Emilie Winkelmann (* 8. Mai 1875; † 4. August 1951) war die erste selbstständige Architektin in Deutschland. In ihrer Geburtsstadt Aken bei Dessau erlernte sie zunächst das Zimmererhandwerk und arbeitete im Baugeschäft ihres Großvaters und in Architekturbüros, unter anderem in Berlin.
Ab 1902 studierte sie, getarnt als „Student Emil“, an der Technischen Hochschule Hannover Architektur, da Frauen damals nicht studieren durften. Auch zum Diplom wurde sie 1906 nicht zugelassen.
1907 kam sie nach Berlin und gründete dort als erste Frau ein eigenes Architekturbüro, in dem zeitweise bis zu 15 Zeichner arbeiteten.
Im gleichen Jahr gewann sie den Wettbewerb für den Bau eines Theatergebäudes mit Festsaal in der Blumenstraße 10 für 1900 Besucher, die „Prachtsäle Alt-Berlin“.
In der Folge erhielt sie mehrere Aufträge für Villen und Landhäuser, vor allem in Berlin und Umgebung, aber auch in Pommern, Mecklenburg und Schleswig. Einige ihrer Auftraggeberinnen waren wohlhabende Frauen aus der bürgerlichen Frauenbewegung, der auch Winkelmann angehörte. Im Wohnungsbau setzte sie sich besonders für die Unterbringung von Frauen in bezahlbaren Wohnungen oder Wohnheimen ein.
In der Ausstellung „Die Frau in Haus und Beruf“, die 1912 im Deutschen Lyceum-Club in Berlin gezeigt wurde, war sie für den Bereich „Die Frau in der Architektur“ verantwortlich.
Durch den Umbau des Hotels Tscheuschner in der Kurfürstenstraße 112a erhielt sie einen neuen Standort für ihr Büro.
1913 entwarf sie im Auftrag der „Genossenschaft für Frauenheimstätten“ in Neu-Babelsberg das „Haus in der Sonne“ mit 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen für alleinstehende Frauen, die nach dem Berufsleben weiterhin unabhängig, aber in Gemeinschaft leben wollten.
In Leipzig entwarf sie 1914 anlässlich der Internationalen Buchgewerbeausstellung das „Haus der Frau“ auf dem alten Messegelände.