Kooperation sollte Angebot und Aufgabe sein. Dass sich lediglich Investoren, Grundeigentümer und Verwaltung bei einem Bauvorhaben untereinander abstimmten und dies zu unkontrollierbarem Filz führte, gab bereits 1960 den Anlass, BürgerInnen per Bundesbaugesetz Informationsrechte zuzugestehen. Keine fünf Jahre später bekam die Verwaltung jedoch schon zu spüren, dass eine Akzeptanz für Bauvorhaben nicht per Routineverfahren hergestellt werden konnte. Der Mythos der 70er Jahre lebt von Hausbesetzerbildern und der Forderung nach mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten an Planungsvorhaben in den Kiezen. Die Politik erkannte, dass Staats- und BürgerInnenwille nicht per Gesetz in Übereinstimmung gebracht werden konnten, sondern dass man auf die Mitwirkung der Menschen vor Ort angewiesen war. – Die “Beteiligungsgeschichte” der Bundesrepublik liest sich wie ein ständig bunter werdender Strauß an Möglichkeiten, sich einzumischen: Bürgerinitiativen, Stadtforen,
Nachbarschaftshilfen, Public-Private-Partnership… Aber wie es wirklich steht um den “kooperativen” Staat, zeigen auch die jüngsten Debatten um Bürohauspläne in unserem Bezirk: Wenn die Staatskassen leer sind, dürfen die Privatinvestoren ran. Und letztere wissen, dass sich mit ökologischen und sozialen Zielen kein schneller Gewinn machen lässt. Wie aber soll es dann weitergehen in der Misere? Allein den Mut zu finden, diese Frage an das “Publikum” zu stellen, wäre schon ein Schritt nach vorn.
Benjamin Apeloig, Jürgen Hornig