Stolpersteine Bleibtreustraße 15

Bleibtreustraße 15

Hausansicht Bleibtreustraße 15

Die Stolpersteine für Adolf, Helene und Rudolph Dannenbaum sowie für Ilse Hirschberg wurden am 20. Mai 2022 verlegt.

Das Mietwohnhaus Bleibtreustraße 15 gehört mit den Häusern Nummern 16 und 17 zu einem Ensemble von Baudenkmälern, die zwischen 1902 und 1906 als Putzbauten im Neorenaissancestil mit burgähnlichen Dachaufbauten und gemeinsamen Höfen von Otto Harnisch & Hartmann errichtet wurden.

Stolperstein Adolf Dannenbaum

Stolperstein Adolf Dannenbaum

HIER WOHNTE
ADOLF
DANNENBAUM
JG. 1885
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
15.8.1942

Adolf Dannenbaum, genannt Dolf, wurde am 8. April 1885 in Hamm als Sohn von Jakob Dannenbaum und Elfriede Dannenbaum geb. Herz geboren. In erster Ehe war er mit Julie Blumenthal verheiratet und lebte mit ihr offenbar in Elberfeld, denn dort wurde 1921 der Sohn Rudolph Peter geboren.

Mit seiner zweiten Ehefrau Helene, geb. Hirschfeld, und seinem Sohn Rudolph lebte Adolf Dannenbaum zunächst in Mannheim. Am 3. März 1934 zog die Familie nach Berlin in die Bleibtreustraße 15. Er arbeitete als Kaufmann in der Konfektion. Sein Büro befand sich in der Markgrafenstraße 45 in Mitte, nahe dem Gendarmenmarkt.

Als der NS-Staat die jüdische Bevölkerung immer mehr ausgrenzte und drangsalierte und Rudolph seine Lehre nicht beenden durfte, schickten ihn die Eltern vermutlich mit einem „Kindertransport” im März 1939 nach England. Sie selbst blieben in Berlin zurück. Im Herbst 1941 mussten sie ihre Wohnung zwangsweise räumen und in eine Dachgeschosswohnung in der Akazienallee 46/48 ziehen.

Nachdem seine Frau Helene von einer Nachbarin wegen Nichttragens des „Judensterns“ denunziert worden war, wurde das Ehepaar von der Gestapo abgeholt. In der zu einem „Sammellager” zweckentfremdeten Synagoge Levetzowstraße nahmen sie sich gemeinsam am 15. August 1942, unmittelbar vor ihrem Abtransport nach Riga, das Leben, um der Deportation zu entgehen. Adolf Dannenbaum wurde 57 Jahre alt.

Recherche und Text: Dr. Wolf-Rüdiger Baumann und Claudia Saam.
Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Gedenkbuch der FU

Helene-Dannenbaum

Stolperstein Helene Dannenbaum

HIER WOHNTE
HELENE
DANNENBAUM
GEB. HIRSCHFELD
JG. 1894
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
15.8.1942

Helene Dannenbaum, genannt Lene, wurde am 11. Mai 1894 in Leipzig als zweite Tochter des Ehepaars Hugo Hirschfeld und Anna Hirschfeld geb. Karpe geboren.
Nach der Heirat mit Adolf Dannenbaum lebte sie einige Jahre in Mannheim. 1934 zog die Familie in die Bleibtreustraße 15 in Berlin, wo sie mit dem Sohn Rudolph aus Adolf Dannenbaums erster Ehe und der Haustochter Ilse Hirschberg zusammenwohnten. Helenes Mutter Anna, genannt Nanny, lebte im gleichen Haus.

Nachdem das Ehepaar Dannenbaum im Herbst 1941 – Sohn Rudolph war 1939 nach England geflohen – aus seiner Wohnung ausgewiesen wurde und in eine Dachgeschosswohnung des Hauses Akazienallee 46/48 umziehen musste, zog Helenes Mutter Anna Hirschfeld zu dem Apotheker Martin Lublinski in die Schlüterstraße 43. Sie starb am 4. Februar 1942 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee begraben.

