Stolpersteine Prager Straße 5 (ehemals Nr. 22)

Hauseingang Prager Straße 5 (ehemals Nr. 22)

Diese Stolpersteine wurden am 10. April 2024 verlegt.

Stolperstein Martha Dornblatt

HIER WOHNTE
MARTHA
DORNBLATT
GEB. BUCHHOLZ
JG. 1871
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
4. SEPT. 1942

Martha Dornblatt wurde als Martha Buchholz am 4. Februar 1871 in Berlinchen (Barlinek, Polen) im Kreis Soldin in der preußischen Provinz Brandenburg geboren. Für ihre Eltern, den aus Unruhstadt (Kargowa, Polen) stammenden Schneider Michael Max Buchholz (*1844) und dessen Ehefrau Ernestine Ester Buchholz geborene Gumpert (*1845), war sie die ältere von zwei Töchtern. Ihre Schwester Anna (*1873) kam zwei Jahre nach Martha zur Welt.

Wann und wo Martha ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Martin Albert Dornblatt (*15. Mai 1857), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 26. Oktober 1893. Martin war damals 36 und Martha 22 Jahre alt. Die Familie Buchholz wohnte zu der Zeit in der Elsasser Straße 19 (ab 1940 Elsässer Straße) in Berlin-Mitte und die Familie Dornblatt in der Lichterfelder Straße 5 in Berlin-Lichterfelde. Am 10. September 1894 wurde ihr erster Sohn geboren. Sie nannten ihn Bernhard, in Erinnerung an Marthas Großvater Bernhard. Die kleine Familie Dornblatt wohnte anfangs bei Marthas Eltern in der Elsasser Straße 19 in Berlin-Mitte. Der zweite Sohn Albert Georg kam am 19. Januar 1899 in der Elsasser Straße 7 zur Welt.

Zehn Tage vor der Geburt von Albert Georg war Marthas Schwester Anna im 25. Lebensjahr nach langem schweren Leiden gestorben. Die Söhne wuchsen in der Klopstockstraße 52 im Berliner Hansaviertel auf.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, war Martin 57 Jahre, der Sohn Bernhard 20 Jahre und der jüngste Sohn Albert Georg 15 Jahre alt. Vermutlich wurde Bernhard zum Militär eingezogen.

Bernhard reiste 1928 in die USA, wo er an der University of Georgia Bauingenieurwesen studierte und mit dem Bachelor abschloss.

Von 1921 bis 1938 arbeitete Martin laut Handelsregister als selbstständiger Vertreter für auswärtige Angelegenheiten und Fabrikanten. In dieser Zeit wohnte er zusammen mit Martha und Albert Georg in der Würzburger Straße 6 in Berlin-Schöneberg.
Noch 1938 zogen Martha und Martin in die Prager Straße 22 (heute Nr. 5). 1939 und 1940 war Martin Dornblatt unter dieser Anschrift im Berliner Adressbuch zu finden.

Kurz nach der Pogromnacht im November 1938 wurde ihr Sohn Bernhard von den Nationalsozialisten festgesetzt und im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Vermutlich wurde er Anfang 1939 mit der Auflage, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen, freigelassen. Am 3. März 1939 gelang ihm mit seiner Ehefrau Dr. Alice Dornblatt geborene Schneider (*4. September 1907), die er 1937 geheiratet hatte, die Flucht nach Santiago de Chile. Der jüngste Sohn Albert Georg heiratete noch 1939 Agathe Regina Lewy (*1896). Sie flüchteten 1939 nach La Paz in Bolivien.

Martha und Martin waren vollkommen mittellos. Die Zuwendungen Ihrer Kinder wurden von der Gestapo beschlagnahmt. Vermutlich verkauften sie Möbel und Hausrat, um leben zu können.

Anfang September 1942 erreichte Martha und Martin der Deportationsbefehl in das Altersghetto Theresienstadt. Vom 3. bis 9. September 1942 gingen die 56. bis 60. Alterstransporte mit jeweils 100 Personen vom Anhalter Bahnhof in Berlin ab. Martin und Martha hatten sich für diesen Fall schon Schlafmittel besorgt, um ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Die 70-jährige Martha Dornblatt geborene Buchholz wurde am 4. September 1942 morgens um 8 Uhr tot in ihrer Wohnung in der Prager Straße 22 aufgefunden. Die genaue Todesstunde konnte nicht festgestellt werden.

