Ende September feierte die Charlottenburger „Kleingartenkolonie Buchenweg“ ihr 70-jähriges Bestehen. Das große Gartenfest lud mit buntem Kinderprogramm und imposantem Grill- und Kuchenbuffet zahlreiche Gartenfreunde, Familien sowie Nachbarn zum Feiern und Miteinander ein.
Besonderer Gast unter den feiernden Vereinsmitgliedern und Gartenfreunden war Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann. Im Anschluss an die Festrede des Kolonievorstandes durch die 1. Vorsitzende, Christina Theodoridis, sprach Naumann seine ganz persönlichen Glückwünsche zum Ehrentag der Kolonie aus und verlieh seiner Freude über die Einladung zur Jubiläumsfeier mit einem Chrysanthementopf aus der Bezirksgärtnerei Charlottenburg-Wilmersdorf – der letzten ihrer Art in Berlin – besonderen Ausdruck.
Trotz bevorstehender Bundestagswahl folgte er der Kolonie- Einladung zu Rundgang und Fest direkt von seinem Wahlinformationsstand in die Kolonie Buchenweg.
In seiner Ansprache betonte auch er die Relevanz des Erhalts der Berliner Kleingärten:
bq. Diese grünen Oasen haben nicht nur einen positiven Einfluss auf das Großstadtklima, sie bieten neben dem notwendigen Lebensraum für Flora und Fauna eine wichtige Begegnungsstätte unterschiedlicher Generationen. Sie bieten Nährboden für ein generationsübergreifendes Miteinander wie es in unserem heutigen Großstadtleben nur noch viel zu selten stattfindet.
Für die notwendige Sicherung der Kleingartenanlagen sprach sich auch der Vorstand des Bezirksverbands Charlottenburg der Kleingärtner, vertreten durch Ursula Sydow, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands, aus und überreichte dem Kolonievorstand eine Urkunde sowie einen Scheck in Höhe von 150 Euro.
Die Nähe zur Natur stellte die am Grunewald gelegene Kolonie noch am Festtag unter Beweis, als die unbeaufsichtigten Gartenparzellen kurz von einem interessierten Wildschwein besucht wurden. Der Festbetrieb konnte ohne Unterbrechung fortgesetzt werden, als das Wildschwein von den erprobten Gartenfreunden erfolgreich zurück in den Wald getrieben werden konnte.
Auch der später einsetzende Regen trug der Feierlaune keinen Abbruch. Bis in die späten Abendstunden lachten und erzählten sich Jung und Alt, Gartenanfänger und –profis bei Speis und Trank im geheizten Festzelt Gartengeschichten aus 70 Jahren.
Eine kleine Gartenkolonie mit großem Wirkungskreis
Wenige Meter entfernt liegt das Berliner Messegelände, unter anderem Veranstaltungsstätte der Internationalen Grünen Woche Berlin. Dass die weltweit bedeutendste Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau im letzten Jahr ihr stolzes 90-jähriges Jubiläum begehen konnte, lag maßgeblich an den Berliner Kleingärtnern. Ihrer Initiative war es zu verdanken, dass die Messe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Spätsommer 1948 wieder neu belebt wurde. Die jährlich von den Kleingärtnern gestaltete Blumenhalle zählt heute zu den Publikumslieblingen auf der Grünen Woche.
Zur Kolonie Buchenweg: Mit 53 Parzellen und einer Gesamtfläche von 15.546
Quadratmetern gehört die „Kolonie Buchenweg“ im Charlottenburger Ortsteil Westend, Siedlung Eichkamp, flächenmäßig zu den kleineren ihrer Gattung. Ihre Geschichte und die Freude über das heute 70-jährige Bestehen der Kleingartenkolonie sind dafür umso größer. Mitte September 1947 gegründet, zu Zeiten als Brennholz und Lebensmittel nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin knapp waren, erlangte das „Am Buchenweg“ gelegene Brachland am Grunewald für ein paar dutzend Familien einen unermesslichen Wert. Die unter den Bewerbern verlosten 150 bis 300 Quadratmeter großen Parzellen sollten künftig Nahrung und Naherholung für ganze Generationen sichern. Einige Vertreter der damals ersten Pächterfamilien sind noch heute, inzwischen selbst seit Jahrzehnten Pächter und ihre Kinder und Enkelkinder im Garten aufwachsen sehend, Teil dieser besonderen Gartengemeinde. Das aktuell vertretene Alter unter den Pächterfamilien reicht von 1 bis 95 Jahren!
Heute unmittelbar zwischen Kitas, Schulen, Tennis- und Sportplätzen gelegen, sichert die kleine Oase im Eichkamp zwar nicht mehr in erster Linie Überleben im Sinne von Obst- und Gemüseanbau, ihre Funktion als Teil der hauptstädtischen „Grünen Lunge“ und als Lebensraum für Natur und Mensch erfüllt sie jedoch mehr denn je.
Generationsübergreifend mischen sich heute in der „Kolonie Buchenweg“ jüngere und ältere Kleingärtner, tauschen Gärtnerwissen, Früchte, Pflanzensamen und Geschichten untereinander aus, pflegen wichtige soziale Kontakte. Kita- und Schulgruppen besichtigen die kleinen Biotope. Hier brüten und fliegen zahlreiche, teils geschützte, Vogelarten und Fledermäuse, gehen Füchse und Reiher ein und aus. Angesiedelte Bienenvölker produzieren Honig und erhalten die notwendige biologische Vielfalt.
Bestandsschutz als Dauerkolonie genießt die kleine Gartenkolonie jedoch nicht. Mehrfach sollte sie Bebauungsvorhaben durch Sportstättenerweiterungen zum Opfer fallen. Das Bangen um den Fortbestand geht weiter – aktuell besteht für die Kolonie nur Bestandsschutz bis zum Jahr 2020, mit einer Verlängerung der Schutzfrist ist nicht zu rechnen.
Pressekontakt: Mandy Gutzeit, mandy@dyll.de, Kolonie Buchenweg