Nur vier Monate später, am 20. Juni 1942, nahm sich die Hausangestellte der Dannenbaums, Wally Czarlinski, das Leben, nachdem sie und Helene Dannenbaum wegen Nichttragens des „Judensterns“ denunziert worden waren. Wenig später holte die Gestapo Helene und Adolf Dannenbaum ab. Am 15. August 1942 nahm das Ehepaar sich gemeinsam in der Synagoge Levetzowstraße, die zu einem „Sammellager” zweckentfremdet worden war, das Leben, um der Deportation nach Riga zu entgehen. „Abholung Levetzowstraße“, heißt es in der Beerdigungs-Anmeldung für den Friedhof Weißensee. Sie wurde 48 Jahre alt.

Recherche und Text: Dr. Wolf-Rüdiger Baumann und Claudia Saam
Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Brandenburgisches Landeshauptsarchiv (BLHA) Akte 36A (II) 15807 (Nanny Hirschfeld)

Stolperstein Rudolph Peter Dannenbaum

Stolperstein Rudolph Peter Dannenbaum

WOHNTE
RUDOLPH PETER
DANNENBAUM
RUDOLPH DUDLEY
JG. 1921
KINDERTRANSPORT 1939
ENGLAND

Rudolph Peter Dannenbaum, genannt Rudi, wurde am 20. Juni 1921 als Sohn von Adolf Dannenbaum und dessen erster Ehefrau Julie Blumenthal in Elberfeld geboren. Mit seinen Eltern, Adolf und dessen zweiter Ehefrau Helene, geb. Hirschfeld, wohnte er einige Jahre in Mannheim. Dort besuchte er bis Ostern 1934 die Quarta des Karl-Friedrich-Gymnasiums.

Dann zog die Familie nach Berlin in die Bleibtreustraße 15. In Berlin besuchte Rudi Dannenbaum das Schiller-Realgymnasium in der Schillerstraße 27-31. Mit der Obersekunda-Reife musste er im April 1937 abgehen, nachdem jüdischen Kindern der Besuch öffentlicher Schulen und Universitäten verboten worden war. Am 1. April 1937 begann er eine kaufmännische Lehre in der Leinen- und Baumwollwarengroßhandlung „Sternberg & Salomon“ in der Bischofstraße 25-26 in Berlin-Mitte. Die Lehre konnte er nicht beenden, weil die Firma im Januar 1939 „arisiert” wurde.

Da Rudolph in Nazi-Deutschland keine Perspektive hatte, schickten ihn seine Eltern im März 1939 nach England – vermutlich mit einem Kindertransport. Er war 17 Jahre alt. Seine Eltern blieben in Berlin, um sich um Helene Dannenbaums Mutter, Nanny Hirschfeld, zu kümmern. Rudi nahm in England den Namen Dudley an, und war als britischer Journalist für Reuters tätig. Rudolph Dudley lebte in London, Coventry und Hull. Er kehrte nach Deutschland zurück und wohnte 1954, als er seinen Antrag auf Entschädigung stellte, in der Elektronstraße 43 in Frankfurt/Main-Griesheim. Unter dieser Adresse war er auch 1965 gemeldet. Er starb vermutlich 1966.

Recherche und Text: Dr. Wolf-Rüdiger Baumann und Claudia Saam.
Quellen:
- Berliner Adressbücher
- Volkszählung v. 17.5.1939
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Berliner Gedenkbuch der FU

Stolperstein Ilse Ulrike Hirschberg

Stolperstein Ilse Ulrike Hirschberg

HIER WOHNTE
ILSE ULRIKE HIRSCHBERG
JG. 1914
DEPORTIERT 1.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Ilse Ulrike Hirschberg wurde am 4. Juli 1914 in Berlin als Tochter von Walter Hirschberg (1885-1942) und seiner Frau Frieda, geb. Hauer (1881-1942), geboren. Mit ihnen lebte sie von Geburt an in der Kaiserallee 19 (heute Bundesallee) in Wilmersdorf. Sie war ausgebildete Buchhalterin, wohnte aber laut Volkszählung von 1939 als Haustochter bei Helene und Adolf Dannenbaum in der Bleibtreustraße 15. Nicht nur den Dannenbaums stand sie nahe, sondern auch Helenes Schwester Erna Fiegel, die mit ihrem Mann Paul und Sohn Bernd um die Ecke in der Mommsenstraße 6 wohnte (Stolpersteine Mommsenstr. 6 – Berlin.de).

