Inhaltsspalte

Rede der Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen zum 75jährigen Jubiläum der Kreuzkirche, Hohenzollerndamm 130, am Sonntag, dem 12.12.2004, um 10.00 Uhr

Rede der Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen

zum 75jährigen Jubiläum der Kreuzkirche, Hohenzollerndamm 130,

am Sonntag, dem 12.12.2004, um 10.00 Uhr

Sehr geehrter Herr Altbischof Dr. Kruse!
Sehr geehrter Herr Superintendent Herpich!
Sehr geehrter Herr Pfarrer Wagner!
Sehr geehrte Gemeindemitglieder!
Sehr geehrte Damen und Herren!

vielen Dank für die Einladung zu diesem schönen Kirchenjubiläum. 75 Jahre Kreuzkirche – das ist nicht nur für die Gemeinde ein großes Ereignis, sondern für ganz Schmargendorf und für unseren ganzen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die Kreuzkirche entstand am Ende der so genannten Goldenen Zwanziger Jahre. Sie waren ja keineswegs nur golden, aber das, was wir bis heute mit ihnen verbinden, ist die ungeheure kulturelle Aufbruchstimmung, die Befreiung aus der kaiserlichen Bevormundung, die internationale Öffnung, die Weltläufigkeit. Und gerade hier in Berlin war diese Aufbruchstimmung spürbar, und in dieser Kirche ist sie bis heute spürbar.

1920 war Groß-Berlin gebildet worden. Alle umliegenden Städte und Gemeinden waren zu einer Metropole zusammengefasst worden. Das bislang eher kleinstädtische Schmargendorf gehörte jetzt im Bezirk Wilmersdorf zu Berlin. Die dörflichen Spuren waren und sind bis heute noch sichtbar, aber das Lebensgefühl war jetzt ein anderes.

Wer den Wandel nachvollziehen will, der sollte einfach einmal einen Spaziergang machen von der Dorfkirche Schmargendorf an der Breiten Straße Ecke Kirchstraße über das Rathaus Schmargendorf an der Berkaer Straße bis hierher zur Kreuzkirche am Hohenzollerndamm.

Die Dorfkirche Schmargendorf ist das älteste Haus in unserem Bezirk. Sie ist charakteristisch für die Feldsteinkirchen, wie sie in den Dörfern rings um Berlin gebaut wurden. Wenn auch vielfach umgebaut, so zeugt sie doch noch immer von den Ursprüngen der Besiedelung hier in der Mark Brandenburg im Mittelalter um das Jahr 1200.

Das Rathaus Schmargendorf entstand mitten im Kaiserreich 1902. Seine märkische Backsteingotik mit Jugendstilelementen verkörpert Traditionsbewusstsein und den Stolz einer Gemeinde, die sich längst zu einem beliebten Ausflugsort entwickelt hatte.

Die märchenhafte Burgenromantik war damals beliebt und ist es bis heute – jedenfalls als Bilderbuchkulisse für Hochzeitspaare.

Dann die Kreuzkirche. Sie ist zwar jetzt 75 Jahre alt, aber sie wirkt auch auf uns heute noch modern, fast gegenwärtig. Wir spüren, dass sie uns etwas zu sagen hat. Auch hier wurde mit künstlerisch-ästhetischen Mitteln nicht gespart. Bei näherem Hinsehen fallen die kunstvoll gedrechselten Klinkersäulen auf und die sorgfältig komponierten Beziehungen zwischen Turm und Hauptgebäude. Aber hier wirkt die Kunst nicht leicht und verspielt, sondern ernst und heiter zugleich. Hier geht es nicht um äußerliche Verzierungen, sondern um Bedeutung und Symbolik. Dieses Gebäude will uns nicht nur erfreuen, sondern es will uns etwas mitteilen, etwas bewusst machen.

In dieser Kirche wissen und fühlen wir, dass wir an einem bedeutenden Ort sind. Hier werden wir ernst und nachdenklich, werden angehalten zur Besinnung auf uns selbst. Aber im Gegensatz zu den großen alten gotischen Domen will uns diese Kirche nicht klein machen, sie will nicht prunken und uns vor Staunen und Ehrfurcht erstarren lassen. Nein, diese Kirche fordert uns heraus, sie will uns Mut machen, uns mit ihr und mit uns selbst zu beschäftigen.

Ich bin froh, dass wir diese Kirche in unserem Bezirk haben, und ich bin froh, dass die Gemeinde ihre Kirche so gut pflegt, instand hält und mit Leben erfüllt. Kürzlich hat die Kunsthistorikerin Dr. Bettina Held bei einem unserer Kiezspaziergänge etwa 150 interessierten Bürgerinnen und Bürgern ihre Kirche präsentiert, und das war zweifellos der Höhepunkt dieses Kiezspazierganges. Ich möchte mich ganz herzlich bei ihr dafür bedanken.

Wenn heute Nachmittag hier das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach erklingen wird, dann treffen sich barocke Musik und die expressionistische Architektur des 20. Jahrhunderts, und ich bin sicher, dass die konzentrierte Stimmung der Kirche mit der großartigen Musik zu einem unvergesslichen Erlebnis zusammenwirken werden.

Wir werden im nächsten Jahr in unserem Bezirk ein großes Jubiläum feiern: “300 Jahre Charlottenburg”. Das mag für viele von Ihnen weit weg sein, denn was hat Schmargendorf mit Charlottenburg zu tun? Aber wir sind ja nun doch schon seit vier Jahren ein gemeinsamer Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, und deshalb lade ich Sie herzlich ein, auch dieses Jubiläum im nächsten Jahr mit uns gemeinsam zu feiern, denn wir wollen es zu einem Gemeinschaftserlebnis im ganzen Bezirk machen. Ich würde mich freuen, wenn die Kreuzkirchengemeinde einen Weg finden könnte, sich daran zu beteiligen.

Jetzt aber möchte ich Ihnen herzlich gratulieren zum 75. Geburtstag Ihrer schönen Kirche. Ich danke Ihnen für die engagierte Arbeit in der Gemeinde und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Zur Übersicht über die Reden der Bezirksbürgermeisterin