Inhaltsspalte

Thema des Monats Juni 2006

Kulturforum am Schloss - Spandauer Damm 17 - ein neuer Standort für die bezirkliche Kultur

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Das Haus am Spandauer Damm 17 wurde 1893 als Wohnhaus für Unteroffiziere gebaut. Es liegt direkt gegenüber dem Schloss Charlottenburg und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sammlung Berggruen und der Sammlung Bröhan. Zuletzt war darin eine Kita untergebracht. Jetzt ist hier ein neuer Standort für die Kunst im Bezirk geplant. Die Kunstsammlung Charlottenburg und aktuelle Kunst soll hier präsentiert und dabei auch der Garten miteinbezogen werden.
Damit wird der Bezirk mit einer Kultureinrichtung direkt an diesem prominenten Kulturstandort vertreten sein und eine stärkere Vernetzung mit den bereits vorhandenen Einrichtungen, dem Heimatmuseum in der Schloßstraße 69 und der Villa Oppenheim in der Schloßstr. 55 wird möglich.

SPD-Fraktion

Gegenüber vom Schloss Charlottenburg wird der Bezirk Charlottenburg Wilmersdorf in der ehemaligen Kita am Spandauer Damm 17 nun erstmalig seinen wertvollen Kunstbesitz präsentieren können. Dieser wurde bisher größtenteils in den Archiven gelagert. Ausgestellt werden sollen Gemälde, Grafiken, Skulpturen von der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bis 1945. Viele dieser Werke wurden von der vor 1920 selbständigen Stadt Charlottenburg zur Unterstützung von Künstlerinnen und Künstler angekauft. Andere Werke stammen aus der Raussendorf-Stiftung. Der Name geht zurück auf das Mäzenaten-Ehepaar Hugo und Antoine Raussendorf, die der Stadt Charlottenburg eine Millionen-Stiftung vermacht haben, darunter Bilder der Berliner Secession. Ein Portrait von Max Liebermann wird erstmals gezeigt werden können. Neben Gemälden werden auch Meißner Porzellan und Plastiken zu sehen sein. Wechselnde Ausstellungen werden sich zudem mit der vielfältigen und vielschichtigen Geschichte und Gegenwart des Bezirks auseinandersetzen. Das Haus muss umgestaltet und saniert werden. Das kostet Geld, das zur Stärkung des Kulturstandortes Charlottenburg-Wilmersdorf gut angelegt ist. Die SPD-Fraktion freut sich über die kulturelle Bereicherung für die Bürgerinnen und Bürger in unserem Bezirk.
Gisela Meunier

CDU-Fraktion

Die CDU begrüßt die vorgesehene Neugliederung des kulturellen Angebotes im Bezirk. Nach dem Wegzug des einmaligen Ägyptischen Museums mit dem Anziehungspunkt „Nofretete“ können wir uns neben dem Bröhan-Museum und der Sammlung Marx eine weitere bezirkliche kulturelle Einrichtung als wünschenswerte Ergänzung gut vorstellen. Der Bezirk verfügt über etliche Kunstwerke, vor allem der Malerei, die bisher eher unbeachtet in Magazinen lagern. In den neu zu schaffenden Ausstellungsräumen würden sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Um jedoch dem anspruchsvollen Namen „Forum“ gerecht zu werden, bedarf es allerdings der langfristigen Sicherung der beiden anderen bezirklichen Einrichtungen in unmittelbarer Nähe, des „Heimatmuseums“ und der „Villa Oppenheim / Galerie für Gegenwartskunst“. Nur das Zusammenspiel dieser drei Häuser wird den Besucherinnen und Besuchern einen repräsentativen Überblick über das bezirkliche kulturelle Angebot geben und deren dauerhaftes Interesse wecken. Zunächst muss das Bezirksamt allerdings ein überschaubares und realistisches finanzielles Konzept vorlegen. Die Umbauten der ehemaligen Kindertagesstätte zu Museumsräumen erfordern eine stattliche Summe. Ebenso erwartet die CDU-Fraktion ein tragbares personelles Konzept. Derzeit arbeiten alle bisher vorhandenen Einrichtungen mit einem Minimum an Personal. Allerdings können wir uns einen verstärkten Einsatz von ehrenamtlich Tätigen vorstellen.
Marion Halten-Bartels

