Stolperstein Babelsberger Str. 52

Hausansicht Babelsberger Str. 52

Hausansicht Babelsberger Str. 52

Diese Stolpersteine wurden am 17. Juni 2022 in Anwesenheit von Nachkommen aus England und Holland verlegt.

Zeitweilig wohnten Bertolt Brecht und Helene Weigel in der Wohnung eine Etage unter der Familie Lehmann-Ottenstein und pflegten mit ihnen nachbarschaftlichen Kontakt.

Stolperstein Babette Lehmann

Stolperstein Babette Lehmann

HIER WOHNTE
BABETTE LEHMANN
GEB. NEUHÖFER
JG. 1864
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 17.3.1943
SOBIBOR
ERMORDET 20.3.1943

Babette Lehmann geb. Neuhöfer wurde am 1. Januar 1864 in Berlin geboren. Sie heiratete David Lehmann (geb.1. Januar 1860 in Wilhermsdorf bei Fürth, Bayern). David und Babette hatten fünf Kinder: Frieda, Stephan („Stephen“), Leonhard („Leo“) Marthe und Elsie. Zusammen mit seinem Bruder Abraham (Adolf) gründete Babettes Ehemann David in Fürth das Familienunternehmen für Optik und Fotografie: A. Lehmann & Co. David Lehmann starb am 16. Dezember 1911. Stephen und Leo übernahmen die Firma.

Als Witwe lebte Babette seit mindestens 1935 bei ihrer Tochter Frieda, die am 13. Januar 1890 in Fürth geboren wurde und deren Ehemann Theodor Ottenstein (geb. 29. Januar 1875) in Berlin in der Babelsberger Straße 52. In den Adressbüchern erscheint Theodor Ottenstein als Hauptmieter. Als das Leben ihrer Söhne in Fürth durch die Nazis bedroht war, siedelten Stephen, seine Frau, ihre beiden Töchter (und möglicherweise auch sein Bruder Leo) nach Berlin zu Babette und den Ottensteins in die Babelsberger Straße 52 über und lebten hier bis Babette, Frieda und Theodor 1939 nach Holland flohen.

Im holländischen Exil lebte Babette Lehmann mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in Driebergen. Theodor Ottenstein starb am 13. Januar 1941 – vermutlich aufgrund der Ankündigung der Deportation. Babette und Frieda wurden am 9. März 1941 in das „Durchgangslager” Westerbork verbracht. Am 17. März 1943 wurden sie gemeinsam in die Tötungsstätte Sobibor deportiert, wo sie am 20. März 1943 ermordet wurden.

Die Namen von Babette und ihrer Tochter Frieda stehen auf dem Joods Monument im Driebergen Park. Dieses Denkmal war Gegenstand eines Films, der auf YouTube unter dem Titel „Jacky en Hetty” erschien.

Recherche und Text: Ronald Austin und Gisela Morel-Tiemann

Quellen:
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Adressbücher
- Joods Monument, NL
- Jonathan Gardiner: One Way Ticket from Westerbork
- „Jacky en Hetty“

  • Babette Lehmann English Version

    ODT-Dokument (14.3 kB)

Stolperstein Theodor Ottenstein

Stolperstein Theodor Ottenstein

HIER WOHNTE
THEODOR
OTTENSTEIN
JG. 1875
FLUCHT 1939 HOLLAND
TOT 13.1.1941
DRIEBERGEN

Theodor Ottenstein wurde am 29. Januar 1875 in Neustadt an der Aisch geboren. Seine Eltern waren Sigmund Ottenstein und Berta Bamberger. Er war Kaufmann.

Nach der Hochzeit mit der aus Fürth in Bayern stammenden Frieda Lehmann am 7.Juli 1910 wohnte das Ehepaar Ottenstein ab 1911 in der Meraner Straße 5 in Schöneberg, wo ihre drei Kinder zur Welt kamen: Rudi 1911, Herbert 1914 und Hilda 1917. Spätestens 1920 zog die Familie nach Wilmersdorf in die Babelsberger Straße 52 in eine große Wohnung in der 3. Etage. 1935 nahmen sie dort Friedas verwitwete Mutter Babette Lehmann auf, später noch weitere Brüder von Frieda mit ihren Familien, deren Leben in Fürth durch die Nazis bedroht war.

Nachdem die drei Kinder zwischen 1933 und 1939 nach England bzw. in die Niederlande geflohen waren, entschloss sich auch Theodor, Nazideutschland zu verlassen. Er floh 1939 mit seiner Frau Frieda und deren Mutter Babette nach Holland, wo sie in Driebergen unterkamen.

Theodor Ottenstein starb am 13. Januar 1941 – vermutlich aufgrund der Ankündigung der Deportation – und musste nicht mehr erleben, dass seine Frau und seine Schwiegermutter über das „Durchgangslager” Westerbork in die Tötungsstätte Sobibor deportiert und dort ermordet wurden.