Der 85-jährige Martin Dornblatt wurde nach dem Auffinden umgehend in das Jüdische Krankenhaus in die Iranische Straße in Berlin-Wedding eingeliefert, wo er einen Tag später, am 5. September 1942, um 4 Uhr verstarb. Als Todesursache wurde „Schlafmittelvergiftung, Selbstmord“ angegeben. Martha und Martin wurden auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Zählkarte
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 7411 Martha Dornblatt, Reg. 36A (II) 7413 Bernhard Dornblatt
Stolperstein Martin Albert Dornblatt

HIER WOHNTE
MARTIN ALBERT
DORNBLATT
JG. 1957
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
5. SEPT. 1942

Martin Albert Dornblatt wurde am 15. Mai 1857 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Albert Max Dornblatt (*1823) und dessen Ehefrau Bertha Dornblatt geborene Valentin (*1831), war er das älteste von insgesamt vier Kindern. Seine jüngeren Geschwister hießen Ernst (*1858), Anna Sara (*29. Juli 1859), Margarete (*15. November 1860) und Clara Marie (1867-1904).

Martin wurde, wie sein Vater, Kaufmann von Beruf.

Wann und wo Martin seine spätere Ehefrau Martha Buchholz (*4. Februar 1871) kennenlernte, ist nicht bekannt. Die Familie Dornblatt wohnte damals in der Lichterfelder Straße 5 in Berlin-Lichterfelde. Der 36-jährige Martin und die 22-jährige Martha heirateten am 26. Oktober 1893. Die Familie Buchholz wohnte zu der Zeit in der Elsasser Straße 19 (ab 1940 Elsässer Straße) in Berlin-Mitte. Am 10. September 1894 wurde ihr erster Sohn geboren. Sie nannten ihn Bernhard in Erinnerung an Marthas Großvater Bernhard Buchholz. Die kleine Familie Dornblatt wohnte anfangs bei Marthas Eltern.
Der zweite Sohn Albert Georg, der am 19. Januar 1899 in der Elsasser Straße 7 zur Welt kam, wurde nach Martins Vater Albert, der 1895 mit 73 Jahren gestorben war, benannt.
Die Söhne wuchsen in der Klopstockstraße 52 im Berliner Hansaviertel auf.

Am 15. August 1904 erlag Martins jüngste Schwester Clara Marie Dornblatt mit 37 Jahren einem langjährigen Leiden. Seine Mutter Bertha starb am 5. September 1913 mit 82 Jahren in der Gleditschstraße 40 in Berlin-Schöneberg. Sein lediger Bruder Ernst, der mit ihr zusammengelebt hatte, meldete den Tod beim Standesamt. Drei Jahre später, am 21. Mai 1916, starb mit 56 Jahren auch seine Schwester Anna Sara Hoertel geborene Dornblatt.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, war Martin 57 Jahre, sein Sohn Bernhard 20 Jahre und sein jüngster Sohn Albert Georg 15 Jahre alt. Vermutlich wurde Bernhard zum Militär eingezogen.

Martins ein Jahr jüngerer Bruder Ernst lebte kurz vor seinem Tod im Altenheim der jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburger Straße 26 in Berlin-Mitte. Er starb 1923 im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde mit 65 Jahren.

Der Sohn Bernhard reiste 1928 in die USA, wo er an der University of Georgia Bauingenieurwesen studierte und mit dem Bachelor abschloss.

Von 1921 bis 1938 arbeitete Martin laut Handelsregister als selbstständiger Vertreter für auswärtige Angelegenheiten und Fabrikanten. In dieser Zeit wohnte er zusammen mit Martha und Albert Georg in der Würzburger Straße 6 in Berlin-Schöneberg.

Noch 1938 zogen Martin und Martha in die Prager Straße 22 (heute Nr. 5). 1939 und 1940 war Martin Dornblatt unter dieser Anschrift im Berliner Adressbuch zu finden.

