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Rede der Bezirksverordnetenvorsteherin Dr. Marianne Suhr zur Enthüllung einer Gedenktafel für Johanna Moosdorf

Enthüllung einer Gedenktafel für Johanna Moosdorf am 12.7.2006

Rede der Bezirksverordnetenvorsteherin Dr. Marianne Suhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es inzwischen 268 Gedenktafeln, neben denen für Orte der Erinnerung, Einrichtungen und Institutionen 37 für Frauen.
Mit einer Gedenktafel für Johanna Moosdorf wird nicht nur ihr literarisches Werk gewürdigt, sondern auch ihre Lebensleistung. Nach bittersten Erfahrungen im Nationalsozialismus, vielen Kämpfen um berufliche und private Freiheit nach dem 2. Weltkrieg fand sie hier in diesem Haus eine wache Ruhe, die sie arbeiten und aufmerksam sein ließ.
Wir klagen nicht mehr, wir beginnen von Neuem, schrieb sie 1947, kurz danach wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik verfasst, das damals schon fortschrittlicher war als manche Praxis seitdem.
Johanna Moosdorf übertrug noch in den fünfziger Jahren ihre Erlebnisse auf eine männliche Hauptfigur ihrer Literatur. Doch die eher weit rückwärtsgewandte gesellschaftliche Struktur der fünfziger und frühen sechziger Jahre hat sie nicht zerbrochen und mundtot machen können, sie schrieb weiter und fand im Laufe der Jahrzehnte angemessene Anerkennung. Ihr Mut, zäh und zart, wie sie selbst schrieb und es so auf ihrer Todesanzeige zitiert ist, erlahmte nie.
Die Zeiten, in denen Frauen, die literarisch arbeiten, sich männlicher Pseudonyme bedienen müssen, sind glücklicherweise vorbei. Doch zeigt gerade die Biografie von Johanna Moosdorf, wie langwierig der Prozess weiblicher Emanzipation war, in dem es auch heute noch Rückschläge und Anfeindungen gibt, gelegentlich aber auch Selbstverständlichkeiten, auf deren Erreichen wir stolz sein können.
Monika Wissel ist die erste Frau, die in Charlottenburg Bürgermeisterin wurde. Und mit mir wurde zum ersten Male in der Geschichte eine Frau Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlungen. Wir haben diese Entwicklung auch Frauen wie Johanna Moosdorf zu verdanken, die weiblich, beharrlich, fröhlich und nachdenklich, wie ich aus den Berichten über sie lesen kann, gelebt und gearbeitet hat.
Diese Gedenktafel, die wir heute enthüllen werden, wird an dieses Leben erinnern, und hoffentlich auch weitere ihrer literarischen Werke in neuer Auflage.