Recherche und Text: Ronald Austin und Gisela Morel-Tiemann

Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Entschädigungsbehörde, LABO Berlin
- Joods Monument, NL

  • Theodor Ottenstein English Version

    ODT-Dokument (12.9 kB)

Stolperstein Frieda Ottenstein

Stolperstein Frieda Ottenstein

HIER WOHNTE
FRIEDA
OTTENSTEIN
GEB. LEHMANN
JG. 1890
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 17.3.1943
SOBIBOR
ERMORDET 20.3.1943

Frieda Ottenstein wurde am 13. Januar 1890 in Fürth geboren. Sie war die Tochter von Babette Lehmann geb. Neuhöfer und David Lehmann. Sie heiratete am 7. Juli 1910 den Kaufmann Theodor Ottenstein und lebte mit ihm in Berlin in der Meraner Straße 5 im Bezirk Schöneberg, wo die drei Kinder geboren wurden. Spätestens 1920 zog die Familie nach Wilmersdorf in die Babelsberger Straße 52. Friedas verwitwete Mutter Babette Lehmann geb Neuhöfer zog 1935 aus Fürth zu ihnen. Später kamen weitere Mitglieder der Familie Lehmann aus Fürth zu ihnen, als ihr Leben dort wegen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten bedroht war. Sie blieben in der Babelsberger Straße 52 bis Babette Lehmann sowie Frieda und Theodor Ottenstein nach Holland flohen.

Frieda und Theodor Ottenstein hatten drei Kinder: Rudi (geb.1911) Herbert (geb.1914) und Hilda (geb.1917), die den Holocaust überlebten. Rudi floh bereits 1933 nach Holland und lebte dort nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutsche Wehrmacht versteckt. Herbert floh 1936 nach England und verschaffte seiner Schwester Hilda ein Visum, sodass auch sie sich 1939 nach England retten konnte. Dort heiratete sie Gerhard Panke, der ebenfalls aus Nazideutschland geflohen war..

Nachdem ihre Kinder in Sicherheit waren, floh Frieda mit ihrem Ehemann Theodor und ihrer Mutter Babette Lehmann 1939 nach Holland. Dort lebten sie in Driebergen. Friedas Ehemann starb am 13 Januar 1941 – vermutlich aufgrund der Ankündigung der Deportation. Frieda und ihre Mutter wurden am 9. März 1941 in das „Durchgangslager” Westerbork verbracht und am 17. März 1943 gemeinsam in die Tötungsstätte Sobibor deportiert, wo sie am 20. März 1943 ermordet wurden. Ihre Namen stehen auf dem Joods Monument im Drieibergen Park.

Recherche und Text: Ronald Austin und Gisela Morel-Tiemann

Quellen:
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Adressbücher
- Jonathan Gardiner: One Way Ticket from Westerbork
- Joods Monument, NL
- „Jacky en Hetty“ https://www.youtube.com/watch?v=9pJ3IlCOuTI

  • Frieda Ottenstein English Version

    ODT-Dokument (14.4 kB)

Stolperstein Rudi Ottenstein

Stolperstein Rudi Ottenstein

HIER WOHNTE
RUDI
OTTENSTEIN
JG. 1911
FLUCHT 1933 HOLLAND
SEIT 1942 VERSTECKT GELEBT
ÜBERLEBT

Rudi Ottenstein wurde am 18. Mai 1911 in der Meraner Straße 5 in Berlin-Schöneberg als ältester Sohn von Frieda und Theodor Ottenstein geboren. Sein jüngerer Bruder Herbert kam 1914 auf die Welt und die Schwester Hilda 1917. 1920 zog Familie Ottenstein nach Wilmersdorf in die Babelsberger Straße 52.

Rudi besuchte das Werner-Siemens-Realgymnasium in Berlin-Schöneberg. Nach seinem Schulabschluss setzte er 1926 seine Ausbildung in Rathenow als Lehrling in einer Optikfabrik fort. Danach ging er für ein Jahr nach London an das Regent Street Polytechnic (heute University of Westminster).

Ab 1928 arbeitete er als Vertreter in der optischen Industrie in Deutschland und Holland.
Als er 1931/1932 den zunehmenden „Schatten” der Nazis heraufziehen sah, verlegte er seinen Wohnsitz nach Holland, wo er die niederländische Firma seiner Onkel (Stephan und Leo Lehmann) leitete. 1941 wurde das Unternehmen von den Nazis enteignet und Rudi wurde seine deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.

Nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutsche Wehrmacht war auch Rudis Leben zunehmend gefährdet, sodass er untertauchte. Von Oktober 1942 bis Oktober 1944 wurde er in Wageningen versteckt und danach bis Mai 1945 in Veendal, jedes Mal unter schwierigen Bedingungen. Im Juli 1951 heiratete er Maria Jacoba Lambers. Das Paar hatte einen Sohn, Paul (geb. 1952).

Rudi Ottenstein starb am 28. Juli 1974 an einem Hirninfarkt, seine Frau Maria am 14. Juni 1973.

Recherche und Text: Ronald Austin und Gisela Morel-Tiemann
Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Entschädigungsbehörde, LABO Berlin

  • Rudi Ottenstein English Version

    ODT-Dokument (13.7 kB)

Stolperstein Herbert Ottenstein

Stolperstein Herbert Ottenstein

HIER WOHNTE
HERBERT
OTTENSTEIN
HERBERT DAVID AUSTIN
JG. 1914
FLUCHT 1936
ENGLAND

Herbert David Ottenstein wurde am 4. Dezember 1914 als Sohn von Theodor Ottenstein (geb, 1875) und Frieda Ottenstein geb. Lehmann (geb. 1887) in der Meraner Straße 5 in Berlin-Schöneberg geboren. Er hatte einen Bruder Rudi (geb. 1911) und eine Schwester Hilda (geb. 1917), die ebenfalls in der Meraner Straße 5 zur Welt kamen. Ab 1920 lebte die Familie in der Babelsberger Straße 52.

Herbert besuchte das Werner-Siemens-Realgymnasium in Berlin-Schöneberg. Nach seinem Abschluss absolvierte er eine Lehre beim Optiker Hanns Brennecke. Diese wurde aufgrund der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten vorzeitig beendet, sodass ihm die Möglichkeit genommen wurde, sein geplantes Studium an der Optischen Hochschule in Jena aufzunehmen.

Im Februar 1936 floh er nach England, wo er in einer Optik-Fabrik in London in der Nachtschicht arbeitete. Im August 1938 konnte er sich als Importeur für Optik- und Fotografieartikel selbstständig machen.

Im April 1945 heiratete er in London Eva Joseph, die in Nakel im damaligen Pommern (heute Naklo) zur Welt gekommen war. Ihre Eltern waren Siegbert (Shlomo) Joseph und Rosa Hahn, die aus Wronke (Wronkí) stammten. Die Familie lebte nach 1919 in Danzig (Gdansk) und floh nach Brody, von wo aus Eva nach England fliehen konnte. Ihre Eltern Siegbert und Rosa wurden 1944 in Brody ermördet. In Wronki wurden 2024 Stolpersteine für sie verlegt.

Herbert und Eva Ottenstein bekamen den Sohn Ronald (geb.1946) und die Tochter Carole (geb.1949). 1947 änderte Herbert Ottenstein seinen Nachnamen offiziell in Austin, den Namen, den er aufgrund der drohenden deutschen Invasion in England bereits seit mehreren Jahren verwendet hatte. Er starb am 30. November 1983 an einem Herzinfarkt.

Recherche und Text: Ronald Austin und Gisela Morel-Tiemann
Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Entschädigungdbehörde. LABO Berlin

  • Herbert Ottenstein English Version

    ODT-Dokument (13.4 kB)

Stolperstein Hilda Ottenstein

Stolperstein Hilda Ottenstein

HIER WOHNTE
HILDA
OTTENSTEIN
VERH. PANKE
JG. 1917
FLUCHT 1939
ENGLAND

Hilda Ottenstein wurde am 18. April 1917 in der Meraner Straße 5 in Berlin-Schöneberg als Tochter von Frieda und Theodor Ottenstein geboren. Sie hatte die beiden älteren Brüder Rudi (geb.1911) und Herbert (geb.1914), die durch Flucht nach Holland bzw. England ihre Leben retten konnten und den Holocaust überlebten. 1920 zog die Familie Ottenstein von Schöneberg nach Wilmersdorf in die Babelsberger Straße 52.

Hilda besuchte die Rückert Oberschule in Schöneberg und anschließend ein Jahr lang die Handelsschule in der Wormser Straße, um eine Karriere im Verkauf anzustreben. Die Möglichkeit einer Ausbildung in diesem Bereich wurde durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten verhindert. Nach vielen Schwierigkeiten fanden ihre Eltern für sie 1934 eine dreijährige Lehrstelle bei einer Damenschneiderin in Berlin-Charlottenburg. Die folgenden Jahre waren aufgrund der nationalsozialistischen antijüdischen Gesetze mit vielen Demütigungen, Drangsalierungen und Entrechtungen verbunden.
Anfang 1939 gelang es Hilda aufgrund der Bemühungen ihres Bruders Herbert, der schon seit 1936 in London lebte, mit einem Flüchtlingsvisum nach England zu entkommen. Die einzige Arbeit, die sie ausüben durfte, war die einer Haushaltshilfe. 1940 heiratete sie den aus Posen (Poznan) stammenden Gerhard Panke, der ebenfalls aus Berlin geflohen war, Er war Teilhaber eines Werkzeugmaschinenbetriebes gewesen, der im Februar 1939 enteignet und liquidiert wurde.

Brunn & Panke
Maschinen und Fahrzeuge, technische Artikel (Handel)
Eingetragen im Handelsregister/ Gründung 1933
Liquidation ab 1939-02-28 00:00:00
Erloschen 1939
Düsseldorfer Str. 47, Berlin

Das Paar hatte eine Tochter, Patricia, geb.1942, und einen Sohn, Stephen, geb. 1947. Hilda Panke geb. Ottenstein starb am 6. Mai 2001 an einem Herzinfarkt.

Recherche und Text: Ronald Austin und Gisela Morel-Tiemann
Quellen:
- Jüdische Gewerbebetriebe 1933-1945, HU
- Entschädigungsbehörde, LABO Berlin

  • Hilda Ottenstein English Version

    ODT-Dokument (14.8 kB)

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