Kurz nach der Pogromnacht im November 1938 wurde ihr Sohn Bernhard von den Nationalsozialisten festgesetzt und im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Vermutlich wurde er Anfang 1939 mit der Auflage, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen, freigelassen. Am 3. März 1939 gelang ihm mit seiner Ehefrau Dr. Alice Dornblatt geborene Schneider (*4. September 1907), die er 1937 geheiratet hatte, die Flucht nach Santiago de Chile. Der jüngste Sohn Albert Georg heiratete noch 1939 Agathe Regina Lewy (*1896). Sie flüchteten 1939 nach La Paz in Bolivien.

Im Herbst 1939 wurde das Konto und Vermögen ihrer Schwiegertochter Dr. Alice Dornblatt von der Gestapo beschlagnahmt. Aus diesem Konto erhielten Martin und Martha für ihren Unterhalt monatliche Zuwendungen von 100 RM pro Person, da ihre Rente ausgesetzt war.

Durch die Beschlagnahmung des Kontos wurden die Zuwendungen gestoppt. Martin schrieb daraufhin am 9. November 1939 einen Brief an die Gestapo, in dem er um die Freigabe der monatlichen Überweisungen bat. Da er aufgrund seines hohen Alters von 83 Jahren und seines schlechten Gesundheitszustandes nicht mehr arbeiten könne, benötige er das Geld für den täglichen Lebensunterhalt, da seine Ehefrau und er sonst mittellos seien. Außerdem machte er darauf aufmerksam, dass er aus einer alten Berliner Familie stamme, 1879 seiner Militärpflicht genügt habe und allen seinen Verpflichtungen stets nachgekommen sei. Beim Ausbleiben der Zuwendungen müsse er der Wohlfahrt zur Last fallen.

Als er nach über einem Jahr im November 1940 immer noch kein Geld bekommen hatte und von der Gestapo keine Antwort erhielt, bat er erneut um Gnade und wies daraufhin, dass auch die jüdische Gemeinde seiner Bitte, einen Platz in einem jüdischen Altersheim zu bekommen, nicht nachgekommen sei.

Vermutlich erreichte Martin und Martha Anfang September 1942 der Deportationsbefehl in das Altersghetto Theresienstadt. Vom 3. bis 9. September 1942 gingen die 56. bis 60. Alterstransporte mit jeweils 100 Personen vom Anhalter Bahnhof in Berlin ab. Martin und Martha hatten sich für diesen Fall schon Schlafmittel besorgt, um ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Die 70-jährige Martha Dornblatt geborene Buchholz wurde am 4. September 1942 morgens um 8 Uhr tot in ihrer Wohnung in der Prager Straße 22 aufgefunden. Die genaue Todesstunde konnte nicht festgestellt werden. Der 85-jährige Martin Dornblatt wurde nach dem Auffinden umgehend in das Jüdische Krankenhaus in dier Iranische Straße in Berlin-Wedding eingeliefert, wo er einen Tag später, am 5. September 1942 um 4 Uhr, verstarb. Als Todesursache wurde „Schlafmittelvergiftung, Selbstmord“ angegeben. Martha und Martin wurden auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Martins Schwester, die 82-jährige Witwe Margarete Altenberg, die ganz in seiner Nähe in der Regensburger Straße 13 wohnte, starb einen Monat später im jüdischen Krankenhaus an Herzmuskelschwäche. Eine Todesursache, die auch genutzt wurde, um einen Selbstmord zu verschleiern.

Martin und Marthas ältester Sohn Bernhard starb am 15. April 1943 in Chile mit 48 Jahren. Ihr jüngster Sohn Albert Georg starb am 12. April 1951 in La Paz in Bolivien mit 52 Jahren.

1955 stellte ihre Schwiegertochter Dr. Alice Dornblatt diverse Wiedergutmachungsanträge für wertvolle Renaissance-Möbel, eine Bibliothek, eine Briefmarkensammlung, Kunst- und Kulturgüter der Eheleute Martin und Martha Dornblatt.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Dezember 2025

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Zählkarte
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 7411 Martha Dornblatt, Reg. 36A (II) 7413 Bernhard Dornblatt

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