HIER WOHNTE
ULRICH HEINZ
WOLLSTEIN
JG. 1905
SCHUTZHAFT 1938
SACHSENHAUSEN
DEPORTIERT 12.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Ulrich Heinz Wollstein wurde am 1. November 1905 in Stettin geboren. Seine Abstammung und wann er nach Berlin kam, ist unerforscht. Er war Diplomkaufmann und Diplomhandelslehrer und wohnte seit mindestens 1935 in der Meinekestraße 22. In der „Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin” ist er in der Pestalozzistraße 99 verzeichnet, was darauf hindeuten mag, dass er dort ein Büro betrieb.
Er heiratete die aus einer Kösliner Tuchhändlerfamilie stammende Felicitas Ruth Hirschfeld (geb. 1908), die nach der Hochzeit aus ihrem Elternhaus in der nahe gelegenen Uhlandstraße 40 (Stolpersteine Uhlandstraße 40 – Berlin.de) zu ihm in die Meinekestraße zog. Das junge kinderlose Paar hatte nur wenige gemeinsame Jahre, bevor die Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten gegen jüdische Menschen und /oder solche, die dem Regime kritisch gegenüberstanden, auch Ulrich Wollsteins Leben radikal veränderten.
Nach Angaben von Ilana Ruth Heilfron, der Nichte von Ulrichs Frau Felicitas, war er ein „aufrechter und tapferer SPD-Mann”, der infolge der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in sogenannte „Schutzhaft” genommen wurde. Ob er als Jude oder Sozialdemokrat am 16. Dezember 1938 verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert wurde, ist unerheblich, denn beides war den Nazis Grund genug, ihn zu verhaften. Nach einiger Zeit wurde er wieder freigelassen und kehrte zu seiner Frau zurück. Es war nicht herauszufinden, auf welche Weise Ulrich Wollstein nach seiner Freilassung weiter drangsaliert und verfolgt wurde. Manches spricht aber dafür, dass er zu Zwangsarbeit verpflichtet wurde, denn er wurde im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion” vom Februar 1943 festgenommen.
Ulrich Heinz Wollstein musste sich zusammen mit seiner Frau Felicitas vermutlich in der von den Nazis als „Sammelstelle” missbrauchten Synagoge Levetzowstraße einfinden und wurde am 12. Mai 1943 vom Güterbahnhof Moabit mit dem letzten der Transporte nach der „Fabrikaktion” nach Auschwitz deportiert. Dort verliert sich seine Spur. Ob er noch Zwangsarbeit leisten musste – er war erst 38 Jahre alt – oder unmittelbar nach Ankunft des Transports ermordet wurde, ist nicht überliefert.
Recherche und Text: Gisela Morel-Tiemann mit Angaben von Ilana Ruth Heilfron
Quellen:
- Adressbücher Berlin
- Berliner Gedenkbuch der FU
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Deportationsliste “36. Osttransport”: OT36-37.jpg (1197×855) Nr. 732
- Suche – Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin