Drucksache - 1238/5  

 
 
Betreff: Zukunft der Wilmersdorfer Seniorenstiftung und Seniorenarbeit im Bezirk
Status:öffentlich  
 Ursprungaktuell
Initiator:Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 
Verfasser:Wapler/Kaas Elias 
Drucksache-Art:Große AnfrageGroße Anfrage
Beratungsfolge:
Bezirksverordnetenversammlung Beratung
22.08.2019 
34. Öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin      
12.09.2019 
35. Öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin vertagt   
19.09.2019 
36. außerordentliche Öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin      

Sachverhalt
Anlagen:
Große Anfrage
Große Anfrage - Beantwortung

 

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,

die Große Anfrage wird wie folgt beantwortet:

 

Zu 1. Wie viel Pflegepersonal fehlt in der Wilmersdorfer Seniorenstiftung und wie will das Bezirksamt den Pflegekräftemangel in derselben beheben?

 

In der Wilmersdorfer Seniorenstiftung fehlen aktuell Pflegefachkräfte:

 Hohensteiner Straße:                7,62 Vollzeitkräfte

 Koenigsallee:                             6,27 Vollzeitkräfte

 Lentzeallee:                               7,56 Vollzeitkräfte.

 

Insgesamt somit 21,45 Vollzeitkräfte.

 

Aktuell sind 6,00 Pflegekräfte (Vollzeitkräfte) aus Südosteuropa in Anerkennung zur Pflegefachkraft.

Bei den Pflegehelferstellen hat die Wilmersdorfer Seniorenstiftung aktuell keine Vakanz, jedoch gibt es - wie üblich - auch in dem Bereich eine Fluktuation.

Weiter beschäftigt die Wilmersdorfer Seniorenstiftung aktuell zusätzlich sieben Auszubildende zur examinierten Pflegefachkraft und hat die weiteren Vakanzen ausgeschrieben. Die Wilmersdorfer Seniorenstiftung betreibt intensiv Öffentlichkeitsarbeit über Homepage, Stiftungsmagazin, Buswerbung BVG und Facebookauftritt. Zudem sollen die Gehälter auch weiterhin an die Tarife des Öffentlichen Dienstes angeglichen werden.

 

 

Zu 2. Wie will das Bezirksamt, insbesondere die Standorte mit Sanierungsbedarf der Wilmersdorfer Seniorenstiftung im Bezirk dauerhaft erhalten?

 

Das Bezirksamt ist sich seiner Verantwortung für die Wilmersdorfer Seniorenstiftung bewusst und hat das feste Ziel, die Standorte nicht nur zu erhalten sondern insgesamt diese sowie die Stiftung in ihrer Gesamtheit weiter zu entwickeln und für die Zukunft fit zu machen. Als Standort mit Sanierungsbedarf lässt sich aktuell nur der Standort Lentzeallee beschreiben. Zur Erneuerung des Standortes gibt es seit geraumer Zeit Gespräche zwischen dem Bezirksamt und der GEWOBAG als Eigentümer und Vermieter der Gebäude. Diese entwickeln sich positiv, so dass vorsichtig optimistisch von einer erheblichen Weiterentwicklung der pflegerischen Angebote am Standort Lentzeallee unter Einbeziehung neuer Angebote wie Kurzzeit- und Tagespflege ausgegangen werden kann.

Auch der weitere Standort Hohensteiner Straße wird im Moment auf eine Erweiterung geprüft.

 

 

Zu 3: Welche Möglichkeiten sieht das Bezirksamt für den Ausbau der Seniorenarbeit? 

 

Nicht nur auf Landes- sondern auch auf Bezirksebene sind die Möglichkeiten für den Ausbau der Seniorenarbeit z.Z. vielversprechend.


Auf Landesebene werden seit März 2019 die Berliner Seniorenleitlinien umfassend überarbeitet und neu formuliert. In vier verschiedenen Handlungsfeldern (Gesellschaftliche und politische Teilhabe / Gleichberechtigte und vielfältige Teilhabe / Räumliche Bedingungen für Teilhabe/ Gesundheitliche und pflegerische  Bedingungen für Teilhabe) werden unten Beteiligung der Seniorenvertretungen und der Bezirke konkrete Maßnahmen entwickelt, die im Oktober 2019 der Fachöffentlichkeit vorgestellt werden. Die Maßnahmen sollen 2020 durch einen Senatsbeschluss verabschiedet werden.

 

In fast allen Berliner Bezirken konnten die neu eingerichteten Stellen der Altenhilfe- und Geriatriekoordination mittlerweile besetzt werden. Hier im Bezirk ist die neue Stelle seit 1. Januar 2019  als Stabsstelle in der Abteilung Soziales und Gesundheit besetzt. Die neuen Koordinatoren/innen bringen vielfältige Berufserfahrungen und Kompetenzen mit und das Interesse, sich berlinweit zu vernetzen und gemeinsame Projekte zu planen ist groß. Ein erstes Treffen mit 10 Berliner Bezirken und Vertretern/innen der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung fand bereits  im Mai 2019 im Rathaus Charlottenburg statt, das zweite Treffen ist am 22. August 2019 in  Lichtenberg geplant. Zwischendurch wurde ein Mitarbeiter aus dem Bezirk Mitte ins Rathaus Charlottenburg eingeladen, um einer kleineren Gruppe von Altenhilfe- und Geriatriekoordinatoren/innen über seine umfangreichen Erfahrungen bei der Durchführungen von repräsentativen Befragungen der älteren Bevölkerung zu berichten.

 

Auf Bezirksebene finden neben öffentliche Veranstaltungen auch umfassendere Prozesse zur Weiterentwicklung der bezirklichen Seniorenarbeit statt.

 

In Zusammenarbeit mit dem gerontopsychiatrisch-geriatrischen Verbund Charlotten-Nord (GPV) e.V. und der Abteilung Soziales und Gesundheit wurde in diesem Jahr bereits ein Runder Tisch  Pflege mit circa 40 Teilnehmern*innen am 18. Juni 2019 zum Thema „Gute Pflege in Zeiten des Fachkräftemangels“ durchgeführt. Die nächste Veranstaltung ist am 20. November 2019 zum Thema „Teilhabe von älteren Menschen“ im Bürgersaal des Rathauses Charlottenburg geplant. Ein öffentlicher Informationsnachmittag zum Thema Altersdepression wird am 1. Oktober 2019 in Kooperation mit der Medical School Berlin und der Charité ebenfalls im Bürgersaal veranstaltet.

 

Als Kompetenz+- Projekt wird zur Zeit von vier Mitarbeitern/innen des Bezirksamtes und der Altenhilfe- und Geriatriekoordinatorin ein Konzept für die Modernisierung und Digitalisierung des bislang ausschließlich in gedruckter Form vorliegenden Seniorenprogramms entwickelt.

 

Als umfassendes Projekt ist die Erstellung eines Handlungs- und Entwicklungsplans für die bezirkliche Seniorenarbeit auf Grundlage einer repräsentativen Befragung der älteren Bevölkerung im Bezirk geplant. Die Befragung soll im Herbst 2019 stattfinden. Dafür wurde bislang ein 20-seitiger Fragebogen konzipiert und mit den beteiligten Fachbereichen im Bezirksamt und der Seniorenvertretung abgestimmt. Der Fragebogen, der circa 80 Fragen u.a. zu den Themen Pflege, Wohnen im Alter, soziales Umfeld, Freizeitangebote und ehrenamtliches Engagement umfasst, wird in verschiedene Sprachen übersetzt und soll an 10.000 ältere Bürgerinnen und Bürger, die im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf leben, verschickt werden. Mit den Ergebnissen können auch aktuelle Herausforderungen, Bedarfe und Wünsche der älteren Bevölkerung bei der Erstellung eines Handlungs- und Entwicklungsplans für die bezirkliche Seniorenarbeit berücksichtigt werden.

 

Weiterhin ist vorgesehen in der Modellregion Charlottenburg-Nord eine Machbarkeitsstudie zum Thema präventive Hausbesuche durchzuführen. Dabei sollen in Kooperation mit der Gesundheitsplanung, dem Stadtteilzentrum Charlottenburg-Nord und einem externen wissenschaftlichen Institut qualitative Interviews mit schwer erreichbaren, älteren Menschen durchgeführt werden, um Zugangswege und die Umsetzbarkeit von präventiven Hausbesuchen hier im Bezirk zu untersuchen.

Dieses innovative Konzept richtet sich an selbständig lebende, ältere Menschen, die im Rahmen von Hausbesuchen frühzeitig zu Themen wie Vorsorge, Pflegebedürftigkeit und kostengünstige Freizeit- und Sportangebote beraten und falls erforderlich, werden Kontakte zu Ämtern und Unterstützungsmöglichkeiten vermittelt. Erste Evaluationsergebnisse von präventiven Hausbesuchen in anderen Kommunen haben gezeigt, dass ältere Menschen mit diesem Konzept sehr gut erreicht werden und ihre Selbständigkeit gefördert wird.

 

Insgesamt ergeben sich durch die Besetzung der Stellen der Altenhilfe- und Geriatriekoordination in fast allen Berliner Bezirken, die gute Vernetzung zwischen den Koordinatoren/innen, die enge Zusammenarbeit mit dem GPV e.V. in Charlottenburg-Wilmersdorf und die Benennung einer konkreten Ansprechpartnerin für seniorenrelevante Themen sehr gute Möglichkeiten,  den Seniorenarbeit hier im Bezirk weiter auszubauen.

 

Mit freundlichen Grüßen

D. Wagner

 

 
 

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