Als die Familie Fiegel 1939 nach Australien fliehen musste, begleitete Ilse sie bis nach Gouda. Auf die Rückseite eines Fotos, auf dem auch sie zu sehen ist, hat Erna geschrieben: „Ihrer guten Ilse zur Erinnerung an letzte liebe Gouda´er Stunden und an ihre Fiegels. Gouda, am 10. Juni 1939.“ Auf einem anderen Foto, das Erna Fiegels Tochter Naomi aufbewahrt, sind Helene Dannenbaum, Ilse Hirschberg und der schwarze Königspudel Billy vor dem Eingangsportal des Hauses Mommsenstraße 6 zu sehen. Helene Dannenbaum hat es ihrer Schwester noch nach Sydney schicken können. Ilse Hirschberg blickt ernst in die Kamera. Auf die Rückseite des Fotos hat Erna Fiegel geschrieben: „Meine Dicke mit goldiger Haustochter Ilse. Beide umgekommen.“

Nachdem das Ehepaar Dannenbaum aus der Wohnung in der Bleibtreustraße 15 ausgewiesen wurde und zwangsweise in die Akazienallee 46/48 umziehen musste, zog Ilse Hirschberg zurück zu ihren Eltern Walter und Frieda Hirschberg in die Kaiserallee 19, wo auch die ledige Schwester ihrer Mutter, Hildegard Hauer (1894-1942) lebte. Ilses Eltern und die Tante wurden am 26. Oktober 1942 mit weiteren ca. 800 jüdischen Berlinerinnen und Berlinern mit dem sogenannten „22. Osttransport” nach Riga deportiert. In diesem Transport befanden sich über 200 MitarbeiterInnen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die im Rahmen der sogenannten „Gemeindeaktion” verhaftet worden waren. Zu ihnen gehörte auch Ilses Vater. Alle Menschen in diesem Zug wurden unmittelbar nach der Ankunft am 29. Oktober 1942 in den Riga umgebenden Wäldern umgebracht.

Ilse Hirschberg musste zu diesem Zeitpunkt in den Siemens-Schuckertwerken, einem kriegswichtigen Rüstungsbetrieb, Zwangsarbeit leisten und war daher zunächst noch von den Deportationen „zurückgestellt”. Sie war nach der Deportation ihrer Eltern Hauptmieterin der Wohnung in der Kaiserallee 19 und musste ein in sogenannter „Mischehe” lebendes Ehepaar als Untermieter aufnehmen.

Am 1. März 1943 wurde Ilse Hirschberg mit dem sogenannten „31. Osttransport” mit über 1700 weiteren Menschen nach Auschwitz deportiert. Es war der erste Transport im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“, nachdem am 27. Februar 1943 reichsweit alle noch in Rüstungsbetrieben beschäftigten ZwangsarbeiterInnen verhaftet worden waren und dann „nach Osten” in den Tod geschickt wurden. Im Vernichtungslager Auschwitz wurden lediglich 677 der mit diesem Transport ankommenden Menschen als „arbeitsfähig” eingestuft – 292 Männer und 385 Frauen. Die anderen über 1000 Deportierten wurden unmittelbar nach der Ankunft ermordet.

Ob die knapp 29-jährige Ilse Ulrike Hirschberg noch in den Bunawerken (Buna-Monowitz, KZ Auschwitz III), einer 1941 errichteten Tochterfirma der I.G. Farben, arbeiten musste, war nicht herauszufinden. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Sie gilt offiziell als „verschollen”.

Recherche und Text: Dr. Wolf-Rüdiger Baumann und Claudia Saam, ergänzt von Gisela Morel-Tiemann

Quellen:
- Volkszählung vom 17.5.1939
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Deportationsliste: 31. Osttransport
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA) Akte 36 A (II) 15681, Walter, Frieda, Ilse Hirschberg und Hildegard Hauer

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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