Stolpersteine Kufsteiner Straße 18

Der Stolperstein wurde am 18. Oktober 2024 verlegt.

HIER WOHNTE
KÄTHE HEDWIG
KAEMPFER
GEB. LEDERMANN
JG. 1881
FLUCHT 1939 HOLLAND
VERHAFTET 29.10.1943
GEFÄNGNIS SCHEVENINGEN
DEPORTIERT 16.11.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 19.11.1943

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Käthe Hedwig (Jadwiga) Ledermann kam am 25. März 1881 im oberschlesischen Königshütte (heute Chorzów) als Tochter von Dr. Benjamin (Benno) Ledermann und seiner Frau Lucie, geborene Schachtel zur Welt. Ihr Vater war Rechtsanwalt und Justizrat in Hirschberg im Riesengebirge, über ihre Mutter gibt es keine weiteren Informationen.

Über Käthes Jugend ist wenig bekannt, jedoch lernte sie Klavier spielen und praktizierte dies bis zuletzt mit großer Freude. In einem Brief schilderte sie 1937, dass sie mit einer Bekannten Symphonien von Haydn und Beethoven spielte.

Am 1. Februar 1902 heiratete sie in Hirschberg den Rechtsanwalt Dr. Felix Kaempfer aus Posen. In ihrer Heiratsurkunde steht, dass sie keinen Beruf hatte. Im Telefonbuch von 1939 war sie als „Vertreterin“ vermerkt, der Grund dafür ist nicht bekannt.

Sie bekamen drei Kinder, Heinz Martin (*1904), Otto Hans (*1906) und Eva Pauline (*1918). Otto Hans starb bereits 1918, nur neun Monate nach seiner kleinen Schwester, die nur einen Tag alt wurde. Im selben Jahr starb auch noch Käthes Bruder Curt.

1920 zog die Familie um nach Berlin, wo Felix Kaempfer studiert hatte. Wahrscheinlich mussten sie die nun polnische Heimatstadt aufgrund ihrer „deutschen Gesinnung“ (so Franz Ledermann) verlassen. Die Familie bezog eine Wohnung in der Potsdamer Straße 109, die sie auch nach dem Tod des Vaters im Dezember 1920 behielt. 1924 heiratete ihr Bruder Franz, Käthe wurde seine Trauzeugin. Sie hielt engen Kontakt zur Familie ihres Bruders und war häufiger Gast der Hauskonzerte der Ledermanns.

Käthe Kaempfer zog 1931 in die Kufsteiner Straße 18 in Wilmersdorf. 1936 heiratete ihr Sohn Heinz Eva Wrzeszinski, auch hier war sie eine der Trauzeuginnen.
Im selben Jahr gingen ihr Sohn und seine Frau in die Niederlande, Heinz war zunächst Prokurist einer deutschen Firma in Rotterdam, ab 1939 dann bei einer niederländischen Handelsgesellschaft.

Ein Brief, den sie 1937 an Heinz und Eva in die Niederlande schrieb, zeigt, dass Käthe Kaempfer vielseitig kulturell interessiert und aktiv war. Sie schrieb von ihrem Symphonie – Verein, vom gemeinsamen Musizieren, Museumsbesuchen und Vorträgen.

Sie floh zusammen mit der Großmutter ihrer Schwiegertochter, Jenny Kaiser, 1939 in die Niederlande. Dort wohnte sie zuerst bei Heinz und Eva und ab September 1940 im Koningsweg 5 in Beekbergen, bis sie am 29. Oktober 1943 ins Gefängnis Scheveningen eingeliefert wurde. Es ist überliefert, dass sie dort für ihre Mitgefangenen gesungen hat. Über das Durchgangslager Westerbork wurde sie am 16. November 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort nur drei Tage später ermordet.

Recherche und Text: Joachim Seeger und Katja Gnittke in Zusammenarbeit mit Angehörigen der Familie Kaempfer/ Wrzeszinski
Quellen:
▪Chronik der Familien Kaempfer/ Wrzeszinski (private Sammlung von Dokumenten und Briefen)
▪Arolsen Archives
▪http://blha-recherche.brandenburg.de/detail.aspx?ID=1992659 Brandenburgisches Landeshauptarchiv
▪www.joodsmonument.nl/en/page/202755/kaethe-jadwiga-kaempfer-ledermann#intro
▪https://www.mittendran.de/die-familie-von-franz-ledermann-teil-4/ Geschichte der Familie Ledermann, recherchiert von Prof. Dr. Paul Enck
▪https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=4254827&ind=1
▪http://kaempfer.free.fr/kaemco/index.htm Geschichte der Familie Kaempfer, recherchiert von Stefan Kaempfer
▪http://e-kartoteka.net/de/ Bevölkerungsregister der Stadt Posen
▪https://www.geni.com/people/K%C3%A4the-Kaempfer/6000000110063584898 Online-Ahnenforschung
▪https://ggs.spdns.eu/?CN=K%C3%A4the&SN=Kaempfer&BD=&DD=&PLACE= Online-Ahnenforschung
▪https://research.annefrank.org/nl/personen/1b9d4c08-6000-438e-8c5f-df0a8434b87a/ Datenbank der Anne-Frank-Stiftung, Amsterdam
▪https://digital.zlb.de/viewer/berliner-adress-telefon-branchenbuecher/ Berliner Adress-, Telefon- und Branchenbücher 1707 – 1991/1992

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