Inhaltsspalte

Thema des Monats Juli 2016

Neue Chance für den Fernbahnhof Zoo und die City-West

Der Bahnhof Zoo ist der bedeutendste Bahnhof in der westlichen City und der größte Nahverkehrsknotenpunkt Berlins. Hier treffen Fern-, S- und U-Bahn und viele Buslinien zusammen. Der Beschluss der Deutschen Bahn AG unter Bahnchef Hartmut Mehdorn, mit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs (ehem. Lehrter Bahnhof) am 28. Mai 2006 den Fernbahnhof zu schließen, löst heftige Proteste bei Geschäftsleuten, Bewohnerinnen und Bewohnern und beim Bezirksamt aus. Es gab zahlreiche Protestveranstaltungen, darunter eine von Pfarrerin Dr. Helga Frisch angeführte Bürgerinitiative, die bis Oktober 2006 140.000 Unterschriften für den Erhalt bzw. die Wiedereröffnung des Fernbahnhofs Zoo sammelte. Am 5. März 2007 forderten die Mitglieder aller Fraktionen im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, den Bahnhof Zoo wieder als Fernbahnhof und ICE-Haltestelle zu nutzen.
Auf einen Vorstoß des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD) im Mai 2016, wieder ICE und Intercitys am Bahnhof Zoo halten zu lassen, reagierte die Bahn und hält trotz der Bedenken, das der Halt von Fernzügen am Bahnhof Zoo unter Umständen für den Regionalverkehr Einschränkungen, Verspätungen und Verschiebungen bedeuten könnte, eine Wiederbelebung der Station Zoologischer Garten als Fernbahnhof für denkbar.

CDU-Fraktion

„Endlich wieder ein Halt für Fernzüge am Bahnhof Zoo“ – bei dieser richtigen aber auch simplen Forderung aus dem Bezirk darf es nicht bleiben, wenn es um die Zukunft der City-West geht. Denn der Bezirk kann viele Dinge selbst anstoßen: Endlich den Hardenbergplatz attraktiv umgestalten, das Quartier zwischen Zoo und TU zu einem modernen Stadtquartier entwickeln, Druck machen beim Umbau des Ku’damm Karrees, das „Reinhardts“ und die Kultur der Straßengastronomie am Ku’damm erhalten, gezielt Geschäftsstraßen stärken, Industrie- und Gewerbeflächen aktiv entwickeln und vieles mehr. Rot-Grün hat im Bezirk aber Wirtschaft und Wirtschaftsförderung auseinandergerissen. So verteilt der eine SPD-Stadtrat nur Strafzettel für Straßencafés, sein Genosse lässt die Wirtschaftsförderung sanft entschlafen. Da bleibt wohl nur, auf die Bahn zu schimpfen.
Paul-Georg Garmer

SPD-Fraktion

Ja! Ausdauer in der Kritik zahlt sich aus. Die SPD nutzt jede Gelegenheit, zuletzt durch Senator Geisel. Zoo hat die beste ÖPNV-Anbindung. Im Umfeld entstehen u.a. Hotels und Tagungsmöglichkeiten. Endlich gibt es neue „Zwischentöne“ von DB-Vertretern: „Die Entscheidung Zoo ist nicht für immer in Beton gegossen und sollte geprüft werden.“ Dies lässt aufhorchen. Der Halt zweier Interregio-Express-Züge über Lüneburg nach Hamburg sollte ein Neuanfang ein. Der Halt von Fernzügen könnte stufenweise erfolgen. Kurzfristig ist der Halt von ICE-Zügen in Tagesrandlage und weiterer IC-Züge u.a. nach Polen problemlos möglich. Die SPD-Fraktion unterstützt den Vorschlag des neuen DB Konzernbeauftragten, die Potsdamer Stammbahn zu reaktivieren. Dann könnten auch bei weiteren Zuwächsen alle ICE-Züge am Zoo halten. Und das wollen wir!
Dr. Jürgen Murach

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Es ist ganz klar, dass der Bahnhof ZOO wieder an die Fernbahn angeschlossen werden muss. Wir sind Weltstadt und wir sind eine wachsende Stadt. Die City West ist einer der wirtschafsstärksten Bezirke und somit Ziel für viele Touristen. Diese erst hin und her durch die Stadt zu schicken, verursacht nur unnötige Verkehrsströme und steht nicht für eine Willkommenskultur in der Stadt. Auch für Geschäftsreisende wird die Bahn wieder ein attraktiveres Beförderungsmittel, wenn sie am Bahnhof ZOO hält. Die Idee der Bahn, den Hauptbahnhof attraktiver zu machen durch nur einen Stopp im Innenstadtbereich, ist längst überholt und nicht fahrgastfreundlich. Diese Politik führt letztendlich nur dazu, dass mehr Menschen das Auto nutzen. Es gibt verkehrspolitisch keine andere, sinnvolle Lösung: Der Bahnhof ZOO muss wieder ans Netz!
Roland Prejawa

Piraten-Fraktion

Mit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs am 28. Mai 2006 strich die Deutsche Bahn alle Stopps ihrer ICEs am Bahnhof Zoologischer Garten. Der letzte ICE verkehrte dort am 26. Mai 2006. Das häufigste Argument, Halte am Bahnhof Zoo wären der Pünktlichkeit abträglich, trifft nicht zu, denn es gibt bereits jetzt große Unpünktlichkeiten tagsüber sowohl bei der S-Bahn wie auch den Regionalzügen.
Gründe für eine Wiederaufnahme gibt es dafür einige: wer einmal mit einem ICE gegen 23.00 Uhr am Bahnhof Spandau ankam und dann mit dem ÖPNV weiterfahren wollte, konnte feststellen, dass vor allem die Busse so selten fahren, dass sich eine Weiterfahrt sehr verzögert. Ein Halt von “Randverbindungen”, d.h. sehr früh morgens und abends wäre sehr sinnvoll. Ein weiterer Grund: der stetige Bevölkerungszuwachs Berlins.
Holger Pabst