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Eine Kita zieht aus, ein historisch wertvolles Gebäude nahe dem Schloss steht leer. Hier einen neuen Standort für die bezirkliche Kultur zu entwickeln, liegt nahe und ist mit allen Kräften zu unterstützen. Das Konzept des Fachbereichs Kultur, Werke aus dem Fundus der einst reichen bürgerlichen Stadt Charlottenburg zu zeigen, diese Werke und das Haus durch wechselnde Ausstellungen in einen historischen Zusammenhang zu stellen sowie dem Heimatmuseum benötigten zusätzlichen Raum zu geben, erscheint überzeugend. Bis hierher sind sich alle einig.
Das “aber” hängt wie so oft mit der Finanzmisere des Bezirks zusammen: Können wir uns diesen neuen Standort leisten? Was wird aus der Kommunalen Galerie? Sie soll auf 600 qm reduziert werden, die anderen 600 qm an kulturnahe Einrichtungen vermietet werden. Wie kann das aussehen? Wie hoch sind die laufenden Kosten der verbleibenden Galerie und des neuen Hauses? Es genügt nicht, die Betriebskosten aufzubringen. Bei der minimalen Personalausstattung sind auch Sach- und Honorarmittel erforderlich. Auf MAE-Beschäftigte und Ehrenamtliche zu hoffen, ist zu wenig.
Nur ein Gesamtkonzept für alle Kulturstandorte des Bezirks, das die Finanzierung bewältigt und die von allen begrüßte Öffnung für aktivierende Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren weiterführt und intensiviert, kann das neue Haus und die “alten” Einrichtungen zum Erfolg führen.
Dr. Jürgen Hess

FDP-Fraktion

Das Kommandantenhaus gehört zum Gebäudeensemble Bröhan-Museum und Museum Berggruen, und es ist in besonderer Weise geeignet, als hervorragender Kulturstandort in Charlottenburg-Wilmersdorf genutzt zu werden, als Dreiklang der bezirklichen Kultur mit dem benachbarten Heimatmuseum und der Villa Oppenheim.
So lassen sich die Charlottenburger Kunstsammlungen als bürgerlichen Kontrapunkt zum gegenüberliegenden Schloss Charlottenburg präsentieren, und es entsteht ein zusätzlicher Veranstaltungsort für das beengte Heimatmuseum. Eine gemeinsame Nutzung der Hofanlage mit den benachbarten Museen bei Sommerfesten bietet sich an, und es lassen sich Synergieeffekte bei der Langen Nacht der Museen nutzen.
Wegen der knappen Geldmittel, die dem Bezirksamt zur Verfügung stehen, sollte auf eine aufwendige Renovierung des gut erhaltenen Gebäudes, insbesondere auf den kostspieligen Einbau eines Fahrstuhles, verzichtet werden. Zu hohe Ansprüche verzögern die baldige Eröffnung dieses baulichen Kleinods als neuer bezirklicher Kulturstandort.
Jürg Schacher

Fraktionslose Bezirksverordnete (Die Linkspartei.PDS)

Die Berliner Kulturlandschaft ist in Bewegung geraten. Durch die Konzentration lange getrennter Sammlungen soll die Attraktivität erhöht werden – das gilt für das Pergamonmuseum genauso wie für die Berliner Stadtmuseen und das kann sogar ein richtiger Weg sein. Schließlich will Berlin als Kultur- und Wissensstandort glänzen.
Doch was im Großen richtig ist, muss nicht auch im Kleinen das Beste sein. Die Pläne für die Einrichtung eines zweiten Standbeines der Kommunalen Galerie in der ehemaligen Kita am Spandauer Damm sollten noch einmal gründlich überdacht werden.
Präsentiert werden soll dort die Kunstsammlung über Charlottenburg, die vor 100 Jahren von Bürgerdeputierten initiiert wurde. Diese Idee passt gut zu der zunehmenden Musealisierung der Kulturlandschaft, bedenkt man zum Beispiel, dass der Schlosspark gegenüber zum Gartendenkmal umgetopft wird.
In den letzten 100 Jahren hat sich der Kulturbegriff gewandelt, genauso wie das Leben um das Schloss herum. Bildung und Integration sind nur zwei von vielen Themen, die auch zur Kultur gehören – eine interkulturelle Begegnungsstätte wäre eine lebendige Ergänzung der bereits bestehenden Museen entlang der Schloßstraße.
Benjamin Apeloig, Dr. Günther Bärwolff