HIER WOHNTE
SIEGBERT
MEYERSOHN
JG. 1886
„SCHUTZHAFT“ 1938
SACHSENHAUSEN
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Dr. Siegbert Meyersohn wurde am 1. Februar 1886 im westpreußischen Bromberg, dem heutigen Bydgoszcz, geboren. Er entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie und wuchs mit einer älteren Schwester sowie zwei jüngeren Geschwistern auf. Nach dem Studium der Medizin in Freiburg im Breisgau trat er bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Reservearzt in den Militärdienst ein. Während des Krieges diente er als Feldarzt an der Westfront und wurde für seinen Einsatz mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
1913 heiratete er Käthe Salomon aus Schivelbein, dem heutigen Świdwin, und ließ sich anschließend als praktischer Arzt in Schivelbein nieder. Über viele Jahre führte er dort eine angesehene Praxis und war ein geschätzter Arzt für die Bevölkerung der Stadt und des Umlandes. Die Familie war fest in das gesellschaftliche Leben Schivelbeins eingebunden. Nach dem Tod seines Schwiegervaters Max Salomon übernahm Siegbert Meyersohn 1932 zudem das Amt des Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Schivelbein und trug damit Verantwortung für das religiöse und soziale Leben der jüdischen Einwohner der Stadt.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch für Dr. Meyersohn die systematische Ausgrenzung. Er floh nicht aus Schivelbein, da er glaubte, durch sein Eisernes Kreuz sowie durch die Zuneigung und den Respekt der Stadtbewohner geschützt zu sein. Nach dem Pogrom der Kristallnacht im November 1938 wurde er verhaftet und für mehrere Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung zog die Familie nach Berlin, in der Hoffnung, dort Schutz oder eine Möglichkeit zur Emigration zu finden. Sie beantragten Visa für Palästina, und ihre Möbel warteten bereits in Hamburg auf die Verschiffung, doch die Visa trafen nicht ein. Von Berlin aus wurde Siegbert Meyersohn am 14. Dezember 1942 gemeinsam mit seiner Frau Käthe und seiner jüngsten Tochter Eva nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Sein Leben steht beispielhaft für die Zerstörung jüdischer Existenzen in Deutschland durch den Nationalsozialismus und erinnert zugleich an einen Arzt, Gemeindevorsteher und Familienvater, der über viele Jahre das Leben seiner Heimatstadt mitprägte.
Autorin: Julia Hanke, mit Ergänzungen von Sue Gessler
English Version:
Dr. Siegbert Meyersohn was born on February 1, 1886, in Bromberg, West Prussia, today Bydgoszcz. He came from a Jewish merchant family and grew up with an older sister and two younger siblings. After studying medicine in Freiburg im Breisgau, he entered military service as a reserve physician even before the First World War. During the war, he served as a field doctor on the Western Front and was awarded the Iron Cross for his service.
In 1913, he married the sister of a war comrade Käthe Salomon from Schivelbein, today Świdwin, and subsequently settled there as a general practitioner in the small town of Farther Pomerania. For many years, he ran a respected medical practice and was a valued doctor for the people of the town and the surrounding area. The family was firmly integrated into Schivelbein’s social life. After the death of his father-in-law, Max Salomon, Siegbert Meyersohn also took over the position of head of the Jewish community in Schivelbein in 1932, thereby assuming responsibility for the religious and social life of the town’s Jewish residents.
With the National Socialists’ seizure of power, Dr. Meyersohn too became subject to systematic exclusion. As a Jew, he was increasingly deprived of his rights; Jewish doctors gradually lost their professional livelihoods and social standing. He did not flee Schivelbein, believing he would be protected by his Iron Cross and the affection and respect of his townsfolk. After the Kristallnacht pogrom in November 1938, he was arrested and imprisoned in Sachsenhausen concentration camp for some months. After his release, the family moved to Berlin, hoping to find protection there or a chance to emigrate. They applied for visas to Palestine and their furniture was at Hamburg waiting to sail, but the visa did not arrive. From Berlin, Siegbert Meyersohn was deported to Auschwitz together with his wife Käthe and his youngest daughter Eva on 14.12.1942 and murdered.
His life stands as an example of the destruction of Jewish lives in Germany under National Socialism, while also commemorating a doctor, community leader, and father who shaped the life of his hometown for many years.
Author: Julia Hanke, with additions by Sue Gessler
Research: Julia Hanke