Stolperstein Dernburgstr. 17 (früher Gustloffstraße 51)

Der Stolperstein für Martha Rachel Zadig wurde am 7. April 2022 verlegt.

Stolperstein Martha Rachel Zadig

Stolperstein für Martha Rachel Zadig.

HIER WOHNTE
MARTHA RACHEL
ZADIG
GEB. WIENER
JG. 1866
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
18.9.1942

Martha Rachel Zadig wurde in eine renommierte rabbinische Familie hineingeboren, die aus Italien nach Oettingen in Bayern ausgewandert war und deren Geschichte sich über 1.000 Jahre zurückverfolgen lässt. Die Familie ließ sich zunächst in Bayern und im heutigen Rheinland-Pfalz nieder. Nach den Pest-Pogromen von 1348/49 floh die Familie nach Wien, Hamburg und Lübeck. Als die Juden 1671 aus Wien vertrieben wurden, nahm der Große Kurfürst sie aus wirtschaftlichen Gründen in Berlin auf.

Martha Zadig stammte aus dem Hamburger Zweig der Familie. Ihre Eltern Moses Elias Wiener und Hannchen Wolff heirateten 1861 und hatten vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Doch nur ihr Bruder Elias Edmund und sie selbst überlebten das Kindesalter. Martha Zadig wurde am 12. März 1866 in Hamburg geboren. Über ihre schulische Bildung und einen Beruf ist nichts bekannt.

Martha heiratete Bernhard Zadig, der aus Breslau kam. Das Hochzeitsdatum ist unbekannt. Es ist auch nicht bekannt, seit wann das Ehepaar in Berlin lebte. In den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts betrieb Bernhard Zadig eine Lederwarenfirma in Berlin-Kreuzberg. Da die Ehe kinderlos blieb, entwickelte sich zwischen Martha Zadig und ihrem Neffen Morris Wiener ein sehr enges Verhältnis, das lebenslang hielt. Morris Wiener konnte 1936 nach Südafrika fliehen.

Als Rentier lebte Bernhard Zadig mit seiner Ehefrau Martha in Groß-Lichterfelde bei Berlin. Er starb 1902. Bis Mitte/Ende der 20er-Jahre wohnte seine Frau Martha weiterhin dort. In den 40er-Jahren lebte Martha Zadig in Berlin-Charlottenburg als Untermieterin bei dem Ehepaar Goldemann in der Dernburgstraße 17 (in der Nazi-Zeit: Gustloffstraße 51). Mit Victoria Goldemann war sie in tiefer Freundschaft verbunden.

Als Martha Zadig im September 1942 ihren Deportationsbefehl erhielt, wählte sie den Freitod und stürzte sich am 18. September aus dem Fenster ihres Zimmers. Beerdigt wurde Martha Zadig am 23. September 1942 auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee neben ihrem Ehemann Bernhard Zadig.

Victoria Goldemann hat einen berührenden Brief zum Tode von Martha Zadig an deren Verwandte geschrieben: „Wir können es immer noch nicht fassen, dass diese liebe gute Frau nicht mehr am Leben ist. Ein selten prächtiger und aufopferungswilliger Mensch, hilfsbereit in jedem Sinne, ist dahingegangen. Tapfer und mutig bis zur letzten Minute.“

Victoria Goldemann überlebte versteckt die NS-Gewaltherrschaft und konnte 1945 nach Israel emigrieren. Ihr Ehemann Werner Goldemann wurde im Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert und von dort später nach Auschwitz, wo er ermordet wurde. Wahrscheinlich hat auch er versteckt gelebt, wurde aber entdeckt.

Recherche und Text: Dennis Wiener und Evelyn Krause-Kerruth

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