 5.5.1942

Margarete Melanie Lippmann geb. Victor kam am 17. Dezember 1885 in Güsten/Anhalt als Tochter des jüdischen Pferdehändlers Louis Victor und dessen Ehefrau Henriette, geb. Pelz, zur Welt. Margarete Melanies Geschwister Carl (*1879) und Rebecca (*1881) wurden ebenfalls in Güsten/Anhalt geboren.

Von ihren Geschwistern überlebte Rebecca die Nazizeit, weil sie mit dem nicht jüdischen Mann Erich Adler (*1882) in einer sogenannten „Mischehe“ verheiratet war. Ihre beiden gemeinsamen Söhne Karl Werner Adler (*1907) und Kurt Heinz Adler (*1912) überlebten die Nazizeit vermutlich nicht. Ersterer wurde gemeinsam mit seiner Frau Margot Amalie Adelheid, geb. Friedländer (*1913) und der gemeinsamen Tochter Lilly (*1937) ins Warschauer Ghetto deportiert. Kurt Heinz Adler wurde mit dem 34. Osttransport 1943 von Berlin in das KZ Auschwitz deportiert.

Carl Victor und seine Ehefrau Elsa (*1888) emigrierten 1939 gemeinsam mit dem Adoptivsohn Peter (*1920) nach Shanghai. Beide Eltern verstarben dort innerhalb weniger Jahre. Nur Peter überlebte die Nazizeit und starb 1993 in Washington, USA.

Die Stenotypistin Margarete Melanie heiratete am 20. Juni 1918 in Berlin den Bankbeamten Salli Friedrich Lippmann, geb. am 12. März 1890 in Berlin. Das Ehepaar bekam die gemeinsame Tochter Toni Louise (*1919). Sowohl ihr Ehemann Salli Friedrich als auch die gemeinsame Tochter Toni Louise wurden von den Nazis verschleppt und ermordet.
Margarete Melanie wurde am 24. Oktober 1941 mit dem II.Transport von Berlin in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert.

Über ihre Zeit dort ist nichts bekannt. Am 05. Mai 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) transportiert und am selben Tag in einen Lastwagen mit gasdichtem Aufbau getrieben und dort mit Auspuffgasen erstickt. Ihre Leiche wurde vermutlich zusammen mit den anderen Ermordeten im nahegelegenen Wald verscharrt.

Stolperstein für Toni Lippmann

Stolperstein für Toni Lippmann

HIER WOHNTE
TONI LIPPMANN
JG. 1919
EINGEWIESEN
WITTENAUER HEILSTÄTTEN
1940 BERLIN-BUCH
´VERLEGT` 12.7.1940
BRANDENBURG/HAVEL
ERMORDET 12.7.1940
´AKTION T4`

Toni Louise Lippmann kam am 24. Juli 1919 in Berlin als Tochter des jüdischen Bankbeamten Salli Friedrich Lippmann (*1890) und dessen Ehefrau Margarete Melanie, geb. Vitcor, zur Welt.
Über ihr kurzes Leben ist wenig bekannt.

Im Juli 1940 litt die aufgrund der andauernden Aufregungen, der sie als Jüdin in der Nazizeit ausgesetzt war, unter so starkem Verfolgungswahn, dass sie erst in die Wittenauer Heilstätten und dann in die Heil- und Pflegeanstalt Buch eingewiesen wurde.

Als psychisch erkrankte Person und als Jüdin wurde sie im Rahmen der Euthanasiemorde (Aktion T4) am 12. Juli 1940 in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel gebracht und dort unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet.

Die Familie wurde jedoch vorerst im Glauben gelassen, dass Toni Louise von Buch in die fiktive „Irrenanstalt“ Chelm in Polen gebracht wurde und dort am 06. Januar 1941 an einem Magengeschwür verstorben sei. Dies geschah unter anderem, um den Mord zu verschleiern und um sich an der weiter für die Erkrankte zahlenden Familie zu bereichern.

Quellen:
Schulz, Manfred: „Friedrich Lippmann – Tod in Börnicke“; In Heimatjahrbuch 2020 für Falkensee und Umgebung; S.101-111
Pupkes, Andreas: „Wie es in Börnicke zugegangen ist, weiß ja jeder Nauener.“ Reihe Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Band 35; S.118-121; 2023; Metropol Verlag
Seeger, Heinz: Leben, Reden, Aufsätze; Der Tod des Juden Lippmann; Nachrichten-reihe 24; Hrsg.: Gerd Siebert; S.87-89; 1983; Nachrichten- Verlags-Gesellschaft
Hessisches Hauptarchiv
Recherche und Text: Martin Fröhlich

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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